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Die Intellektuellen mal wieder – doch eine aussterbende Spezies? No ratings yet.

sozlog » Blog Archive » Vom Verschwinden des Intellektuellen*

Das Thema wird hier anscheinend zum wirklichen Thema, was nun so verwunderlich auch wieder nicht ist. Was sich in „der“ Wissenschaft und den Hochschulen verändert (hat) und mit welchen zukünftig möglichen Auswirkungen wird von Tina Guenther mit Hinweisen auf weitere Publikationen zusammengefasst. Ein lesenswerter Beitrag.

Den Sozial- und Geisteswissenschaften geht es gut.
(…)
Doch spätestens mit Einführung von Bachelor, Master und Ph.D. (meinem Eindruck nach jedoch bereits zuvor) hat sich das Studium fundamental verändert.** Die Veränderung geht auf Kosten des Verständnisses für große Zusammenhänge aufgrund umfangreicher Lektüre hin zum Sammeln verwertbarer Wissensgehalte und zum Einsammeln benötigter Zertifikate.

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Dahrendorf und die Intellektuellen No ratings yet.

Versuchungen der Unfreiheit. Die Intellektuellen in Zeiten der Prüfung

Author: Ralf Dahrendorf

Year: 2006

Publisher: Beck

ISBN: 3406540546

Plädoyer für Erasmus
Ralf Dahrendorf über die Verantwortung der Intellektuellen in der NZZ, 21. März 2006, Ressort Feuilleton

von Martin Meyer

Ralf Dahrendorfs neues Buch ist kein Schwergewicht. Weder bietet es viel Systematisches zur Sache, noch lockt – oder schreckt – es mit einem Apparat von Fussnoten und Anmerkungen. Stattdessen verführt es zum Lesen, zum Nachdenken, auch da und dort zu Einwand und Widerspruch. Wovon handelt es? Von den Intellektuellen; von Positionen und Begriffen des Denkens zu Zeiten, da das Politische unter Druck steht; von Verführungen der Macht, wenn diese ins Totale ausgreift und nun auch den Geist auf die Probe stellt; schliesslich von der Freiheit, deren Werte eben dagegen – gegen Weltbilder der ideologischen Verschärfung von links wie von rechts – zu verteidigen wären. Bedeutende Köpfe von Platon bis zu Heidegger und Sartre fielen der Versuchung anheim, ihre Theorien mit den Realien der Herrschaft zu harmonisieren. Andere aber behaupteten ihre Unabhängigkeit, zumal in Formen der Kritik am Furor der totalitären Lebensführung.

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Julian Barnes: The Man in the Red Coat / Der Mann im roten Rock (2019 / 2021) 3.33/5 (3)

56644641. sy475 Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische.

Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller.

Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent.

Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

Hardcover, 304 pages
Published January 14th 2021 by Kiepenheuer&Witsch (first published November 7th 2019)
Original Title The Man in the Red Coat
ISBN 3462054767 (ISBN13: 9781473574038)
Edition Language German

Setting
Paris, 1885 (France)

de.wikipedia.org

WDR: Julian Barnes – Der Mann im roten Rock Von Ulrich Rüdenauer Julian Barnes neues Buch „Der Mann im roten Rock“ ist ein geistreicher, fulminanter Essay über die Kunst und das Leben – und zugleich das Plädoyer für ein weltoffenes Europa. WDR 3 Buchkritik. 14.01.2021.

 

ZEIT: Eine glänzende Epoche. Von Paris nach London und zurück: Julian Barnes führt in seinem Buch „Der Mann im roten Rock“ durch diese Metropolen vor 1900 und erzählt von märchenhaften Salons, von Eitelkeit, Kunst, Prominenz und einem faszinierenden kulturellen Aufbruch. Von Susanne Mayer 17. März 2021, 17:00 Uhr ZEIT Literatur Nr. 12/2021, 18. März 2021

 

DLF Kultur: Wimmelbild der Belle Époque Von Sigrid Löffler – Patchwork aus Klatsch und Tratsch, Streitereien, Duellen aus nichtigem Anlass und allerhand ästhetischen und sexuellen Exzessen: So beschreibt Julian Barnes die Belle Époque.

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Joseph Hanimann: Allez la France!: Aufbruch und Revolte – Porträt einer radikalen Nation (2017) 3/5 (5)

36371074. sy475 „Gott wohnt noch immer in Frankreich, doch er langweilt sich. Über Frankreich, das lange tonangebend war in Europa, ist hysterische Stille eingekehrt.“ Joseph Hanimann

Frankreich ist zu einem großen Rätsel geworden. Das Sehnsuchtsziel so vieler Künstler, Intellektueller und Liebhaber des Laisser-faire, Traumland des Genusses und Inbegriff der Lebensfreude, politischer Taktgeber und revolutionärer Querdenker – all dies scheint Vergangenheit. Einst radikal in seinem Willen zur gesellschaftlichen Veränderung, ist Frankreich nun ebenso radikal in seiner Verweigerung des Wandels.

„Es soll besser werden, aber sich nichts ändern “ – niemand lebt diesen Slogan derzeit so konsequent wie Frankreich.

Dieses Buch ist das kenntnisreiche Porträt eines Landes, das zwischen innerer Erstarrung und revolutionärem Gestus verharrt.

Hardcover, 224 pages
Published September 8th 2017 by Orell Füssli Verlag
ISBN13 9783280056622
Edition Language German

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Pankaj Mishra: Das Zeitalter des Zorns: Eine Geschichte der Gegenwart (2017) No ratings yet.

36039405. sy475 Wie können wir den Ursprung des Hasses erklären, der unsere Welt überzieht – von Amokläufern über den IS bis hin zu Donald Trump, von rachsüchtigem Nationalismus bis zu Rassismus und Frauenfeindlichkeit in den Sozialen Medien?

Der britisch-indische Intellektuelle Pankaj Mishra gibt in seinem neuen Buch eine überraschende Erklärung. Indem er zunächst den Blick bis hin zurück ins 18. Jahrhundert richtet, zeigt er, wie schon im Prozess der Modernisierung diejenigen, die nicht davon profitiert haben, anfällig für Demagogen waren.

Und alle anderen, die zu spät kamen, zurückgelassen oder ausgegrenzt wurden sind, immer auf erschreckend gleiche Weise reagiert haben: mit Hass auf erfundene Feinde, dem Heraufbeschwören eines imaginären Goldenen Zeitalters und der Selbstermächtigung durch spektakuläre Gewalt.

Heute wie damals treiben Massenpolitik, Technologie und das Streben nach Reichtum und Individualismus Millionen von Menschen ziellos in eine demoralisierte Welt: Entwurzelte, die von der Moderne nicht profitieren – mit denselben schrecklichen Folgen.

Eine brillante und höchst aktuelle Deutung der Gegenwart, wie sie nur ein wahrhaft »globaler Intellektueller« (SZ) vorlegen kann.»

Mit tiefem Verständnis sowohl der westlichen wie der nichtwestlichen Geschichte bekommt Pankaj Mishra, wie niemand vor ihm, das Elend im Herzen dieser gefährlichen Zeiten in den Griff. Das ist das erstaunlichste, überzeugendste und verstörendste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.« Joe Sacco»Zwingend, tiefgründig und genau zur richtigen Zeit.« John Banville

Übersetzt von Michael Bischoff, Laura Su Bischoff
Hardcover, 416 pages
Published June 22nd 2017 by S. FISCHER (first published January 26th 2017)
Original Title Age of Anger: A History of the Present
ISBN 3103972652 (ISBN13: 9783103972658)
Edition Language German

Literary Awards
Orwell Prize Nominee for Longlist (2018)

ZEIT: Pankaj Mishra: „Der Wunsch nach Zerstörung ist Teil moderner Gesellschaften“. Woher kommt die Wut auf der Welt? Der indische Schriftsteller Pankaj Mishra spricht über globalen Terrorismus, das Erbe der Aufklärung und die Verlierer der Geschichte. Interview: Kevin Neuroth 1. Juli 2017

ZEIT: Kampflinie im Herzen. Pankaj Mishra deutet die Verwerfungen des Kapitalismus aus einem Geburtsfehler der europäischen Moderne. Von Stefan Weidner. 12. Juli 2017

DLF: Ein Unbehagen an der Moderne. „Es gibt weit mehr Sehnsüchte, als sich im Zeitalter der Freiheit und des Unternehmertums legitim verwirklichen lassen“, schreibt der indische Essayist Pankaj Mishra in „Das Zeitalter des Zorns“. Sein neues Buch beschreibt das Unbehagen an der Moderne und ist eine Kritik an einem nicht zur Selbstreflexion fähigen Liberalismus. Von Ulrich Rüdenauer 19.07.2017

ZEIT: Zeitalter des Zorns. Endlich einer, der sich einen Reim auf unsere Gegenwart machen kann: Eine Begegnung mit dem globalen Intellektuellen Pankaj Mishra, der wie kein Zweiter die Lebenslügen des Westens entlarvt. Von Jan Roß. 26. Dezember 2019

"Zeitalter des Zorns": Das explosive Gefühl, zu kurz zu kommen: Protest gegen die Rentenreform in Paris.

Das explosive Gefühl, zu kurz zu kommen: Protest gegen die Rentenreform in Paris. © Kiran Ridley/?Getty Images

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Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund: Die Frankfurter Schule und ihre Zeit (2016 / 2019) 3.33/5 (6)

48741605. sx318 Sie überlebten zwei Weltkriege, erlebten den Rassismus, flohen vor dem Nationalsozialismus. Sie entgingen dem Holocaust und überlebten eine Odyssee. Adorno und Horkheimer hatten den Mut, nach dem Krieg aus dem amerikanischen Exil nach Deutschland zurückzukommen, um eine andere, humanere Gesellschaft aufzubauen.

Sie waren großbürgerlich, gebildet und elitär – allen voran ihr Papst, Theodor W. Adorno, und ihr Finanz- und Außenminister, Max Horkheimer. Stuart Jeffries entwirft eine vielschichtige Biographie der Frankfurter Schule, die sich mitten im Zeitalter der Extreme des 20. Jahrhundert ereignet. Mitreißend schildert er, wie Mitte der 20er bis Ende der 60er Jahre ihre gesellschaftlichen Utopien entstehen. Kritisch beobachtet Jeffries, wie die 68er-Bewegung aus der Frankfurter Schule hervorgeht und sich etliche 68er zur Gewalt bekennen. Ironisch hält er fest, wie auch diese Rebellion scheitert und vermerkt bitter, dass die »Schule« geschlossen wird. Und dennoch stellte die Frankfurter Schule fast alles vom Kopf auf die Füße: Entschieden wehrten sie sich gegen die Seilschaften alter Nazis und äußerten sich über Jahrzehnte hinweg unmissverständlich gegen Populismus, rechte Ideologie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Kapitalismus, Beherrschung von Natur und Mensch. Die deutsche Gesellschaft ist seither eine ganz andere: freier, offener, (selbst-)kritischer.

»Eine fesselnde Geschichte des Lebens und der wichtigsten Ideen der führenden Denker der Frankfurter Schule.«
New York Review of Books

»Eine leicht zugängliche, unterhaltsame Geschichte von einer der beeindruckenderen intellektuellen Bewegungen des 20. Jahrhunderts.«
Owen Hatherley, The Guardian

Susanne Held (Translator)
Hardcover, 509 pages
Published October 13th 2019 by Klett-Cotta (first published 2016)
Original Title Grand Hotel Abyss: The Lives of the Frankfurt School
ISBN 3608964312 (ISBN13: 9783608964318)
Edition Language German

ZEIT: Wenn Söhne rebellieren. Über den Atlantik und zurück: Stuart Jeffries schildert die Geschichte der Frankfurter Schule als global einflussreichen Aufbruch junger jüdischer Intellektueller. Eine Rezension von Alexander Cammann. 21. November 2019

DLF: Stuart Jeffries: „Grand Hotel Abgrund“Als Adorno in New York keine Freunde fand. Von Marko Martin Beitrag vom 07.10.2019

SZ: Gesellschaftstheorie:Denken für die Menschheit. Von Horkheimer bis Habermas: Der britische Publizist Stuart Jeffries führt durch die Geschichte der Frankfurter Schule, die einer ihrer Kritiker als „Grand Hotel Abgrund“ ironisierte. Von Johan Schloemann 4. Oktober 2019, 17:34 Uhr

ZEIT: Dies sonderbare Gespinst aus Raum und Zeit. Dem faszinierenden Denker Walter Benjamin ist eine monumentale Biografie gewidmet. Und die ersten Bände einer neuen, ehrgeizigen Werkausgabe liegen bereits vor. Von Alexander Cammann. 22. April 2010 Quelle: DIE ZEIT, 22.04.2010 Nr. 17

ZEIT: Max Horkheimer – Thema

ZEIT: „Er wusste schon, wer er war“. Vor 50 Jahren starb Theodor W. Adorno. Seine geschwisterliche Freundin Lotte Tobisch erinnert sich an den Großintellektuellen. Interview: Thomas Mießgang. 7. August 2019, 16:50 Uhr Editiert am 9. August 2019, 18:14 Uhr ZEIT Österreich Nr. 33/2019, 8. August 2019

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Iris Radisch: Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben. Von Sartre bis Houellebecq (2017) 4.1/5 (10)

37927535. sy475 Jean-Paul Sartre hat einst eine ganze Generation in Europa politisch geprägt. Michel Houellebecq beschreibt inzwischen Frankreich als Land in der Krise. Die französische Literatur der Nachkriegszeit war stets Programm, mal existenzialistisch, mal politisch, immer verführerisch.

Iris Radisch begibt sich auf einen Streifzug durch die neuere französische Literatur und stellt die wichtigsten Autoren vor. die «Zeit»-Journalistin und Verfasserin eines Bestsellers über Camus lässt sich von ihren eigenen Treffen mit den Autoren leiten und liefert einen einfühlsamen Überblick über die Welt von Sartre und Duras bis zu Patrick Modiano, Yasmina Reza und Houellebecq.

Das Buch ist ein persönlicher Kanon der bedeutendsten Schriftsteller Frankreichs – und richtet sich an alle, für die das Land schon immer der kulturelle und literarische Sehnsuchtsort war. In einem Jahr, in dem in Frankreich gewählt wurde und das Land vor einer ungewissen Zukunft steht, ist das Buch gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Debatte über den intellektuellen Zustand unseres Nachbarlandes.

Hardcover, 240 pages
Published September 22nd 2017 by Rowohl Verlag
Original Title Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben
ISBN 3498058142 (ISBN13: 9783498058142)
Edition Language German

 

ZEIT: Die neue Aufrichtigkeit. Einst war Frankreich literarisch eine Weltmacht, doch zu Beginn des neuen Jahrhunderts legte es eine Sendepause ein. Das war der Houellebecq-Schock. Jetzt meldet sich das Land machtvoll zurück. Von Iris Radisch am 4. Oktober 2017

Autoren und Autorinnen – lesenswerte Werke

  • Jean-Paul Sarte: Die Wörter
  • Albert Camus: Der erste Mensch
  • Simone de Beauvoir: Der Lauf der Dinge
  • Antoine de Saint-Exupéry: Die Stadt der Wüste
  • Samuel Beckett: Erste Liebe
  • Michel Leiris: Mannesalter
  • Eugéne Ionesco: Auf den Gipfeln der Verzweiflung
  • E.M. Cioron: Lehre vom Zerfall
  • Nathalie Sarraute: Kindheit
  • Michel  Butor: Paris – Rom oder Die Modifikation
  • Claude Simon: Das Seil
  • Roland Barthes: Tagebuch der Trauer
  • Julien Green: Tagebücher
  • Georges Perec: Die Dinge
  • Patrick Modiano: Im Café der verlorenen Jugend
  • Assia Djebar: Nirgendwo im Hause meines Vaters
  • Jean-Marie Gustave Le Clézio: Wüste
  • Annie Ernaux: Die Jahre
  • Margerite Duras: Der Liebehaber
  • Marie N Diaye: Drei starke Frauen
  • Pierre Mechon: Leben der kleinen Toten
  • Yasmina Reza: Nirgendwo
  • Emmanuel Carrère: Das Reich Gottes
  • Michel Houellebecq: Unterwerfung

 

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Péter Nádas: Buch der Erinnerung (1994, orig. 1986) 3.33/5 (3)

Buch der ErinnerungDas Buch der Erinnerung von Péter Nádas, ein Meilenstein der ungarischen Nachkriegsliteratur, zeichnet ein Bild des 20. Jahrhunderts, indem es die Erschütterungen und Wechsellagen seiner äußeren Geschichte mit einer eindringlichen Beschreibung und Analyse des Gefühlslebens in Verbindung bringt. Es dokumentiert das Lebensgefühl eines Intellektuellen in der Auseinandersetzung mit einem menschenfeindlichen System.

Entstehung: Elf Jahre lang arbeitete Nádas an seinem über 1300 Seiten starken Roman. Wie er in einem Vorspann zur deutschen Ausgabe mitteilte, war es sein Anliegen, parallele Erinnerungen verschiedener Personen zu verschiedenen Zeiten so niederzuschreiben, als wären alle diese Personen er, ohne dass er es wirklich wäre.
Inhalt: Im Mittelpunkt des Romans steht ein etwa 30-jähriger ungarischer Schriftsteller. Dieser namenlose Ich-Erzähler befindet sich Anfang der 1970er Jahre in Ostberlin. Er durchlebt eine Krise, da sein geliebter Freund Melchior, ein deutscher Schriftsteller, in den Westen geflohen ist. Der Erzähler kehrt daraufhin nach Ungarn zurück und beginnt mit der Aufzeichnung seiner Erinnerungen. Um sich des eigenen Schicksals bewusst zu werden, entwirft er einen Roman um einen Schriftsteller, der sich zu Beginn des Jahrhunderts in Berlin und im Ostseebad Heiligendamm aufhält. Dieser Erzählstrang, aus der Perspektive der Hauptfigur ebenfalls in Ich-Form erzählt, ist die zweite Ebene des Romans. Die dritte führt in das Budapest der 1950er Jahre und schildert die schreckliche Kindheit des ersten Erzählers in einer großbürgerlichen Familie während der Zeit der stalinistischen Diktatur Rákosis.
Der aus Ostberlin nach Budapest zurückgekehrte Erzähler stirbt schließlich eines gewaltsamen Todes; er wird von Motorradfahrern vorsätzlich überfahren. Krisztian, ein alter Schulfreund des Erzählers, nimmt das Erinnerungsbuch an sich, betrachtet die dort geschilderte, gemeinsam verbrachte Kindheit aus seiner Perspektive und sinniert über die Existenz und Identität seines toten Freundes.

Struktur: Das Buch besitzt einen äußerst komplexen Aufbau, der vom Leser ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft fordert. Es führt in ein Labyrinth aus Raum und Zeit, in dem sich die unterschiedlichen Ebenen vielfach verbinden und überlagern. Es tritt eine Fülle von Personen auf, deren Lebenskreise sich berühren und schneiden. Den Kern des Romans bildet die Verknüpfung zweier Biografien: die des ungarischen Schriftstellers, der seine Vergangenheit erforscht, und jene des jungen Deutschen, der ein Produkt der Fantasie der Hauptfigur ist.
Der Text ist in drei Haupt-Erzählstränge gegliedert, in denen ein jeweils anderer Ich-Erzähler an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten auftritt. Diese parallelen Erinne- rungen sind jedoch nicht einander nachgestellt, sondern ineinander verschachtelt. Auch innerhalb der einzelnen Erzählstränge wird die Handlung immer wieder von akribisch und minutiös geschilderten Episoden, Bildern und Befindlichkeiten unterbrochen. Selbst auf der Ebene der einzelnen Sätze – lange Sätze, die kunstvoll komponiert und verschachtelt sind – wird dieses Prinzip des Unterbrechens und Hinhaltens angewendet. Inhalt und Sprache des Texts entsprechen dem Wesen des Erinnerns, sie folgen dem unberechenbaren Strom der Erinnerungen.

Wirkung: Das Buch der Erinnerung begründete Nádas’ internationalen Ruf als Schriftsteller und wurde mit zahlreichen renommierten Literatur-Preisen ausgezeichnet. R. F.

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

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Didier Eribon: Rückkehr nach Reims (2016, orig. 2009) 3.86/5 (7)

Rückkehr nach Reims Als sein Vater stirbt, reist Didier Eribon zum ersten Mal nach Jahrzehnten in seine Heimatstadt. Gemeinsam mit seiner Mutter sieht er sich Fotos an – das ist die Ausgangskonstellation dieses Buchs, das autobiografisches Schreiben mit soziologischer Reflexion verknüpft.

Eribon realisiert, wie sehr er unter der Homophobie seines Herkunftsmilieus litt und dass es der Habitus einer armen Arbeiterfamilie war, der es ihm schwer machte, in der Pariser Gesellschaft Fuß zu fassen. Darüber hinaus liefert er eine Analyse des sozialen und intellektuellen Lebens seit den fünfziger Jahren und fragt, warum ein Teil der Arbeiterschaft zum Front National übergelaufen ist.

Das Buch sorgt seit seinem Erscheinen international für Aufsehen. So widmete Édouard Louis dem Autor seinen Bestseller »Das Ende von Eddy«.

  • Paperback, edition suhrkamp, 240 pages
  • Published May 8th 2016 by Suhrkamp (first published September 30th 2009)
  • Original Title Retour à Reims
  • ISBN13 9783518072523
  • Edition Language German

 

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Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906 / 2013) 4.09/5 (11)

25478311

Törleß, Reiting und Beineberg bekommen mit, wie der jüngere Mitschüler Basini stiehlt. Doch sie bewahren Ihr Wissen für sich – als sadistisches Machtinstrument: Beineberg und Reiting versklaven, misshandeln und foltern Basini physisch und sexuell.
Törleß hingegen versucht darüber hinaus und zunehmend eher die psychische Zusammenhänge zu ergründen. Reiz an Demütigung, Faszination der Macht, Abgründe menschlicher Psyche, gruppendynamischen Mechanismen, psychische und intellektuelle Entwicklung der Pubertätszeit sind zentrale Aspekte des hochpsychologisierten Werkes, dessen Handlung im Provinzinternat der österreichisch-ungarischen k. und k.-Monarchie spielt.
 

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Philip Roth: Empörung (2009) No ratings yet.

: B Ü C H E R G I L D E | Roth, Philip | Empörung

Wie wollen wir leben? Wollen wir die Traditionen unserer Eltern fortsetzen – oder müssen wir unser Leben selbst in die Hand nehmen? Philip Roth hat den Roman eines jungen Menschen geschrieben, der revoltiert.

Philip Roth Talks About „Indignation“ 06:32 bei amazon.com

1951, im zweiten Jahr des Koreakriegs, beginnt Marcus Messner aus Newark, New Jersey, sein erstes Semester am idyllischen, konservativen College von Winesburg in Ohio. Warum ausgerechnet hier? Weil sein Vater, ein arbeitsamer, aufrechter Metzger im jüdischen Viertel von Newark, allem Anschein nach verrückt geworden ist – verrückt vor Angst vor den Gefahren des Erwachsenenlebens, den Gefahren der Welt, den Gefahren, die er in jeder Ecke auf seinen heißgeliebten Sohn lauern sieht.
Kaum ist Marcus im College, kommt es nicht nur zu einem ersten, ihn völlig verstörenden Erlebnis mit einem fragilen jungen Mädchen, sondern er begegnet auch der Diskriminierung in einer Form, die ihn um so mehr empört, als sie sich nicht deutlich zu erkennen gibt. Wider seinen Willen wird er zum Rebellen, und da er sich im Recht weiß, bleibt er hartnäckig bis zum bitteren Ende.
Empörung ist die Geschichte einer éducation sentimentale, eine Geschichte, die von Unerfahrenheit handelt, von Torheit, intellektuellem Widerstand, sexuellen Entdeckungen, Mut und Irrtum.

Philip Roth erhielt 1997 für Amerikanisches Idyll den Pulitzer-Preis. 1998 wurde ihm im Weißen Haus die National Medal of Arts verliehen, und 2002 erhielt er die höchste Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters, die Gold Medal, mit der unter anderem John Dos Passos, William Faulkner und Saul Bellow ausgezeichnet worden sind. Er hat zweimal den National Book Award und den National Book Critics Circle Award erhalten, dreimal den PEN/Faulkner Award und außerdem den PEN/Nabokov Award und den PEN/Saul Bellow Award.

Philip Roth ist der einzige lebende Amerikaner, dessen Werk in einer umfassenden, maßgeblichen Gesamtausgabe von der Library of America herausgegeben wird.

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Richard Rorty: Philosophie als Kulturpolitik (2008) No ratings yet.

  • Gebundene Ausgabe: 350 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (16. April 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518584952
  • ISBN-13: 978-3518584958

Kurzbeschreibung
Mit Richard Rorty verstarb im Sommer 2007 einer der einflußreichsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Spätestens seit seiner aufsehenerregenden Demontage des cartesianischen Selbstverständnisses der Philosophie in „Der Spiegel der Natur“ gehörte er zu den meistgelesenen Philosophen weltweit, der auch aufgrund seiner politischen Interventionen Bekanntheit erlangte. Heidegger, Wittgenstein und vor allem John Dewey waren seine Gewährsmänner, deren Einsichten er mit analytischer Brillanz für die Gegenwart fruchtbar machte. Romantische Ironie und weltbürgerliche Solidarität galten ihm mehr als philosophische Besserwisserei. Philosophie – das war für Rorty kein akademisches Fach, exklusiv zuständig für die „ersten Fragen“, sondern vielmehr eine Stimme unter vielen im großen zivilisatorischen Gespräch der Menschheit.

Philosophie als Kulturpolitik, der letzte von Rorty selbst zusammengestellte Band mit zum Teil bislang unveröffentlichten Essays, kann als sein Vermächtnis gelesen werden: Religion und Moralphilosophie, Wittgenstein und Kant, Naturalismus, romantischer Polytheismus und immer wieder die analytische Philosophie und ihre „Heilung“ durch den Pragmatismus sind die scheinbar disparaten Themen, die gleichwohl durch ein starkes Band zusammengehalten werden, nämlich die Frage nach der Rolle der Philosophie in der westlichen Kultur, genauer: Wie muß man philosophieren, um als Philosoph einen sinnvollen Beitrag zur menschlichen Kultur leisten zu können? Rortys Antwort: Man muß sich entscheiden, und zwar gegen den Elfenbeinturm und für den kulturellen Wandel durch das Gespräch – mit den Naturwissenschaften, der Kunst, der Literatur, der Religion und der Politik.

Siehe auch:

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Zadie Smith: Von der Schönheit (2006) 4/5 (2)

https://i1.wp.com/bilder.buecher.de/produkte/20/20855/20855692z.jpg?w=788&ssl=1

Wenn Howard Belsey etwas hasst, dann sind es neokonservative Menschen. Ein Paradebeispiel ist für ihn sein Erzfeind Monty Kipps, wie er Universitätsprofessor und Rembrandt-Experte. Als sich Howards Sohn Jerome in Montys attraktive Tochter verliebt, fühlt sich Howard genötigt einzuschreiten erotische, intellektuelle und familiäre Verwicklungen und Katastrophen nehmen ihren Lauf.

Howard Belsey, ein weißer Engländer, der an einem College in der Nähe von Boston Kunstgeschichte lehrt, ist mit der schwarzen Kiki verheiratet. Zu seinem Missfallen nimmt ihr Sohn Jerome einen Ferienjob bei seinem Erzfeind Monty Kipps in London an und verliebt sich unsterblich in dessen Tochter Victoria. Unerträglich werden die Dinge für Howard, als Monty Kipps auch noch an seine Uni berufen wird, seine Frau Kiki ihn wegen seiner Affäre mit einer Kollegin links liegen lässt und sich zudem mit Mrs. Kipps anfreundet, seine Tochter ihm in der Uni den Rang abläuft und Jerome sich zunehmend zum Christentum hingezogen fühlt.

Komisch, rasant, mit liebenswerten und unvergesslichen Charakteren erzählt Zadie Smith in ihrem dritten Roman die Geschichte einer mehr als turbulenten Familie zwischen England und Amerika, schwarz und weiß, Hässlichkeit und Schönheit, Liberalismus und Konservativismus. Der Roman, wie Zähne zeigen ein Welterfolg, ist ein gelungenes Spiel, das den englischen Gesellschaftsroman, namentlich E.M. Fosters Howards End, gekonnt in die heutige Zeit transferiert.

Hardcover, 528 pages
Published August 21st 2006 by Kiepenheuer & Witsch (first published June 4th 2005)
Original Title On Beauty
ISBN 3462037161 (ISBN13: 9783462037166)
Edition Language German

 

ZEIT: Ein Klassiker von morgen Zadie Smith mag es nicht, wenn man von ihrer Schönheit redet. Also reden wir von ihren Büchern. Und deren Schönheit. Von Daniel Kehlmann Vom 28. September 2006

SZ: Das Gelb der Menschen Mit viel Virtuosität zeigt Zadie Smith eine Welt, die sich in immer mehr Widersprüchen und Gegensätzen verstrickt. Am Ende geht selbst die Schönheit im Chaos auf. Von Tobias Heyl 17. Mai 2010

https://media-cdn.sueddeutsche.de/image/sz.1.808203/640x360?v=1528944082000

„Porträt der Hendrickje Stoffels“ von Rembrandt aus dem Jahr 1660. (Foto: Foto: AP)

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Jean Baudrillard gestorben No ratings yet.

sozwi_blog – Soziologisches Wissen » Jean Baudrillard gestorben

Paris – Der weltberühmte Soziologe und Philosoph Jean Baudrillard, einer der bekanntesten Franzosen, ist tot. Wie Vertraute Baudrillards sagten, starb er am Dienstag in Paris nach langer Krankheit. Der einstige Deutschlehrer und Brecht-Übersetzer wurde 77 Jahre alt. Baudrillard, einer der einflussreichsten Denker der Postmoderne, hatte Soziologie an der Universität Nanterre gelehrt, die im Zentrum der Protestbewegung vom Mai 1968 gestanden hatte. In der Folgezeit machte er sich als scharfer Kritiker der Konsumgesellschaft und der Medien einen Namen. Der 1929 in der Champagner-Metropole Reims geborene Baudrillard verfasste rund 50 Bücher. Als seine Hauptwerke gelten “Der symbolische Tausch und der Tod” und “Requiem für die Medien”. Der einstige Marxist mokierte sich zunehmend auch über linke Utopien oder die Vorstellung, Intellektuelle könnten die Politik beeinflussen. Seine scharfen Aphorismen würden “mit der Zeit immer weniger verstanden”, stellte er nüchtern fest; “doch das ist mein Problem”. In Büchern setzte sich Baudrillard auch mit den USA auseinander. Nach einer US-Reise beschrieb er diese als “Originalversion der Modernität, von der wir die synchronisierte und mit Untertiteln versehenen Version sind”.In seinen späten Jahren befasste sich Baudrillard unter anderem mit den Attentaten des 11. September 2001 in den USA oder mit dem Medien-Phänomen um die TV-Sendung “Big Brother”. Baudrillard wurde abwechselnd als Nihilist oder Moralist eingestuft; Kritiker wie Alan Sokal und Jean Bricmont warfen ihm vor, seine Werke seien in Wirklichkeit inhaltsleer. (tso/AFP)

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