SchlagwortAfrika

Kamel Daoud: Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung (2012 / 2016) 3.71/5 (7)

Der Fall Meursault - eine GegendarstellungNacht für Nacht sitzt ein alter Mann in einer Bar in Oran und erzählt. Seine Geschichte und die seines Bruders Moussa, jenes Arabers, der 1942 von einem gewissen Meursault, den angeblich die Sonne blendete, am Strand von Algier erschossen wurde.

Der weltberühmte Roman »Der Fremde« von Albert Camus erzählt, wie es dazu kam und davon, wie Meursault der Prozess gemacht und er am Ende nicht so sehr für den Mord, den er begangen hat, verurteilt wird, sondern für die Emotionslosigkeit, die er bei der Tat und auch später immer wieder zur Schau stellt.

Das Opfer, der Araber, bleibt dabei stets namenlos. Indem er nun – 70 Jahre später – die Geschichte seines Bruders bis zu dessen gewaltsamem Tod erzählt, gibt der alte Mann dem Araber seinen Namen zurück und damit eine Identität und eine Geschichte. Und er macht seinem Ärger Luft, seiner Trauer, der Wut und der Frustration über sein eigenes Leben im Schatten dieses Todes.

Geschickt verzahnt Kamel Daoud in seinem Erstlingsroman die Geschichte der beiden Brüder mit der Geschichte Algeriens und mit dem Roman von Camus. Kraftvoll und poetisch zugleich erzählt Daoud von diesem Brüderpaar, ihrem Leben, ihrem Land, ihrer Liebe. Entstanden ist ein großer Roman darüber, wie die Vergangenheit unsere Gegenwart prägt und über die ungebrochene Kraft der Literatur, eine tiefere Erkenntnis, eine verborgene Wahrheit ans Licht zu bringen.

Hardcover, 208 pages
Published February 18th 2016 by Kiepenheuer & Witsch (first published October 2013)
Original Title Meursault, contre-enquête
ISBN 3462047981 (ISBN13: 9783462047981)
Edition Language German

 

ZEIT: Dem Opfer einen Namen geben. In „Der Fall Meursault“ verleiht Kamel Daoud dem ermordeten Araber Camus‘ ein Gesicht. Für seine Kritik an Kolonialismus und Islam wird Daoud nun scharf attackiert. Von

SZ: Camus‘ namenlos ermordeter Araber hat jetzt einen Namen. „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ will Camus‘ „Der Fremde“ neu erzählen – aus arabischer Sicht. Doch das in Frankreich hochgelobte Buch ist bei Weitem nicht so gut wie das Original. 18. Februar 2016, 18:49 Uhr – Buchkritik von Tobias Lehmkuhl

FR: Eine Geschichte wird neu erzählt. „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“: Der algerische Journalist und Schriftsteller Kamel Daoud reagiert auf Albert Camus’ Roman „Der Fremde“. Von Reinhart Wustlich – Beitrag vom 29.02.16

DLF: Kamel Daoud: „Der Fall Meursault“Eine arabische Antwort auf Camus. In Albert Camus‘ berühmtem Roman „Der Fremde“ ermordet die Hauptfigur Meursault einen Araber. Bei Camus bleibt das Mordopfer namenlos, Kamel Daoud gibt ihm einen Namen und eine Geschichte. Er schildert, was der Mord mit der Familie des Toten anrichtet. Von Dirk Fuhrig – Beitrag vom 25.02.2016

Please rate this

Marie NDiaye: Drei starke Frauen (2009 / 2011) 4.48/5 (25)

Drei starke Frauen

Die vierzigjährige Norah gibt dem Drängen ihres Vaters nach und besucht ihn in Dakar: Die Juristin soll ihren Bruder aus dem Gefängnis holen. Das schwierige Treffen mit dem Vater führt die Frau an den Rand des Wahnsinns.

Fanta hat im Unterschied zu Norah Dakar verlassen, um ihrem Ehemann Rudy in die französische Provinz zu folgen. Sie gibt sich dort vor Langeweile auf, so meint Rudy, durch dessen Perspektive wir von Fanta erfahren – doch ihm entgeht Entscheidendes.

Von Afrika aus betrachtet erscheint ihre Existenz geradezu luxuriös und begehrenswert, weshalb Khady, die junge Afrikanerin, illegal nach Frankreich einzuwandern sich bemüht – doch sie endet, tot, an Grenzen.

Drei Lebensläufe, drei starke Frauen, die ihre Würde verteidigen, indem sie sich im entscheidenden Moment weigern, so zu handeln, wie es die Umgebung verlangt: drei Frauen, die selbst in extremster Situation ihre Würde verteidigen.

  • Paperback, 342 pages
  • Published July 25th 2011 by Suhrkamp (first published 2009)
  • Original Title Trois Femmes puissantes
  • ISBN 351846258X (ISBN13: 9783518462584)
  • Edition Language German
  • Marie NDiaye
  • Interview mit der Schriftstellerin (ZEIT – Iris Radisch 18.11.2015)
Literary Awards:
Rezension

Please rate this

Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen (2015) 4.13/5 (8)

26075757

Entdeckungsreise zu einer Welt, die zum Schweigen verurteilt, aber mitten unter uns ist

Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

Hardcover, 352 pages
Published August 31st 2015 by Albrecht Knaus Verlag
Original Title Gehen, ging, gegangen
ISBN 3813503704
Edition Language German


Please rate this

J.M. Coetzee: Disgrace (1999) No ratings yet.

John Maxwell Coetzee in Poland
Image via Wikipedia

Amazon.com: Disgrace: A Novel: J. M. Coetzee: Books

First UK edition cover
Image via Wikipedia

David Lurie is hardly the hero of his own life, or anyone else’s. At 52, the protagonist of Disgrace is at the end of his professional and romantic game, and seems to be deliberately courting disaster. Long a professor of modern languages at Cape Town University College, he has recently been relegated to adjunct professor of communications at the same institution, now pointedly renamed Cape Technical University:

Although he devotes hours of each day to his new discipline, he finds its first premise, as enunciated in the Communications 101 handbook, preposterous: „Human society has created language in order that we may communicate our thoughts, feelings and intentions to each other.“ His own opinion, which he does not air, is that the origins of speech lie in song, and the origins of song in the need to fill out with sound the overlarge and rather empty human soul.

Twice married and twice divorced, his magnetic looks on the wane, David rather cruelly seduces one of his students, and his conduct unbecoming is soon uncovered. In his eighth novel, J.M. Coetzee might have been content to write a searching academic satire. But in Disgrace he is intent on much more, and his art is as uncompromising as his main character, though infinitely more complex. Refusing to play the public-repentance game, David gets himself fired–a final gesture of contempt. Now, he thinks, he will write something on Byron’s last years. Not empty, unread criticism, „prose measured by the yard,“ but a libretto. To do so, he heads for the Eastern Cape and his daughter’s farm. In her mid-20s, Lucy has turned her back on city sophistications: with five hectares, she makes her living by growing flowers and produce and boarding dogs. „Nothing,“ David thinks, „could be more simple.“ But nothing, in fact, is more complicated–or, in the new South Africa, more dangerous. Far from being the refuge he has sought, little is safe in Salem. Just as David has settled into his temporary role as farmworker and unenthusiastic animal-shelter volunteer, he and Lucy are attacked by three black men. Unable to protect his daughter, David’s disgrace is complete. Hers, however, is far worse.

There is much more to be explored in Coetzee’s painful novel, and few consolations. It would be easy to pick up on his title and view Disgrace as a complicated working-out of personal and political shame and responsibility. But the author is concerned with his country’s history, brutalities, and betrayals. Coetzee is also intent on what measure of soul and rights we allow animals. After the attack, David takes his role at the shelter more seriously, at last achieving an unlikely home and some measure of love. In Coetzee’s recent Princeton lectures, The Lives of Animals, an aging novelist tells her audience that the question that occupies all lab and zoo creatures is, „Where is home, and how do I get there?“ David, though still all-powerful compared to those he helps dispose of, is equally trapped, equally lost.

Disgrace is almost willfully plain. Yet it possesses its own lean, heartbreaking lyricism, most of all in its descriptions of unwanted animals. At the start of the novel, David tells his student that poetry either speaks instantly to the reader–„a flash of revelation and a flash of response“–or not at all. Coetzee’s book speaks differently, its layers and sadnesses endlessly unfolding. –Kerry Fried –This text refers to an out of print or unavailable edition of this title.

Schande (2000) (englisch: Disgrace, 1999) ist ein Roman von J. M. Coetzee. Er erhielt dafür 1999 den Booker Prize. Der Titel des Romans ist nicht eindeutig ins Deutsche zu übersetzen, da disgrace nicht nur Schande, sondern auch ‚Ungnade‘ bedeutet. Der Inhalt rechtfertigt beide Lesarten: David, der Protagonist, ist in Ungnade gefallen, seine Tochter Lucy jedoch wurde vergewaltigt, also ‚geschändet‘.
Inhaltsverzeichnis
Der Text beschäftigt sich – wie oft bei Coetzee – mit dem Südafrika in der Postapartheid-Ära. Anders als in anderen Romanen verzichtet der Autor hier anscheinend auf Utopien, obgleich er in den Namen der Hauptpersonen David, Lucy und Petrus beziehungsreiche Anspielungen auf einen zukunftsträchtigen Hintergrund macht (siehe Personennamen).

siehe auch: en.wikipedia, de.wikipedia

Please rate this

T.C. Boyle: Wassermusik (1982 / 1990) 4.33/5 (3)

 

Zocker und Voyeure, Hexen und Sadisten, Huren, fremdartige Schönheiten und schottische Kleinbürger:

T. C. Boyle erzählt von den zwei Westafrika-Expeditionen des schottischen Entdeckers Mungo Park, der sich um

das Jahr 1800 auf die Suche nach dem Niger machte, beide Male in Begleitung eines ehemaligen Sklaven und Butlers. Verwoben in diese Geschichte ist das

Schicksal eines Londoner Trunkenbolds und Trickbetrügers namens Ned Rise. Eine weitere Parallelhandlung spielt in Schottland, wo Parks Geliebte und spätere Frau Ailie Anderson auf die Rückkehr des Weltenbummlers wartet. Boyle stützt sich auf dabei auf Mungo Parks Reiseberichte, etwa Travels in the Interior of Africa (1803), die sich unterhaltsam lesen und für damalige Zeiten eine enorme Menge von ethnologischem Material auf unvoreingenommene Weise präsentieren. In einer knappen Vorbemerkung stellt Boyle jedoch fest: Ich habe den historischen Hintergrund aus der Freude und Faszination genutzt, die er mir bereitete, keinesfalls aber in dem Wunsch, die darin festgehaltenen Ereignisse genauestens zu rekonstruieren oder für einen Roman zu bearbeiten.

Wassermusik (engl. Water Music) ist ein Roman des US-amerikanischen Schriftstellers T. C. Boyle, der 1982 in den USA und 1987 auf deutsch erschien (Übersetzer: Werner Richter)

Taschenbuch: 560 Seiten.

Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 28 (Juli 1990)

 

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3499125803

ISBN-13: 978-3499125805

Hörspiel Laufzeit ca. 275 Minuten Sprecher: Thomas Fritsch, Udo Schenk, Anna Thalbach u.v.a. — Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Autorenporträt
T. Coraghessan Boyle, geboren 1949 in Peekskill / New York im Hudson Valley, unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles. Für ‚World’s End‘ erhielt er 1987 den PEN/Faulkner-Preis.

  • Rezension: Die Zeit: Eine unendliche Schnurre

T. C. Boyle:

Please rate this