29441928. sy475 Verzeihen heißt dem Wort nach: Verzicht auf Vergeltung. Wer verzeiht, bezichtigt nicht länger andere für das eigene Leid, sinnt nicht auf Rache oder juristische Genugtuung, sondern lässt es gut sein.

Aber wie ist ein derartiges Loslassen möglich, das weder gerecht noch ökonomisch noch logisch ist? Lässt sich das Böse verzeihen?

Führt das Verzeihen zu Heilung, gar Versöhnung – oder ereignet es sich jenseits allen Zwecks? Ausgehend von eigenen Erfahrungen ergründet die Philosophin Svenja Flaßpöhler, unter welchen Bedingungen ein Schuldenschnitt im moralischen Sinne gelingen kann.

Sie spricht mit Menschen, denen sich angesichts schwerster Schuld die Frage des Verzeihens in aller Dringlichkeit stellt, und sucht nach Antworten in der Philosophie.

Hardcover, 225 pages
Published March 8th 2016 by Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN13 9783421044631
Edition Language German

ZEIT: Moralischer Schuldenschnitt. Wann klappt es mit dem Verzeihen? Svenja Flaßpöhler will das mit Fallbeispielen klären. Von Caroline Rehner 1. September 2016, DIE ZEIT Nr. 35/2016, 18. August 2016

Leider brechen die prägnanten Abhandlungen zu diversen Aspekten des Verzeihens immer dann ab, wenn eine These, eine Entscheidung oder wenigstens die Skizze einer Antwort verlangt wäre. Stattdessen folgt wieder ein Fallbeispiel oder eine neue Szene im Strang über die eigene Mutter. „Das Verzeihen zu verstehen und auszuloten bis an seine Grenzen“: Das war das erklärte Ziel der Autorin. Es bleiben jedoch zu viele Gedanken dort, wo sie schwierig werden, zu früh am Wegesrand zurück. Und es ist am Ende ebenfalls fraglich, ob sich Philosophie tatsächlich derart unmittelbar auf die reale Lebenswelt anwenden lässt, wie es hier versucht wird. So wird der Leser zwar durchaus inspiriert aus der Lektüre entlassen, aber auch mit dem Gefühl, vieles nur gestreift und kaum durchdrungen zu haben.

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