Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht? / Qui a tué mon père (2019/2018)

https://i1.wp.com/i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1541271431l/42621093._SY475_.jpg?w=788&ssl=1»An meine Kindheit habe ich keine einzige glückliche Erinnerung« lautet der erste Satz in Édouard Louis‘ Roman »Das Ende von Eddy«. In seinem neuen Buch »Wer hat meinen Vater umgebracht« sieht Louis das anders, mittlerweile versteht er die Gewaltausbrüche seines Vaters, der unter der sozialen Ungerechtigkeit einer Gesellschaft leidet, die für Menschen wie ihn keinen Platz hat. Louis erinnert sich an einen liebevollen und fürsorglichen Vater, der seinem Sohn wünscht, aus den einfachen Verhältnissen auszubrechen. Édouard Louis hat es geschafft. Eine überwältigende Hommage an den eigenen Vater und dessen gescheiterte Träume.

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Hardcover, 80 pages
Published January 23rd 2019 by S. Fischer (first published May 3rd 2018)
Original Title Qui a tué mon père
ISBN13 9783103974287
Edition Language German

 

fr.wikipedia.org – Qui a tué mon père ?

ZEIT: Macron beklaut meinen Vater. Mitten im Gelbwestenkampf legt der junge französische Erfolgsautor Édouard Louis ein neues Buch über sich und seine Familie vor. Es ist ein vulgärsoziologisches Pamphlet geworden. Eine Rezension von Iris Radisch 23. Januar 2019, 16:51 Uhr Editiert am 25. Januar 2019, 7:55 Uhr DIE ZEIT Nr. 5/2019, 24. Januar 2019

DLF: Uraufführung von „Qui a tué mon père“Todesopfer des Sozialabbaus. Der junge Autor Édouard Louis, Arbeiterkind und Shootingstar der französischen Literatur, klagt an: Politik und Sozialabbau hätten seinen Vater getötet. Sein Buch „Qui a tué mon père“ ist im Januar auf Deutsch erschienen. Stanislas Nordey bringt den Roman nun in Paris auf die Bühne – und spielt selbst. Von Eberhard Spreng 13.03.2019

DLF: Klartext, der wehtut. In seinem gefeierten Debütroman hatte Édouard Louis den Schwulenhass seines Vaters bloßgestellt. In seinem neuen Buch „Wer hat meinen Vater umgebracht“ attackiert er nun das politische System, das seinen Erzeuger zu dem gemacht hat, der er ist. Eine aufwühlende, provozierende Streitschrift. Von Christoph Vormweg 06.02.2019

jetzt.de: „Macron hasst arme Menschen“. Der Schriftsteller der Stunde, Édouard Louis, über das Verhältnis zu seinem Vater, gefährliche Männlichkeitsbilder und die Arroganz der Macht. Interview von Quentin Lichtblau 06.02.2019

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.02.2019
    Rezensent Christoph Vormweg liest Edouard Louis‘ zweites Vaterbuch als Fortsetzung des Romans „Das Ende von Eddy“ und als „provozierende Streitschrift“. Wenn Louis hier aus soziologischer Distanz, aber in dichten Bildern auf den einst verhassten Vater blickt, dessen Nähe sucht und verdrängte feminine Seiten erkennt, den Neoliberalismus als Ursprung allen Übels benennt und von Revolution träumt, meint der ergriffene Kritiker: Das ist „Klartext, der wehtut“.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.02.2019
    Etienne Roeder nähert sich den Motiven, die Edouard Louis zum Schreiben seines neuen Buches bewogen haben, eher unkritisch. Auf die Wechselwirkungen zwischen Soziologie und Literatur in Louis‘ Texten geht er nicht ein, ebenso wenig auf den Text selbst. Zornig und engagiert findet Roeder den Autor und das Buch, das die Zusammenhänge von Politik und Vatergeschichte offenzulegen sucht. Unangenehme Literatur in unangenehmen Zeiten, meint er.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.01.2019
    Rezensentin Cornelia Geissler zeigt sich von der Wucht und dem kämpferischen Impetus des neuen Buchs von Edouard Louis tief beeindruckt: Die titelgebende Frage, wer seinen Vater umgebracht habe, beantwortet Louis in diesem autobiografisch geprägten Werk klar mit dem Verweis auf die führenden Politiker der letzten Jahre, die dem auf Sozialleistungen Angewiesenen mit ihrer „asozialen“ Politik den Lebensmut geraubt hätten, erzählt die Kritikerin. Sie vergleicht Louis‘ Wut auf die Abgehobenheit der Staatsmänner mit der der Gelbwesten und ist froh, dass sie nun auch literarisch ihr verzerrtes Gesicht zeigt.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.01.2019
    Iris Radisch kommt mit der Vulgärsoziologie a la Edouard Louis nicht zurecht, beschädigt sie doch die Literatur, wenn auch nicht nachhaltig, wie Radisch vermutet. Wie Louis seinen Vater in diesem neuen Text abermals vorführt, indem er ihn nunmehr zum Opfer französischer Politik von Chirac über Hollande bis Macron stilisiert, wie er die Vatergeschichte außerdem medial zur Legitimation für die Gelbwesten-Bewegung hochjazzt, gefällt Radisch überhaupt nicht. Der abzusehenden Dramatisierung des Stoffs sieht die Rezensentin mit nur mäßigem Interesse entgegen.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.01.2019
    Rezensentin Sigrid Brinkmann liest Edouard Louis‘ neues Buch als „Anklageschrift der französischen Bourgeoisie“. Während sie den Prolog, in dem Louis das Wiedersehen mit seinem kranken, einst die Mutter prügelnden Vater schildert, „feinfühlig poetisch“ findet, erscheinen ihr die sonstigen fragmentarischen Erinnerungen des Autors, der Einblicke in familiäre Konflikte und emotionale Abgründe gewährt, präzise und pathosfrei. Wenn der Autor, der Literatur erklärtermaßen als Mittel betrachtet, „um Scham in der Welt zu verbreiten“, Chirac, Bertrand, Hollande oder Macron mit Mördern vergleicht, „die nie für ihre Morde bekannt geworden sind“, geht er für Brinkmann dann doch ein wenig zu weit. Vielleicht sollte er von der Literatur in die Politik wechseln, meint sie.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2019
    Rezensent Joseph Hanimann teilt nicht unbedingt die Bewunderung für den von der französischen Linken gehätschelten Edouard Louis. Denn auch in dessen neuem Roman findet der Rezensent Grobschlächtiges zuhauf, sei es politischer oder stilistischer Art. Als Hommage an einen einfachen Mann, der sowohl seine brutalen wie bedauernswerten Seiten hatte, oszilliere „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ wie ein Großteil der neuen französischen Väterliteratur zwischen „Verklärung, Verachtung und Hass“, stellt Hanimann fest. Aber auch wenn seiner Ansicht nach manche Überzeichnung an die Substanz des Romans geht (als Mörder seines Vaters erweisen sich die Präsidenten Chirac, Sarkozy, Hollande und Macron), will Hanimann ihn nicht ganz verwerfen. Denn immer wieder stößt er beim Lesen auch auf interessante Widersprüche, auf Momente der Erkenntnis und „Wirbel des Unerwarteten“, die ihn zum „fein geschliffenen Kern eines Vaterprofils“ tragen.

    Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.01.2019
    Mara Delius liest das neue Buch von Edouard Louis als weiteren Versuch, gesellschaftliche Gewalt anhand einer Beschreibung der Provinzfamilie zu erklären. Wie der Autor den schleichenden Tod seines Vater mit den Sozialreformen und der Gelbwestenbewegung in Frankreich zusammendenkt, findet Delius zwar argumentativ mitunter recht simpel, Louis‘ Anklage allzu düster-deterministisch und moralisierend. Wichtig scheint ihr das Buch aber dennoch, da der Autor einem Unterprivilegierten wie seinem Vater eine Stimme verleiht. Als intime Geschichte der Männlichkeit in der Krise funktioniert das Buch am besten, findet Delius.

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