Die Liebe einer Frau

Drei Erzählungen und ein kurzer Roman: In der Welt von Alice Munro ist der beste Weg nicht unbedingt die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten. Ihre neunte überragende Sammlung von Kurzgeschichten, Die Liebe einer Frau, hat erneut das westliche Kanada als Handlungsort, und das Thema ist klassisch für Munro: Geheimnisse, Liebe, Betrug und das ganz normale Leben. Aber wie wir es von dieser Meisterin der Kurzgeschichte bereits kennen, ist der Weg, den sie nimmt, alles andere als normal. Die überwältigende Titelgeschichte ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Sie ist eine Erzählung in vier Teilen und beginnt mit dem Ertrinkungstod eines Optikers in einer Kleinstadt. Die Geschichte wird ausgeweitet und befasst sich zuerst mit den Jungen, die die Leiche entdeckt hatten, und dann mit einer boshaften Frau, die im Sterben liegt, und ihrer jungen Pflegeschwester.

Wessen Geschichte ist es nun? Nicht die des Optikers, das steht fest — obwohl dessen Tod sie zusammenhält. Der Effekt ist auch nicht unbedingt „Rashomon“-mäßig, obwohl jeder Teil ihn aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Die Liebe einer Frau ist statt dessen ein gründliches und umfassendes Porträt des Kleinstadtlebens, wie man es sich nur vorstellen kann, mit all seinen Spannungen, Betrügereien und unfreiwilligen Bindungen. Innerhalb seiner 75 Seiten fängt es eine Welt ein, die geräumiger ist als die der meisten Romane.

  • Hardcover, Fischer Taschenbibliothek, 285 pages
  • Heidi Zerning (Übersetzer)
  • Published 2008 by Fischer-Taschenbuch-Verlag (first published January 1st 2003)
  • ISBN 3596510538 (ISBN13: 9783596510535)
  • Edition Language German
  • de.wikipedia.org
  • FAZ von Renate Schostack   atualisiert am

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