• Audio CD (5. Mai 2006)
  • Anzahl Disks/Tonträger: 1
  • Label: Verve (Universal)
  • ASIN: B000EXOACW
  1. Nothing Serious
  2. A Day In Vienna
  3. Trust
  4. Camaraderie
  5. Devil Eyes
  6. The Gift
  7. Salima’s Dance
  8. Invitation

Roy Hargrove mag’s gern bipolar: das eine Ohr hört Popmusik, die andere Hand spielt straight ahead Jazz. So kommt der 36-jährige Trompeter aus New York heuer mit zwei Projekten zeitgleich auf den Markt. Das eine vermischt Jazz mit aktuellen Pop-Trends, das andere, Nothing Serious ist in ein reines Straight Ahead-Album. Bebop ist Roy Hargroves Steckenpferd. Neben einigen Ausflügen in moderne Gefilde – herausragend z.B das preisgekrönte Roy Hargrove With The Tenors Of Our Time oder das Live-Album Directions In Music (2002) zusammen mit Herbie Hancock und Michael Brecker – bleibt Hargrove gerne traditionell. Mit seinem Quintett spielt er nun schon seit drei Jahren in unveränderter Besetzung. Die eindrucksvollen Stücke auf Nothing Serious wurden bis auf einen Standard von Hargrove und seinen Bandmitgliedern komponiert: klassische Bläsersätze zusammen mit Justin Robinson am Saxofon und spezial guest Slide Hampton (Posaune), heißes swing-Feel mit Drummer Willie Jones III, flotter Latin, eine Ballade, eine etwas freier duftende Up-Tempo-Nummer. Es ist zeitgenössischer Mainstream, abwechslungsreich und frisch, mit modernen Elementen zwar, aber fest im Bop verwurzelt. Dwayne Burno spielt Kontrabass, am Klavier begleitet Ronnie Matthews, zupackend, mit einer leichten, charmanten Schärfe. Die besten und längsten Soli werden von den beiden Hauptbläsern Hargrove und Robinson besorgt: aufregend, verspielt oder treibend und zu allem entschlossen. Das Zusammenspiel dieses kleinen Ensembles ist vorbildlich, ebenso wie die Aufnahme: hell, durchsichtig und glasklar.

Katharina Lohmann

kulturnews.de
Der 36-jährige Trompeter Hargrove war in den letzten Jahren vornehmlich mit seiner Zweitband The RH Factor aktiv. Nun legt er mit seinem Quintett klassischen Hardbop vor und mit der Zweitband Soulfunk nach. Angedacht und annonciert war zunächst ein Doppelalbum, doch offenbar glaubte sein Label nicht an ein gemeinsames Publikum für beide Stile. Wie auch immer: „Nothing serious“ startet flott und gibt die Richtung vor: Bop der harten Sorte, erweitert um polyrhythmische Spielereien und Latinallüren. Auch den Flügelhornballaden haftet etwas Tänzerisches an. Am schönsten und überzeugendsten geriet „Salimas Dance“, eine Komposition des Pianisten Ronnie Matthews: Rhythmus und Melodie schaukeln sich zum Bop-Donnerwetter hoch. Im Anschluss der Klassiker „Invitation“ mit einem gefälligen Solo des Gast-Posaunisten Slide Hampton. Kein großer Jazz – aber immerhin: Jazz. Auf „Distractions“, dem dritten Album von RH Factor, dominieren Soul, Hiphop und Funk. Keyboards, Bass und Drums sind doppelt besetzt, hinzu kommen ein Gitarrist und zwei Saxofonisten (von denen immerhin David Newman gefällt) sowie die Sängerin Reneé Neufville und ihr Kollege D’Angelo. In der Theorie klingt das spannend, in der Praxis leider bieder. (jan)

Siehe auch: jazzecho, wikipedia.eng

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