Für den Arzt Tom Bschor ist die hohe Zahl psychischer Erkrankungen ein Phänomen der Großstadt, auch weil es hier so viele Therapeuten gibt. Dennoch gebe es noch Vorurteile gegenüber einer Behandlung – vor allem unter Migranten.

taz: Herr Bschor, etwa zehn Prozent aller Berliner sollen psychologischer oder psychiatrischer Behandlung bedürfen.

Tom Bschor: Das entspricht den bekannten deutschlandweiten Zahlen: Etwa 10 Prozent der Bevölkerung leidet beispielsweise an einer Depression, nach den Sucht- und vor den Angsterkrankungen die zweithäufigste der psychischen Erkrankungen. In einer Großstadt wie Berlin können einige Faktoren diesen Wert erhöhen. Es kommt aber auf die angelegten Diagnosekriterien an. Eine Depression wird heute sicherlich dort wesentlich häufiger diagnostiziert, wo sie sich früher hinter körperlichen Symptomen verstecken konnte.

Quelle: taz Berlin lokal Nr. 7650 vom 27.4.2005, Seite 22, 158 Zeilen
(Interview), JULIANE GRINGER
http://www.taz.de/pt/2005/04/27/a0244.nf/text.ges,1

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