Jonas Lüscher: Kraft (2017)

34081552. sy475 Richard Kraft, Rhetorikprofessor in Tübingen, unglücklich verheiratet und finanziell gebeutelt, hat womöglich einen Ausweg aus seiner Misere gefunden. Sein alter Weggefährte István, Professor an der Stanford Uni­versity, lädt ihn zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Preisfrage ins Silicon Valley ein. In Anlehnung an Leibniz’ Antwort auf die Theodizeefrage soll Kraft in einem 18-­minütigen Vortrag begründen, weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können. Für die beste Antwort ist eine Million Dollar ausgelobt. Damit könnte Kraft sich von seiner anspruchs­vollen Frau endlich freikaufen …

Komisch, furios und böse erzählt Jonas Lüscher in diesem klugen Roman von einem Mann, der vor den Trümmern seines Lebens steht, und einer zu jedem Tabubruch bereiten Machtelite, die scheinbar nichts und niemand aufhalten kann.

Hardcover, 237 pages
Published January 27th 2017 by C.H.Beck (first published 2017)
Original Title Kraft
ISBN 3406705316 (ISBN13: 9783406705311)
Edition Language German

 

Jonas Lüscher

literaturkritik.de: Füchse und Igel. Jonas Lüscher sucht in seinem zweiten Roman „Kraft“ eine Antwort auf die verzwickte Theodizee-Frage. Von Beat Mazenauer Erschienen am: 13.02.2017

ZEIT: Die beste aller Welten. Jonas Lüscher hat mit „Kraft“ weniger einen Roman als einen furiosen literarischen Essay geschrieben, der mit dem Neoliberalismus abrechnet. Von Marie Schmidt 16. Februar 2017 DIE ZEIT Nr. 8/2017

DLF: Die Antwort auf die Eine-Million-Dollar-Frage. Warum ist alles, was ist, gut und wie können wir es dennoch verbessern? Für die beste Antwort auf diese philosophische Kernfrage winkt in Jonas Lüschers Roman „Kraft“ ein Preisgeld von einer Million Dollar. Damit will ein altlinker Professor all seine Sorgen loswerden. Warum das scheitern muss, erklärt Autor Jonas Lüscher im DLF-Gespräch. Dina Netz im Gespräch mit Jonas Lüscher 07.03.2017

DLF: Der unfähige Professor Kraft. In Jonas Lüschers Debüt-Roman „Kraft“ führt Professor Richard Kraft eine unglückliche Ehe und ihn plagen Geldsorgen. Ein wissenschaftlicher Wettbewerb im Silicon Valley verheißt ein Preisgeld von einer Million Dollar und die Lösung seiner Probleme. Von Gerrit Bartels Beitrag vom 14.02.2017

SZ: „Kraft“ von Jonas Lüscher: Gottesbeweis nach Google Von Christopher Schmidt. 3. Februar 2017

Please rate this

1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2017
    Paul Jandl zeigt sich dankbar für den Protagonisten in Jonas Lüschers neuem Roman „Kraft“, den Lüscher „frierend, nackt und mutterseelenallein, die Reste einer Wasserlilie ums Gemächt gewickelt“ durch San Francisco irren lässt und damit den perfekten „Ecce-Homo-Moment“ in der Geschichte der Schweizer Literatur kreiert. Lüschers Hauptperson, der Intellektuelle Kraft, treibt auf den finanziellen und persönlichen Ruin zu und glaubt sich nur mittels eines Referatswettbewerbs im amerikanischen Silicon Valley, dessen Gewinner eine Million Dollar bekommen soll, retten zu können. Jandl ist begeistert von diesem ambivalenten, manchmal antiquiert-künstlichen Gesellschaftsroman, bei dem Lüscher seine Figuren immer weiter in die Form hineinwachsen lässt, die er für sie geschaffen hat.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.03.2017
    Jonas Lüscher kann also auch Romane schreiben, stellt Cornelia Geissler fest, die vergangenes Jahr schon die Novelle „Frühling der Barbaren“ gern gelesen hat. Einmal mehr überzeugt der Schweizer Autor mit dem Versuch, ein aktuelles politisches Thema literarisch zu verdichten, meint die Kritikerin, die hier einen Tübinger-Rhetorikprofessor ins Silicon Valley begleitet. Wie Lüscher in einer Mischung aus Komik und Ernsthaftigkeit vorführt, wie ihr neoliberaler Held bei seinem Vortrag über die Zukunft der kapitalistischen Gesellschaftsmodelle an seine Grenzen gerät, dabei Rückblicke auf Krafts Vergangenheit ebenso einflicht und David Haselhoffs Auftritt an der Berliner Mauer mit „hochempfindlichen Bakterienkulturen“ kurzschließt, hat der Rezensentin gefallen. Nicht zuletzt lobt Geissler Lüschers Vermögen, den Leser an ihren unsympathischen Helden zu binden und ihn mit in die Verantwortung zu nehmen.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.03.2017
    Shirin Sojitrawalla fühlt der Zeit am Puls mit Jonas Lüschers Campus-Satire über einen deutschen Intellektuellen in der midlife crisis. Den Selbstfindungstrip des Tübinger Rhetorikprofessors ins Silicon Valley inszeniert der Autor laut Rezensent mit der Weitsicht des auktorialen Erzählers, reinziehenden eleganten Sätzen, plastischer Figurenzeichnung und satirischer Schärfe. Die Unzulänglichkeiten der Gegenwart werden dem Rezensenten deutlich, wenn der Autor seine Figur an den Brüchen deutscher Politik entlangführt und über Oberflächen und Äußerlichkeiten und politische und ökonomische Fragen räsonieren lässt.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.02.2017
    Als Roman möchte Rezensentin Marie Schmidt Jonas Lüschers „Kraft“ zwar nicht unbedingt bezeichnen, als Essay im Gewand belletristischer Fiktion findet sie das Buch allerdings grandios. So stört es die Kritikerin keineswegs, dass sämtliche Figuren einem gewissen „Schematismus“ folgen, vielmehr bewundert sie, wie der Schweizer Autor sich mit seinem linksliberalen, finanziell klammen Professor Kraft zum Kern der heutigen Theodizee-Frage vorarbeitet. Wie Lüscher hier mit dem Neoliberalismus abrechnet, hat der Rezensentin gut gefallen.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2017
    Andreas Platthaus erkennt in Jonas Lüschers Roman ein Buch zur Zeit. Sogar das Befremden, das der Rezensent empfindet, wenn Lüscher seine stark ironisch eingefärbte Geschichte um den Niedergang eines deutschen Bildungsbürgers in Stanford mit archaischen, manieriert wirkenden Wendungen wie „allenthalben“ garniert, möchte Platthaus als zeitgemäße Verunsicherung deuten. Der kleine Roman, der den Rezensenten stilistisch an Thomas Mann, thematisch an T. C. Boyle erinnert, hat Platthaus sichtlich Spaß gemacht.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.02.2017
    Christopher Schmidt folgt dem Sengstrahl von Jonas Lüschers intellektueller Prosa durch die Gegenwart. Der altmodische, ironische Erzählton des Autors gefällt ihm, wenn Lüscher seinen Tübinger Rhetorikprofessor Richard Kraft als satirischen Inbegriff eines europäischen Intellektuellen in die Keimzone des digitalen Totalitarismus nach Kalifornien schickt. Und in ihm bäumt sich das alte Europa gegen das Silicon Valley auf, die Hermeneutik gegen die Algorithmen, der Humanismus gegen das Engineering. Teils Gelehrtensatire, teils Campus-Roman, teils Kapitalismus-Kritik, berauscht der Roman den Rezensenten durch Leichtfüßigkeit und die Souveränität eingestreuter philosophischer Exkurse sowie durch ein feines Motivnetz.

    Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.02.2017
    Richard Kämmerlings geht mit Jonas Lüschers Gelehrtensatire „Kraft“ hart ins Gericht. Zwar muss der Kritiker über die ein oder andere Episode durchaus schmunzeln, im Wesentlichen erscheint ihm die Geschichte um einen Tübinger Rhetorik-Professor, den es aus Geldnot und dank einer Preisfrage an die Stanford University in Kalifornien verschlägt und an dessen Beispiel Lüscher die Geschichte liberal-konservativen Denkens erzählen will, allerdings zu „klischeehaft und plump“. Dass sich der Witz des ewigen Scheiterns und der Spott über die digitale Elite bald erschöpfen, mag der Rezensent noch verzeihen. Dass Lüscher sich aber nicht entscheiden kann, ob sein Held oder die Welt Zielscheibe des Zynismus ist, findet der Kritiker störend. Lüschers „betüddelnde“ Erzählhaltung, dazu einige schiefe Formulierungen lassen für Kämmerlings nur einen Schluss zu: Lieber zu Saul Bellows Roman „Herzog“ greifen, der die „Tragik des modernen Bewusstseins“ wesentlich besser verdeutlicht, rät der Kritiker.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2017
    Was das Politische mit dem Privaten zu tun hat, lernt Rezensent Philipp Theisohn mit Jonas Lüschers Roman. Die Chronik einer Kapitulation, den Absturz eines virilen Bildungsbürgers im Angesicht einer fremden Autorität, inszeniert der Autor laut Rezensent allerdings nicht überzeugend. Das liegt für Theisohn am Missverhältnis von Charakter und Geschichtlichkeit. Oder anders: Die Fallhöhe der Figur stimmt nicht. Und der Text wiederholt die Posen seiner Figur in überzogenen Szenen, meint Theisohn. Den Selbstmord am Schluss nimmt er dem Protagonisten nicht ab. Die Verbindung zwischen dem Schicksal der Figur und der Theodizee, die der Text suggeriert, sie scheint dem Rezensenten schon vor dem Ende des Romans zerrissen.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.