Mithu M. Sanyal: Identitti (2021)

55754513. sy475 Was für ein Skandal: Prof. Dr. Saraswati ist WEISS! Schlimmer geht es nicht. Denn die Professorin für Postcolonial Studies in Düsseldorf war eben noch die Übergöttin aller Debatten über Identität – und beschrieb sich als Person of Colour.

Als würden Sally Rooney, Beyoncé und Frantz Fanon zusammen Sex Education gucken, beginnt damit eine Jagd nach „echter“ Zugehörigkeit.

Während das Netz Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt ihre Studentin Nivedita ihr intimste Fragen.

Mithu Sanyal schreibt mit beglückender Selbstironie und befreiendem Wissen. Den Schleudergang dieses Romans verlässt niemand, wie er*sie ihn betrat.

Hardcover, 432 pages
Published February 15th 2021 by Hanser
Original Title Identitti
ISBN 3446269215 (ISBN13: 9783446269217)
Edition Language German

SZ: „Identitti“: Roman von Mithu Sanyal: Unangreifbar bleiben. Eine antirassistische Starprofessorin hat ihre weiße Herkunft unterschlagen und stürzt den deutschen Identitätsdiskurs ins Chaos: Mithu Sanyals wildes Romandebüt „Identitti“. Von Tobias Kniebe 17. Februar 2021, 15:09 Uhr

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2021
    Rezensentin Katharina Teutsch hat dieses Buch sehr gerne gelesen und sich an dieser Mischung aus Fakten und Fiktion gelabt, die sie „angenehm unbefangen“ ausgeführt findet. Sehr überzeugt hat sie außerdem die Fiktion der Identität, wie sie die Autorin auch in anderen Zusammenhängen kritisiert hat, hier aufs Glatteis geführt anhand der Hauptfigur einer den Identitätsdiskurs jeder Minderheit brillant beherrschenden Professorin. Der begeisterten Kritikerin gefällt, dass sich hier eine „engagierte Literatur“ zeigt, die zudem äußerst witzig und unterhaltsam ist: „Eines der originellsten Bücher dieses Frühjahrs“ urteilt die hingerissene Kritikerin, die höchstens ein paar Längen genervt haben.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.02.2021
    Rezensent Tobias Kniebe entschlüsselt für uns das Setup von Mithu M. Sanyals Roman, das er für sorgfältig konstruiert hält. Überhaupt scheint ihm die Geschichte um eine indischstämmige Studentin der Intercultural Studies aus Düsseldorf-Oberbilk und ihre eloquente Dozentin, über Identitätspolitik in Theorie und vor allem in der Praxis, ganz schon raffiniert, komisch, aber auch von der Absicht getragen, mit ihrer „besserwisserisch-dominanten“ Protagonistin, die allen Vorwürfen wegen ihrer angenommen Identität mit größter akademischer Überlegenheit begegnet, das Publikum durch eine Art Katharsis zu schicken. Gelungen, muss Kniebe zugeben.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.02.2021
    Rezensentin Claudia Kramatschek ist atemlos. Mithu Sanyals Roman über Identitätspolitik, eine mixed-race-Bloggerin und eine Dozentin für Postcolonial Studies haut ihr die Diskurse von Frantz Fanon bis Mark Terkessidis nur so um die Ohren. Knallig, gewagt und witzig, aber auch voller Erkenntnisse ist die Lektüre für Kramatschek, weil die Autorin nicht nur den rasanten Schlagabtausch der Community beherrscht, sondern auch die Debatten „gegen den Strich“ bürstet, indem sie Herkunft als fluide darstellt. Schrille Selbstermächtigungslektüre, meint Kramatschek.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.02.2021
    Rezensent Ronald Düker hat sich auf den Weg nach Oberbilk gemacht, um mit der Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal über deren nächste Woche erscheinenden Debütroman zu plaudern. Im Buch geht es im Wesentlichen um eine öffentlichkeitsverliebte Düsseldorfer Professorin, die Intercultural Studies und Postkoloniale Theorie unterrichtet, und die sich nicht nur nach der indischen Göttin Saraswati benannt hat, sondern auch als authentische Inderin ausgibt und sich die Haut chirurgisch verdunkeln ließ – bis herauskommt, dass sie schlicht eine biodeutsche Sarah Vera Thielmann aus Karlsruhe ist. Der öffentliche Skandal lässt nicht lange auf sich warten, erzählt Düker. Vor allem macht sich die Hauptfigur Nivedita, Studentin mit „mixed-race-Biografie“ wie die Autorin, ihre Gedanken über Rassismus, Blackfacing, Migrationshintergrund und den „Kulturkampf unserer digital eskalierten Gegenwart“, resümiert der Kritiker. Vor der Lektüre und dem Gespräch mit der Autorin hat Düker Sorge, auf viel „Blasenvokabular“ zu treffen, um dann aber schnell festzustellen: Das Buch, eine Mischung aus Coming-of-Age- und Campusroman mit Theorienanteilen, ist differenziert und vergnüglich geschrieben, sogar Spannung kommt mitunter auf. Und so lernt der Rezensent hier viel über Identitätspolitik und Rassismus, erfährt etwa, was „debunking“ ist und sieht sich mit der Frage konfrontiert, ob es mit Blick auf „fluide Transgender-Identitäten“ nicht auch Zeit für ein „durchlässiges transrace-Konzept“ sei.

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