Sheila Heti: Mutterschaft (2019)

44320441. sy475 Was wird gewonnen und was geht verloren, wenn eine Frau sich entschließt, ein Kind zu bekommen? In ihren späten Dreißigern, als die Freundinnen sich fragen, wann sie endlich Mutter werden, fragt Sheila Heti sich, ob sie es überhaupt werden will. In einer mehrere Jahre umspannenden Selbsterkundung, mal hierhin, mal dorthin gezogen von ihren Mitmenschen, ihrem Partner und den Verpflichtungen gegenüber ihren jüdischen Vorfahren, versucht sie eine weise und moralische Entscheidung zu treffen. Nachdem Philosophie, ihr Körper, die Mystik und der Zufall nicht geholfen haben, findet sie die Antwort viel näher bei sich.

„Diese Erkundung der moralischen, gesellschaftlichen und psychologischen Beziehung der modernen Frau zur Mutterschaft ist eine Erleuchtung, eine Provokation und – endlich – eine Antwort auf die neuen Normen der Weiblichkeit“, schrieb Bestsellerautorin Rachel Cusk über Mutterschaft, und Elif Batuman: „Ich bin mir sicher, dass dieses Buch vielen verschiedenen Menschen viel bedeuten wird – so, als hätte Sheila Heti tatsächlich ein menschliches Wesen geboren, wenn auch auf unerklärlich andere Weise. Und das ist nur eine der vielen Paradoxien, vor denen dieses mutige, notwendige und visionäre Buch nicht zurückscheut.“
Mutterschaft ist couragiert, tief empfunden und so originell, dass es jede Debatte über Weiblichkeit, Elternschaft und unseren Lebenssinn bereichern wird.

Hardcover, 320 pages
Published January 19th 2019 by Rowohlt Buchverlag (first published June 7th 2018)
Original Title Motherhood
ISBN 3498030396 (ISBN13: 9783498030391)
Edition Language German

NZZ: Sheila Heti: «Entweder man ist als Mutter Teil einer Tradition, oder man bleibt als Nichtmutter gewissermassen ausgeschlossen vom Zyklus des Lebens». Mutter werden oder nicht, Freiheiten aufgeben oder Erfahrungen gewinnen? Diese Fragen stellen sich heute vielen Frauen. Die kanadische Schriftstellerin Sheila Heti hat sie in einem langen Prozess für sich selber beantwortet – und ist durchs Denken ins Reine gekommen mit einem Leben ohne Kinder. Claudia Mäder 30.03.2019

Tagesspiegel: Eine radikale Frage Sheila Heti fragt nach den Gründen für und gegen „Mutterschaft“. Die kanadische Erzählerin setzt sich in ihrem Roman mit der Frage auseinander, die jede Frau kennt: „Will ich ein Kind?“ Judith Langowski 06.03.2019

SPON: Keine Kinder wollen. Muttersein oder Nichtsein? Sheila Heti zählt zur Literatur-Avantgarde Amerikas. Nun ist ihr Buch über gewählte Kinderlosigkeit auf Deutsch erschienen – es besticht durch eine gedankliche Freiheit, die sich viele nicht nehmen. Von Anne Backhaus 10.03.2019

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.04.2019
    Patricia Hecht erkennt die Parallelen zwischen der Erzählerin im Buch von Sheila Heti und der Autorin. Welche Fragen die Option Mutterschaft in der westlichen Welt des 21. Jahrhunderts provoziert, wie sich ihnen begegnen lässt (mit der Bibel, mit Tarotkarten und Traumdeutung) und welche Alternativen zur Mutterschaft es gibt (eine erfolgreiche Schriftstellerin sein?), erfährt Hecht aus dem Text. Auch wenn kein Plot den Text strukturiert, tagebuchartige Aufzeichnungen und Gedanken dominieren, scheint Hecht die Selbstfindungsprosa zu gefallen.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2019
    Rezensentin Katharina Teutsch ist mit diesem Roman klargeworden, dass man an „einem erfüllten Nichtkinderwunsch“ leiden kann. Sie folgt der Erzählerin durch ein im Tagebuchstil geschriebenes Buch, das eine Enddreißigerin durch die Zeit begleitet, in der sie sich endgültig für oder gegen ein Kind entscheiden muss und mit den Erwartungen ihrer Umwelt sowie mit den eigenen abrechnet. Wie viele essayartige Plädoyers dafür oder dagegen die Erzählerin, die Teutsch doch arg an die Autorin selbst erinnert, auch versammelt, letztlich müssen die Debatten ins Leere laufen, meint die Kritikerin resigniert, in ihren Augen ist und bleibt die Kinderfrage eine persönliche. Dementsprechend hat sie nach der Lektüre zusammen mit der Erzählerin, deren Entscheidung am Ende des Romans fällt, erleichtert aufgeatmet.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2019
    Sabine Rennefanz erkennt in Sheila Hetis Text ein Mutter-Kind-Buch in dem Sinne, dass die mit der Autorin nahezu identische Erzählerin sich darin über ihre Kinderlosigkeit mit der eigenen Mutter ins Einvernehmen setzt. Um die Frage, ob die Erzählerin Mutter werden möchte, geht es laut Rennefanz im Buch nicht, und auch als Ratgeber taugt der Text, der sich für die Rezensentin wie ein Essay, ein Monolog oder auch wie ein Tagebuch liest, nicht. Die Frage, wieso der Kinderwunsch sie nicht beseelt und wieso das zu Schuldgefühlen führt, beantwortet die Erzählerin laut Rennefanz auf fesselnde Weise, in eindringlicher Selbstbefragung, nicht polemisch ausgrenzend, sondern offen und mit treffenden Worten. Dass die Lektüre auf Rennefant schließlich doch leicht ermüdend wirkt, liegt laut Rezensentin daran, dass sich die Thematik bald in den eigene Schwanz beißt. Bei der Erkundung ihrer jüdischen Herkunft läuft die Autorin aber dann wieder zu Hochform auf, meint die Rezensentin.
    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.03.2019
    Rezensentin Annabelle Hirsch warnt vor, dass es bei Sheila Heti ziemlich intim wird. Wer das Buch lesen wolle, müsse Analsex, Menstruationen und existenzielle Selbstbefragungen aushalten können. Dennoch kann Hirsch es nur wärmstens empfehlen, denn Heti erkundet eine Option, die von all den neuen Mutterbüchern kaum in Betracht gezogen wird: Sich gegen ein Kind zu entscheiden oder einfach nur für die eigene Kunst. Hirsch erfährt, dass darin durchaus eine Traurigkeit liegen kann. Andererseits habe sie noch nie daran gedacht, dass Kinderkriegen ein Weg ist, Frauen ab dreißig aus dem Weg zu räumen, wenn sie richtig Stunk machen könnten. Am schönsten findet die Rezensentin aber die Passagen, in denen Heti sich ihrer eigenen Mutter widmet.

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