Ohne wirtschaftliche Entwicklung können wir nicht leben. Aber gleichzeitig droht die entfesselte Ökonomie, unsere ökologischen und kulturellen Grundlagen zu zerstören

Charles Taylor hat in (c) DIE ZEIT 04.05.2005 Nr.19 einen sehr treffenden Artikel zum widersprüchliche Erleben zwischen Wirtschaft und Kultur geschrieben, und damit zugleich auch einen klugen Beitrag zur leidigen Kapitalismusdebatte geleistet.

Das Fazit – so könnte man es nennen – ist am Ende:

Nicht zu übersehen ist allerdings, dass der kulturelle Bereich Schauplatz von Widersprüchen ist, die der Kapitalismus allesamt selbst erzeugt. So ist der Kapitalismus vielleicht unser faustischer Pakt, wie Goethe es am Ende von Faust II selbst anzudeuten scheint. Faust erscheint darin als titanenhafter Bauunternehmer, und das alte Paar Philemon und Baucis nimmt sich aus wie Geopferte und Marginalisierte. Wir versuchen, der Ökonomie und der wirtschaftlichen Entwicklung durch vorauseilende Bejahung zu entkommen; wir wollen schneller sein als »der Geist, der stets verneint«. Dabei entgeht uns, dass gerade die unablässige Bejahung des ökonomischen Fortschritts vielleicht die verheerendste Verneinung von allen ist.

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