Julian Barnes: The Man in the Red Coat / Der Mann im roten Rock (2019 / 2021)

56644641. sy475 Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische.

Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller.

Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent.

Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

Hardcover, 304 pages
Published January 14th 2021 by Kiepenheuer&Witsch (first published November 7th 2019)
Original Title The Man in the Red Coat
ISBN 3462054767 (ISBN13: 9781473574038)
Edition Language German

Setting
Paris, 1885 (France)

de.wikipedia.org

WDR: Julian Barnes – Der Mann im roten Rock Von Ulrich Rüdenauer Julian Barnes neues Buch „Der Mann im roten Rock“ ist ein geistreicher, fulminanter Essay über die Kunst und das Leben – und zugleich das Plädoyer für ein weltoffenes Europa. WDR 3 Buchkritik. 14.01.2021.

 

ZEIT: Eine glänzende Epoche. Von Paris nach London und zurück: Julian Barnes führt in seinem Buch „Der Mann im roten Rock“ durch diese Metropolen vor 1900 und erzählt von märchenhaften Salons, von Eitelkeit, Kunst, Prominenz und einem faszinierenden kulturellen Aufbruch. Von Susanne Mayer 17. März 2021, 17:00 Uhr ZEIT Literatur Nr. 12/2021, 18. März 2021

 

DLF Kultur: Wimmelbild der Belle Époque Von Sigrid Löffler – Patchwork aus Klatsch und Tratsch, Streitereien, Duellen aus nichtigem Anlass und allerhand ästhetischen und sexuellen Exzessen: So beschreibt Julian Barnes die Belle Époque.

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2021
    Bewundernd und begeistert besingt Rezensentin Susanne Mayer diesen „großen Barnes“, der sich wieder mal, ganz im hoch versierten Gestus britischer Erzählkunst dem Französischen widmet. Noch eine Feier also jenes „kulturellen Gewebes“, das die Briten mit den Kontinentaleuropäern verbindet, und das nicht von ungefähr in Brexit-Zeiten. Die Belle Epoque um 1900 ist Barnes‘ Lieblingsepoche, und Dr. Pozzi ist für ihn ein genialer Repräsentant der Epoche, so die Rezensentin, denn er vereint ihren dekadenten Glamour mit dem gleichzeitig erblühenden Geist des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts. Ihn bannt Barnes in eine höchst fruchtbare und für ihn so typische Dreierkonstellation mit dem Grafen von Montesquiou und dem Prinzen von Poilignac, zwei Gestalten des Fin de Siècle, die aus Huysmans und Proust bekannt sind, erfahren wir. Susanne Mayer schwelgt nur so. Und dann ist das „herrliche Buch“ plötzlich aus.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.02.2021
    Rezensentin Sylvia Staude liest in Julian Barnes‘ biografischem Buch über den Dandy und Stargynäkologen der Belle Epoque, Samuel Pozzi, wie in einem Roman. All die großen Namen, von Sarah Bernhardt bis Proust, die in dieser Lebensgeschichte auftauchen, die ganze Dramatik (Pozzi wurde von einem Patienten erschossen) und wie Barnes sie gestaltet, elegant ironisch, mit allerhand Leerstellen, den Fakten und dem Gossip der Zeit verpflichtet und mit viel Sympathie für seine Figur – lassen Staude mitunter vergessen, dass es sich nicht um Fiktion handelt.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2021
    Für Rezensentin Cathrin Kahlweit ist Julian Barnes‘ Buch über den französischen Mediziner und Lebemann Samuel Jean Pozzi und seine Zeit, die Belle Epoque, viel mehr als ein Sachbuch. Über das Nachwort, in dem der Autor sich laut Kahlweit schlau über den Brexit auslässt, gelangt die Rezensentin in den Haupttext, der Pozzi zum „Sinnbild Europas“ stilisiert. Wie Barnes seine Figur als neugierigen, unersättlichen kosmopolitischen Europäer zeichnet, seine Affären, Extravaganzen und Intrigen ausmalend, und damit auf die Gegenwart verweist, scheint Kahlweit genial. Eine höchst kunstvolle Liebeserklärung an den Kontinent, in der Großbritannien eher nicht so gut wegkommt, so die Rezensentin.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.01.2021
    Rezensentin Sigrid Löffler lässt sich nicht täuschen vom „eleganten Plauderton“, den Julian Barnes anschlägt. Sein Essay über den Pariser Mode-Arzt und Lebemann Dr. Pozzi, zu dem Prousts Vater und Hauptmann Dreyfuss ebenso gingen wie Sarah Bernardt, besticht sie durch seine gründliche Recherchen und kluge Beobachtungen. Herrlich findet Löffler natürlich, wie Barnes die Welt der Pariser Belle Epoque zu einem Wimmelbild dekadenter Aristokraten, Dandys, Snobs und Exzentriker fügt. Aber bei allen Exzessen und Extravaganzen, Neurosen und Narzissmen, zu denen diese Epoche fähig war, brachte sie eben auch Freidenker und Reformer hervor, Weltoffenheit, Charme und Taktgefühl, betont die Rezensentin, die Parallelen zur heutigen Zeit nicht lange suchen muss.

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