Iris Radisch: Camus: Das Ideal der Einfachheit. Eine Biographie (2013)

https://i0.wp.com/www.literaturundkunst.net/wp-content/gallery/literatur/bild_lit_camus_1.jpg?w=788Unterm Strich – Camus, wie ihn kaum jemand kennt

Ein Mann, der zum Mörder wird, weil ihn die Sonne blendet – bis heute ist Der Fremde eine der berühmtesten literarischen Figuren der Welt.

Albert Camus, sein Schöpfer, ist der Philosoph des Absurden, in das der Mensch hineingestellt ist, der Denker der Revolte, die den Menschen ausmacht – und immer der Anwalt der Einfachheit, die dem Algerienfranzosen das Grundgegebene unter der Sonne und zugleich das am stärksten Gefährdete war.

«Aktueller denn je», lautet der Befund von Iris Radisch, einer der führenden deutschsprachigen Literaturkritikerinnen, die uns aus Anlass seines 100. Geburtstages auf eine faszinierende Reise mitnimmt: von Belcourt, dem ärmlichen Viertel Algiers, in dem Camus mit einer stummen Mutter aufwächst, in das graue Paris, das unter deutscher Besatzung die Moral der jungen Existenzialisten herausfordert.

Vom konkurrierenden Großbürger Sartre als «algerischer Gassenjunge» abgetan, ist Camus, der erklärte Antifaschist, Antikommunist und Europäer, selbst ein Fremder – und hellsichtiger als alle.

Emphatisch vermittelt uns Iris Radisch diesen von karger mittelmeerischer Landschaft geprägten Mann in allen seinen Lebenskämpfen, als Liebhaber der Frauen und eines Denkens, das sich engagiert.

Hardcover, 352 pages
Published September 20th 2013 by Rowohlt
Original Title Camus: Das Ideal der Einfachheit. Eine Biographie
ISBN13 9783498057893
Edition Language German

FAZ: Drei Camus-Biographien : Das Ende kam, als endlich alles hätte beginnen können Von Jochen Schimmang Aktualisiert am 01.11.2013

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013
    Schön ausgewogen das Lob nach allen Seiten verteilend, bespricht Rezensent Joseph Hanimann die Camus-Biografien von Iris Radisch und Martin Meyer. Während letzter eine Werkbiografie geschrieben hat, die für den Rezensenten das Ergebnis langjähriger Camus-Lektüre ist und vor allem zur Wiederbegegnung einlädt, empfiehlt er Radischs Biografie – nicht nur, aber auch – Lesern, die mit Camus nicht so vertraut sind. Radisch hat die Kapitel in zehn Stichwörter eingeteilt, die wichtig waren für den französischen Philosophen und Literaten: Freiheit, Schmerz, Sonne, Mutter etc., so Hanimann. Um diese Stichwörter herum baut Radisch dann eine „kunstvoll komponierte Lebensgeschichte“ auf, die wie ein „kubistisches Bild“ gestaltet sei. Elegant geschrieben sei das Buch außerdem und das persönliche Interesse der Autorin verleihe ihm den nötigen Schwung.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2013
    Unter den drei zu Albert Camus‘ hundertstem Todestag publizierten Biografien preist Rezensent Jochen Schimmang insbesondere Iris Radischs nun unter dem Titel „Das Ideal der Einfachheit“ erschienenes Werk. Der Kritiker lobt nicht nur die Empathie, mit der sich Radisch dem französischen Philosophen nähert, seine beschwerliche Kindheit in Algerien beleuchtet und zwischen Realität und Wunschbild Camus‘ differenziert, sondern ihr gelinge es auch mit „Bravour“ Einträge aus Camus‘ Tagebüchern ganz ohne schematische Zuordnungen mit ihrer Biografie zu verbinden. Darüber hinaus stellt der Kritiker mit Bewunderung fest, dass Radisch auch durchaus noch Neues über den Autor zu berichten weiß: Das „mittelmeerische Denken“ etwa sei keine Erfindung Camus‘ gewesen, sondern kursierte in Algier bereits in den zwanziger Jahren, berichtet der Rezensent. Neben den eindrucksvollen Einblicken in das Leben des Philosophen würdigt Schimmang das Buch auch als gelungene Werkbiografie, die zwar weniger ausführlich als jene von Martin Meyer ist, dafür aber durchaus „dezidierter“. Und so kann der Kritiker dieses brillante Buch als erste oder weiterführende Auseinandersetzung mit Camus nur dringend empfehlen.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2013
    „Elegant“ findet Rezensentin Doris Akrap die Camus-Biografie von Iris Radisch, die die Werkgenese mit den biografischen Stationen des Philosophen des Absurden verbindet und insbesondere auf die Außenseiterposition fokussiert, in der sich Camus sein kurzes Leben lang befand. Verantwortlich für diese Position macht Radisch die zerrissene Biografie des Philosophen zwischen algerischer Herkunft und späterem Star-Status unter den Intellektuellen im Paris der 40er und 50er Jahre, wobei Radisch seine gefeierte spröde Sprache sogar auf die Wortkargheit seiner analphabetischen Mutter zurückführt, wie Akrap betont neutral berichtet. Ein Jammer ist es da, so die Rezensentin weiter, dass insbesondere Camus‘ frühe algerische Schriften nicht auf Deutsch vorliegen: Radischs Plädoyer für den algerischen Camus lasse sich so kaum folgen.

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