Mathias Énard: Kompass (2015 / 2016)

31836857. sy475 „Kompass“ ist das Buch der Stunde: eine leidenschaftliche Beschwörung der jahrhundertelangen Passion des Westens für die orientalische Kultur. Unter dem Schock einer alarmierenden medizinischen Diagnose verbringt Franz Ritter, Musikwissenschaftler in Wien, eine schlaflose Nacht. Er begibt sich im Geiste noch einmal an die Orte seiner Forschungsreisen: Istanbul, Damaskus, Aleppo, Palmyra – alles Städte, die für ihn untrennbar mit Sarah verbunden sind, der berühmten Orientalistin, seiner großen Liebe. Seine Erinnerung zaubert immer mehr Fakten, Romanzen und Geschichten hervor, die alle von dem entscheidenden Beitrag des Orients zur westlichen Kultur und Identität zeugen. Für diesen Roman erhielt Mathias Énard in Frankreich 2015 den Prix Goncourt.

Holger Fock (Translator), Sabine Müller (Translator)

Hardcover, 432 pages
Published August 22nd 2016 by Hanser Berlin (first published August 19th 2015)
Original Title Boussole
ISBN 3446253157 (ISBN13: 9783446253155)
Edition Language German

 

ZEIT: Mathias Énard: Alles ist kosmopolitisch! „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“, dichtete Goethe. Der französische Schriftsteller Mathias Énard erzählt in seinem Roman „Kompass“, wie sich Morgen- und Abendland wechselseitig durchdringen.Von Ijoma Mangold 8. Dezember 2016

FAZ: Mathias Énard erhält Buchpreis : Europa, die libanesische Prinzessin Von Sandra Kegel – Aktualisiert am 24.03.201 Mathias Énards Roman „Kompass“ erinnert nicht zufällig an „Tausendundeine Nacht“. Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse wurde er nun mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

NZZ: Eine orientalische Reise ans Ende der Nacht. Der Roman, für den Mathias Énard 2015 den Prix Goncourt erhalten hat, führt den Erinnerungen eines schlaflosen Musikwissenschafters entlang in den Orient. Was darin nicht fehlt: eine Liebesgeschichte. Vanessa de Senarclens 8.9.2016

literaturkritik.de: Die Nadel zeigt nach Osten. Mathias Énard reflektiert in seinem Roman „Kompass“ die engen Austauschbeziehungen zwischen Orient und Okzident Von Beat Mazenauer Letzte Änderung: 21.11.2016

DLF: Mathias Énard: „Kompass“Roman einer schlaflosen Nacht. In „Kompass“ erzählt der französische Schriftsteller Mathias Énard von der kulturellen Faszination, die der Orient über Jahrhunderte in Europa hervorrief. Dabei verliert er jedoch nicht den Blick auf aktuelle Ereignisse, wie den Krieg in Syrien oder den Zerstörungswahn des Islamischen Staates. Außerdem: Ein Seitenblick auf seinen in Kürze erscheinenden Roman „Alkohol und Wehmut“. Von Christoph Vormweg 16.10.2016

Das Erste: Video: Mathias Énard und sein großer Orient-Roman „Kompass“ 29.01.17 | 10:36 Min. | Verfügbar bis 29.01.2022 Die Gedanken eines Wiener Orientalisten streifen durch die überreiche Geschichte der Beziehungen zwischen Morgenland und Abendland. Mathias Énards Werk „Kompass“ führt uns vor Augen führt, wieviel diese Kulturen miteinander verbindet.

liberation.fr: Mathias Énard , déroutante «Boussole» Par Philippe Lançon — 7 octobre 2015 à 17:06 (mis à jour le 3 novembre 2015 à 12:56) De Vienne à Istanbul, l’écrivain met en scène une bande d’orientalistes. Mais son érudition tous azimuts alourdit le propos.

Le Monde: Prix Goncourt : Mathias Énard récompensé pour « Boussole » Le dixième livre de l’écrivain niortais, diplômé de persan et d’arabe, conserve la trace de sa passion pour le monde oriental et est dédié « aux Syriens ». Par Raphaëlle Leyris Publié le 30 octobre 2015 à 14h07 – Mis à jour le 05 novembre 2015 à 09h03

Please rate this

1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2017
    Orientalismus und Liebe, beidem liegt das Begehren zu Grunde, die Grenzen des Ich beziehungsweise die Grenzen der eigenen Kultur zu überschreiten, liest Rezensent Ulrich Gutmair in Mathias Énards gelehrtem Roman, für den der Autor gerade den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung bekommen hat, und das zu recht, findet Gutmair. Mal brav, fast neurotisch detailverliebt, mal mutig essayistisch und stets mit subtilem Humor gewürzt, lässt Énard seinen Romanhelden, einen Musikwissenschaftler und leidenschaftlichen Orientalisten, wie einst Scheherezade um sein Leben und gegen eine mysteriöse Krankheit anerzählen, lesen wir. Was dabei entsteht, so der Rezensent, liest sich wie eine „kleine Geschichte des Orientalismus“, aber auch ein Nachdenken, ein Reflektieren über etwas, das schon Goethe im West-östlichen Divan feststellte: „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.11.2016
    Rezensent Ijoma Mangold ist unschlüssig, ob er Mathias Énards neuen Roman „Kompass“ als „Buch zur Stunde“ bezeichnen soll. Denn im Grunde genommen ist die Liebesgeschichte der beiden Orientalisten Franz und Sarah, in der Énard von der wechselseitigen Durchdringung zwischen Orient und Okzident erzählt, vielmehr ein „eskapistischer“ Roman, glaubt der Kritiker. Und so flieht Mangold mit Énards Erzähler Franz in einem inneren Monolog in eine Welt, in der kultureller Dialog jenseits von IS und identitären Bewegungen noch möglich ist. Fasziniert liest der Rezensent zudem, wie es dem Autor in seiner Version von 1001 Nacht gelingt, gelehrte Exkurse zum Orientalismus, Liebe, Sinnsuche, Melancholie und metaphysische Sehnsucht miteinander zu verbinden.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016
    Rezensent Niklas Bender kann mit der minimalistischen Rahmenhandlung in Mathias Énards zehntem Roman leben. Das Fleisch liegt dazwischen, meint er, Erinnerungen und Bezüge und ein ganzer Dialog zwischen Orient und Okzident. Wenn Énard Ideen und Werke auflistet, Personen und Geschichten von Cervantes bis Pessoa, Annemarie Schwarzenbach bis Edward Said, um die Beziehungen zwischen Abend- und Morgenland zu illustrieren, raucht dem Rezensenten zwar der Kopf, und er findet, etwas weniger Bildungshuberei hätte es auch getan, doch Énards verspielter Stil lässt Bender diese Liebesgeschichte in Bezügen und Énard als Beweis einer jungen kosmopolitischen französischen Literatur schließlich doch ins Herz schließen.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2016
    Rezensentin Vanessa de Senarclens kann in Mathias Énards poetischem Orientspaziergang keine westliche Projektion erkennen, keinen Versuch, wie bei Edward Said, orientalische Machtstrukturen offenzulegen, oder gar eine Männerfantasie über den Harem. Der Rückblick von Énards Protagonist, einem Musikwissenschaftler, der sich in einer schlaflosen Nacht an seine Reisen nach Palmyra, Aleppo und Teheran erinnert sowie an die Liebe zu einer Literaturwissenschaftlerin, die über deutsche Schriftsteller im Orient forscht, erscheint der Rezensentin als eine meisterlich umgesetzte literarische Wanderung in der Tradition der Orientreise, die die Spuren des Orients in der Kunst verfolgt.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.08.2016
    Was für ein Wunderding von einem Roman, meint Joseph Hanimann über Mathias Énards Buch. Zähe Debatten- und Thesenliteratur ist der Roman für Hanimann jedenfalls nicht, eher eine Wundertüte, in der zwar keine Story knistert, dafür aber Bücher und Ereignisse, die in einen Reigen treten und den Leser auffordern, in den Kopf des Protagonisten zu steigen und seinen sich weit verzweigenden Erinnerungen zu folgen, von seinen Orientreisen und Forschungsexpeditionen. Der bewegende Lebensrückblick des weltreisenden Musikwissenschaftlers Franz Ritter hat es in sich, erläutert Hanimann. Ein Geschichtspanorama über die Beziehungen zwischen Abend- und Morgenland und gegen die grassierende Horizontverengung, meint er.

    Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.08.2016
    Mathias Énards „Kompass“ ist definitiv ein Roman, aber schon lange hat sich niemand mehr getraut, einen Roman derart mit Geistesgeschichte voll zu packen, staunt Tilman Krause. In vielen kleinen Geschichten, die der fieber- oder opiumträumende Orientalist Franz Ritter in seiner Wiener Wohnung erinnert, wird eine große Geschichte erzählt, erklärt der Rezensent: die des europäischen Traums vom Orient., beziehungsweise vom Orient als europäischem Traum – Énard offenbart diesen Orient als die ureigenste Fantasie des Westens von einer verheißungsvollen Fremde im Osten, erklärt Krause. Diese Fantasie breitet Énard aus, lädt zum Mitträumen oder Nachdenken ein und wurde dafür ganz zu recht mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, findet der Rezensent.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.