Brigitte Kronauer: Teufelsbrück (2000)

https://i1.wp.com/i.ebayimg.com/images/g/h0YAAOSwhU5fFShp/s-l640.png?w=788&ssl=1Eine nicht ganz herrschaftliche Villa im Alten Land an der Elbe. Zara wohnt hier, mit ihrer einzigartigen Schuhsammlung und tropisch bepflanzten Vogelvolieren. Und mit Leo, dem etwas undurchsichtigen Finanzjongleur mit kriminellem Charisma.

Als Maria, die Erzählerin, dort eines Tages ihren ersten Besuch macht, ist sie bald gefangen in einem Netz interessanter Intrigen, deren Verlockungen sie sich gern ergibt. Neun Abende lang erzählt Maria, hören wir der Geschichte einer Leidenschaft zu. Hals über Kopf und hochbewusst stürzt sich Maria in ein Abenteuer mit Leo.

Amüsiert schaut sie zu, wie ihr Vorortleben  – mit Einkaufszentrum, lieben Freunden und wohlmeinenden Anbetern – eine lustvolle Beschleunigung bekommt: Soireen in gemischter Gesellschaft, Liebesnächte und eine erotische Tour nach Heidelberg.

Und doch hat sie das Gefühl, nicht ganz die Herrin dieser Geschichte zu sein. Spät, in den verschneiten Bergen eines Schweizer Alpendorfs, erkennt Maria die Wahrheit hinter den Ereignissen  – die Regie. Und sie fürchtet den Augenblick, in dem es mit ihrem Bericht ein Ende hat.


Märchenhaft und zuweilen fast übermütig in seinem Reichtum an Momenten ekstatischer Wahrnehmung, erzählt dieser Roman von einer Verzauberung und ihrer Aufhebung durch einen Gewaltakt.

Auf dem Höhepunkt ihrer Kunst erzählt Brigitte Kronauer diesen großen Roman, der in die Tradition der deutschen Literatur und in aktuellste Gegenwart tief eingelassen ist.


»Eine wunderbare, phantastische Liebesgeschichte … absolut gelungen.« (Iris Radisch im Literarischen Quartett)

Es beginnt mit einem Sturz: Am EEZ in Hamburg abends um 6 Uhr stößt Maria Fraulob, die früh verwitwete Ich-Erzählerin und Herstellerin von Schmuck, versehentlich mit einem Paar zusammen und fällt – der Mann im dunkelgestreiften Anzug ist ihr beim Aufstehen behilflich.

Er und seine Begleiterin leben, wie sich bald herausstellt, in einer etwas verkommenen ländlichen Villa im Alten Land jenseits der Elbe, und die Frau lädt Maria zu sich ein. Zu besichtigen sind dort eine einzigartige Schuhsammlung und tropisch bepflanzte Vogelvolieren.

Doch Maria zieht noch etwas anderes dort hin, hat sie sich doch Hals über Kopf in diesen charmanten Mann verliebt …

Gebundene Ausgabe, 505 pages
Published 2000 by Klett-Cotta
Original Title Teufelsbrück
ISBN 3608930701 (ISBN13: 9783608930702)
Edition Language German

 

literaturkritik.de: Kollaps beim Anblick des Männerslips. Brigitte Kronauers Roman „Teufelsbrück“ Von Peter Mohr Erschienen am: 01.11.2000

FAZ: Und schaurig flötet das fedrige Waldliebelein. Von Thomas Wirtz – Aktualisiert am 17.10.2000-12:00

ZEIT: Hinüber ins alte Land. Brigitte Kronauers großartiger Liebes- und Zauberroman. Von Reinhard Baumgart 31. August 2000, 8:00 Uhr Editiert am 2. Januar 2014

DLF: Es kronauert gewaltig, und zwar gleich am Anfang. Auf die erste Szene, ja, buchstäblich die erste Seite des neuen Roman der Hamburger Schriftstellerin geht ein intertextuelles Hinweis- und literaturgeschichtliches Referenzgewitter nieder, das es in sich hat. Maria Fraulob, der Heldin und Ich-Erzählerin, vergeht auch gleich Hören und Sehen. Genauer gesagt, sie geht in die Knie. Ursula März 01.10.2000

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000
    Ziemlich begeistert ist die Rezensentin Ursula März von Brigitte Kronauers Roman „Teufelsbrück“, von dem sie Parallelen zu „Aschenputtel“ und „Der goldene Topf“ zieht. Kaum intelligenter könne man sich über den „diffusen Zustand der Wirklichkeit und ihren Rollentausch mit der Fiktion“ äußern, als Kronauer das tue, und so bezeichnet die Rezensentin das Buch als „eines der ambitioniertesten und hochrangigsten Romanwerke der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“. Kronauer erzählt die Geschichte einer verzwickten Dreierkonstellation mit „exzessiver Beschreibungslust“. Kritikwürdig findet März lediglich, dass der Roman etwas zu perfekt und überfrachtet daherkommt, und deshalb „überplant“ wirkt. Das nimmt der Geschichte nach Meinung der Rezensentin etwas von ihrem Reiz, weil sie durchschaubarer wird.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2000
    Die anderen mögen dieses Buch in den höchsten Tönen gelobt haben – Frauke Meyer-Gosau lässt sich davon nicht im geringsten beeindrucken. Sie ist genervt von Kronauers Prosa, und wie genervt sie ist, macht sie deutlich, indem sie die Lautmalereien von Vogelstimmen (`Zuküth Zuküth Zuküth`), die in dem Roman eine Rolle zu spielen scheinen, immer mal wieder in ihre Kritik einfließen lässt. Glaubt man Meyer-Gosau, dann ist das Problem, dass die Ich-Erzählerin des Romans Schmuckdesignerin ist und dass Kronauer ihrer Tendenz zum Süßlichen und sprachlich adrett Ausgeschmückten allzugerne nachgibt. Sie findet die Geschichte einer nicht ganz jungen Frau, die sich noch mal verliebt – mit den fatalsten Folgen selbstverständlich – zwar `meisterlich erzählt`, aber letztlich sei sie durch die `Wortschmuckkunst` so `bunt hergerichtet`, dass sie wie in einem Sirup darin zu versinken scheint. Ein vernichtendes `Tschilp` ist das letzte Wort der Kritik.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2000
    Dieser Roman hat im Grunde, so stellt die Rezensentin Meike Fessmann gleich zu Beginn fest, nur ein Thema: „die Paarung“. Dieses aber wird in allen erdenklichen Variationen durchgespielt, allerdings nach den nie auf Direktheit zielenden Vorgaben der literarischen Romantik: es geht in erster Linie um „Blicke, Gesten, Zeichen“, die in ein „erotisch-metaphysisches“ Spiel der bewussten Überhöhung eingebunden werden. Der neue Roman läuft, so die Rezensentin, der Entwicklung im Kronauerschen Werk in Richtung zunehmender Skepsis und Erschöpfung entgegen, er ist ein „entschlossener Schritt ins Verrückte“. Heraus komme dabei ein „Kunststück sondergleichen“.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.08.2000
    Eine Eloge von Reinhard Baumgart! Man hört den Rezensenten förmlich aufatmen, dass hier endlich einmal wieder Literatur mit einem großen L verhandelt werden darf, nicht nur allfällig aufgemerkt werden muss auf die „jungen Routiniers und alten Könner“. Es geht in dem neuen Roman der Hamburger Schriftstellerin um die unpassende Liebe einer Kronauerschen Heldin zu einem „weich brutalen“ Latin Lover, bzw. um die Liebe schlechthin, das „Perpetuum mobile eines Sinnens, Jubelns, Zweifelns“. Der „unerhört dichte Text“ spinnt seinen Erzählfluss ein in Bilder und „Inbilder“ voller Menschen und flüchtig-präzis wahrgenommener Beziehungen in Bahnhöfen, auf Bürgersteigen und in Einkaufszentren, schreibt Baumgart in seiner ausführlichen Rezension. Und gleichzeitig wird das Erzählen selbst aufgelockert und thematisiert durch Effekte der Mündlichkeit, denn die Protagonistin Maria Fraulob erzählt ihre Geschichte selbst. Aber wem erzählt sie sie? Nun, hier gibt es, so Baumgart, die „Chiffre“ Zara, die „bis zum Ende nicht endgültig zu entziffern“ ist: eine Frau, die alle Fäden, und vor allem den Latin Lover, in der Hand hat, eine „Liebesfee und -hexe“, die im Alten Land residiert und ihren Besuchern in Volieren und Terrarien allerlei Gattungen und Begattungen vorführt. Sie könnte einfach eine „stinkreiche Spekulantin sein“, aber vielleicht ist sie „Circe“, „Frau Welt“ oder „Frau Minne“, spekuliert der Rezensent. Im Zusammenhang mit all dem Sinnlich-Übersinnlichen, das dabei zur Sprache kommt, hebt er besonders hervor „30 Seiten beispiellos gewagte und geglückte Prosa“ – die Beschreibung des Leben Jesu auf einem „siebenflügeligen Altar“ als „Tierfabel der Paare und Paarungen“. Obwohl es am Ende natürlich böse ausgeht, sich alles in „monströse Komödie“ verwandelt und irgendwo hoch in den Bergen zwei Schüsse fallen, ist der Rezensent hochzufrieden mit dem Roman. Zum Schluss versucht er noch eine Einordnung „dieses Außenseiterbuches“ und meint, vielleicht ist die Kronauer ja die „hellere Schwester der finsteren Jelinek“. Beide sind „unnachgiebig radikal“, aber wo die „Alpendiva“ mit „Hohn und Wut“ reagiert, herrschen „Licht und Nachsicht“ bei der Erzählerin von der Elbe.

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