Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios (2019)

52029155. sx318 sy475 „Lass mich von vorn anfangen. Ma …“

Der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird.

Die Tochter eines amerikanischen Soldaten und eines vietnamesischen Bauernmädchens ist Analphabetin, kann kaum Englisch und arbeitet in einem Nagelstudio.

Sie ist das Produkt eines vergessenen Krieges. Der Sohn, ein schmächtiger Außenseiter, erzählt – von der Schizophrenie der Großmutter, den geschundenen Händen der prügelnden Mutter und seiner tragischen ersten Liebe zu einem amerikanischen Jungen.

 

Hardcover, 240 pages
Published July 22nd 2019 by Carl Hanser (first published June 4th 2019)
Original Title On Earth We’re Briefly Gorgeous
ISBN 3446263896 (ISBN13: 9783446263895)
Edition Language German

Ocean Vuong – en.wikipedia

On Earth We’re Briefly Gorgeous – en.wikpedia

ZEIT: Die Traurigkeit der Nagelstudios. Der junge US-Autor Ocean Vuong erzählt in seinem eindrücklichen Roman von seinen vielen zerrissenen Leben als Einwanderer, als Homosexueller und als Sohn einer vietnamesischen Analphabetin. Eine Rezension von David Hugendick DIE ZEIT Nr. 30/2019, 18. Juli 2019

ZEIT: „Ich habe gelernt, ein Chamäleon zu sein“. Der Debütroman von Ocean Vuong ist ein literarisches Ereignis dieses Jahres. Ein Gespräch mit dem Autor über Vietnam, asiatische Stereotype und die Einsamkeit im Schulbus Interview: Khuê Ph?m 1. Oktober 2019, 8:26

DLF: Sicher dauerhaft grandios. Mit Ocean Vuongs Debütroman „Auf Erden sind wir kurz grandios“ tritt eine neue Form der engagierten Literatur mit weltweiter Beachtung auf: Mit hohem Kunstanspruch entsteht im Grenzgebiet zwischen Erzählung, Gedicht und Essay so etwas wie literarische Selbstermächtigung. Von Insa Wilke 21.07.2019

SZ: Vom Leben als Produkt des Krieges. Ocean Vuong entwickelt mit seinem Debüt „Auf Erden sind wir kurz grandios“ eine völlig neue Form politischer Literatur. Es handelt davon, wie der Krieg die Körper verhärtet und die Seelen verstört – und von einem jungen Leben in der strukturell gewalttätigen Gesellschaft der USA. Von Insa Wilke 24. Juli 2019, 4:51 Uhr

FAZ: Die Regeln sind in uns. In seinem Romandebüt „Auf Erden sind wir kurz grandios“ beschreibt Ocean Vuong in aller Brutalität, was Sprache Menschen geben und nehmen kann. Und wie er Rettung in den Sätzen toter weißer Männer fand. Von Harald Staun 24.07.2019-20:08

DLF: Ein Junge sucht seine Sprache. Ocean Vuong schildert in seinem Debüt, was Sprache Menschen geben und ihnen nehmen kann. „Auf Erden sind wir kurz grandios“ erzählt von einem Kind vietnamesischer Einwanderer in den USA, von seiner traumatisierten Familie und seinem Coming-Out. Von Maike Albath Beitrag vom 27.07.2019

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.08.2019
    Sylvia Staude versteht Ocean Vuongs Roman als Sammlung von Fragmenten einer von Gewalt geprägten Familiengeschichte. Wie Teile eines Schiffswracks treiben die Episoden auf sie zu, Momente der Kindheit des Autors in Saigon 1975, der Jugendzeit der Großmutter, der Eltern und des Jungen als drangsalierte Flüchtlinge in den USA, der ersten gleichgeschlechtlichen Liebe. Ein Debüt, das laut Staude weder seinen autobiografischen Grund verheimlicht noch die lyrische Begabung des Autor, der hier munter Essay, Gedicht und Prosa miteinander kreuzt, wie Staude erläutert. Die Sinnlichkeit der Schilderungen findet sie dabei besonders erwähnenswert, ebenso die überraschenden Bilder und plastischen Details

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.08.2019
    In seiner kurzen Kritik zu Ocean Vuongs Debütroman stimmt Rezensent Fokke Joel in die Lobeshymnen seiner Kollegen ein. Den autobiografisch geprägten Brief, den Vuongs Erzähler an die Mutter verfasst, liest der Kritiker als Gegenstück zu Kafkas „Brief an den Vater“: Keine Anklage, sondern den Versuch, sich der prügelnden, traumatisierten Mutter zu nähern, entdeckt Joel hier. So wird das Buch für den Kritiker auch zum Dokument einer Suche nach der eigenen Identität. Eindringlich und „poetisch“ findet er das.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.07.2019
    Knapp, aber so angetan wie ihre VorgängerInnen bespricht Maike Albath das Debüt des amerikanisch-vietnamesischen Autors Ocean Vuong. Schon die Idee des jungen Autors, sich durch sein Alter Ego „Little Dog“ per Brief an seine durch den Vietnamkrieg traumatisierte und prügelnde Mutter, eine Analphabetin, zu wenden, nennt die Rezensentin „spektakulär“. Vor allem aber bewundert sie, wie Vuong in seiner mit Ambivalenzen prall gefüllten Geschichte immer wieder die Erinnerungen „schillern“ lässt, Brutalität und Poesie gegeneinanderschneidet und geschickt Lektürefragmente von Roland Barthes, Albert Camus oder Joan Didion einflicht.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2019
    Auch Rezensentin Angela Schader ist ganz hingerissen vom Romandebüt des Lyrikers Ocean Vuong. Der in Saigon geborene und in den USA aufgewachsene Autor erzählt aus der Ich-Perspektive eines Jungen, der als Immigrant aus Vietnam in ärmlichen Verhältnissen mit einer harten (weil selbst einst misshandelten) Mutter, seiner Tante und seiner Großmutter in den USA aufwächst und sich in den drogensüchtigen Trevor verliebt. Schader ist begeistert davon, wie gekonnt Vuong lyrische Verknappung mit prosaischer Weitläufigkeit zu kombinieren vermag, und lobt außerdem, dass sich der Roman sowohl als Liebeserklärung an die Mutter lesen lässt, wie auch als „elliptische Bestandsaufnahme“ eines Amerika nach der Jahrtausendwende mit teils demütigenden Lebensumständen. Vor allem bewundert Schader, die „starkfarbigen Blüten“, die Vuong im „sozialen und seelischen Ödland“ erblühen lässt. Ein „atemberaubendes“ Buch über Liebe und Gewalt, „schmerzgeladen und fragil, fremd und schön“, schwärmt Schader.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2019
    Als „Buch der Saison in Amerika“ würdigt Rezensentin Miryam Schellbach diesen Debütroman des amerikanisch-vietnamesischen Lyrikers Ocean Vuong. In einem sie an Joan Didions klassische Autofiktion erinnernden Text folgt die Kritikerin in Szenen und Fragmenten dem jungen Little Dog, der seiner alleinerziehenden, bildungsfernen Mutter im Nagelstudio hilft, studiert und eine Beziehung mit dem opioidabhängigen Erntehelfer Trevor eingeht, laut Kritikerin das „Abbild eines weißen, rassistischen und hypermaskulinen Vorstadt-Amerikas“. Schon die Feinfühligkeit, mit der Vuong das auf Unterwerfung beruhende Verhältnis der beiden jungen Männer schildert, ringt Schellbach große Anerkennung ab. Vor allem aber bewundert sie, wie eindringlich der Autor die Ausweglosigkeit aus Kategorien wie Klasse, Sexualität und Herkunft zeichnet.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2019
    Ungeachtet der alten Geschichte von Krieg, Gewalt und Fremde, die Ocean Vuong in einer Verbindung aus Erfindung und Autobiografie erzählt, zeigt sich Rezensentin Insa Wilke begeistert von diesem Debüt. Das liegt für sie einerseits an den starken sprachlichen Mitteln, derer sich der Lyriker Vuong zu bedienen weiß (und die Anne-Kristin Mittag laut Rezensentin weitgehend überzeugend übersetzt), andererseits am immer spürbaren Erkenntnisdrang von Autor und Text. Letzterer hebt das Buch für Wilke ab von der klischeehaften Migrationsgeschichte, macht es zu einem Akt der Selbstermächtigung, der laut Wilke gelingt, weil der Autor sich zwischen Prosa, Essay und Lyrik bewegt und Gedankenstimmigkeit bei ihm Priorität hat. Eine neue Form der politisch engagierten Literatur, findet Wilke.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.07.2019
    Rezensentin Insa Wilke erkennt klar, dass es einem Autor wie Ocean Vuong nicht zuallererst um Aufklärung geht, um Erkenntnis schon, vor allem aber um eine inspirierte Weise, Gattungsgrenzen einzureißen und den Raum zwischen Fiktion und Autobiografie, zwischen Prosa, Lyrik und Essay neu auszuloten. Das gelingt dem als Kind in die USA emigrierten Autor in seinem Debüt laut Wilke vorzüglich und realitätsstark, auch oder gerade weil das Märchen vom American Dream nur am Rand vorkommt. Als Selbstverständigung und -ermächtigung taugt der Text für Wilke vor allem durch sein Abheben auf Erkenntnis, ein Verhältnis zur Sprache, das es möglich macht, Gewalterfahrungen und Trauer in Metaphern zu kleiden. Das ist kreativ und offen, lebendig und anregend, findet die Rezensentin und begegnet damit etwaigen „Kunstverratsverdächtigungen“.

    Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.07.2019
    Mara Delius hat einen neuen Literaturstar zu annoncieren: Ocean Vuong trifft für sie den richtigen zeitgemäßen Ton, wenn er in seinem Coming-of-Age-Roman von einer Migrantenjugend in den USA erzählt und dabei junges und altes Amerika kritisch vereint. Wie der bisher als Lyriker in Erscheinung getretene Autor zudem verschiedene Textsorten vermischt, leuchtende poetische Bilder schafft und über die Traurigkeit und Homosexualität seines Helden zu schreiben weiß, als hätte Judith Butler Marguerite Duras zu imitieren versucht, findet sie stark. Ein neuer Roman der Empfindsamkeit über das Versagen des amerikanischen Traums, so Delius.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.07.2019
    Sanft angetan ist der Rezensent David Hugendick von diesem Roman. Mit Nachsicht möchte er das ästhetisch manchmal rohe, mit stilistischen Brüchen und Zusammenstößen arbeitende Schreiben begleiten. Er sieht die „Demut“ vor der Geschichte der eigenen Familie, besonders der der Mutter, die Vuong manchmal davon abzuhalten scheint, seinem Schreiben wirklich zu trauen. Aber gleichzeitig ist Hugendick sich sicher, dass die Stimme des „jungen queeren vietnamesisch-amerikanischen Dichters“ – er hat zuvor einen Gedichtband veröffentlicht – äußerst hörenswert ist und auch in Zukunft bleiben wird.

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