Annie Ernaux: Les Années / Die Jahre (2008)

7724290. sy475 « La photo en noir et blanc d’une petite fille en maillot de bain foncé, sur une plage de galets. En fond, des falaises. Elle est assise sur un rocher plat, ses jambes robustes étendues bien droites devant elle, les bras en appui sur le rocher, les yeux fermés, la tête légèrement penchée, souriant. Une épaisse natte brune ramenée par-devant, l’autre laissée dans le dos. Tout révèle le désir de poser comme les stars dans Cinémonde ou la publicité d’Ambre Solaire, d’échapper à son corps humiliant et sans importance de petite fille. Les cuisses, plus claires, ainsi que le haut des bras, dessinent la forme d’une robe et indiquent le caractère exceptionnel, pour cette enfant, d’un séjour ou d’une sortie à la mer. La plage est déserte. Au dos : août 1949, Sotteville-sur-Mer. »
Au travers de photos et de souvenirs laissés par les événements, les mots et les choses, Annie Ernaux donne à ressentir le passage des années, de l’après-guerre à aujourd’hui. En même temps, elle inscrit l’existence dans une forme nouvelle d’autobiographie, impersonnelle et collective.

Paperback, 256 pages
Published January 14th 2008 by Gallimard
Original Title Les années
ISBN 2070402479 (ISBN13: 9782070402472)
Edition Language French

wikipedia.fr

wikipedia.de

Le Monde: « Les Années », le livre d’une vie d’Annie Ernaux. Avec ce « roman total » qui mûrissait depuis plus de trente ans, l’auteure de « Passion simple » rassemble de façon magistrale toutes ses mémoires. Cet article est paru dans « Le Monde » le 7 février 2008. Par Christine Rousseau

literaturkritik.de: Erinnerung ohne „Ich“? „Die Jahre“ von Annie Ernaux zeigen auf wunderbare Weise, wie wandelbar die zeitgenössische Autobiographie sein kann. Von Carina Berg

DLF: Provozierende Aufforderung zur Selbstbesinnung. Die Beschreibung ihres Werdegangs als Aufsteigerin aus dem ärmlichen Provinzmilieu der Normandie weitet Annie Ernaux zu einer neuartigen Form der Autobiografie aus. Ihre Erfahrungen verzahnt sie in „Die Jahre“ mit dem kollektiven Gedächtnis und der Summe der Prägungen ihrer Generation. Von Christoph Vormweg 15.01.2018

ZEIT: Ein Frauenleben. Annie Ernaux’ Erinnerungen als bemerkenswertes Hörspiel. Von Alexander Cammann 15. Mai 2019 DIE ZEIT Nr. 21/2019, 16. Mai 2019

Ihre Lebensgeschichte setzt Ernaux, Jahrgang 1940, ausgehend von ihrer Kindheit bis in die heutige Zeit anhand von plastisch erzählten Beispielen zusammen: Schulhofszenen, Familienzusammenkünfte, Moden, Konsumverhalten, politische Ereignisse und der sich in der Zeit wandelnde Umgang mit Sexualität. Aus dem Französischen von Sonja Finck | Mit: Birte Schnöink, Constanze Becker, Corinna Harfouch und Nicole Heesters | Musik: Björn Deigner | Hörspielbearbeitung und Regie: Luise Voigt | (Produktion: HR 2018)

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2018
    Rezensentin Beatrice von Matt findet Annie Ernauxs Ansatz, im Nebensächlichen das Existenzielle zu sehen, auch zehn Jahre nach dem ersten Erscheinen des Buches noch immer lesenswert. Eher störend findet sie die allzu umgangssprachliche Übersetzung durch Sonja Finck, die die Atmosphäre des Originals verfälscht, wie sie meint. Auch existierten wir inzwischen in einem anderen Lebensgefühl, Ernauxs „Impassibilité“ scheint Matt nicht mehr zeitgemäß. Und doch reißt die Rezensentin dieses autobiografische Schreiben mit, dies Private als Geschichte von Zeitgenossen und Zeitgenossinnen und von empirischem Material wie Fotos, Listen und Zeitungsartikeln über Politiker, Moden und Konsum. Mit Perec und Bourdieu im Gepäck vermag die Autorin die Rezensentin noch immer zu verzaubern, indem sie das Alltägliche aufwertet.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2017
    Peter Urban-Halle gefällt der soziologische Blick, mit dem Annie Ernaux die eigene Geschichte betrachtet. Ihre persönliche Entwicklung zwischen 1945 und 2007 erweitert die Autorin so zum gesellschaftlichen und politischen Panorama Frankreichs und der Welt, findet Urban-Halle. Wir sind nicht allein, dieser Satz leuchtet ihm ein beim Lesen von Ernaux‘ von Familienfotos ausgehenden Erinnerungen an Ereignisse und Aufzählungen von Lebensmomenten. Das Reflexive und Erzählerische daran gefällt dem Rezensenten am besten. Aber auch die im sachlichen Stil a la Bourdieu und in der Komposition a la Eribon gefassten soziologischen Untersuchungen französischer Zustände von der Nachkriegszeit bis zu Sarkozy faszinieren Urban-Halle. Eine Mentalitäts- und Emotionsgeschichte und eine Geschichte des Alterns, meint er.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017
    Wenn man schon auf sonst nicht vieles zählen kann – eines ist doch verlässlich: Die Zeit. Sie ist die „eigentliche Heldin“ in Annie Ernaux‘ hervorragendem Roman „Die Jahre“, erklärt Rezensentin Meike Feßmann. Hervorragend im wahrsten Sinne des Wortes, denn dieses Buch kann als Extrakt und als Höhepunkt von Ernaux‘ gesamtem Ouevre verstanden werden, meint Feßmann. Begeistert ist die Rezensentin von der Entscheidung der Autorin, niemals von sich als „Ich“ zu sprechen, sondern stets in der dritten Person: damit betont sie die Passivität, die Machtlosigkeit des Subjekts gegenüber entscheidenden Einflüssen von Außen, dem sie große Bedeutung zuspricht, so die Kritikerin. Im Inneren, im Kleinen zeigt sich ihr das Äußere, das Große – so verhält es sich in Bezug auf Umwelt und Subjekt und so verhält es sich auch in Bezug auf Gesellschaft und allen ihren nächst kleineren Einheiten, vor allem den Familien: Historische Veränderungen werden bei Ernaux nur in ihren Auswirkungen auf Gruppen, Familien und Einzelpersonen sichtbar, was für Feßmann eine Bescheidenheit und Behutsamkeit der Autorin offenbart, die sie sehr schätzt.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2017
    Rezensent Klaus Bittermann kann sich Didier Eribons Lobeshymnen über Annie Ernauxs autobiografisch geprägtes Panorama der französischen Gesellschaft nur anschließen. Schnell verfällt der Kritiker der „dezenten“ Poetik der Autorin, die ihn in ihrem nach neun Jahren endlich auch auf Deutsch erschienenen Buch auf einen Streifzug von den Fünfzigern bis in die nuller Jahre mitnimmt und dabei laut Bittermann so gekonnt Persönliches mit gesellschaftlichen Ereignissen verquickt, dass bei dem Rezensenten unweigerlich eigene Assoziationen freigesetzt werden. Er liest hier von der Algerienkrise, den Bomben der OAS in Paris, dem Attentat auf de Gaulle oder den 68ern, erlebt Hoffnung, Enttäuschung und zunehmende Melancholie nach der Jahrtausendwende und staunt, wie ähnlich sich eine Jugend in Frankreich und Deutschland doch waren. Ein wunderbares „Kaleidoskop“ der Erinnerungen, schließt der Kritiker.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2017
    Es mussten wohl erst Didier Eribon und Edouard Louis kommen, damit sich auch hierzulande jemand fand, Annie Ernauxs biografischen Roman „Die Jahre“ knapp zehn Jahre nach seinem Erscheinen in Frankreich zu veröffentlichen, glaubt Rezensentin Anna Vollmer. Zu Unrecht, fährt die Kritikerin fort, denn Ernaux gelinge das Kunststück, private Erinnerungen in eine gesellschaftliche Erzählung zu verwandeln. Gebannt folgt die Rezensentin der Autorin bei ihrem melancholischen Rückblick auf das vergangene halbe Jahrhundert, erlebt wirtschaftlichen Boom und Überdruss, sexuelle Unterdrückung und Befreiung und bewundert die eindringlichen und lange nachhallenden Bilder und Sätze, die Ernaux für ihre Erlebnisse findet. Bewegt liest Vollmer zudem, wie die Autorin von der gemeinsamen Zeit mit ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter erzählt. Nicht zuletzt staunt die Rezensentin über den vorausschauenden, nostalgiefreien kritischen Blick der Autorin auf die Gesellschaft. Ernauxs präzisen Beobachtungen nimmt Vollmer die gelegentliche „einseitige Fortschrittskritik“ nicht übel.

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