Wenn wir Tiere wären

Alles ist da, Beruf, Wohnung, Einkommen, Urlaub, Frau. Aber schon eins davon wäre manchmal weitaus genug, und das wundervolle Alles ist mehr, als einer erträgt. Aber wie befreit man sich vom Privatleben, wenn man nicht mal die Arbeit loswird? Ach, wenn wir Tiere wären! Eine Ente im Park, ein freundlicher Hund auf dem Sofa! Ach, wenn wir die täglichen Zumutungen doch einfach gelassen übersehen könnten!

Das Leben ist hart und überfordert leicht den Stärksten. Die moderne Welt verlangt zu viel: tägliche Anwesenheit am Arbeitsplatz, inklusive Engagement und freundlichem Gesicht, die Benutzung von Verkehrsmitteln und den Besuch von Supermärkten. Und dann auch noch das Privatleben. Selbst wenn die Sache mehr oder weniger funktioniert, selbst wenn er halbwegs erfolgreich ist, unausweichlich kommt der Moment, da ein Mann nicht mehr weiter weiß. Er ist langjähriger freier Mitarbeiter eines Architekturbüros und langjähriger Freund von Maria. Doch als er eine feste Stelle antritt, gerät das heikle Gleichgewicht ins Schwanken, und ehe er sich versieht, sind es statt einer sogar drei Frauen.
Wilhelm Genazino erzählt von einer Gegenwart, die jeden tagtäglich überfordert, und er erzählt von einem Mann, der dem Druck nur widerstehen kann, indem er das ordentliche Regelwerk durchbricht. Doch es kommt, wie’s kommen muß: Der Betrug fliegt auf und der Mann ins Gefängnis – leichter wird es dort auch nicht werden. Ironisch, witzig und böse – Wilhelm Genazino ist auf der Höhe seiner Kunst.

Wilhelm Genazino, 1943 in Mannheim geboren, lebt in Frankfurt. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-Büchner-Preis und dem Kleist-Preis.

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