Colson Whitehead: The Nickel Boys / Die Nickel Boys (2019)

https://i0.wp.com/cdn3.volusion.com/zjhys.xrwrf/v/vspfiles/photos/9780345804341-2.jpg?resize=567%2C874&ssl=1Colson Whitehead dramatizes another strand of American history through the story of two boys sentenced to a hellish reform school in Jim Crow era Florida.

When Elwood Curtis, a black boy growing up in 1960s Tallahassee, is unfairly sentenced to a juvenile reformatory called the Nickel Academy, he finds himself trapped in a grotesque chamber of horrors. Elwood’s only salvation is his friendship with fellow “delinquent” Turner, which deepens despite Turner’s conviction that Elwood is hopelessly naive, that the world is crooked, and that the only way to survive is to scheme and avoid trouble. As life at the Academy becomes ever more perilous, the tension between Elwood’s ideals and Turner’s skepticism leads to a decision whose repercussions will echo down the decades.

Based on the real story of a reform school that operated for 111 years and warped the lives of thousands of children.
Hardcover, First Edition, 213 pages
Published July 16th 2019 by Doubleday Books
Original Title The Nickel Boys
ISBN 0385537077 (ISBN13: 9780385537070)
Edition Language English

Setting Florida (United States) 
Tallahassee, Florida (United States)

 

45913851. sy475 Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings.

Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt.

Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt.

 

Henning Ahrens (Translator)

Hardcover, 222 pages
Published June 3rd 2019 by Carl Hanser Verlag
Original Title The Nickel Boys
ISBN 3446262768 (ISBN13: 9783446262768)
Edition Language German

FAZ: Das Gesetz des Weißen Hauses. Vergraben und verschwiegen: Colson Whiteheads neuer Roman „Die Nickel Boys“ erzählt nach wahren Begebenheiten von der systematischen Misshandlung in einer Besserungsanstalt. Von Sandra Kegel Aktualisiert am 07.06.2019-11:22

ZEIT: Das Herz bleibt stehen. Colson Whiteheads neuer Roman basiert auf einer wahren Geschichte von jungen Schwarzen, die in Zeiten der Rassentrennung in einer US-Strafanstalt brutal gefoltert und erschossen wurden. Eine Rezension von Ulrich Greiner 5. Juni 2019, 16:47 Uhr

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1 Kommentar

  1. Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.07.2019
    Johannes Franzen bedauert, dass die deutsche Übersetzung von Colson Whiteheads politischem Roman wie eine Doku über deutsche Jugenkriminalität in den achtziger Jahren klingt. Das hat der Text schon deshalb nicht verdient, findet er, weil Whitehead eine erstaunlich zeitgemäße Version engagierter Literatur vorlegt, indem er die echte Geschichte einer Besserungsanstalt in Florida zu einer Analyse des Rassismus in den USA um- beziehungsweise weiterschreibt. Wie er zu diesem Zweck den Stoff seine Figuren charakterisiert und Emotionen schürt, findet Franzen höchst gelungen: Gerade die Vereinfachung, meint Franzen, verleihe dem Roman seine emotionale Wucht. So entsteht laut Rezensent eine Geschichte der Gewalt, die durch verhaltene erlebte Rede jeder Sensationslust entgeht.

    Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2019
    Rezensentin Angela Schader verstört die Lektüre von Colson Whiteheads Roman nachhaltig. Vor allem aber stellt sie anerkennend fest, dass Whitehead den schwarzen Opfern der im Buch nach realem Vorbild porträtierten Besserungsanstalt eine Stimme verleiht. Wie der Autor seine Protagonisten darstellt, tugendhaft und clever, gefällt ihr, ebenso der Umstand, dass Whitehead den Horror der Quälereien und Misshandlungen in der Anstalt nicht unnötig ausschlachtet. Das Ende des Romans findet sie raffiniert, verrät es uns aber natürlich nicht.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2019
    Rezensent Nicolas Freund hält Colson Whiteheads neuen Roman für die Fortsetzung von „Underground Railroad“ in realistischerer Form und versetzt in die 1960er Jahre. Bedrohlich scheint ihm die Atmosphäre im Text um das Leid junger Schwarzer in einer Erziehungsanstalt im Südwesten der USA gleichwohl. Dass der Autor bei seiner Beschreibung des rassistischen Anstaltsterrors kaum fiktionalisiert und auf Polizei- und Justizberichte zurückgreift, sorgt für Freund für den eigentlichen Horror, auch wenn sich der Roman laut Rezensent teilweise wie ein Abenteuerroman liest. Wie Whitehead sich hier ganz auf die Nachbildung einer trostlosen Wirklichkeit konzentriert und bewusst auf poetische Konstruktionen verzichtet, findet Freund stark.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.06.2019
    Christoph Schröder scheint selbst erstaunt, dass Colson Whiteheads neuer Roman, der den historisch belegten Missbrauch in einem Erziehungsheim in Florida seit den 60er Jahren behandelt, bei all seiner deprimierenden Wirkung dennoch auf humanistische Ideale vertraut und dem Leser Trost bietet. Die Geschichte des aufgrund eines Justizirrtums in die Institution eingelieferten jungen schwarzen Protagonisten scheint Schröder zwar grausam, aber ebenso spannend. Das liegt laut Schröder an Whiteheads beträchtlichen literarischen Fähigkeiten, die sogar den Verzicht auf jeglichen Humor im Text verschmerzen lassen. Ein Buch von hohem dokumentarischen wie literarischem Wert, das ergreifend darstellt, nicht belehrt, meint Schröder.

    Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.06.2019
    Zunächst skizziert Rezensent Ulrich Greiner die Romanhandlung und widmet sich kurz der Aufdeckung ihrer historischen Grundlage, den Ereignissen in der skandalösen und mörderischen Jugendstrafanstalt, genannt Nickel, wo vor allem schwarze Jugendliche grausam misshandelt und teilweise ermordet wurden. Das Thema erweist sich für Greiner aber als etwas zu groß für den Roman: Die vielen auftauchenden Figuren werden ihm nicht „plastisch“ genug und das Vorhaben, von dem Skandal der zerstörten Leben schwarzer Jugendlicher zur Zeit der Rassentrennung in den USA zu erzählen und dabei einen spannenden Roman zu schreiben, sei nicht so ganz aufgegangen. Immerhin bekommt der Autor, der als „kraftvolle Stimme der jüngeren afroamerikanischen Literatur“ gilt, immer wieder knapp die Kurve zurück zur zentralen Geschichte – inmitten einer manchmal zu sehr ausufernden „Sozialreportage“, so Greiner. Sehr gefallen hat dem von den beschriebenen Zuständen durchaus empörten Rezensenten der Ton des Autors, der von „leisem Sarkasmus geprägt“ sei.

    Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.06.2019
    Rezensent Carsten Hueck liest mit Schaudern diesen Roman, in dem der amerikanische Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead ein wahres Horrorkabinett eröffnet: Whitehead erzählt in „Die Nickel Boys“ von einer Besserungsanstalt im Florida der sechziger Jahre, in der vor allem schwarze Jungen einem sadistischen System der Misshandlung und des Missbrauchs ausgeliefert sind. Hueck liest mit Entsetzen von den Torturen, denen die Jungen durch ihre weißen Peiniger unterworfen sind, während am fernen Horizont schon die Bürgerrechtsbewegung und die Literatur von James Baldwin aufscheint. Aber weil Whitehead diese Leidensgeschichte so verhalten-poetisch erzählt, so bildhaft und rhythmisch, wiegt sich der Rezensent am Ende doch ganz gern in diesem expressiven Blues.

    Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2019
    Sandra Kegel fasst das kalte Grauen beim Lesen von Colson Whiteheads neuem Roman. Dass der Autor diesmal ganz ohne Fantastik, nüchtern und nah an den drastischen Fakten entlang erzählt, macht die Sache für Kegel umso unerträglicher. Es geht um die Qualen junger Schwarzer in der als Besserungsanstalt getarnten Folteranstalt Nickel alias Dozier School in Florida, deren ganzes Ausmaß erst 2014 ans Licht kam, als man dort geheime Gräber entdeckte. Das Thema Missbrauch geht der Autor laut Kegel analytisch und schonungslos genau an, indem er das Zusammenwirken von Scham, Ohnmacht und Macht untersucht und zeigt, wie ein junges Leben systematisch vernichtet wird.

    Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.06.2019
    Wieland Freund bewundert Colson Whitehead für seine Fähigkeit, in seinen historischen Romanen die Fakten im Blick zu behalten. So auch diesmal, wenn Whitehead einen schwarzen Jungen von den Foltern in einer Besserungsanstalt in den Südstaaten erzählen lässt. Dass der Autor immer dann ausblendet, wenn es blutig wird, macht die Lektüre für Freund allerdings nicht leichter, er ahnt ja, welche Gewalt er dem Leser damit vorenthält, und der Kampf der Protagonisten um ihre Würde ist nicht weniger qualvoll und herzerweichend, findet Freund.

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