Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski (2003)

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Mit kleineren Gelegenheitsarbeiten schlägt sich Sebastian Zöllner nach seinem Kunstgeschichtsstudium so durch, aber nun hat er einen ganz großen Fisch an der Angel: Er schreibt die Biographie des Malers Kaminski, der, entdeckt und gefördert einst von Matisse und Picasso, durch eine Pop-Art-Ausstellung, seine dunkle Brille und die Bildunterschrift „Painted by a blind man“ weltberühmt wurde.

Inzwischen lebt Kaminski zurückgezogen in den Alpen und ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Soll die Biographie noch rechtzeitig zum Ableben fertig werden, und dieser Termin läßt natürlich größere Aufmerksamkeit erwarten, dann ist Eile geboten. Zöllner, der zunächst mit alten Freunden und Feinden, mit Sammlern und Galeristen gesprochen hat, macht sich zum Objekt seiner Begierde auf den Weg, um exklusive O-Töne zu bekommen. Womit er nicht gerechnet hat: Kaminski ist abgeschirmt durch ein ganzes Heer von Vertrauten, und als es dem Biographen endlich trickreich gelingt, die Bewacher loszuwerden und den Maler auf eine tagelange Reise im Auto mitzunehmen, erkennt er, daß er dem Alten, blind oder auch nicht, in keiner Weise gewachsen ist.

 

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN-10 3518413953
ISBN-13 9783518413951
Gebunden, 174 Seiten, 18,90 EUR

de.wikipedia

de.wikipedia – Film

ZEIT: Der Maler schnarcht ins Mikrofon. Wolfgang Becker hat Daniel Kehlmanns „Ich und Kaminski“ verfilmt. Dabei ist es ihm gelungen, sämtliche Plattitüden der Romanvorlage wiederzukäuen. Von Wiebke Porombka 16. September 2015

ZEIT: Journalisten, Künstler und andere Betrüger. Wolfgang Becker hat wieder einen Film mit Daniel Brühl gedreht: Das Meisterwerk „Ich und Kaminski“ nach Daniel Kehlmanns Roman. Von Jens Jessen 17. September 2015

FAZ: Der entsorgte Künstler. Ein junger Journalist, Sebastian Zöllner, stellt einem alten Maler nach. Er möchte die definitive Biographie über den ehemals so berühmten Kaminski schreiben. Mit allen Mitteln sucht sich der Erzähler Zugang zu dieser Vergangenheit zu verschaffen. Es geht dabei nicht nur im übertragenen Sinne. Aktualisiert am 26.04.2003-12:00

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003
    Keine dreißig Jahre ist Daniel Kehlmann alt und legt mit „Ich und Kaminski“ bereits seinen fünften Roman vor -sein mit Abstand komischstes Buch, wie ein begeisterter Andreas Nentwich befindet, und sein abenteuerlichstes. Es erzählt von Sebastian Zöllner, „einem wahren Ekelpaket von Kunstkritiker“, dessen einzige Obsession sein schäbiger Ehrgeiz ist. Dieser Zöllner nun macht sich nach allen Seiten knuffend auf die Reise zu dem bayrischen Maler Kaminski, um eine Monografie, nein ein Standardwerk über den bedeutendsten Maler der Gegenwartskunst aus dem Alpenraum zu verfassen. Dies erzählt Kehlmann heiter als beißende Satire auf den Kulturbetrieb, nein als Schundroman, wagt Nentwich zu schwärmen und schließt: „So ansteckend lustvoll und hinreißend unglaubwürdig wie Kehlmann strapaziert die trivialen Genres nur, wer sie um Haupteslänge überragt.“

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2003
    Martin Krumbholz hat bei dem „furiosen“ Roman von Daniel Kehlmann auf nichts verzichten müssen. Denn bei Kehlmann paaren sich „beträchtliches Raffinement“ und „frappierender Witz“ auf die beste Art und Weise. Der Rezensent hat viel gelacht, so viel wie „lange nicht mehr im neuen deutschen Roman“, bei der Geschichte von Sebastian Zöllner, der den Maler Kaminski porträtieren will und noch nicht einmal sich selbst erkennt. Mit steigender „Erkenntnislust“ erfahre der Leser von Selbstreflexion und Selbsterkenntnis, von den Mechanismen des Kunstmarkts wie des Lebens. Das wird auch noch handwerklich einwandfrei erzählt: vom „hieb- und stichfesten“ Plot bis zu den „filmreifen“ Dialogen. Krumbholz kann nur staunen, wie Kehlmann die Büchnerschen Fragen nach „fama“ und „fame“ stellt und dabei auch noch so witzig sein kann.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2003
    Beatrix Langner hat sich mit dem vierten Roman des 1975 geborenen Daniel Kehlmann auf intelligente Weise amüsiert. Für sie knüpft Kehlmann unverkennbar an literarische Avantgarde-Bewegungen wie Oulipo oder den Lettrismus an, die das Sprachspiel zum Kompositionsprinzip erhoben haben. Die Avantgarde selbst sei nämlich Thema dieses „Hypertextes über Mythen und Diskurse der Kunst und ihrer Akteure“, ausgetragen von einem jungen, eher unangenehmen Trittbrettfahrer des Kunstbetriebs, der eine Biografie über einen vergessenen Maler schreiben will, und jenem vielleicht genialischen Maler, dem es im Verlauf des Romans gelinge, den jungen Mann für seine Angelegenheiten zu nutzen. Kehlmann erzählt klar und konzentriert aus der Perspektive des jungen Mannes, so Langner. Die Geschichte sei spiegelbildlich angelegt und so spannend wie ein guter Kriminalroman. Hätten in Kehlmanns erstem Romanen seine Helden noch übersinnliche Erfahrungen benötigt, so sei dieser Kunstgriff hier überflüssig geworden: Kehlmann beherrsche souverän seinen Stoff. Ihn interessiert direkt die Poetizität des Stoffes, das heißt, „seine Eignung“ im „Sichtbaren das Nicht-Sichtbare“ zu vermitteln, lobt die Rezensentin.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
    In der modernen Kunst erweist sich der Künstler nicht mehr am souveränen Umgang mit Material, Form und Tradition, sondern am Einfall, am Konzept seiner Kunst. Für dessen Wahrnehmung braucht er die Anerkennung des Publikums und deshalb ersetzt heute die Kunstkritik das Publikum, weil nur sie die Kunst als Kunst erkennt: Nach dieser kleinen philosophischen Einleitung kommt Gustav Seibt auf sein eigentliches Thema zu sprechen, den Roman von Daniel Kehlmann, der das Genre des Künstlerromans auf etwas „altmeisterlich“ anmutende Weise „revitalisiert“, wie Seibt es fasst. Altmeisterlich muten wohl die geschliffene Sprache und der perfekte Bau des Romans an, der einen ambitionierten Kunstkritiker gegen einen alten verschrobenen Maler ausspielt. Nichts können junge Autoren à la Kehlmann so gut wie Peinlichkeiten beschreiben, schwärmt Seibt. Der Kunstkritiker schleimt also, was das Zeug hält, um Material für seine Biografie zu gewinnen, doch dreht sich der Spieß allmählich um, verrät Seibt, und am Ende bediene sich der Maler des jungen Mannes statt umgekehrt. Wie, sei hier nicht verraten, wohl aber, dass Kehlmann nach Seibt einen bös brillanten und ebenso amüsanten Abgesang auf die Bedeutungshuberei im Kunstbetrieb verfasst hat.

    http://www.perlentaucher.de/buch/13394.html

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