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Iris Radisch: Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben. Von Sartre bis Houellebecq (2017) 4.1/5 (10)

37927535. sy475 Jean-Paul Sartre hat einst eine ganze Generation in Europa politisch geprägt. Michel Houellebecq beschreibt inzwischen Frankreich als Land in der Krise. Die französische Literatur der Nachkriegszeit war stets Programm, mal existenzialistisch, mal politisch, immer verführerisch.

Iris Radisch begibt sich auf einen Streifzug durch die neuere französische Literatur und stellt die wichtigsten Autoren vor. die «Zeit»-Journalistin und Verfasserin eines Bestsellers über Camus lässt sich von ihren eigenen Treffen mit den Autoren leiten und liefert einen einfühlsamen Überblick über die Welt von Sartre und Duras bis zu Patrick Modiano, Yasmina Reza und Houellebecq.

Das Buch ist ein persönlicher Kanon der bedeutendsten Schriftsteller Frankreichs – und richtet sich an alle, für die das Land schon immer der kulturelle und literarische Sehnsuchtsort war. In einem Jahr, in dem in Frankreich gewählt wurde und das Land vor einer ungewissen Zukunft steht, ist das Buch gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Debatte über den intellektuellen Zustand unseres Nachbarlandes.

Hardcover, 240 pages
Published September 22nd 2017 by Rowohl Verlag
Original Title Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben
ISBN 3498058142 (ISBN13: 9783498058142)
Edition Language German

 

ZEIT: Die neue Aufrichtigkeit. Einst war Frankreich literarisch eine Weltmacht, doch zu Beginn des neuen Jahrhunderts legte es eine Sendepause ein. Das war der Houellebecq-Schock. Jetzt meldet sich das Land machtvoll zurück. Von Iris Radisch am 4. Oktober 2017

Autoren und Autorinnen – lesenswerte Werke

  • Jean-Paul Sarte: Die Wörter
  • Albert Camus: Der erste Mensch
  • Simone de Beauvoir: Der Lauf der Dinge
  • Antoine de Saint-Exupéry: Die Stadt der Wüste
  • Samuel Beckett: Erste Liebe
  • Michel Leiris: Mannesalter
  • Eugéne Ionesco: Auf den Gipfeln der Verzweiflung
  • E.M. Cioron: Lehre vom Zerfall
  • Nathalie Sarraute: Kindheit
  • Michel  Butor: Paris – Rom oder Die Modifikation
  • Claude Simon: Das Seil
  • Roland Barthes: Tagebuch der Trauer
  • Julien Green: Tagebücher
  • Georges Perec: Die Dinge
  • Patrick Modiano: Im Café der verlorenen Jugend
  • Assia Djebar: Nirgendwo im Hause meines Vaters
  • Jean-Marie Gustave Le Clézio: Wüste
  • Annie Ernaux: Die Jahre
  • Margerite Duras: Der Liebehaber
  • Marie N Diaye: Drei starke Frauen
  • Pierre Mechon: Leben der kleinen Toten
  • Yasmina Reza: Nirgendwo
  • Emmanuel Carrère: Das Reich Gottes
  • Michel Houellebecq: Unterwerfung

 

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Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht? / Qui a tué mon père (2019/2018) 2.64/5 (11)

https://i1.wp.com/i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1541271431l/42621093._SY475_.jpg?w=788&ssl=1»An meine Kindheit habe ich keine einzige glückliche Erinnerung« lautet der erste Satz in Édouard Louis‘ Roman »Das Ende von Eddy«. In seinem neuen Buch »Wer hat meinen Vater umgebracht« sieht Louis das anders, mittlerweile versteht er die Gewaltausbrüche seines Vaters, der unter der sozialen Ungerechtigkeit einer Gesellschaft leidet, die für Menschen wie ihn keinen Platz hat. Louis erinnert sich an einen liebevollen und fürsorglichen Vater, der seinem Sohn wünscht, aus den einfachen Verhältnissen auszubrechen. Édouard Louis hat es geschafft. Eine überwältigende Hommage an den eigenen Vater und dessen gescheiterte Träume.

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Hardcover, 80 pages
Published January 23rd 2019 by S. Fischer (first published May 3rd 2018)
Original Title Qui a tué mon père
ISBN13 9783103974287
Edition Language German

 

fr.wikipedia.org – Qui a tué mon père ?

ZEIT: Macron beklaut meinen Vater. Mitten im Gelbwestenkampf legt der junge französische Erfolgsautor Édouard Louis ein neues Buch über sich und seine Familie vor. Es ist ein vulgärsoziologisches Pamphlet geworden. Eine Rezension von Iris Radisch 23. Januar 2019, 16:51 Uhr Editiert am 25. Januar 2019, 7:55 Uhr DIE ZEIT Nr. 5/2019, 24. Januar 2019

DLF: Uraufführung von „Qui a tué mon père“Todesopfer des Sozialabbaus. Der junge Autor Édouard Louis, Arbeiterkind und Shootingstar der französischen Literatur, klagt an: Politik und Sozialabbau hätten seinen Vater getötet. Sein Buch „Qui a tué mon père“ ist im Januar auf Deutsch erschienen. Stanislas Nordey bringt den Roman nun in Paris auf die Bühne – und spielt selbst. Von Eberhard Spreng 13.03.2019

DLF: Klartext, der wehtut. In seinem gefeierten Debütroman hatte Édouard Louis den Schwulenhass seines Vaters bloßgestellt. In seinem neuen Buch „Wer hat meinen Vater umgebracht“ attackiert er nun das politische System, das seinen Erzeuger zu dem gemacht hat, der er ist. Eine aufwühlende, provozierende Streitschrift. Von Christoph Vormweg 06.02.2019

jetzt.de: „Macron hasst arme Menschen“. Der Schriftsteller der Stunde, Édouard Louis, über das Verhältnis zu seinem Vater, gefährliche Männlichkeitsbilder und die Arroganz der Macht. Interview von Quentin Lichtblau 06.02.2019

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Delphine de Vigan: Loyalitäten / Les Loyautés (2018 ) 4.25/5 (12)

40040787. sy475 Der 12-jährige Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Théos Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt.

Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. In ihren Augen ist also so weit alles gut. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon.

Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo.

Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, doch wie soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, aber Théo ist sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch seinem großen Bruder in den Rücken fallen, denn der besorgt den Alkohol für die Minderjährigen.

Und er ist es auch, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt.

Hardcover, 180 pages
Published September 17th 2018 by Dumont (first published January 2018)
Original Title Les Loyautés
ISBN13 9783832183592
Edition Language German

Personen

Théo Lubin

Er ist ein guter Schüler, nur etwas zu still – aber sind das nicht die meisten in diesem Alter, fragt der Schulleiter die besorgte Lehrerin Hélène Destrée.
Zerbrechlich sieht er aus, vielleicht: als sei er bereits zerbrochen, als habe man ihn gebrochen. Diese dunkle Ahnung beschleicht die junge Lehrerin Hélène, sobald sie ihren Schüler Théo sieht.

Mathis

Wohl fühlt sich Théo nur mit seinem Freund Mathis. Dessen Loyalität zu Théo wird auf eine harte Probe gestellt, als Mathis bemerkt, dass der gemeinsame, heimliche Alkoholkonsum für Théo immer wichtiger wird und er die Grenzen beim Trinken komplett überschreitet.

Mutter von Théo

Die Mutter wird noch nach Jahren völlig vom Hass auf ihren Exmann zerfressen, ist verbittert und unsicher.

Vater von Théo

Der Vater, ehemals Ingenieur, ist inzwischen arbeitslos, hochgradig depressiv und medikamentenabhängig. Theo, von dieser Situation komplett überfordert, wagt es nicht, sich Hilfe zu holen. Da der Vater von ihm Schweigen einfordert, bleibt er loyal.

Cécile - Mutter von Mathis

Mathis Mutter Cécile, die ebenfalls spürt, dass Théo Probleme hat, aber zu sehr mit der Beziehung zu ihrem Ehemann und ihrer eigenen Familiengeschichte beschäftigt ist.

William - Vater von Mathis
Hélène Destrée - Lehrerin

Die aufmerksame Lehrerin weiß, wovon sie spricht: Hélène wurde selbst als Mädchen vom Vater regelmäßig verprügelt. Kinder kann ihr Körper dank der schweren Misshandlungen nicht mehr bekommen.

Sie spürt, dass mit Théo etwas nicht stimmt, hat aber keine sichtbaren Anhaltspunkte, um direkt einzugreifen. Ihre Sensibilität liegt in ihrer eigenen Kindheit begründet. Über Jahre ist Hélène von ihrem Vater schwer misshandelt worden, ohne dass ihre Umgebung davon etwas bemerkte. „Ich weiß, dass Kinder ihre Eltern schützen und dass dieser Pakt des Stillschweigens sie manchmal das Leben kostet.“

Frédéric - Schulleiter
Madame Bertholet - Sportlehrerin
Dr. Felsenberg - Psychotherapeut
Loyalitäten

Mit klarer, prägnanter Sprache erzählen beide Frauen aus der Ich-Perspektive, meist in der Gegenwart. Die Kapitel von Théo oder Mathis sind in der dritten Person in der Vergangenheitsform verfasst.

Das sich schnell abzeichnende Drama stellt die darin verwickelten Personen vor große Herausforderungen.

  • Wie weit darf oder muss man gehen, um die anderen zu schützen?
  • Was heißt Loyalität wirklich?

Delphine de Vigan stellt sich, wie schon in ihren früheren Romanen, hinter die Schwachen in der Gesellschaft. Mit unerbittlicher Schärfe entlarvt sie verkappte, kaputte Strukturen im Schulwesen und in den Familien. Sie fordert in einer Zeit des Wegsehens und Schönredens vehement und kompromisslos dazu auf, hinzuschauen und zu handeln – auch wenn es unbequem ist.

 

  • franceinter.fr „Les loyautés“ de Delphine de Vigan est-il un livre mineur ? par France Inter publié le Trois ans après le très personnel „D’après une histoire vraie“, Delphine de Vigan retrouve l’esprit de ses livres précédents. „Les loyautés“ dresse le portrait de deux gamins vraiment en détresse, Théo et Mathis. Qu’en ont pensé les critiques du „Masque et la Plume“ ?
  • DF: Ein gefährlicher Pakt des Schweigens Von Birgit Koß Beitrag vom 17.09.2018 Kinder stehen zu ihren Eltern – selbst wenn das Leben mit ihnen zur Hölle wird. Wie weit darf man gehen, um andere zu schützen? Wann muss man eingreifen? Delphine de Vigans Roman „Loyalitäten“ ist ein Appell gegen das Wegsehen und Schönreden.
  • NDR: Großer Roman über eine zerbrechliche Kindheit Vorgestellt von Juliane Bergmann 18.11.2018 10:00 Uhr Ganz bestimmt keine leichte Kost, das sind die Bücher der französischen Autorin Delphine de Vigan. Sie schreibt über Gewalt in der Familie, Gewalt in der Gesellschaft, Gewalt gegen sich selbst – und das stets mit autobiografischen Zügen. Ihr neuer Roman heißt „Loyalitäten“.
  • SPON: Besuch bei Delphine de Vigan Wirklichkeit als Schein. Eine französische Bestsellerautorin und ihre unheimliche Freundin: Delphine de Vigan hat mit „Nach einer wahren Geschichte“ einen Roman geschrieben, in dem sich die Wahrheit über sie selbst als Fake herausstellt. Aus Paris berichtet Anne Haeming
  •  literaturkritik.de: Wenn der Dämon in uns aus seinem Schlaf erwacht. In ihrem neuen Roman „Les loyautés“ untersucht Delphine de Vigan das Phänomen der Treue — gegenüber unseren Mitmenschen, der Vergangenheit und uns selbst. Von Anna-Zoe Mauel Erschienen am: 05.10.2018

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Pierre Lemaitre: Wir sehen uns dort oben (2013 / 2017) 4.29/5 (14)

https://i0.wp.com/www.klett-cotta.de/media/1/thumbnails/9783608980165.jpg.24863.jpg?resize=287%2C449&ssl=11919. Der Albtraum des Ersten Weltkriegs ist endlich vorbei, und das geschundene Frankreich versucht krampfhaft, in die Normalität zurückzufinden. Dabei sind die zahlreichen Soldaten, die nun von den Schlachtfeldern heimkehren, oft eher hinderlich. Das erfahren auch Albert und Édouard, der eine schwer traumatisiert, der andere entsetzlich entstellt. Also schmieden sie einen verwegenen Plan, um sich an den vaterländischen Heuchlern zu rächen. Niemand soll ungeschoren davonkommen. Vor allem nicht Offizier Pradelle, jener Mann, durch dessen Machtgier Albert fast ums Leben gekommen wäre und der nun zu einem besonders zynischen Kriegsgewinner mutiert ist.

Paperback, 528 pages
Published May 9th 2017 by btb Verlag (first published August 21st 2013)
Original Title Au revoir là-haut
ISBN 3442748828 (ISBN13: 9783442748822)
Edition Language German

setting Paris, 1918 (France)
  • fr.wikipedia: Au revoir là-haut
  • Pierre Lemaitre
  • ZEIT: Wenn das Spiel aus ist. Schon alles zum Ersten Weltkrieg gelesen? Aber wohl nichts, was so spannend wäre wie der Roman „Wir sehen uns dort oben“ des Franzosen Pierre Lemaitre, der damit 2013 den Goncourt-Preis gewann. Von 11. Dezember 2014 DIE ZEIT Nr. 51/2014
  • France inter: „Au revoir là-haut“ : „On entend la rage de Dupontel !“ Si certains critiques au „Masque & la Plume“ sont enthousiasmés par l’introduction très réaliste, d’autres ont plutôt été émus par les passages poétiques du film. Tous s’accordent sur le talent de Dupontel pour mettre en scène des personnages savoureux et complexes. par France Inter publié le 6 novembre 2017 à 16h34

 

 

Édouard Péricourt

fils de la haute bourgeoisie, dessinateur fantasque, homosexuel, rejeté par son père

le soldat à la gueule cassée

Édouard sauve Albert d’une mort atroce au prix de sa défiguration par un éclat d’obus, faisant de lui une gueule cassée, alors qu'Albert, traumatisé, devient paranoïaque

Albert Maillard

modeste comptable, soldat

Albert est le témoin d'un crime : le lieutenant Henri d’Aulnay-Pradelle, aristocrate arriviste qui veut gagner ses galons de capitaine, parvient à lancer une dernière offensive en faisant croire que les Allemands, qui attendent pourtant l'Armistice comme les Français, ont tué deux de ses hommes éclaireurs, mais Albert a compris que c'est son lieutenant qui leur a tiré une balle dans le dos.

Henri d’Aulnay-Pradelle

aristocrate arriviste qui veut gagner ses galons de capitaine

lieutenant

Pendant l'offensive, Pradelle, se voyant démasqué, pousse Albert dans un trou d’obus, ce dernier se retrouve alors enterré vivant face à une tête de cheval mort.

Marcel Péricourt

le père d'Édouard et de Madeleine

Madeleine Péricourt

la sœur d'Édouard

Pauline

la bonne des Péricourt

Louise

la gamine

Joseph Merlin

l'inspecteur

Labourdin

le maire du 8e arrondissement de Paris

Dupré

le collaborateur d'Aulnay-Pradelle

 

 

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René Goscinny, Jean-Jacques Sempé (Illustrator): Histoires inédits du Petit Nicolas. Choix des textes Vol. 1(2006) 4.3/5 (10)

Histoires inédites du Petit Nicolas: Choix de textesDer kleine Nick ist wieder da! Vierzig Jahre nach Erscheinen der ersten Bücher hat Anne Goscinny, die Tochter von René Goscinny, bei einem Umzug 80 zuvor noch nicht in Buchform veröffentlichte Geschichten entdeckt und 2004 herausgebracht. Der über 600 Seiten starke Band wurde in Frankreich ein Riesenerfolg.
Die besten Geschichten daraus gibt es hier im Original, mit allen nötigen Erläuterungen: Les Invincibles – Souvenirs doux et frais – La quarantaine – La punition – Je suis le meilleur – Comme un grand – Le gros mot.

Paperback, 97 pages
Published 2006 by Reclam
ISBN 3150197120 (ISBN13: 9783150197127)
Edition Language French

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Pierre Bourdieu: Sozialer Sinn – Kritik der theoretischen Vernunft (1980 / 1993) 3.13/5 (8)

Sozialer SinnWir ertragen nur schwer die Analysen von Soziologen, wenn sie unsere Verhaltensweisen in der Perspektive von Regeln oder von Ritualen beschreiben. Gleichwohl erheben wir in der Regel keine Einwände, wenn Ethnologen in dieser Weise über sogenannte primitive Völker sprechen. Warum sind wir dann, wenn es sich um andere handelt, spontan objektivistisch? Und warum nehmen wir für uns selbst und uns allein das Privileg von Freiheit und von Subjektivität in Anspruch? Ein wirkliches Verständnis von Praxis stellt eine doppelte Aufgabe, die sowohl über den Objektivismus (wie z. B. bei Lévi-Strauss) als auch über den Subjektivismus (wie z. B. bei Sartre) hinausführt: es geht darum, sowohl die objektiven Strukturen (z. B. die statistischen Regelmäßigkeiten von Praktiken) als auch die inkorporierten Strukturen (z. B. die sozialen Kategorien der Wahrnehmung) zu objektivieren – was eine auf der Anwendung von Techniken der Objektivierung begründete Distanz voraussetzt. Gleichzeitig geht es aber auch darum, die Objektivierung selbst zu objektivieren: nämlich die Operationen, die den Zugang zu dieser »objektiven Wahrheit« ermöglichen, wie auch den Gesichtspunkt, unter dem sie operieren – um die Distanz zu überwinden, die der Objektivierung innewohnt.

Auf diese Weise zu entdecken, daß es eine Objektivität des Subjektiven gibt, daß der Forscher mit seinen Instrumenten der Objektivierung die Vorstellungen, die sich die Akteure selbst über ihre Praxis machen, zerstören muß, um die objektiven Strukturen erfassen zu können, ist selbst noch ein Moment der Objektivität: die kollektiven Illusionen sind nicht illusorisch.

Paperback, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft #1066, 503 pages
Published 1993 by Suhrkamp (first published 1980)
Original Title Le sens pratique
ISBN 3518286668 (ISBN13: 9783518286661)
Edition Language German

 

 

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Georg Blume: Der Frankreich-Blues: Wie Deutschland eine Freundschaft riskiert (2017) 4.17/5 (12)

Der Frankreich-Blues: Wie Deutschland eine Freundschaft riskiert

Die Deutschen mögen die Franzosen. Eigentlich. Das Reiseziel, die beneidenswerte Lebensart, nicht zuletzt: die herzlichen Beziehungen nach den beiden Weltkriegen. Doch in Politik und Medien herrscht der Frankreich-Blues, diagnostiziert der langjährige Korrespondent in Paris, Georg Blume.

Trotz der Wahl des Pro-Europäers Emmanuel Macron zum Präsidenten wird Frankreich nicht mehr als ebenbürtiger Partner akzeptiert. Seine Wirtschaft kränkelt, die Wählerschaft ist unzuverlässig, die sozialen Verhältnisse sind instabil, so der unausgesprochene Konsens der Berliner Republik.

Umgekehrt machen auch wir es den Franzosen seit Jahren schwer, uns zu mögen: Deutschland hat kein Interesse mehr am Nachbarn, will seinen Erfolg nicht teilen und nimmt in Wirtschafts- und Sozialpolitik keine Rücksicht mehr auf den Freund, lautet das Fazit auf französischer Seite.

Diesem Frankreich-Blues spürt Georg Blume auf beiden Seiten des Rheins nach. Dabei verkennt er die inneren Probleme Frankreichs nicht, erschüttert aber auch deutsche Selbstgewissheiten. Leidenschaftlich fordert er uns auf, um unseren treuen Freund und Partner zu kämpfen. Denn nur wenn Frankreich und Deutschland Seite an Seite stehen, kann die große Idee Europas verwirklicht werden.

Kindle Edition, 180 pages

Published October 2nd 2017 by Edition Körber

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Barbara Abdelilah-Bauer: Le défi des enfants bilingues: grandir et vivre en parlant plusieurs langues (2006) 2.56/5 (9)

Le défi des enfants bilingues: grandir et vivre en parlant plusieurs languesCe livre, destiné à tous ceux qui s’intéressent à la cohabitation de plusieurs langues chez l’enfant, vise à combler une lacune, en analysant les différents aspects d’une situation de contact de langues à la lumière des dernières recherches.

Paperback, 185 pages

Published April 3rd 2006 by La Découverte (first published April 2006)

Original Title Le défi des enfants bilingues : Grandir et vivre en parlant plusieurs langues

ISBN 2707148466 (ISBN13: 9782707148469)

French

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Stephen Clarke: Gebrauchsanweisung für Paris (2011) 3/5 (5)

Gebrauchsanweisung für Paris»Dass Paris speziell ist, dämmerte mir schon als Achtjährigem. Mum und Dad verreisten für ein Wochenende – allein! Den glücklichen Ausdruck auf ihren Gesichtern, als sie mich bei Tante Esther abholten, habe ich nie vergessen …«

Wenn auch Sie Paris verfallen und dabei seine Einwohner verstehen wollen: Stephen Clarke, Wahlpariser und Bestsellerautor, liefert die charmant-witzige Anleitung dazu. Er weiht in die hohe Kunst des Flanierens und in die eines ersten Rendezvous ein, in die Geheimnisse von Kunsthändlern und Taxifahrern. Er verrät, welche Vorzüge ein Pariser Hotel haben sollte und wie Sie sich für den Besuch in der Fromagerie wappnen. Und was er als hochoffizieller Juror beim »Grand Prix de la Baguette de Paris« alles erlebte.

  • Paperback, 224 pages
  • Published March 1st 2011 by Piper (first published April 1st 2010)
  • ISBN 3492275974 (ISBN13: 9783492275972)
  • Edition Language German

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René Goscinny, Jean-Jacques Sempé (Illustrator): Le Petit Nicolas. Choix des textes (1991) 3.67/5 (3)

Le Petit Nicolas. Choix des textesDie beiden Autoren verarbeiten ihre Kindheitserinnerungen: Für Goscinny ist es das französische College in Buenos Aires – für Sempé Bordeaux, sein Geburtssort. Goscinny erfindet eine eigene Sprache und umgibt Nicolas mit einer Bande von Kameraden mit lustigen Namen. „Le petit Nicolas“ gehört zu den beliebtesten Kinderbüchern in Frankreich, das nicht nur den Kleinen Spaß bereitet. Lachen ist angesagt!

  • Paperback, 75 pages
  • Published 1991 by Reclam
  • ISBN 3150092043 (ISBN13: 9783150092040)
  • Edition Language French

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Didier Eribon: Rückkehr nach Reims (2016, orig. 2009) 3.86/5 (7)

Rückkehr nach Reims Als sein Vater stirbt, reist Didier Eribon zum ersten Mal nach Jahrzehnten in seine Heimatstadt. Gemeinsam mit seiner Mutter sieht er sich Fotos an – das ist die Ausgangskonstellation dieses Buchs, das autobiografisches Schreiben mit soziologischer Reflexion verknüpft.

Eribon realisiert, wie sehr er unter der Homophobie seines Herkunftsmilieus litt und dass es der Habitus einer armen Arbeiterfamilie war, der es ihm schwer machte, in der Pariser Gesellschaft Fuß zu fassen. Darüber hinaus liefert er eine Analyse des sozialen und intellektuellen Lebens seit den fünfziger Jahren und fragt, warum ein Teil der Arbeiterschaft zum Front National übergelaufen ist.

Das Buch sorgt seit seinem Erscheinen international für Aufsehen. So widmete Édouard Louis dem Autor seinen Bestseller »Das Ende von Eddy«.

  • Paperback, edition suhrkamp, 240 pages
  • Published May 8th 2016 by Suhrkamp (first published September 30th 2009)
  • Original Title Retour à Reims
  • ISBN13 9783518072523
  • Edition Language German

 

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Albert Camus: Die Pest (La Pest orig. 1947 / 2009) 4.2/5 (20)

https://i1.wp.com/www.der-audio-verlag.de/content/uploads/die-pest-camus-albert_978-3-86231-054-8.jpg?resize=788%2C707

Albert Camus‚ Roman gilt als sein erfolgreichstes Werk und gehört zu den Klassikern der Weltliteratur. In ihm seziert er hellsichtig das menschliche Handeln im Angesicht der Katastrophe.

Die algerische Hafenstadt Oran wird von rätselhaften Ereignissen heimgesucht. Plötzlich tauchen überall Ratten auf. Kurz darauf sterben die ersten Menschen an einem heimtückischen Fieber: Die Pest wütet in der Stadt. Oran befindet sich im Ausnahmezustand und wird hermetisch abgeriegelt. Ein Entkommen ist nicht möglich. Die Hauptfigur, der Arzt Bernard Rieux, schildert als Chronist die Geschehnisse.

Fünf Jahre schrieb Albert Camus an seinem 1946 fertig gestellten Werk, in dem er seine Erfahrung des Zweiten Weltkriegs verarbeitet.

Mit Götz Schubert, Jürgen Tarrach, Felix Goeser, Wolf-Dietrich Sprenger, Horst Bollmann u. a.

  • WDR Hörspiel  
  • aus dem Französischen von Uli Aumüller
  • de.wikipedia
  • FAZ, ZEIT von Iris Radisch
  • Bearbeitung: Felix Partenzi
  • Regie: Frank-Erich Hübner
  • Redaktion: Christina Hänsel
  • Produktion: WDR/NDR 2009

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Marie NDiaye: Drei starke Frauen (2009 / 2011) 4.48/5 (25)

Drei starke Frauen

Die vierzigjährige Norah gibt dem Drängen ihres Vaters nach und besucht ihn in Dakar: Die Juristin soll ihren Bruder aus dem Gefängnis holen. Das schwierige Treffen mit dem Vater führt die Frau an den Rand des Wahnsinns.

Fanta hat im Unterschied zu Norah Dakar verlassen, um ihrem Ehemann Rudy in die französische Provinz zu folgen. Sie gibt sich dort vor Langeweile auf, so meint Rudy, durch dessen Perspektive wir von Fanta erfahren – doch ihm entgeht Entscheidendes.

Von Afrika aus betrachtet erscheint ihre Existenz geradezu luxuriös und begehrenswert, weshalb Khady, die junge Afrikanerin, illegal nach Frankreich einzuwandern sich bemüht – doch sie endet, tot, an Grenzen.

Drei Lebensläufe, drei starke Frauen, die ihre Würde verteidigen, indem sie sich im entscheidenden Moment weigern, so zu handeln, wie es die Umgebung verlangt: drei Frauen, die selbst in extremster Situation ihre Würde verteidigen.

  • Paperback, 342 pages
  • Published July 25th 2011 by Suhrkamp (first published 2009)
  • Original Title Trois Femmes puissantes
  • ISBN 351846258X (ISBN13: 9783518462584)
  • Edition Language German
  • Marie NDiaye
  • Interview mit der Schriftstellerin (ZEIT – Iris Radisch 18.11.2015)
Literary Awards:
Rezension

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Stefan Zweig: Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters (1932/1980) 4/5 (2)

1320145

Die Schilderung des Lebens Marie Antoinettes, der Tochter Maria Theresias, gleicht der Besichtigung eines Zeitalters am Vorabend der Neuen Zeit. Dokumentarisch belegte Geschichte wird dabei erzählt, die Heldin weder glorifiziert noch unterschätzt. Vielmehr wird sie innerhalb des Rahmens ihrer Zeit, des Rokoko, als eine Frau mit all ihrer Vergnügungssucht und Lebenslust gezeichnet. Die letzte französische Königin, zu spät auf ihre politische Aufgabe vorbereitet, zu spät auch zu ihr bereit und mit einem schwachen, biederen Mann verheiratet, wächst mit den Anforderungen, die an sie gestellt werden. So geht sie, ein mittlerer Charakter, zunächst verspielt, dann immer bewußter geradlinig ihren Weg vom Schloß Schönbrunn über den Trianon bis zur letzten Fahrt auf die Place de la Concorde, zur Guillotine.

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Romain Rolland: Clérambault (1920 / 2004) No ratings yet.

Clérambault
  • The story of an independent spirit during the war.
  • Paperback, 204 pages
  • Published February 1st 2008 by Dodo Press (first published 1920)
  • Original Title Clérambault
  • ISBN 1406594520 (ISBN13: 9781406594522)
  • setting France, 1914

A story of the hysteria of World War I and one French intellectual’s quest to oppose it and stay true to his beliefs. I enjoyed it, although there were a few too many references to Roman and Greek antiquity for my taste.

Clérambault is a 1920 novel by the Nobel Prize-winning French author Romain Rolland. It concerns a father’s personal outcry against the militarism of the First World War, after his son dies in combat.

https://en.wikipedia.org/wiki/Romain_Rolland

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