Julian Barnes: Die einzige Geschichte (2018 / 2019)

42745694. sy475 Julian Barnes´ kunstvoller Roman über eine unkonventionelle erste Liebe, die zur lebenslangen Herausforderung wird.

»Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.«

Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung.

Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 20 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich.

Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

Gertraude Krueger (Translator)
Hardcover, 304 pages
Published February 14th 2019 by Kiepenheuer & Witsch (first published January 29th 2018)
Original Title The Only Story
ISBN 3462051547 (ISBN13: 9783462051544)
Edition Language German

URL: https://www.kiwi-verlag.de/buch/die-einzige-geschichte/978-3-462-05154-4/

literaturkritik.de: Gemischtes Doppel. Julian Barnes hat mit seinem neuen Roman „Die einzige Geschichte“ zu den Themen seiner großen Erfolgsbücher zurückgefunden. Von Dietmar Jacobsen Erschienen am: 11.04.2019

FAZ: Reifeprüfung auf englischem Rasen. Der wunde Punkt liegt immer in der Mitte: Julian Barnes erzählt von Paul, Susan und ihrer zum Scheitern verurteilten Liebe. Das Ende einer Liebesgeschichte: Der britische Schriftsteller Julian Barnes erzählt in seinem neuen Roman von einer großen, zerstörerischen Leidenschaft. Von Sandra Kegel – Aktualisiert am 24.03.2019-22:22

NDR: Wenn sich die Gefühle wandeln. Als der britische Autor Julian Barnes 2016 den Hamburger Siegfried-Lenz-Preis erhielt, ehrte ihn die Jury als einen der herausragenden europäischen Erzähler unserer Zeit. Tatsächlich zählt der Verfasser von „Der Lärm der Zeit“ und „Vom Ende einer Geschichte“ zu den erfolgreichsten britischen Schriftstellern und hat auch in Deutschland viele Fans. Nun erscheint sein neuer Roman: „Die einzige Geschichte“. Vorgestellt von Jan Ehlert. 19.02.2019 10:00 Uhr

DLF: Abrissbirne der romantischen Liebesidee. Er ist 19, sie 48 – und verheiratet. Doch die Liebe von Paul und Susan wird nicht von Konventionen, sondern vom gemeinsamen Altwerden bedroht. Julian Barnes stellt in seinem Roman meisterhaft die Idee der romantischen Liebe in Frage. Von Ursula März. Beitrag vom 21.02.2019

ZEIT: „Jetzt ist alles völlig außer Kontrolle“. Der englische Schriftsteller Julian Barnes fällt ein hartes Urteil über die Politiker seines Landes. Ein Gespräch über den Brexit, den Glauben an die Literatur – und die völkerverbindende Bedeutung des Fußballtrainers Jürgen Klopp. Interview: Peter Kümmel 20. Februar 2019

NZZ: Es gibt nur eine einzige Geschichte. Für Julian Barnes’ Helden endet sie nicht gut. Eine junge Frau am Arm eines wesentlich älteren Liebhabers? Kein Problem. Eine reife Frau mit jugendlichem Liebhaber? Scheele Blicke. Umso wichtiger ist es, dass ein Autor von Format sich dieser Konstellation zuwendet. Julian Barnes’ neuer Roman ist eine faszinierende Studie über Leidenschaft und Ernüchterung. Stefana Sabin 27.02.2019

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Welt, 30.03.2019
    In Julian Barnes‘ Romanen glauben die Menschen noch an die Ehe, sie gehen in den Tennis-Club und vielleicht tragen die Börsenmakler sogar noch Melonen, überlegt Matthias Heine, der das zwar ein bisschen klischeehaft und aus der Zeit gefallen findet, aber trotzdem ganz gut leiden kann. „Die einizige Geschichte“ erzählt von der Liebe eines jungen Mannes zu einer dreißig Jahre älteren Frau, die für ihn ihre Familie verlässt und dann doch am Alkohol zugrunde geht. Dem Rezensenten eröffneten sich dabei immer wieder neue Blicke auf die Personen, neue Perspektiven und neue Abgründe. Und da Barnes genügend Britishness und Humor in die Geschichte einflicht, kann der Rezensent ihre Traurigkeit auch gut aushalten.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.03.2019
    Rezensent Paul Ingendaay widmet Julian Barnes‘ neuem Roman eine sehr umsichtige Besprechung, die von ihm ausgemachten Stärken und Schwächen des Buches fein herausarbeitend. Der Kritiker liest die Geschichte um einen jungen Mann, der sich in eine dreißig Jahre ältere, verheiratete und von ihrem Mann geschlagene Trinkerin verliebt und mit dieser bis zu ihrer Demenz-Erkrankung zusammenlebt, vor dem Hintergrund dessen, was Javier Marias einst als „literarisches Denken“ bezeichnete: Eine fiktionale Versuchsanordnung, die sich nicht in Philosophie, sondern im Spiel auflöst, erklärt Ingendaay. Und so scheint ihm der in drei Teile geordnete Roman zunächst wie ein kluger, gelegentlich etwas „blutleerer“ Essay, der spätestens dann an Fahrt aufnimmt, wenn Barnes seinen angenehm durchschnittlichen Helden zum selbstbefragenden Lebensrückblick führt, dabei auf Zynismus und Sentimentalitäten verzichtet und den Leser tief in die Seele des Mannes blicken lässt. Was andere Kritiker als „deprimierend“ bezeichnen mögen, findet Ingendaay im besten Sinne „furchtlos“.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.03.2019
    Ursula März lernt alle Seiten des Konzepts von der romantischen Liebe kennen und fürchten im neuen Roman von Julian Barnes. Die Geschichte einer einzigen großen Liebe und ihrer Enttäuschung erzählt der Autor laut März auf gewohnt leichte wie raffinierte Weise. Übliche Erwartungen an eine Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und einer viel älteren, verheirateten Frau werden im Buch allerdings enttäuscht, warnt März. Das Grauen, das der Text schließlich entfaltet scheint der Rezensentin ungewöhnlich für diesen Autor; schwarz und erbarmungslos endet die Geschichte, so März. Wie Barnes die Erzählperspektive im Lauf der Erzählung variiert und der Geschichte anpasst, findet sie höchst kunstvoll.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.03.2019
    Alexander Menden erkennt sozialsatirisches Potenzial im neuen Roman von Julian Barnes. Dass der Autor darauf verzichtet, seine Upperclass-Figuren, einen gelangweilten jungen Mann und eine viel ältere, ebenso wohlstandsverwahrloste Frau im England der sechziger Jahre, vorzuführen, und stattdessen retrospektiv die lebensbestimmende Geschichte ihrer Liebe erzählt, nimmt Menden allerdings als Ausdruck von Klasse. Wie der erzählperspektivische Wechsel im Buch mit dem Verfall der Frau und der Beziehung einhergeht, scheint ihm bemerkenswert.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2019
    Rezensent Fokke Joel hat diesen neuen Roman von Julian Barnes über die große Liebe eines 19-Jährigen im England der sechziger Jahre gern gelesen. Erzähler Paul Roberts schildert seine Begegnung mit der gut 30 Jahre älteren Hausfrau Susan ganz aus der Perspektive des jungen Mannes, der er einmal war, so Joel. Und es war Liebe, darauf besteht er heute noch, zwischen den beiden gleichermaßen sexuell unerfahrenen Partnern. Das man über Paul viel, über Susan und die Mitglieder der entsetzten ehrenwerten Gesellschaft nur wenig erfährt, findet der Kritiker angemessen, schließlich mache Liebe ja immer irgendwie blind. Das liest sich gut und hat Humor, bescheinigt Joel dem Roman. Auf wenn am Ende eine Katastrophe stehe.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2019
    Rezensentin Stefana Sabin überrascht es nicht, dass Julian Barnes mit diesem Text zu seinem Säulenheiligen Flaubert zurückfindet, wenn er die emotionale Entwicklungsgeschichte eines liebenden jungen Mannes erzählt, vom Entflammen über das Lodern bis zum Erlöschen. Dass die Enttäuschung der Liebe zu einer viel älteren Frau mit dem Alkohol zu tun hat, scheint die existenzielle Enttäuschung nicht zu mildern. Wie Barnes im Text zwischen der ersten, zweiten und dritten Person wechselt, obgleich es sich immer um denselben Erzähler handelt, findet Sabin verwirrend, aber auch folgerichtig. Die vom Autor so gut beherrschte „eisige Sentimentalität“ passt laut Sabin hervorragend zu dieser „schrecklichen“ Liebesgeschichte.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.02.2019
    Rezensentin Ursula März kennt und schätzt Julian Barnes‘ romantische Seite. Der neue Roman des britischen Autors aber erscheint ihr wie eine „Abrissbirne“ der romantischen Liebesidee – und das funktioniert bei Barnes mindestens genau so gut, fügt die Kritikerin hinzu. Erzählt wird die Geschichte des jungen englischen Studenten Paul, der sich in den späten sechziger Jahren gegen alle Konventionen in die mehr als dreißig Jahre ältere, verheiratete Susan verliebt, sie schließlich jahrelang pflegt – bis er die demenzkranke Alkoholikerin in ein Pflegeheim gibt. Wie Barnes Pauls schleichende Selbstentfremdung auch noch stilistisch markiert, lässt für März nur einen Schluss zu: Meisterwerk.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2019
    Sandra Kegel lässt sich ein auf die Doppelhelix zweier ineinander verstrickter Leben, die Julian Barnes in seinem Roman entwirft. Zu lernen ist daraus für sie allerhand, wenn Barnes retrospektiv und aus doppelter Perspektive eine Liebesgeschichte erzählt, die in den sechziger Jahren beginnt und dann Stück für Stück an Leichtigkeit verliert. Wie die Frage, wohin wir gehen, mit der Frage, woher wir kommen, in Verbindung steht, gehört für sie dazu. Eine reizvolle Lektüre, so Kegel.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.02.2019
    Sylvia Staude staunt, wie viel Julian Barnes über die Liebe weiß. In seinem neuen Roman legt er diese Erkenntnisse in den Mund eines auf seine einzige große Liebe zurückschauenden alten Mannes. Eine laut Staude ungewöhnliche Liebesgeschichte insofern, als sie sich zwischen dem dereinst jungen Mann und einer viel älteren, verheirateten Frau entwickelt. Wie nüchtern der Erzähler davon berichtet, findet Staude mitunter unerhört. Umso berückender erscheinen ihr seine Gedanken über die Liebe als das Besondere, die Katastrophe, das Allgemeingültige.

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