1911062Ä ist bereits der dritte Band mit Max Goldts sagenhaft orginellen Kolumnen aus dem Satiremagazin Titanic. Der 1958 geborene, in Berlin lebende Autor, ist allerspätestens durch Die Radiotrinkerin zur Kultfigur innerhalb der deutschsprachigen Literaturszene geworden, und liest man die Texte aus Ä, begreift man auch wieso. Goldt ist sprachlich ganz nah am Puls der Zeit, seine Texte entwickeln sich mehr als schräg.

So beginnt „Finanztantenhappen in Freiheit heißen Hering“ mit der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht, handelt jedoch bald vom Laienrichtertum und dem zu verhandelnden Fall einer 2CV-fahrenden, schwangeren und obendrein nervösen Lehrerin, die von einem Motorradfahrer „mit Ungentlemanlikem bekübelt wurde“, nachdem er ihr „eine reingehaut hatte“. Goldt verläßt daraufhin das Gericht und geht ins gegenüberliegende Lokal. Dort entdeckt er auf der Speisekarte eine „Gerichtsdiener-Terrine“, einen „Ratsherrentopf“ oder einen „Senatorenhappen“, der sich als Hering in Tunke aus der Dose herausstellt, wo doch jeder weiß, daß diese „Fischdosen hergestellt werden, damit betrunkene Heimkommende was Weiches und Würziges zum Reinschaufeln haben“. Woraus Goldt schließt, die Konservenhersteller würden die Bevölkerungsgruppe der Senatoren pauschal der Besoffenheit bezichtigen, wenngleich er einräumt, daß „sicher auch ein Senator mal seine Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, weil seine Existenz verschattet ist“. „Doch auch Finanztanten (um zum Ausgangspunkt, der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht zurückzufinden) haben ihren Anteil an Sorge, Schatten & Wein. Der Fisch könnte ebenso Finanztantenhappen heißen“.

Ä ist ein unbeschreibliches Buch, besonders empfehlenswert zum Beispiel für „Björk“-Konzertbesucher oder so. –Mike Markart

Paperback, 220 pages
Published 2004 by Rowohlt-Taschenbuch-Verlag (first published January 1st 1997)
Original Title Ä. Kolumnen.
ISBN 3499234327 (ISBN13: 9783499234323)
Edition Language German

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