Lukas Bärfuss: Krieg und Liebe: Essays (2018)

Cover Krieg und LiebeDie Essays von Lukas Bärfuss sind ein Ereignis. Scharf beobachtet, scharf gedacht, scharf formuliert.

Ob er über große geschichtliche und politische Themen nachdenkt oder über ganz konkrete Fragen einfacher Leute – Lukas Bärfuss ist ein Autor und Denker von europäischem Format. Er schafft es, auch komplizierte Sachverhalte so zu erzählen, dass man seine scharfsinnigen Argumentationen nachvollziehen kann, dass man sich eingeladen fühlt, an seinen Gedankengängen teilzunehmen. Mit Überraschung, Staunen und immer mit Genuss und Gewinn. Sei es, wenn er über die Schweiz spricht oder über Erfahrungen in Afrika und Südamerika, ob er über Autoren von Goethe, Nietzsche und Tolstoi bis Nicolas Born nachdenkt oder über Ovid, Stendhal und Sakurai, immer erfährt man Erhellendes. Bärfuss schreibt über Religion und Glauben, über die Moral im Journalismus und über das Leben eines Vertreters für Geräteentkalker. Es zeigt sich, dass es keine kleinen oder großen Fragen gibt, stets ruft der Autor die großen Zusammenhänge und ethischen Dimensionen auf, macht sie sinnfällig sichtbar. Er hütet sich vor vorschnellen Antworten, und zuweilen ist die präzise Beschreibung eines Dilemmas gerade das Leistbare, das weiterbringt. Freude und Notwendigkeit können ganz nah beieinander liegen, oder auch himmelweit voneinander entfernt.

Hardcover, 286 pages
Published 2018 by Wallstein Verlag
ISBN13 9783835332416
Edition Language German

  • DF: Unbequeme Thesen eines politischen Kopfs. Lukas Bärfuss ist nicht nur Romanautor, sondern auch ein brillanter Essayist. Im seinem neuen Essayband sucht der Schweizer den Krieg in der Liebe und die Liebe im Krieg und erklärt, dass liberale Kräfte in Deutschland einer schwerwiegenden Illusion aufsitzen. Von Angela Gutzeit 18.04.2018
  • ZEIT: Krieg und Liebe in Kigali. Der Schweizer Lucas Bärfuss betreibt in seinem Roman »Hundert Tage« Politik- und Nestbeschmutzung Von Verena Auffermann 13. März 2008

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2017
    Nicht unbedingt begeistert, aber sehr anerkennend bespricht Rezensentin Judith von Sternburg diesen Roman des Schweizers Lukas Bärfuss, der vom „totalen Ruin“ eines Lebens in zwei Tagen erzählt. Vieles bleibt mysteriös in dieser Geschichte, räumt die Rezensentin ein, doch entwickle sie viel Komik und einen großen Sog: Ein Mann jagt sinnlos einer Frau hinterher, verliert dabei sein Smartphone, sein Auto, seine Papiere und offenbar auch seine Existenz, aber wie genau, das verrät uns Sternburg nicht. Virtuos und clever findet die Rezensentin diesen Roman konstruiert, denn Bärfuss doppele die fatale Verfolgungsjagd: Hinter dem Mann, der eine Frau verfolgt, steht ein Ich-Erzähler, der einer Figur nachjagt. Am Ende erkennt Sternburg darin eine Analogie auf den Menschen von heute, der viel wisse, ohne dass es ihm etwas nützt.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2017
    Lukas Bärfuss‘ neuer Roman „Hagard“ löst bei Rezensent Julian Weber im besten Sinne „ungute“ Gedanken aus. Wenn der Kritiker liest, wie Bärfuss‘ Protagonist Philip nur durch einen Zufall beginnt, eine unbekannte Frau zu verfolgen, aus seiner durchgetakteten Existenz als Immobilienentwickler ausbricht und immer mehr verwildert, wird Weber nicht nur schnell in den Bann gezogen, sondern beginnt auch, seinen eigenen Wahrnehmungen zu misstrauen. Großartig, wie der Autor Gegenwartskritik mit Sacher-Masochs „krankhaftem Realismus“ zu verbinden weiß, lobt der Kritiker, der nicht zuletzt eine spannenden Verfolgungsjagd gelesen hat.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2017
    Was geschieht, wenn eine zufällige Begegnung mit einer Frau alle Gewissheiten zerstört, lernt Jürg Altwegg in dem neuen Roman von Lukas Bärfuss. Den Verfall des Ich-Erzählers zum Underdog, der Essenreste sucht und schwarzfährt, verfolgt der Rezensent mit Spannung. Dass im Text vor allem gewartet, gerochen und gesehen wird, instinktmäßig, animalisch, scheint Altwegg zu gefallen. Der Rezensent überlässt sich dem Sog der katastrophensatten Geschichte, auch wenn dem Autor, wie er meint, die Dramaturgie seiner Story mitunter zu entgleiten droht, er das Tempo und den Anspruch an die Leser steigert und diese letztlich ratlos zurücklässt. Himmlisch mit all seiner Symbolik scheint Altwegg der Text allemal.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2017
    Mit einer hymnischen Besprechung feiert Meike Fessmann Lukas Bärfuss‘ neuen Roman „Hagard“, der ihr zwar mehr als Novelle erscheint, aber vor allem eines ist: ein „wildes“, traumspielerisches „Wunder“. Großartig, wie Bärfuss seinen Helden Philip, einen unter dem Druck der Leistungsgesellschaft zunehmend zermalmten Immobilienmakler von plötzlichem Liebeswahn für eine wie von Herman Bang impressionistisch hingetupfte „Lichtgöttin“ ergriffen, durch Zürich jagt, schwärmt die Kritikerin. Mehr noch: Bärfuss‘ konzentrierte, psychologisch leuchtende und ebenso mysteriöse wie „glaubwürdige“ Geschichte erscheint ihr wie eine Bestandsaufnahme des Maschinenzeitalters, in der das Smartphone die menschliche Triebstruktur berherrscht. Und unter dem doppelten Boden dieses Meisterwerks, das mit Verweisen auf aktuelle Begebenheiten, etwa die Besetzung der Krim ebenso geschickt umgeht wie mit Anspielung auf Leonardo oder Kafka, meint Fessmann gar antike „Sirenengesänge“ über Verschwendung, Begehren und Verglühen zu vernehmen.

    Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.02.2017
    Richard Kämmerlings bleibt nach der Lektüre von Lukas Bärfuss‘ neuem Roman „Hagard“ ebenso verwirrt wie „verstört“ zurück. Und das hat dem Kritiker ausgesprochen gut gefallen. Er begleitet hier den Immobilienmakler Philipp, der plötzlich von einer Obsession für eine namen- und gesichtlose Frau ergriffen wird, die er quer durch die in der „Schlacht des Neoliberalismus“ untergehende Stadt stalkt. Dass Philipps Beweggründe ebenso rätselhaft bleiben wie die Figur des Erzählers, erscheint Kämmerlings reizvoll. Und wie doppelbödig und erzählerisch geschickt Bärfuss den „Stoizismus unserer Gegenwart“ unterwandert, findet der Kritiker gar brillant.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2017
    Philipp Theisohn hält den neuen Roman von Lukas Bärfuss für ein Ereignis. Begründet ist das für Theisohn in der Anlage des Textes als beredter Zweifel an seiner eigenen Legitimation. Die Geschichte eines Aussteigers aus den Fesseln des bürgerlichen Daseins erzählt der Autor laut Rezensent als Kleist’sches Problem von Wahrheit und Wahrscheinlichkeit. Für Theisohn keine bildungsbürgerliche Koketterie, sondern ein zwischen Komik, Schwärze und Verstörung changierender Text. Dem laut Theisohn vorauszusehenden Vorwurf der Nebulosität setzt der Rezensent entgegen, dass dieses Buch viel riskiert, indem er an sich selber zweifelt. Ein Kraftakt, findet er.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.02.2017
    Ein „Hagard“ ist ein schwer zähmbares Tier, klärt uns Andreas Isenschmidt auf. Einem solchen folgt der Kritiker hier in Gestalt des Immobiliendealers Philip, der plötzlich von einer Obsession für eine namenlose Frau ergriffen wird und diese anderthalb Tage lang durch die Stadt verfolgt, bis er sich schließlich bei einem Einbruchsversuch versehentlich die Pulsadern aufschlitzt. Bärfuss gelingen Passagen von großer Sogkraft, vor allem, wenn er die „rhetorisch hinreißende Misanthropie“ seines Helden schildert, meint Isenschmidt. Leider verfällt der Autor aber immer wieder in die dritte, mitunter allzu „schwadronierende“ Erzählperspektive und streut ermüdende „kulturkritische Einlassungen“ ein, klagt der Kritiker. Die „satirischen Alltagsbilder“ und Nebenhandlungen lassen schließlich aber doch noch den formidablen Erzähler erkennen, schließt Isenschmidt.

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