Schlagwort: Gesundheit

Juli Zeh: Corpus Delicti (2009) 4/5 (1)

: B Ü C H E R G I L D E | Zeh, Juli | Corpus Delicti

Juli Zeh entwirft in ihrem neuen Roman das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert. Gesundheit ist zur höchsten Bürgerpflicht geworden …

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht diese Innenausstattung aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Mia Holl will beweisen, dass ihr Bruder, verurteilt wegen einer angeblichen Vergewaltigung, unschuldig ist. Sie gerät also in Stellung gegen das System, hier „Methode“ genannt, auch aus Liebe zu ihrem Bruder, der sich das Leben nahm.
Die „Methode“ verlangt ein festes Sportpensum ebenso wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. Buchstäblich über jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat informiert.

Corpus Delicti handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit kann und wird der Staat individuelle Rechte einschränken? Gibt es ein Recht des Einzelnen auf Widerstand?

Juli Zehs Corpus Delicti. Ein Prozess ist ein visionäres und ungeheuer spannendes Buch über unsere Zukunft – und unsere Gegenwart.

Juli Zeh, geboren 1974 in Bonn, wurde für ihre Bücher, die inzwischen in 29 Sprachen übersetzt sind, vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Bücherpreis (2002), dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Per Olov Enquist-Preis (2005) und zuletzt mit dem Jürgen-Bansemer-und-Ute-Nyssen-Dramatiker-Preis (2008), dem Prix Cévennes (2008) sowie dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009).

Rezensionen: FAZ, ZEIT, Herr Larbig

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Katherina Hagena: Der Geschmack von Apfelkernen No ratings yet.

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag (25. Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462039709
  • ISBN-13: 978-3462039702

Der Geschmack von Apfelkernen ist süß und zugleich bitter. Er hat etwas von Marzipan. Und genau diese Mischung ist es, die ihn unverwechselbar macht. Und wie in der Nusschale vermag sogar im Apfelkern eine ganze Welt zu wohnen. Hagenas erster Roman, der, noch bevor dir Kritiker ihr erstes Wort sprachen, bereits die Gunst der Leser hatte und auf den Bestsellerlisten stand, hätte leicht in Kitsch abgleiten können. Aber dazu ist der Geschmack von Apfelkernen doch zu bitter. Es ist ein trauriges, aber tröstliches Buch der Erinnerung geworden.

Martina Meister, Die Zeit, 17.04.08

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Eric R. Kandel No ratings yet.

Auf der Suche nach dem Gedächtnis. Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes

Author: Eric R. Kandel

Year: 2006

Publisher: Siedler

Price: 24,95

ISBN: 3886808424

Da fällt dem Gedächtnisforscher der Seehase wieder ein
Von Joachim Müller-Jung

FAZ

16. März 2006

Sich selbst als einen radikalen Reduktionisten zu bezeichnen in einer Epoche der Lebenswissenschaften, in welcher mit Begriffen wie Systembiologie eine neue Ganzheitlichkeit aufzublühen scheint, wirkt auf den ersten Blick furchtbar anachronistisch. Nach Eric Kandel aber ist genau das der einzige Weg, aus der stagnierenden Psychoanalyse Freuds endlich eine empirische Wissenschaft zu machen. Es geht um viel: Um unser Bewußtsein, den freien Willen, um die geistige Gesundheit, kurz: um die Lösung geistesgeschichtlich sehr alter und biologisch zugleich doch extrem junger existentieller Fragen.

und auch

© DIE ZEIT, 29.06.2006
Auf der Schneckenspur

Eric Kandel, der große alte Mann der Gedächtnisforschung, beschreibt die Geschichte einer neuen Wissenschaft des Geistes. Von Harald Welzer

Aplysia californica ist eine ziemlich fette Schnecke, der man in freier Wildbahn eher ungern begegnet. Sie ist bis zu 75 Zentimeter lang, wiegt drei Kilo und ist zu nicht allzu viel in der Lage, außer in Gefahr einen Schwall Tinte auszustoßen und ihr Geschlecht zu wechseln, wenn ansonsten kein geeignetes Paarungsobjekt verfügbar ist. Die Schlichtheit von Aplysias Gemüt beruht darauf, dass sie insgesamt mit nur etwa 20000 Neuronen zurechtkommen muss; das System, das sie zum Lernen verwendet, umfasst nicht mal 100 Neuronen. Ein Säugetierhirn wendet mindestens eine Billion Nervenzellen auf, um das Dasein zu bewältigen, und vor diesem Hintergrund könnte man annehmen, dass insbesondere Menschen und Schnecken nicht viel gemein haben – schon gar nicht, was ihren Geist angeht.

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