Slavoj ZiZek in der ZEIT vom 09.06.2005 Nr.24 sieht im Referendum zur EU-Verfassung nur eine Scheinalternative und attestiert den europäischen Eliten schlichtweg Unfähigkeit.

Die wirkliche Entscheidung verlangt nach der Kraft der eigenen Entscheidung in der europäischen Moderne.

Mit Blick auf Freud behauptete Theodor W. Adorno einmal, die gegenwärtige »verwaltete Welt« mit ihrer »repressiven Entsublimierung« sei nicht mehr durch die alte Logik der Unterdrückung des Es und seiner Triebe geprägt, sondern durch einen perversen direkten Pakt zwischen dem Über-Ich (der gesellschaftlichen Autorität) und dem Es (unzulässigen aggressiven Trieben) auf Kosten des Ich. Vollzieht sich heute auf politischer Ebene nicht etwas strukturell Ähnliches, ein unheimlicher Pakt zwischen dem postmodernen globalen Kapitalismus und vormodernen Gesellschaften – auf Kosten der Moderne selbst? Es fällt dem multikulturalistischen globalen Empire Amerika leicht, vormoderne lokale Traditionen zu integrieren – der Fremdkörper, den es aber effektiv nicht absorbieren kann, ist die europäische Moderne.
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Die Botschaft des französischen Nein an uns alle, denen Europa am Herzen liegt, lautet: Nein, anonyme Experten, die uns ihre Ware in knallbunter, liberal-multikulturalistischer Verpackung verkaufen wollen, werden uns nicht am Denken hindern. Es ist für uns, die Bürger Europas, an der Zeit, uns bewusst zu machen, dass wir eine genuin politische Entscheidung darüber treffen müssen, was wir wollen. Kein aufgeklärter Verwalter kann uns diese Aufgabe abnehmen.

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