Ist der Abzug aus dem Gaza-Streifen der Anfang vom Ende des Nahost-Konflikts? Ein Gespräch mit dem israelischen Schriftsteller Amos Oz über kindische Vorstellungen vom Frieden, blinde deutsche Sentimentalität und die intime Macht der Literatur

DIE ZEIT: In diesen Tagen verfolgt die ganze Welt den Abzug aus Gaza, die Räumung der israelischen Siedlungen. Welche Bedeutung hat das aus Ihrer Sicht?

Amos Oz: Das ist eine ernste Krise für Israel. Das Land hat den Moment der Wahrheit in seiner Geschichte erreicht. Dessen sind sich viele ganz stark bewusst. Dabei geht es nicht nur um die besetzten Gebiete und den Widerstand der Siedler. Es geht um Theokratie versus Demokratie, um die Rolle der Rabbiner und der Thora, um die Fundamente einer demokratischen Zivilgesellschaft. Unter all den Streitereien um Sicherheit, historische Rechte, Siedlungen, Gefühle, Schuld und Frieden sind wir am harten Felsblock angelangt.

http://www.zeit.de/2005/35/Interview_Oz

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