Terézia Mora: Das Ungeheuer (2013)

18339191»Solche Geschichten gibt’s, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet«: Kein außergewöhnliches Schicksal vielleicht auf den ersten Blick, doch Terézia Moras Romanheld Darius Kopp droht daran zu zerbrechen.

Denn Flora, seine Frau, die Liebe seines Lebens, ist nicht einfach nur gestorben, sie hat sich das Leben genommen, und seitdem weiß Darius Kopp nicht mehr, wie er weiter existieren soll. Schließlich setzt er sich in seinen Wagen, reist erst nach Ungarn, wo Flora aufgewachsen ist, und dann einfach immer weiter. Unterwegs liest er in ihrem Tagebuch, das er nach ihrem Tod gefunden hat, und erfährt, wie ungeheuer gefährdet Floras Leben immer war – und dass er von alldem nicht das Geringste mitbekommen hatte.

Arbeit und Schlaf, Arbeit, Arbeitsweg und Schlaf. So sah das erfolgreiche Leben von Darius Kopp aus. Bis er eines Tages den Job verlor. Und bis sich bald darauf seine Frau das Leben nahm und ihm zum zweiten Mal in kürzester Zeit der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde. Seitdem lebt er apathisch dahin, tötet die Zeit mit stumpfem Fernsehen und Fertigpizzen. Sein Freund Juri versucht Darius zwar wieder zurück in sein altes Leben als IT-Experte zurückzubefördern, doch dieser beschließt, eigene Wege zu gehen. Er wollte doch das geheime Tagebuch seiner Frau lesen, und er muss auch noch ihre Urne beisetzen. Aber wo? In ihrem ungarischen Heimatdorf oder in Budapest oder an den Hängen des Ararat? Und so begibt sich Darius Kopp auf eine lange Reise – auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau. Über sich selbst. Und über diese dunkle und ungeheuere Welt.

Hardcover, 688 pages
Published September 2nd 2013 by Luchterhand Literaturverlag
ISBN 3630873650 (ISBN13: 9783630873657)
Edition Language German

Characters Darius Kopp

FAZ: Der einsamste Mann auf dem Kontinent. Erst ein komischer, dann ein tragischer Held. Kann das gutgehen? Terézia Mora setzt mit „Das Ungeheuer“ ihr großes Romanprojekt um den IT-Spezialisten Darius Kopp fort. Von Hubert Spiegel Aktualisiert am 06.09.2013-16:28

ZEIT: Aneinander vorbei. Furios, aber nicht vollkommen: Terézia Moras Roman „Das Ungeheuer“. Von Katharina Döbler 19. September 2013 DIE ZEIT Nr. 39/2013

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2013
    Unvergesslich bleiben Rainer Moritz nicht nur das Personal in diesem neuen, an seinen Vorgänger anknüpfenden Roman von Terézia Mora. Was das Buch für Moritz so gegenwärtig macht, sind sein experimenteller Charakter und Moras Sprachgefühl. Wie die Autorin den Text zweiteilt, um die Entfremdung, aber auch die Überschneidungen im Leben eines Paares kenntlich zu machen, wie sie die Register wechselt und den Rhythmus variiert – all das scheint Moritz meisterhaft gelungen und geeignet, das Thema Entfremdung zu illustrieren. Die Herausforderung der „doppelten“ Lektüre nimmt der Rezensent dafür gerne an.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.09.2013
    Völlig zu Recht gehört Terezia Mora mit ihrem neuen Roman „Das Ungeheuer“ zu den diesjährigen Favoriten für den Deutschen Buchpreis, befindet Rezensent Karl-Markus Gauß. Sehr eingenommen ist er von der erzählerischen Wucht des Romans, in dem Mora erneut ihren lethargisch-harmlosen und sympathischen Helden Darius Kopp auftreten lässt. Der unverdrossene IT-Spezialist, der im vorausgehenden Roman von seiner Frau in allen Lebenslagen unterstützt wurde, muss nun nicht nur den Selbstmord der geliebten Flora bewältigen, sondern nach der Lektüre ihrer Tagebücher auch mit der Erkenntnis leben, dass er kaum etwas von seiner Ehefrau wusste. Der Kritiker begleitet Darius in diesem feinsinnigen, bewegenden und durchaus auch komischen Roadmovie auf seiner ereignisreichen Reise nach Ungarn, Floras Herkunftsland, wo Darius nicht nur ihre Urne beisetzen möchte, sondern die ihm plötzlich unbekannte Ehefrau auch verstehen lernen will. Insbesondere aber lobt Gauß Moras Kunstgriff, Darius‘ Erlebnisse und Floras Tagebucheinträge parallel nebeneinander zu setzen. Bei so viel erzählerischer „Raffinesse“ kann der Rezensent gerne gelegentliche Längen des Romans verzeihen.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.09.2013
    Katharina Döbler findet es wirklich schade, dass Terézia Mora ihren eigenen Figuren nicht traut. Trotz der vielen kraftvollen und beeindruckenden Stellen will sich bei der Rezensentin nicht das Gefühl eines runden Romans einstellen. Moras „Das Ungeheuer“ setzt ihren vorangegangenen Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ fort und ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie über den dicklichen IT-Spezialisten Darius Kopp. Dessen Frau Flora hat sich umgebracht, und es scheint, als habe sie ihm ihre Lebensunfähigkeit hinterlassen, erklärt die Rezensentin. Erst ein Freund holt den Depressiven zurück in die Wirklichkeit, und der macht sich auf nach Osteuropa, auf den Spuren der eigenen Vergangenheit. Doch es gibt eine parallele Erzählebene, verrät Döbler: der Nachlass von Flora enthält Dokumente, in denen sie ihr eigenes Leben rekapituliert, Studium, Armut, Promiskuität, Depression, Abtreibung und der Frust darüber, nicht ernst genommen zu werden. Leider staffiert Mora diese zweite Ebene so sehr mit klinischen Details einer Depression aus, dass Flora von einer literarischen Figur zum bloßen Fall degradiert wird, bedauert Döbler.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.09.2013
    Schon jetzt freut sich Rezensent Ulrich Rüdenauer auf eine Fortsetzung mit der ihm bereits aus Terezia Moras letztem Roman vertrauten Figur des Darius Kopp. So sehr ist dieser Kopp im vorliegenden Buch zum Charakter gereift. Zuvor aber muss er durch die Hölle: Verlust der Frau, der Arbeit, Entdeckung eines Parallellebens der ihm vermeintlich so Vertrauten, dann Odyssee durch das östliche Europa. Wie die Autorin diese kathartische Road Novel mal tragisch, mal komisch und mit lakonisch gefassten Rückblenden in Szene setzt, findet Rüdenauer spannend und erkenntnisfördernd.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2013
    Mit „Das Ungeheuer“ ist nach dem Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ der zweite Teil von Terézia Moras großem Romanprojekt um den IT-Spezialisten Darius Kopp erschienen, und Hubert Spiegel versichert, dass man dieses faszinierende, „zutiefst humane“ Buch auch ohne Kenntnis des ersten Teils lesen kann. Denn während der Rezensent Darius erst als harmloses und heiteres „Jedermännchen“ erlebt, das trotz Jobverlust von einem ganz normalen Leben mit seiner Frau Flora träumt, begegnet sie hier dem gleichen Protagonisten als gereiftem „Schmerzensmann“, der sich ein Jahr nach dem Selbstmord seiner Frau auf eine Reise begibt, um ihre Asche in ihre Heimat Ungarn zu bringen. Bewegt liest der Rezensent, wie der stets optimistische Darius sich auf seiner Reise durch Europa mit Schuldgefühlen plagt, nachdem er im Tagebuch seiner Frau erkennen muss, dass er ihre schweren Depressionen nicht bemerkte. Insbesondere lobt der Kritiker Moras Verfahren, Darius‘ Erlebnisse und Floras Aufzeichnungen kunstvoll und dynamisch miteinander zu verbinden. Und so kann er dieses eindrucksvolle und feinsinnige Buch nur unbedingt empfehlen.

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