Richard Price: Lush Life (dt. Cash 2008/2010)

1862313Drei Männer werden nachts in der Lower East Side von zwei dunkelhäutigen Jugendlichen überfallen. Einer der drei wird erschossen, die Täter fliehen. Der Hauptzeuge Eric verstrickt sich bei der Polizei immer tiefer in Widersprüche. Detective Matty Clark kommen jedoch bald Zweifel an seiner Schuld. Richard Price lässt in seinem in den USA hymnisch gefeierten Bestseller die Fassade des strahlenden, „neuen“ New Yorks bröckeln und zeigt die dahinter liegenden Risse, die unter dem Glamour verborgene Macht und Gewalt. Ein Roman, der an Authentizität und atmosphärischer Dichte kaum zu überbieten ist.

Richard Price wurde 1949 in der Bronx geboren. Viele seiner Romane wurden verfilmt, u.a. von Spike Lee. Price schreibt außerdem Drehbücher für Filme von und mit z.B. Martin Scorsese, Al Pacino und Paul Newman. 2007 gewann Price den Edgar Award für seine Arbeit an der hoch gelobten TV-Serie The Wire, für die er monatelang bei der Polizei recherchierte. Er lebt in New York.

„Richard Price gelingt mit seinem Großstadtroman im ersten Anlauf ein amerikanischer Klassiker.“
Süddeutsche Zeitung

„…grandios in seinen Dialogen, eiskalt in der Studie scheiternder Existenzen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ein emotional intensives Herzschlagporträt New Yorks und seiner Bewohner, die durch diesen umwerfenden Roman unsterblich werden.“ New York Times

Hardcover, First Edition, 464 pages
Published March 4th 2008 by Farrar, Straus and Giroux (first published March 2008)
Original Title Lush Life
ISBN 0374299250 (ISBN13: 9780374299255)
Edition Language English
Setting

 

Please rate this

1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2010
    Rezensentin Angela Schader hat sich zwar offensichtlich gut unterhalten mit Richard Prices gefeiertem Roman „Cash“, zieht aber dennoch ein etwas verhaltenes Fazit, weil das Buch sie nur auf einer Ebene überzeugt. Als ein „in die Tiefe gestaffelte Gesellschaftspanorama“ ist die Geschichte ihrer Meinung nach durchaus gelungen – als Kriminalroman eher weniger. Dazu erweist sich das „Spannungsmoment“ nach Schaders Meinung als zu wenig nachhaltig, der Ausgang als „vorhersehbar“. Dafür beleuchte Price die Fragen von Schuld recht facettenreich. Doch auch hier hätte sich die Rezensentin etwas mehr „Hintergründigkeit in der Charakterzeichnung“ gewünscht. Ein eindeutiges Lob lässt Schader dem „Hochseilakt“ der Übersetzerin Miriam Mandelkow zukommen. Obwohl die sich „zwangsläufig außerhalb des sprachlichen Echoraums“ des Romans bewegt, schaffe sie es, „schräg und salopp“ zu sein, ohne „Form und Innenspannung“ aufzugeben.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.06.2010
    Rezensentin Sylvia Staude kann sich den Lobeshymnen ihrer Kollegen nur anschließen, wenn es um Richard Price‘ nun in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Cash“ erschienenen Roman geht. Und dies sei nicht zuletzt Miriam Mandelkows Verdienst, welche die „ehrfurchtgebietende“ Aufgabe, all die Slang-Dialoge und Rap-Reime zu übersetzen, brillant löst. Wenn die Kritikerin mit dem Protagonisten „Cash“ auf mehr als 500 Seiten durch verschiedene New Yorker Milieus streift, auf verzweifelte Gangster, desillusionierte Polizisten und kaputte Familien trifft, muss sie sich vor allem auf ihr „passables“ Gedächtnis verlassen: die Charaktere „fliegen ihr um die Ohren“, dabei seien die vielen Szenen und Perspektiven bewundernswert fein verzahnt. Trotz dieser sorgfältigen Konstruktion fühle sich der Roman dank Price‘ intensiver Recherche bei der New Yorker Polizei und ihrer Klientel aber „durch und durch realistisch“ an, so die hingerissene Kritikerin.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.06.2010
    Als „tollen, intelligenten Schmöker“ empfand Ijoma Mangold diesen Roman über das New York nach dem 11. September, der zu seiner Freude außerdem ohne große schriftstellerische Deutungsgeste auskommt. Richard Price entwerfe das minutiöse Gesellschaftspanorama eines Ausschnitts von Manhattan in der Nähe der Wall Street, schreibt Mangold, der diesem Autor außerdem ein absolutes Gehör für die verschiedenen Tonhöhen und Zungenschläge der Milieus, eine sprachwandlerische Begabung für ihre sozialen Konnotationen bescheinigt (weshalb er es im Original auch viel besser findet als im Deutschen, auch wenn er Miriam Mandelkows Übersetzung „tadellos“ nennt). So kommt es für den Kritiker auch, dass das sinnfreie Verbrechen, das hier aufgeklärt werden muss, kein klassischer „Whodunnit“ sein kann, sondern die Lösung des Falls eher auf dem Weg der urbanen Soziologie und der strategischen Partizipation erfolgt. Der Leser wisse von Anfang an ziemlich genau, wer die Täter seien, da er Zeuge der Tat gewesen sei. Während man nun den Ermittlern bei der Aufklärung zuschauen kann, fügen sich die Dinge für Mangold fast unmerklich zur großen Erzählung über das New York nach 9/11.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.06.2010
    Überschwänglich wurde beim Erscheinen in den USA Richard Prices jüngster Roman „Lush Life“, der auf Deutsch nach seiner Hauptfigur „Cash“ heißt, gefeiert. In der SZ übrigens auch, vom Autor dieser Rezension Andrian Kreye. Der macht nach Lektüre der Übersetzung nun nicht wirklich einen Rückzieher, stellt aber mit Bedauern fest, dass dieses Buch im Deutschen nicht in vergleichbarer Weise funktioniert. Beziehungsweise aus grundsätzlichen Gründen gar nicht so funktionieren kann. Erhalten bleibt zwar die dem Hardboiled-Krimi-Genre nahe Geschichte um einen Mord auf offener Straße im gerade in Gentrifizierung begriffenen New Yorker East Village; interessant bleiben die Einblicke ins soziale Gefüge des Viertels. Was aber das eigentliche Können von Price ausmache, die extrem genaue Nuancierung von Sprachebenen und an der Sprache hörbaren sozialen Herkünften, das lasse sich eben nicht übertragen – weil das im Deutschen mit seiner linguistischen Einflussangst und Abgrenzungslust ganz anders und vor allem viel gröber klingen muss. Was bleibt, ist also, schließt Kreye, ein sehr guter Kriminalroman. Im Original aber war es viel mehr.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2010
    Nicht nur Politikern legt Rezensentin Felicitas von Lovenberg das nun auch in Deutschland unter dem Titel „Cash“ erschienene Buch von Richard Price mit Nachdruck ans Herz. Price liefere eine „literarische Großreportage“ vom Alltag im Mikrokosmos der Lower East Side, wo verschiedenste Kulturen und Schichten nebeneinander her leben. Obwohl sich alle in ähnlichen Zwangslagen befänden, führe die große Fremdheit untereinander so weit, dass ein Streit um zwanzig Dollar schnell in einer Schießerei enden könne. Ohne es direkt zur neuesten Great American Novel hochstilisieren zu wollen, ist die Rezensentin begeistert von Price‘ Mut, die Trostlosigkeit schonungslos zu schildern. Im Gegensatz zur hochgelobten amerikanischen Fernsehserie „The Wire“, bei welcher Price als Drehbuchautor mitwirkte, habe er in dem literarischen Pendant allerdings nicht den Anspruch gehabt, etwas zu verändern, er sei schließlich kein Sozialarbeiter. Bei seiner Recherche, für die der Autor sowohl mit Polizisten, als auch mit Drogendealern unterwegs war, sei in „feinster Miniaturmalerei“ ein faszinierendes „Porträt eines entwurzelten Viertels entstanden, so die Rezensentin.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.