Richard Yates: Eine besondere Vorsehung (1969 / 2008)

Eine besondere VorsehungAlice ist überzeugt, das Leben halte etwas ganz Besonderes für sie und ihren Sohn Robert bereit – als Künstlerin wird sie Anerkennung finden und ihr Bobby die Privatschule abschließen. Doch wie so oft kommt alles ganz anders als geplant…
Richard Yates, ein Meister der klaren Worte, spiegelt in »Eine besondere Vorsehung« aufs Neue mit lakonischer Schärfe die Schattenseiten des amerikanischen Traums.

Robert Prentice ist das Ein und Alles seiner Mutter Alice. Ihm, dem sie einst mit einer Statue ein Denkmal setzte, hat die Bildhauerin ihren bisher einzigen Kritikererfolg zu verdanken. Und mit seiner Hilfe – so viel ist sicher! – wird sie irgendwann künstlerische Anerkennung erzielen. Doch plötzlich steht sie allein da mit ihren Fantasien von einem glamourösen Künstlerleben, denn Robert meldet sich zum Militär und geht nach Europa, um auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs zu Ruhm und Ehre zu gelangen.

Eine herzzerreißende Geschichte über eine von einseitigen Abhängigkeiten geprägte Mutter-Sohn-Beziehung und die Illusionen, die ein junger Mann sich über den Krieg macht – und gleichzeitig das Sittengemälde einer Gesellschaft, die von sozialer Härte und dem fruchtlosen Streben nach Idealen gekennzeichnet ist. Ein weiterer grandioser Roman von Richard Yates, »einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts« (FAZ).

  • Hardcover, 400 pages
  • Published 2008 by DVA (first published 1969)
  • Original Title  A Special Providence
  • ISBN  3421043310  (ISBN13: 9783421043313)

Rezension

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2009
    Rezensent Tilman Urbach sticht die Unversöhnlichkeit in den Büchern dieses Autors ins Auge. Gemütlichkeit – Fehlanzeige! So auch in Richard Yates‘ zweitem, Ende der 60er erschienenem Roman, den der Rezensent sich vornimmt und der ihn Yates einmal mehr als meisterlichen Chronisten der amerikanischen Mittelschicht erleben lässt. Die Vorführung einer zerstörerischen Mutter-Sohn-Beziehung, geprägt von unerfüllten Erwartungen, von Aufbrüchen und Abgründen, gelingt dem Autor laut Urbach jenseits aller Effekthascherei. Als beklemmend und von aufrüttelnder Drastik erfährt der Rezensent die Schilderungen. Eben weil das Versöhnliche fehlt.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.01.2009
    Durchwachsen ist der Eindruck von Rezensentin Marion Lühe von Richard Yates‘ zweitem, nun in deutscher Übersetzung erschienenen Roman. Nicht nur, dass sie den deutschen Titel „etwas unbeholfen“ findet. Auch erscheint ihr die Komposition des Romans durch mehrere Perspektivwechsel „etwas zerstückelt.“ Richard Yates verarbeitet in diesem Roman über eine mittelmäßige Künstlerin und ihren Sohn, wie die Rezensentin schreibt, auch eigene Kindheitserlebnisse als Sohn einer schauspielerisch ambitionierten Mutter. Da gelingen Yates, wie man den Beschreibungen der Rezensentin entnehmen kann, immer wieder schöne Miniaturen und Milieustudien. Richtig packend und traurig allerdings findet sie das Buch nur in der Mitte. Aber für uneingeschränkte Begeisterung ist ihr das definitiv zu wenig.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
    Sich die Figuren in den Romanen von Richard Yates als glückliche Menschen vorzustellen, will Rezensent Peter Körte nicht gelingen. Eine Traurigkeit begleitet Körtes Lektüre auch dieses vor vierzig Jahren in Amerika erschienenen Buches, die keinen Funken Trost beinhaltet. So erklärt sich Körte auch das Verschwinden von Yates‘ Büchern in den Sechzigern: Seine triste Beschreibung der Baby-Boomer-Jahre in den USA passte einfach nicht zum Aufbruch. Der vorliegende Roman, warnt uns Körte, kommt mit seiner Doppelperspektive auf die trostlos erfolglosen Lebensläufe zweier Menschen (Mutter und Sohn dazu) nicht gerade bunter daher. Als schmerzlich empfindet der Rezensent vor allem die Teilnahme des Textes an den die Figuren trotz allem immer wieder erfassenden „euphorischen Schüben“. Schmerzlich, aber auch menschenfreundlich, findet Körte, dem weder Yates‘ Sympathie für seine Geschöpfe entgangen ist noch dessen „ruhiger“ Ton, weder mitleidig noch anklagend. Daraus spricht eine Unaufgeregtheit, die der Rezensent als Hinweis für das Exemplarische dieser Lebensgeschichten begreift.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2008
    Rezensent Thomas David freut sich über die Wiederentdeckung des amerikanischen Schriftstellers Richard Yates. Und über diese deutsche Ausgabe des vor knapp vierzig Jahren im Original erschienenen Romans, der Davids Information zufolge von einem jungen Amerikaner handelt, der 1944 als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eintritt. Die Art, wie der junge, gänzlich unheroische Prentice hier als Spielball höherer Mächte und einer höchst dominanten Mutter geschildert wird, findet der Rezensent ausgesprochen stark. Auch, weil die höheren Mächte des Jahrhunderts samt ihrer fatalen Auswirkungen höchst plastisch geschildert sind. In wenigen Momenten kritisiert David am Erzählverlauf eine gewisse „Eilfertigkeit“. Insgesamt jedoch fasziniert ihn diese Mutter-Sohn-Geschichte als Geschichte einer Abhängigkeit, aus der der Protagonist erst in der zerstörerischen Atmosphäre des Krieges Befreiung findet.

    https://www.perlentaucher.de/buch/richard-yates/eine-besondere-vorsehung.html

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