FR online – Kultur & Medien – Todestrieb. Freuds These und die Gewalt von heute

VON MARTIN ALTMEYER
Die jüngere Zeitgeschichte bietet hinreichend Anlass, sich mit den erschreckenden Ausdrucksformen radikaler Zerstörungswut zu befassen; die Beispiele reichen von der tödlichen Folterorgie im Gefängnis über das virtuell vorbereitete und dramaturgisch inszenierte Schulmassaker bis zum Massenmord an den zahlreichen Kriegsschauplätzen einer terroristischen Internationale. Was wir erleben, ist eine ungehemmte Lust an der Vernichtung des Anderen, die nach Erklärungen verlangt.

[Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung hatte auf ihrer Herbsttagung das Thema „Eros und Thanatos“ gezeigt, wie nahe man Freuds Todestriebtheorie heute wieder kommen kann. Ob hinter dieser Renaissance des Todestriebkonzepts der Versuch steckt, die „Unheimlichkeit abzuwehren, die uns angesichts gewaltschwangerer Lebenswelten erfasst“, blieb nur eine „blasphemische Vermutung“. ]

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