Han Kang: Die Vegetarierin (2007 / dt. 2016)

Die VegetarierinEin seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die, laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

»Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.«

Yeong-hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

Die Vegetarierin von Han Kang ist eine kafkaeske Geschichte in drei Akten über Scham und Begierde, Macht und Obsession sowie unsere zum Scheitern verurteilten Versuche, den Anderen zu verstehen, der ja doch, wie man selbst, Gefangener im eigenen Leib ist.

Hardcover, 192 pages
Published August 15th 2016 by Aufbau Verlag (first published October 2007)
Original Title ?????
ISBN 3351036531 (ISBN13: 9783351036539)
Edition Language German

Characters Kim Yeong-hye, Kim In-hye

setting Seoul (Korea, Republic of)
Literary Awards Man Booker International Prize (2016)

Rezensionen

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1 Kommentar

  1. Han Kangs Roman ist von subversiver Sinnlichkeit und Kraft. In ruhigem, entschiedenem Ton erzählt sie von der Sehnsucht ihrer Protagonistin, einengende Konventionen abzustreifen, bringt aber auch Gewaltfantasien und chaotische Botschaften aus dem Unterbewussten ans Tageslicht – wo sie farbenfroh zu blühen beginnen. Ein Plädoyer für die Pflicht zur Selbstwahrnehmung und das Recht auf Eigensinn, eine Ermutigung, zu träumen und zu rebellieren.
    http://www.deutschlandradiokultur.de/han-kang-die-vegetarierin-wenn-fleischverzicht-das-leben.1270.de.html?dram:article_id=363110

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