Britt Bennett: The Vanishing Half / Die verschwindende Hälfte (2020)

Bennett, Britt (2020). »Die verschwindende Hälfte« –

Ein kleiner Ort im ländlichen Louisiana. Seine afroamerikanischen Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte und vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Stella und Desiree etwa, Zwillingsschwestern von ganz unterschiedlichem Wesen.

Aber in einem sind sie sich einig: Hier sehen sie keine Zukunft für sich. In New Orleans trennen sich ihre Wege. Stella tritt unbemerkt in eine nur weißen Amerikanern vorbehaltene Welt – und bricht alle Brücken hinter sich ab. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte müssen vergehen bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.

Aus dem amerikanischen Englisch von Robin Detje und Isabel Bogdan. Gelesen von Tessa Mittelstaedt

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Published September 15th 2020 by Argon Verlag (first published June 2nd 2020)

»perlentaucher.de, SWR2

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2021
    Rezensentin Verena Mayer sieht Brit Bennetts Roman über die unterschiedlichen Lebenswege zweier schwarzer Zwillingsschwestern im Louisiana der fünfziger Jahre als Fortsetzung von „Black lives matter“ mit literarischen Mitteln. Zu erkennen gilt es, dass jeder Lebensentwurf von Schwarzen zählt, meint sie. Dass Bennett sich nicht auf so den politischen Impetus ihrer Story reduzieren lässt, findet Mayer allerdings auch. Die Generationengeschichte überzeugt sie mit Detailfreude, genauer Figurenzeichnung und der gekonnten Wiederbelebung der „Passing Novel“.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.12.2020
    Rezensentin Katharina Granzin bewundert die erzählerische Reife, mit der Brit Bennett in ihren Romanen alle erdenklichen Figuren entwirft und lebendig erscheinen lässt. Auch wenn Bennetts neuem Text etwas Konstruiertes eigen ist, er manchmal auf Granzin wie eine Versuchsanordnung wirkt, wenn Bennett die Geschichte zweier sehr gegensätzlicher Schwestern aus dem Louisiana der 1950er Jahre erzählt, die eine schwarz und stolz darauf, die andere dauernd bestrebt, weißer als weiß zu wirken, scheint der Rezensentin der Roman fesselnd und großartig erzählt.

    Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.11.2020
    Rezensentin Sarah Pines findet Brit Bennetts Roman über zwei ungleiche schwarze Schwestern und das Thema „racial passing“ etwas sehr brav. Der „sepiafarbende“, autobiografische Plot, in dem Veranden knarren und Louisiana und New Orleans so richtig nach 1950er aussehen, lässt Pines fragen, was die Autorin zu dem Thema bewogen haben mag, wo doch „Black Lives Matter“ das Verhältnis von Schwarz und Weiß schon genau durchleuchtet hat. Dass viele der Figuren im Text Namen und Sexualität wechseln und darüber reden, findet Pines zeitgemäß, spannender aber scheint ihr ein Erzählstrang, in dem die Figur die eigene Ambiguität für sich behält.

    Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.11.2020
    Dieser in den 50ern spielende Roman über die damals laut Gesetz schwarzen, aber sehr hellhäutigen Zwillinge Desiree und Stella ist eine vielschichtige und kunstvolle Enthüllung des Rassismus als folgenschwerer Konstruktion, so Rezensentin Carola Ebeling: Stella entscheidet sich dafür, als Weiße wahrgenommen werden zu wollen, und bricht deshalb alle Beziehungen zu ihrer Familie ab, worunter sie selbst stark leidet, erzählt die Kritikerin. Die Neuerfindung der Identität beschäftigt laut Ebeling so gut wie alle Figuren des Romans und wird als zweischneidige Praxis ausgestellt, die Normen zugleich unterwandert und festschreibt. Zugleich hat die Thematisierung von Trauer, Verlust und Scham die Rezensentin sehr berührt.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.09.2020
    Dieser Roman wird in Amerika als Buch zur Black-Lives-Matter-Bewegung rezipiert, weiß Rezensentin Mithu Sanyal. In der Geschichte schlagen die Zwillinge Stella und Desiree die unterschiedlichsten Wege ein, mit ihrer Hautfarbe umzugehen, erzählt die Kritikerin: Stella leugne ihr Schwarzsein, um in New Orleans als Weiße ein sichereres Leben zu führen, während Desiree den „dunkelsten Mann, den sie finden konnte“, heirate. Die Schwestern entzweien sich darüber, was der Kritikerin zufolge Anlass zu einem geschickten Spiel mit Dopplungen, Kontrasten und Wiederbegegnungen führt. Ihr zufolge wird damit die „Liebe in schwarzen Communities“ hervorragend ausgeleuchtet.

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