Pierre Lemaitre: Die Farben des Feuers / Couleurs l’incendie (2018 / 2019)

43372852. sy475 Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs regieren Habgier und Neid in den Straßen von Paris, und so bahnt sich ein Komplott an, um das mächtige Bankimperium Péricourt zu Fall zu bringen. Doch Alleinerbin Madeleine weiß, die Verhältnisse in Europa für sich zu nutzen, und dreht den Spieß kurzerhand um.

Als der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt im Jahr 1927 verstirbt, steht seine Tochter Madeleine, deren Exmann nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis sitzt, plötzlich völlig allein an der Spitze eines Bankimperiums – in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Während Gustave Joubert, der Prokurist der Bank, Charles Pericourt, Madeleines verschwenderischer Onkel, und André Delcourt, ihr Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, um die junge Erbin und ihren Sohn schwirren wie Motten um das Licht, zeichnen sich am Horizont bereits die Vorboten des Zweiten Weltkriegs ab. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönlichen Rachefeldzug zu planen.

Hardcover, 479 pages
Published February 28th 2019 by Klett-Cotta (first published January 3rd 2018)
Original Title Couleurs l’incendie
ISBN 3608963383 (ISBN13: 9783608963380)
Edition Language German

Setting Paris (France)

Marcel Péricourt

le père d'Édouard et de Madeleine

"ein Vertreter des alten Frankreichs, des Frankreichs, das einst wie ein guter Familienvater die Wirtschaft gelenkt hatte. Man wusste nicht genau, was man nun zu Grabe tragen würde, einen bedeutenden französischen Bankier oder die vergangene Epoche, die er verkörperte".

Charles Péricourt

Bruder von Marcel und Madeleines verschwenderischer Onkel

Édouard Péricourt

fils de la haute bourgeoisie, dessinateur fantasque, homosexuel, rejeté par son père

le soldat à la gueule cassée

Édouard sauve Albert d’une mort atroce au prix de sa défiguration par un éclat d’obus, faisant de lui une gueule cassée, alors qu'Albert, traumatisé, devient paranoïaque

Madeleine Péricourt

Madeleine, fille du défunt et sœur d'Edouard Péricourt (qui s'est suicidé sept ans plus tôt), assiste alors à la chute tragique de Paul, son jeune fils, sur le cercueil du patriarche. Son ex-mari, le lieutenant Pradelle, séjourne en prison pour escroquerie.

Paul Péricourt

7 ans, se jette du second étage et s’écrase sur le cercueil de son grand-père.

Gustave Joubert

der Prokurist der Bank, hatte sich einst Hoffnungen auf eine Heirat mit Madeleine und damit auf das Familienvermögen gemacht – sie wies ihn dann aber brüsk ab. Gustave übernimmt die Bankgeschäfte

Leoncé
M. Dupré

das ausführende Organ von Madeleines Rachefeldzug, mit dem sie sich siezt, aber auch ins Bett steigt.

«Sur Léonce, M. Dupré fit, comme à son habitude, un rapport calme, long et détaillé. Après quoi, Madeleine se leva. Dupré alla chercher son manteau, le lui tendit, elle enfila les manches, elle se tourna vers lui, ils s’embrassèrent, il la porta sur le lit où il la baisa longuement, calmement et en détail.»

André Delcourt

Madeleines Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, früherer Hauslehrer und inzwischen ziemlich erfolgreiche Journalist. Er hatte sich einst an Madeleines Sohn Paul vergangen

Vladi

polnische Kinderfrau, die kein Wort Französisch spricht, der die Männer auch wortlos zu Füßen liegen und die ihr Herz am rechten Fleck hat.

fr.wikipedia – Couleurs de l’incendie

Liberation: «Couleurs de l’incendie» : Pierre Lemaitre et les Péricourt, le retour Après «Au revoir là haut», la revanche de Madeleine. Par Claire Devarrieux — 12 janvier 2018 à 17:56

France inter: Que vaut „Couleurs de l’incendie“ de Pierre Lemaître, la suite d’“Au-Revoir là-haut“ ? Faut-il lire „Couleurs de l’incendie“, la suite des tribulations de la famille Péricourt qui parait chez Albin Michel ? Unanimité rare parmi les critiques littéraires du Masque et la plume. par France Inter publié le 8 janvier 2018 à 17h32

DLF: Grelles Epochenporträt der 1930er-Jahre. Eine betrogene Frau, die einen Rachefeldzug gegen die Männerwelt startet. Ein Frankreich mit zutiefst korrupten Eliten, das vor einer Zeitenwende steht. Pierre Lemaitres Roman über die frühen 1930er-Jahre ist ein ausgreifender Gesellschaftsroman mit Krimi-Elementen – und Aktualitätsverdacht. Von Dina Netz 03.05.2019

SPON: Triumph der Egos. Wie zehn Stunden Binge Watching: In seinem Roman „Die Farben des Feuers“ schildert der französische Autor Pierre Lemaitre den Verfall einer kranken Gesellschaft. Von Romain Leick 01.03.2019, 10.16 Uhr

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.06.2019
    Rezensent Dirk Fuhrig bekommt ein fesselndes Zeitpanorama aus dem Paris der 20er und 30er Jahre mit Pierre Lemaitres zweitem Band seiner Zwischenkriegstrilogie. Den finanziellen und moralischen Bankrott einer Bankiersfamilie beschreibt ihm der Autor inspiriert durch reale Ereignisse und Figuren. Stilistisch orientiert er sich dabei für Fuhrigs Geschmack mitunter zwar allzu sehr an Dumas und Balzac, doch kann er laut Rezensent genug Spannung erzeugen und die Krimihandlung „flott“ und „eingängig“ vorantreiben.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.05.2019
    Laut Rezensentin Dina Netz bestätigt Pierre Lemaitre auch mit diesem Roman wieder, dass er „ein brillanter Krimi-Autor“ ist: Die Intrige, die er um das Erbe des Oberhaupts einer alten Bankiers-Familie entspinnt, hält die Kritikerin nicht nur für äußerst spannend und kunstvoll konstruiert, sondern auch für den Anlass zu einem aussagekräftigen Epochenporträt der 1930er Jahre. Dabei komme vor allem die Oberschicht nicht gut weg, meint Netz, die einige der erschreckenden Schilderungen „fast eins zu eins“ an die gegenwärtige Situation Frankreichs erinnert haben.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2019
    Rainer Moritz hat Einwände gegen Pierre Lemaitres opulenten Fortsetzungsroman über den Niedergang eines privaten Bankhauses. Das an Katastrophen reiche frühe 20. Jahrhundert, in dem Lemaitre seine figuren- wie handlungsreiche Geschichte ansiedelt, verträgt sich schlecht mit der traditionellen, an Proust und Romains angelehnten Erzählweise, findet er. Der gefällige Ton, mit dem der Autor über Judenhass und Reichstagsbrand schreibt, stößt Moritz bitter auf und raubt ihm die Freude an diesem Sozialepos.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.04.2019
    Für den Rezensenten Joseph Hanimann ist der französische Autor Pierre Lemaitre ein „Feinmechaniker der Rache“. Wie ihm Lemaitre von den Intrigen im untergehenden Bankiers-Haus Pericourt und der Rache der in die Armut abgestürzten Erbin Madeleine erzählt, zwischen den Nebenhandlungen und Perspektiven switchend, dabei die Zwischenkriegszeit mit Börsenkrach, sozialen Spannungen, Machtantritt faschistischer Regime und demokratiemüden Nationen im Hintergrund „knistern“ lässt, findet Hanimann beeindruckend. Ein Hauch von Guy de Maupassant weht durch den Roman, meint der Kritiker, der vor allem hervorhebt, dass der Autor seine an „widerwärtigen“ und „grotesken“ Figuren reiche Story nicht mit „Moral verklebt“.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2019
    Für Rezensentin Lena Bopp gehört der neue Roman von Pierre Lemaitre zum Besten, was die Unterhaltungsliteratur zu bieten hat. Wie der Autor hier im Anschluss an seinen Roman „Wir sehen uns dort oben“ die Geschichte des Hauses Péricourt forterzählt, mit viel Sinn für die Verbindungen zwischen kleiner und großer Geschichte und die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, findet Bopp höchst lesenswert. Die Geschichte vom Absturz einer Familie aus der Haute Bourgeoisie ins Kleinbürgertum während der Zwischenkriegszeit scheint Bopp noch gelungener, gelöster, ironischer und frivoler als der Vorgängertext von 2013, wobei die Rezensentin erkennt, dass der Autor durchaus nach bewährter Methode vorgeht, indem er verbürgte Geschichten mit einem Arsenal an sündigen, psychologisch genau gezeichneten Figuren besetzt, die dem Gang der Erzählung etwas Unausweichliches verleihen und sie auf ein Finale von geradezu kriminalistischer Gestalt zuführen, wie Bopp erklärt.

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