Pankaj Mishra: Das Zeitalter des Zorns: Eine Geschichte der Gegenwart (2017)

36039405. sy475 Wie können wir den Ursprung des Hasses erklären, der unsere Welt überzieht – von Amokläufern über den IS bis hin zu Donald Trump, von rachsüchtigem Nationalismus bis zu Rassismus und Frauenfeindlichkeit in den Sozialen Medien?

Der britisch-indische Intellektuelle Pankaj Mishra gibt in seinem neuen Buch eine überraschende Erklärung. Indem er zunächst den Blick bis hin zurück ins 18. Jahrhundert richtet, zeigt er, wie schon im Prozess der Modernisierung diejenigen, die nicht davon profitiert haben, anfällig für Demagogen waren.

Und alle anderen, die zu spät kamen, zurückgelassen oder ausgegrenzt wurden sind, immer auf erschreckend gleiche Weise reagiert haben: mit Hass auf erfundene Feinde, dem Heraufbeschwören eines imaginären Goldenen Zeitalters und der Selbstermächtigung durch spektakuläre Gewalt.

Heute wie damals treiben Massenpolitik, Technologie und das Streben nach Reichtum und Individualismus Millionen von Menschen ziellos in eine demoralisierte Welt: Entwurzelte, die von der Moderne nicht profitieren – mit denselben schrecklichen Folgen.

Eine brillante und höchst aktuelle Deutung der Gegenwart, wie sie nur ein wahrhaft »globaler Intellektueller« (SZ) vorlegen kann.»

Mit tiefem Verständnis sowohl der westlichen wie der nichtwestlichen Geschichte bekommt Pankaj Mishra, wie niemand vor ihm, das Elend im Herzen dieser gefährlichen Zeiten in den Griff. Das ist das erstaunlichste, überzeugendste und verstörendste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.« Joe Sacco»Zwingend, tiefgründig und genau zur richtigen Zeit.« John Banville

Übersetzt von Michael Bischoff, Laura Su Bischoff
Hardcover, 416 pages
Published June 22nd 2017 by S. FISCHER (first published January 26th 2017)
Original Title Age of Anger: A History of the Present
ISBN 3103972652 (ISBN13: 9783103972658)
Edition Language German

Literary Awards
Orwell Prize Nominee for Longlist (2018)

ZEIT: Pankaj Mishra: „Der Wunsch nach Zerstörung ist Teil moderner Gesellschaften“. Woher kommt die Wut auf der Welt? Der indische Schriftsteller Pankaj Mishra spricht über globalen Terrorismus, das Erbe der Aufklärung und die Verlierer der Geschichte. Interview: Kevin Neuroth 1. Juli 2017

ZEIT: Kampflinie im Herzen. Pankaj Mishra deutet die Verwerfungen des Kapitalismus aus einem Geburtsfehler der europäischen Moderne. Von Stefan Weidner. 12. Juli 2017

DLF: Ein Unbehagen an der Moderne. „Es gibt weit mehr Sehnsüchte, als sich im Zeitalter der Freiheit und des Unternehmertums legitim verwirklichen lassen“, schreibt der indische Essayist Pankaj Mishra in „Das Zeitalter des Zorns“. Sein neues Buch beschreibt das Unbehagen an der Moderne und ist eine Kritik an einem nicht zur Selbstreflexion fähigen Liberalismus. Von Ulrich Rüdenauer 19.07.2017

ZEIT: Zeitalter des Zorns. Endlich einer, der sich einen Reim auf unsere Gegenwart machen kann: Eine Begegnung mit dem globalen Intellektuellen Pankaj Mishra, der wie kein Zweiter die Lebenslügen des Westens entlarvt. Von Jan Roß. 26. Dezember 2019

"Zeitalter des Zorns": Das explosive Gefühl, zu kurz zu kommen: Protest gegen die Rentenreform in Paris.

Das explosive Gefühl, zu kurz zu kommen: Protest gegen die Rentenreform in Paris. © Kiran Ridley/?Getty Images

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2017
    Rezensent Herfried Münkler sieht in Pankaj Mishras Buch mehr Bildungserlebnis als Aufklärung. Was uns unzufrieden und zornig macht, vermag der Autor dem Rezensenten dennoch ganz gut auseinanderzusetzen, nur eben anhand einer Ideengeschichte und seiner Beschäftigung mit Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts, Rousseau, Herder, Nietzsche, Bakunin usw. und nicht aufgrund von Sozialstatistik. Assoziativ zur Gegenwart hinleitend, muss der Autor keine Thesen aufstellen und kein Material verifizieren, meint Münkler. Seine Gegenwartsdiagnose zu Fremdenfeindlichkeit und Terroraffinität kommt ohne systematisches Denken aus, so Münkler, und zeigt, wo die Gründe für die Probleme liegen könnten: im Mangel an sozialen und kulturellen Integrationspotentialen.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.07.2017
    Mit einer Mischung aus Erstaunen und Verzweiflung hat Rezensent Stefan Weidner diesen umfangreichen Essay des indischen Autors Pankaj Mishra gelesen. Dem Versuch des Sozialkritikers, den nationalistischen Mystizismus, auf den sich staatenlose Völker im 19. Jahrhundert gegenüber England und Frankreich beriefen, mit den Ressentiments, die Russen, Araber, Türken oder Chinesen heute gegenüber dem Westen hegen, zu vergleichen, kann Weidner gut folgen. Was einst anarchistischen Terrorismus hervorbrachte, führe heute zu islamistischem Terrorismus und zu national-religiösen Autokraten, erfährt der Kritiker hier. Interessiert liest Weidner auch, wie Mishra den Konflikt zwischen liberaler und antiliberaler Weltsicht auf den „Kampf zwischen Rousseau und Voltaire um 1760“ anwendet: Wenn der Autor sich schließlich aber weder zum „liberalen Aufklärer“ Voltaire noch zum „sozialen Märtyrer“ Rousseau bekennt, sondern stattdessen zu dem ausweglosen und laut Weidner „pauschalen“ Schluss kommt, „der globale Bürgerkrieg“ stecke tief in der Kultur des Westens, fühlt sich der Kritiker doch alleingelassen.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.06.2017
    Rezensent Claus Leggewie hat viel zu kritisieren an Pankaj Mishras Versuch, das Zeitalter des Zorns zu erklären. Das „gut“ geschriebene Buch des „klugen“ Autors krankt laut Leggewie an zu viel grauer Theorie. Weder werden die Zornträger unserer Zeit für ihn plastisch noch die Ursprünge des Hasses. Das liegt für Leggewie daran, dass der Autor keine soziologischen Analysen zur Hand und auch keine ethnografische Feldforschung betreibt. Mishras Sprung in die westliche Ideengeschichte mit Rousseau als Kronzeuge einer speziellen Modernekritik überzeugt den Rezensenten allerdings nicht. Holzschnitthaft, meint er, das dargelegte Duell zwischen Rousseau und Voltaire, ein Kurzschluss die Parallelisierung von 18. und 21. Jahrhundert und vereinfachend die Gleichsetzung der Motive der Feinde des Liberalismus, findet der Rezensent.
    Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

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