Jean Echenoz: 14 (2012)

16071333. sx318 Cinq hommes sont partis à la guerre, une femme attend le retour de deux d’entre eux. Reste à savoir s’ils vont revenir. Quand. Et dans quel état.

Paperback, First Edition, 124 pages
Published October 4th 2012 by Les Éditions de Minuit
Original Title 14
ISBN 2707322571 (ISBN13: 9782707322579)
Edition Language French

Dt. Übersetzung
Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Frankreich, 1914: Ein idyllischer Sommertag, Anthime radelt durch die sonnenbeschienene Vendée. Er hört die Sturmglocken läuten, das Signal für die allgemeine Mobilmachung. Mit der alle gerechnet haben, nur nicht an einem Samstag, dem 1. August.

Echenoz erzählt vier Kriegsjahre im Zeitraffer: Fünf Männer ziehen in den Krieg, eine schwangere Frau wartet auf die Rückkehr von zweien von ihnen. Bleibt zu erfahren, ob sie wiederkommen. Und wann. Und in welchem Zustand. Der Erste Weltkrieg ist heute nicht mehr mit traditionellen Mitteln darstellbar – Echenoz als Meister der Romansubversion zeigt, wie es anders gelingt.

fr.wikipedia – Jean Echenoz

fr.wikipedia.org – 14

https://www.jeanechenoz14.com/

ZEIT: Kammermusik des Krieges. Weder blutiges Schützengrabenpanorama noch Einfühlung in die Soldatenseele. Nüchtern und mit poetischer Scharfsicht erzählt Jean Echenoz in „14“ den Ersten Weltkrieg. Von Vom 26. Februar 2014

ZEIT: Heilige Einfalt! Jean Echenoz, Meister der Raffinesse, scheitert am Ersten Weltkrieg. Von Andreas Isenschmid 27. März 2014

 

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.07.2014
    Auf gerade einmal 125 Seiten gelingt es Jean Echenoz mit mit seinem Gespür für beiläufig eingestreute, historisch akkurate Details, sein Publikum in die Realität des Ersten Weltkriegs zu ziehen, staunt Katharina Granzin. Wobei der Autor keine größeren Zusammenhänge stiftet, merkt die Kritikerin an, vielmehr sucht er mit seinem im Präsens verfassten Roman die Ameisenperspektive eines Soldaten, der arglos mitten hinein ins Schlachtengetümmel gezogen wird: So schildert Echenoz „die absurde Hülle der Kriegsperformance“ und dies in einem durchweg ironisch-lapidaren Tonfall. Dies allerdings funktioniert allen Bedenken zum Trotz sehr prächtig, meint Granzin, denn so wird nicht nur die Absurdität des Kriegs besonders herausgekehrt, es entsteht in solcher Loslösung vom Gegenstand auch ein für das Lesepublikum angenehmes Maß an emotionaler Distanz.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.04.2014
    Mit viel Lob bespricht Rezensent Christoph Schröder den unter dem knappen Titel „14“ erschienenen Weltkriegsroman von Jean Echenoz. Der Kritiker registriert nicht nur tief beeindruckt die außergewöhnliche Prägnanz dieser Geschichte, sondern bewundert insbesondere Echenoz‘ Vermögen, die individuellen Folgen des Krieges zu schildern. Neben faszinierenden Nahaufnahmen etwa von den Auswirkungen auf die Tierwelt – Haustiere streunen plötzlich herrenlos umher – liest Schröder hier auch eine Dreiecksgeschichte um den Protagonisten Anthime, seinen arroganten Bruder Charles und die Fabrikantentochter Blanche, deren luxuriöses, präzise erzähltes Leben einen jähen Kontrast zum Sterben im Schützengraben bietet. Ein hinreißender Roman, der durch seine Eleganz besticht, und trotz der bewussten Vernachlässigung des historischen Kontextes nie „verharmlost“, lobt der Kritiker.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2014
    Jean Echenoz‘ Kriegsroman über den Ersten Weltkrieg hat Ingeborg Waldinger tief beeindruckt. Die Rezensentin lobt den genauen Blick, die Empathie und die auch die Ironie, mit der der französische Schriftsteller am Beispiel von fünf Männerschicksalen vom Grauen des Krieges, von seiner Absurdität und seiner Dynamik erzählt. Den Fokus des schmalen Romans liegt für sie im „persönlichen Drama“ von Zivilisten, die ungewollt in den Krieg hineingezogen werden. Zugleich gelinge es dem Autor anhand dieser Dramen die gesamte, schreckliche Dimension dieses Krieges dem Leser nahezubringen. Das Fazit der Rezensentin: „Ein wichtiges Buch, unerbittlich und ergreifend“.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.03.2014
    Es kommt Andreas Isenschmid vor, als habe ein anderer als Jean Echenoz die zweite Hälfte dieses Romans über den Ersten Weltkrieg geschrieben, so bemüht und verbraucht kommt das Vokabular daher. In „14“ hat Echenoz versucht, was eigentlich nur ihm zuzutrauen wäre, wie der Rezensent meint: Weltkrieg auf hundertzwanzig Seiten. Aber leider ist er gescheitert, stellt Isenschmid fest. Der Autor folgt zwei Soldaten und ihrer Kompanie und berichtet von Schützengräben, Gasangriffen, Kanonendonnern, jaulenden Granaten und pfeifenden Kugeln, zählt der Rezensent auf. Neu ist hier gar nichts, meint Isenschmid, und subversiv erst recht nicht, wie der Schutzumschlag es eigentlich verspricht. Man sollte solchen Etikettenschwindel unter Strafe stellen, schimpft der Rezensent.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2014
    Den Krieg der Läuse und Ratten und kleinen Leute erlebt Joseph Hanimann in diesem, wie er findet, sehr außergewöhnlichen Buch zum Ersten Weltkrieg von Jean Echenoz. Der Autor, und das ist für Hanimann das Besondere und Lesenswerte an dem Buch, muss nicht von den Tatsachen abstrahieren, sondern nur die Perspektive verschieben, um dem Leser einen gänzlich anderen Blick auf den Beginn und die Tatsache des Krieges zu ermöglichen. Wie er die Menschen inmitten ihrer Alltagsroutine trifft, Panik und Dünnschiss verursachend, wie er mitten in die Privatangelegenheiten der Figuren hereinplatzt, als hätte sich der Weltgeist im Datum vertan, wie Hanimann begeistert schreibt, das scheint dem Rezensenten hier großartig dargestellt. Nämlich, ohne den Ernst des Ganzen zu bestreiten, detailliert, menschlich und laut Hanimann überdies mit dem bekannten, melancholischen Echenoz-Ton, den Hinrich Schmidt-Henkel geschickt übersetzt, wie der Rezensent versichert.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2014
    Mit dem nun auf Deutsch erschienenem Buch „14“ von Jean Echenoz hat Rezensentin Lena Bopp einen ebenso erschütternden wie beeindruckenden Roman über den Beginn und die Folgen des Ersten Weltkriegs gelesen. Sie folgt hier dem 23 Jahre alten Anthime, der aus seinem jugendlichen Alltag gerissen wird und plötzlich seinen ersten Kriegswinter im Schützengraben an der belgischen Grenze erlebt. Bopp bewundert insbesondere das Vermögen des Autors, seinen leichten, humorvollen und bisweilen melancholischen Stil auch auf dieses schwierige Thema anzuwenden: Auf eindrucksvolle Weise gelinge es Echenoz mit einem genau beobachtenden Blick auf die Akteure, das Grauen des Krieges in ihren Seelen zu spiegeln. Dabei konzentriere sich der Autor auf den Gegensatz zwischen den banalitäten des Alltag und den grausamen Kriegsfolgen, die er für den Leser nur in wenigen, aber wirkungsvollen Anspielungen ersichtlich macht. Mit einem kontinuierlichen Wechsel von Tempo und Perspektive, aber auch durch die anhaltende Reaktionslosigkeit seines Protagonisten mache Echenoz das Groteske des Krieges auf herausragende Weise deutlich, urteilt die eingenommene Kritikerin.

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