Arno Geiger: Unter der Drachenwand (2018)

36672625. sy475 Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch?

Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom „Brasilianer“, der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein herausragender Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.

Hardcover, 480 pages
Published January 8th 2018 by Carl Hanser (first published 2018)
Original Title Unter der Drachenwand
ISBN 3446258124 (ISBN13: 9783446258129)
Edition Language German

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/unter-der-drachenwand/978-3-446-25812-9/

Literary Awards

 

Personen:

Veit Kolbe:  Wehrmachtssoldat, im Jahr 1944 gerade 24 Jahre alt, wohnhaft in der Possingergasse in Wien, schwer verwundet durch Granatsplitter an der Ostfront und auf Genesungsurlaub in Mondsee am Mondsee im Salzburgischen.

Margot Neff vh.  Kolbe: Die „Reichsdeutsche“ Margot aus Darmstadt, frisch verheiratet mit einem Soldaten aus Linz, Mutter eines Säuglings und Nachbarin des Wehrmachtssoldaten Veit Kolbe in Mondsee, sowie deren Mutter aus dem total zerstörten Darmstadt.

Justus und Lore Neff – Margots Eltern

Robert Raimund Perttes – Der Brasilianer

Trude Dohm  – Quatierfrau, Schwester vom Brasilianer.

Max Dohm – Trude Dohms Ehemann

Margarete Bildstein – Lehrerin. Ferner eine kinderlandverschickte Mädchenschulklasse im benachbarten Ort samt einer rätselhaft verschlossenen Wiener Lehrerin.

Kurt Ritler –

Nanni Schaller –

Oskar Meyer: der jüdische Zahntechniker Oskar Meyer aus der Possingergasse, dem die Flucht aus Wien zu spät gelingt. Nachdem seine Frau und sein Kind deportiert werden, meldet er sich in Budapest freiwillig zur Zwangsarbeit.

Wally Meyer – seine Frau

Georg und Bernhard Meyer – ihre Kinder

 

 

Radio Bremen – bremen2: Gesprächszeit: Arno Geiger – Bremer Literaturpreisträger. Kaum hatte das Jahr 2019 begonnen, wurde Arno Geiger der Bremer Literaturpreis in die Hände gedrückt. Seit 2005, als er erster Preisträger des Deutschen Buchpreises war, hat er einen Erfolgsgipfel der deutschsprachigen Literatur nach dem anderen erklommen. Die Bremer Jury überzeugte er mit seinem Roman „Unter der Drachenwand“.

ZEIT: Stimmen des Krieges. Was weiß man schon über das Lebensgefühl vergangener Zeiten? Arno Geigers Roman „Unter der Drachenwand“ rekonstruiert einfühlsam die Gemütslage am Ende des Zweiten Weltkrieges. Von Iris Radisch 10. Januar 2018

FAZ: Keine Hoffnung ohne Horror. Arno Geigers meisterlicher Roman „Unter der Drachenwand“ führt ins Weltkriegsjahr 1944 und zeigt das erschreckende Nebeneinander vom Untergang der Gesellschaft und dem Beharrungswillen des Einzelnen. Von Andreas Platthaus Aktualisiert am 12.01.2018

DLF: Arno Geiger über seinen Roman „Unter der Drachenwand“„Jede Figur hat das Recht auf Atem und Pulsschlag“. Arno Geiger im Gespräch mit Andrea Gerk. „Der Roman ist ein erfundenes Haus mit echten Türen und Fenstern“, sagt der Schriftsteller Arno Geiger. In seinem neuen Roman „Unter der Drachenwand“ hat Arno Geiger mit Veit Kolbe wieder einen Anti-Helden geschaffen. Im Gespräch erzählt der österreichische Autor, wie viel Anti-Held in ihm selbst steckt und wie ihn sein Vater und Großvater geprägt haben. Beitrag vom 05.01.2018

DLF: Arno Geiger: „Unter der Drachenwand“ Fronturlaub am Mondsee. Von Jörg Magenau. 1944 reist der junge Veit an den Mondsee, um sich von den Schrecken des Krieges zu erholen. Hier findet er Liebe. Doch auch die Dorfidylle vor Ort hat ihre Abgründe. Der Roman sei außerordentlich schön und ein grandioser literarischer Jahresauftakt, findet Jörg Magenau. Beitrag vom 06.01.2018

NZZ: Die Firma Blut und Boden ist geschäftstüchtig – Arno Geigers neuer Roman «Drachenwand». In den Kriegswinter 1944 schaut Arno Geiger in seinem neuen Roman. Er findet in den Winzigkeiten des Lebens einen Rest an Menschlichkeit. Von Paul Jandl 06.01.2018

literaturkritik.de: Ein leerer Raum, in dem das Leben verschwindet. Arno Geigers Roman „Unter der Drachenwand“ handelt vom Krieg und den Zerstörungen, die er in den Menschen anrichtet. Von Dietmar Jacobsen Letzte Änderung: 04.05.2018

SZ: Mondsee, 1944: In seinem neuen Roman „Unter der Drachenwand“ erzählt der österreichische Schriftsteller Arno Geiger von Leben, Leid und Lieben eines jungen Kriegsversehrten. Von Meike Fessmann 9. Januar 2018

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2018
    Rezensent Dirk Knipphals zeigt sich tief berührt von Arno Geigers Roman „Unter der Drachenwand“, in dem der Autor sich mit der Einsamkeit des Menschen im Krieg auseinandersetzt. In fiktiven Briefen und Tagebucheinträgen kommt der Leser den Figuren und ihren Kriegserfahrungen so nahe wie selten in der Literatur, lobt Knipphals. Da sind die Mädchen am Mondsee, die buchstäblich im Schatten des Krieges ihre sehnsüchtigen Briefe an die Abwesenden schreiben, und da ist vor allem Veit Kolbe – ein verletzter, einsamer Soldat, der versucht, die „harte Kriegshaut“ abzulegen, um sein Trauma verarbeiten zu können, der versucht zu überleben und zu lieben, so Knipphals. Die Empathie Geigers und seine feinfühlige Darstellung ringt dem Rezensenten höchste Bewunderung ab.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.01.2018
    Als „geniale Authentizitätsfiktion“ würdigt Rezensentin Iris Radisch Arno Geigers neuen Roman „Unter der Drachenwand“. Denn anders als Walter Kempowski in seinem „kollektiven Tagebuch“ hat Geiger die von ihm gesichteten Briefe und Tagebücher aus den letzten Kriegsjahren entscheidend nachbearbeitet, informiert die Kritikerin, die darin den besonderen Reiz des Buches entdeckt. Wenn ihr Geigers junger, vom Krieg gezeichneter Wehrmachtssoldat Veit in „neusachlichem“, präzisem und nur ein wenig süßlichem Ton seine Fronterfahrungen schildert oder andere Stimmen, wie etwa jene der im zerbombten Darmstadt von allen verlassene Mutter, „glaubhaft“ naiv vom Kriegsalltag erzählt, überzeugt der 49jährige Autor durch so viel Einfühlungsvermögen, dass die Rezensentin kaum noch die historische Distanz bemerkt. Dass Geigers „schreibende Antifa-Truppe“ gegenüber der NS-Ideologie völlig resistent scheint und der Autor auf Täter-Perspektiven komplett verzichtet, geht für Radisch in Ordnung.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2018
    Rezensentin Meike Fessmann liest Arno Geigers neuen Roman als großen Schritt im Werk des Autors und gültige Meditation über die Absurdität des Krieges. Wie der Autor anhand mehrerer scheinbar historisch beglaubigter Erzählstimmen das Leid eines Kriegsversehrten beschreibt, scheint ihr bemerkenswert. In Geigers Nachahmung von Ton, Geist, Gefühlen, Ahnung und Hoffnung der Kriegszeit und der Ausblendung unseres heutigen Wissens über den Krieg sieht sie ein Meisterwerk an Empathie. Auch wenn der Text etwas „zottelig“ daherkommt, meint sie, ist er sorgfältig konstruiert und arbeitet geschickt mit dem Erinnerungshorizont der Zeit und dem intimen Ton von Tagebüchern und Briefen.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2018
    Meisterwerk!, jauchzt Rezensent Andreas Platthaus nach der Lektüre von Arno Geigers neuem Roman und scheut sich nicht, den Vergleich mit Arno Schmidt zu ziehen. Denn Geiger, laut Platthaus einer der „wandlungsreichsten“ deutschsprachigen Schriftsteller, rhythmisiert den „elaborierten“ Text durch Schrägstriche ähnlich wie Schmidt nicht nur typografisch, sondern dessen 1949 erschienenes Debüt „Leviathan“ scheint auch als „Blaupause“ für den Roman gedient zu haben, glaubt der Kritiker: Mit präzisem Blick lasse Geiger seinen im idyllischen Mondsee rekonvaleszierenden Helden Veit Kolbe das Jahr 1944 zwischen Untergang und Beharrungswillen analysieren, stets durchbrochen durch weitere Erzählstimmen, die vom Kriegsalltag berichten, fährt der Rezensent fort und staunt, wie treffend der 1968 geborene Autor jene Atmosphäre zwischen Beklemmung und Glück einfängt. Und wenn Geiger im letzten Kapitel die Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation geschickt verwischt, lässt er Gewährsmänner wie Schmidt, Ransmayer oder Seethaler gar ein Stück hinter sich, schwärmt der Kritiker.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.01.2018
    Wie Arno Geiger in seinem neuen Roman vom Krieg erzählt, findet Judih von Sternburg unheimlich und meisterlich. Er macht das nach Art einer Herausgeberfiktion, die verschiedene Dokumente unsentimental, aber empathisch aneinanderreiht, Handlungs- und Figurenfäden locker verknüpft, meint Sternburg. Zeit und Menschen werden dadurch zum Leben erweckt, die Geschichte entwickelt ihren eigenen Sog, sodass Sternburg schließlich kaum noch zu entscheiden vermag, ob das Erzählte fiktiv oder echt ist. Großartig findet sie, dass Geiger auf jedes Spiel mit der Fiktion verzichtet, Neckisches außen vor lässt. Die Rezensentin glaubt jedes Wort, das sie liest, und das Sinnlose, Verrohende des Krieges steht ihr lebhaft vor Augen.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2018
    Rezensent Paul Jandl führt den Chor der Hymnen zu Arno Geigers neuem Roman an: Geiger ist auf der Höhe seines Schreibens angekommen, jubelt er. Auf „Zehenspitzen“ folgt er dem Autor durch die Hölle der letzten Kriegsmonate, erlebt, wie Geiger seinen Helden Veit im oberösterreichischen Mondsee mit Pervitin genesen lässt und diesen hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl der Angst vor der Rückkehr an die Front und der Hoffnung auf das Kriegsende seine Umgebung präzise wahrnehmen lässt. Vor allem aber bewundert Jandl, wie Geiger seine Figuren in einer gekonnten Mischung aus Distanz und Empathie abstrahiert, auf Pädagogik verzichtet und dem Erzählten bei aller stofflichen Fülle genügend Luft zum Atmen lässt.

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