SchlagwortItalien

Hans-Josef Ortheil: Die große Liebe (2013) 4/5 (1)

 

  • Luchterhand Literaturverlag,
  • München
  • 2003

Hanns-Josef Ortheil erzählt von der leidenschaftlichen Liebe eines Paares, das sich an der italienischen Adria-Küste kennen lernt. Er, ein deutscher Fernsehredakteur, recherchiert dort für einen Film über das Meer, sie ist Meeresbiologin und leitet ein Forschungsinstitut. Er hat sich gerade aus einer längeren Beziehung gelöst, sie ist mit einem Institutskollegen verlobt. Beide sind fasziniert vom Wasser, seinen Farben, Gerüchen, und bereits über ihrer ersten Begegnung liegt eine eigentümliche Magie. Sie können den anderen nicht mehr aus den Augen lassen und erkennen, dass sie füreinander geschaffen sind – eine Erfahrung, die keiner von beiden vorher gemacht hat. Zuerst langsam, dann mit rapide wachsender Intensität lassen sie sich aufeinander ein und versuchen ihre Liebe gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu behaupten.

Carlo Crivelli 059 detail

Rezension

Muscheln in TAZ von Kolja Mensing 16.12.2003

Hanns-Josef Ortheil: „Die große Liebe“. Luchterhand, München 2003, 316 S., 22,50

Hanns-Josef Ortheils neuer Roman trägt den Titel „Die große Liebe“. Genau darum geht es auch. Ein Fernsehredakteur, er nennt sich Giovanni, reist aus München an die italienische Adria, um einen Dokumentarfilm vorzubereiten. Dort lernt er die Meeresbiologin Franca kennen, und es ist die große Liebe, „ohne Herzschmerz und Eifersucht, ohne Intrigen und Vorbehalte, ohne jeden Kummer und Rücksichten.“

Nun ist es nicht leicht, vom Glück zu erzählen, schon gar nicht, wenn es sich in einer italienischen Hafenstadt ereignet, die Tische in den kleinen Restaurants sich unter Tellern voller delikater Vorspeisen und sagenumwobener Fischsuppen biegen, sich „auf seltsame Weise ein Kochrezept in lauter meeresbiologische Details“ verwandelt und beim Espresso aus den zoologischen Fachtermini Liebesschwüre werden. Dann nämlich fragt man sich, wie es Ortheil gelungen ist, diesen Roman vor dem zu bewahren, was man gemeinhin Kitsch nennt – und kitschig ist dieses Buch tatsächlich überhaupt nicht.

Ein Grund ist sicherlich die sorgfältige Art und Weise, mit der Ortheil seine Worte wählt. Gleich der erste Satz zum Beispiel – „Plötzlich das Meer, ganz nah, eine graue, stille, beinahe völlig beruhigte Fläche“ – verzichtet auf das Prädikat, um Giovannis morgendlichen Blick aus dem Zugabteil noch abrupter und überwältigender zu gestalten, nur um dann mit dem Zusatz „beinahe“ das stille Wasser doch noch in Unruhe zu bringen. Die Unruhe wird sich durch den ganzen Roman ziehen. Je detaillierter Ortheils Erzähler sich den Beschreibungen der kulinarischen Köstlichkeiten widmet und mit der Gabel noch die kleinsten Zitronenblätter in den Spaghettisaucen aufspießt, je eindringlicher er sich von Franca den Mikrokosmos des Meeres vorführen lässt und mit Proust’scher Genauigkeit in seinem Notizbuch der Liebe nachspürt, desto mehr wächst das Gefühl einer vagen Bedrohung. Dass es schließlich nicht in einer Auseinandersetzung mit einigen Hafenarbeitern kulminiert, die von Giovannis Nebenbuhler gedungen werden, sondern in einer kleinen literarischen Selbstreflexion, ist die traurige Überraschung dieses schönen Buches. Die einzige wirklich tragische Stelle dieser von erfüllter Sehnsucht getragenen Geschichte ist die, an der Giovanni erkennen lässt, dass er um sein eigentliches Schicksal weiß. „Wir befinden uns aber in einem Roman“, erklärt er, „Franca und ich – wir schreiben gleichsam an einem Roman.“ Und so ist ihr Glück zuletzt trotz Happy End doch nur aus Papier gemacht.

Please rate this

Uwe Timm: Vogel, friß die Feige nicht: Römische Aufzeichnungen (1989) 3/5 (1)

 Vogel, friß die Feige nicht: Römische AufzeichnungenRom, die fremde, von Geschichte und Utopien erfüllte Stadt, in der Uwe Tim für längere Zeit lebte, wird trotz aller Widrigkeiten zum magischen Ort und macht ihm die eigene geschichtliche und literarische Position bewusst.
  • Paperback, 156 pages
  • Published 1989 by Kiepenheuer und Witsch
  • ISBN 3462025430 (ISBN13: 9783462025439)

etwas viel Heinar Kipphardt und  Antonio Gramsci

Antonio Gramsci, um 1920

Please rate this

Colm Tóibín: Porträt des Meisters in mittleren Jahren (2004) 4/5 (1)

„Bis jetzt wusste ich sehr wenig über James und sein Werk. Nun glaube ich ihn fast persönlich zu kennen.“ — Könnte man Colm Tóibíns sensiblem Werk und seiner stillen Erhabenheit ein größeres Kompliment machen, als es dieser Amazon-Leser aus Essex tat? Der Ire Tóibín ist in den amerikanischen Dichter Henry James, der den größten Teil seines Lebens in Europa zubrachte, förmlich hineingekrochen. Entstanden ist dabei eine verblüffend fein ziselierte Menschenstudie, die den schnöden Begriff der Biografie weit hinter sich lässt.

Tóibín betritt im Januar 1895 das Leben des „Meisters“. In einer Sprache, in der man förmlich baden möchte, ersteht eine melancholisch verschattete Welt, die in raschen Schritten dem Fin de siècle zueilt. Mitten darin, der inzwischen 52-jährige Dichter, der sich, erbittert vom mäßigen Erfolg seiner Romane, dem Theater zuwendet. Guy Domville heißt das Stück, mit dem er Londons Bühnen im Sturm zu erobern hofft. Die Katastrophe ist niederschmetternd: Vom Publikum grausam ausgebuht, muss Henry mitansehen, wie im Theater nebenan die grobschlächtige Komödie Ein idealer Gatte des „lauten, korpulenten Iren“ Oscar Wilde, frenetisch bejubelt wird. Der in seinem Kunstanspruch zutiefst verletzte Ästhet Henry James tritt den Rückzug an!

Rom, Venedig, Paris, die englische Südküste. Stationen eines irrlichternden Meisters in mittleren Jahren durch Europas Kunst- und Gesellschaftssalons, die zur eigenen künstlerischen Identitätsfindung geraten. Zeit für Tóibín, der Familiengeschichte nachzuspüren. Der Selbstmord des reichen Vaters, der frühe tragische Tod der geliebten Schwester Alice, der Dauerkonflikt zwischen „weltlichem und kontemplativen Leben“. Für Henry wird die Suche nach dem höheren Glück zur Zerreißprobe. Im Spannungsfeld seiner sexuellen Unentschiedenheit — Henry fühlte sich sowohl zu jungen, tragikumflorten Frauen, wie auch dubiosen Männergestalten hingezogen –, entstand schließlich seine wunderbare Prosa. Der Preis war die Einsamkeit eines ungelebten Lebens.

Bildnis einer Dame, Daisy Miller, Die Gesandten. Werke der Weltliteratur und tiefenpsychologische Charakterzeichnungen. Wie schwer sie erkämpft wurden, dazu bedurfte es der Sprachgewalt und stilistischen Geschliffenheit eines Colm Tóibín. Wir können nur staunen, wie nah uns Henry James plötzlich gekommen ist.

–Ravi Unger

John Singer Sargent (1856-1925)

Please rate this

Robert Musil: Drei Frauen (1924) No ratings yet.

Kurzbeschreibung
Drei Frauen stehen in diesen (erstmals 1924 veröffentlichten) Meistererzählungen drei Männern gegenüber, die durch sie ihre Tragik erleiden. Eine große Fremdheit liegt zwischen den Geschlechtern, und in dieser Spannung zeigt sich Musils Stärke, hineinzuwandern in die seelischen Labyrinthe und Hintergründe. Im Anhang: Autobiographisches aus dem Nachlaß – Nachwort von Adolf Frisé.

Über den Autor
Robert Musil (seit 1917 Edler von M.), geboren am 6.11.1880 in Klagenfurt, stammte aus einer altösterreichischen Beamten- , Gelehrten- , Ingenieurs- und Offiziersfamilie. Er studierte an der technischen Militärakademie in Wien, brach seine Militärsausbildung ab und wurde Maschinenbauingenieur. Nach einer Tätigkeit als Assistent an der TH Stuttgart studierte er 1903-08 in Berlin Philosophie, Psychologie, Mathematik und Physik und promovierte mit einer Arbeit über den Theoretiker des naturwissenschaftlichen Positivismus Ernst Mach zum Dr. phil. Auf eine Universitätslaufbahn verzichtete er, um freier Schriftsteller zu werden. 1911-14 war er Bibliothekar, 1914 Redakteur der «Neuen Rundschau». Im 1. Weltkrieg war er Landsturmhauptmann, Herausgeber der «Soldatenzeitung» und zuletzt im Kriegspressequartier. 1918-22 lebte er als Beamter in Wien, danach als freier Schriftsteller, Theaterkritiker und Essayist in Wien und Berlin. Nach der faschistischen Besetzung Österreichs emigrierte er nach Zürich. Die letzten Lebensjahre verbrachte er fast mittellos in Genf, wo er am 15.04.1942 starb.

https://uniblogmbg.wordpress.com/2011/05/25/ipad/

Drei Frauen

Die drei Frauen dieser Erzählungen sind die Bäuerin Grigia, eine portugiesische Aristokratin und die Verkäuferin Tonka. Als fremd-vertraute Wesen werden sie den ihnen verbundenen Männern zum Schicksal. Die äußere Wirklichkeit bildet die Kulisse für eine unergründliche innere Wirklichkeit. Mit dem Erzählband »Drei Frauen«, einem konzentrierten Meisterwerk der literarischen Moderne, begibt sich Robert Musil tief hinein in die Erkundung der seelischen Labyrinthe und des Beziehungsgeflechts zwischen Mann und Frau.

Please rate this

Lisa Saint Aubin de Teran: Ein Haus in Italien (1999) No ratings yet.

Nach Jahren des Vagabundierens hat Lisa St Aubin de Teran endlich das riesige Haus gefunden, nach dem sie sich seit Kindertagen gesehnt hat: Das ‚Haus in Italien‘ ist ein halbzerfallener Palazzo, der in den Hügeln Umbriens liegt. Sie kauft dieses Haus, bezieht es mit ihrer extravaganten Familie und macht sich an die Renovierung. Maurer wundern sich, sind aber wohlgesonnen, Banken endlos bürokratisch, Träume in jeder Hinsicht extravagant.

Anschaulich, humorvoll und anekdotenreich berichtet Lisa St Aubin de Teran von den Abenteuern der Renovierung, des Seßhaftwerdens und der Eingemeindung ihrer Familie in eine fast heile Welt.’Lisa St Aubin de Teran hat einen höchst unterhaltsamen Italien-Roman geschrieben. Wer schon länger Aussteiger-Phantasien hegt, könnte nach der Lektüre dieses Buches schwach werden.‘ (Brigitte)

Please rate this

Andrea Isari: Römische Liebe (2007) No ratings yet.

  • Broschiert: 253 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 2 (Mai 2009)
  • Sprache: Deutsch
Alessio Consorte, Mitinhaber eines italienischen Meinungsforschungsinstituts, wird tot aufgefunden. Alles sieht nach Selbstmord aus, doch seine Frau hat erhebliche Zweifel. Der Fall ist besonders brisant, denn Consortes TV-Sendung stand im Brennpunkt der Medien, während in Italien der Wahlkampf tobt. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf zwei Frauen: Consortes behinderte Gattin Federica und seine Geschäftspartnerin Rita. Zunächst scheint es, als hätte die drei eine enge Freundschaft verbunden. Aber beim Blick hinter die Kulissen eröffnet sich Leda ein ganz anderes Bild, und es verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Mafia ihre Finger im Spiel gehabt haben könnte … Atmosphärisch und authentisch erzählt Andrea Isari von politischen Ränken und Intrigen und nicht zuletzt von der zerstörerischen Macht der Liebe.

Über den Autor

Andrea Isari, geboren 1954 in Koblenz am Rhein, ist Volljuristin und war jahrelang als politische Journalistin in Rio de Janeiro, Bonn und Rom tätig. Nach »Römische Affären«, »Eine Arie für die Diva«, »Letzter Tanz am Tiber« und »Römische Rache« ist »Römische Liebe« der vierte Fall für Kommissarin Leda Giallo.

Please rate this

Ingo Schulze: Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier (2007) 3/5 (2)

Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier

Mit untrüglichem Gespür für tragikomische Situationen umkreist Ingo Schulze das Wesen der Liebe, das Ringen um Würde im Abschiednehmen und das Geschenk glückhafter Epiphanien mitten im Alltag.

Silvester 1999, die Millenium-Nacht in Berlin. Frank Reichert begegnet auf der Silvesterfeier an der Schwelle zum neuen Jahrtausend Julia, seiner verlorenen großen Liebe. Seit der Trennung im Herbst 1989 wandelt er wie ein Fremder durchs Leben, fast unbeteiligt erlebt er den Erfolg seines florierenden Geschäfts. Nichts mehr kann ihn im Tiefsten berühren, über allem liegt Julias Schatten und die Möglichkeit eines anderen Lebens. So wird das Ende der Nacht zu einem Neubeginn, mit dem keiner gerechnet hat.

Zwischen Abschied und Aufbruch bewegen sich fast alle Figuren in Ingo Schulzes neuen Erzählungen. Oft reicht schon ein irritierender Blick, um das scheinbar harmonische Gefüge einer frischen Liebe, einer nachbarschaftlichen Bekanntschaft oder eines unbeschwerten Urlaubs aus den Angeln zu heben. Ob im Friseurladen in Manhattan, in einer Datscha im Berliner Umland – stets umgibt eine Atmosphäre diffuser Bedrohung die selbstgeschaffenen Fluchtorte. In diesen Heterotopien der Seligkeit behaupten sich Schulzes Protagonisten gegen eine ständig sich beschleunigende Welt, die mit ihren Fallstricken bis in die eigenen vier Wände reicht.

Renzension in Die ZEIT: Der Magier des Banalen, buecher.de

Please rate this

Heinrich Heine: Die Bäder von Lucca, Die Stadt Lucca (1830) No ratings yet.

Die Bäder von Lucca / Die Stadt Lucca: Heinrich Heine: Amazon.de: Peter von Matt: Bücher

Die Bäder von Lucca / Die Stadt Lucca

  • Taschenbuch: 184 Seiten
  • Verlag: Reclam, Ditzingen; Auflage: Erg. Aufl. (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 315003602X

Unter den kurzweilig scherzenden Anekdoten der Reisebilder Heines blitzt die Leidenschaftlichkeit des jungdeutschen Liberalismus hervor. So brillieren die Lucca-Schriften von 1830/31 mit Plaudereien, aber auch mit scharfer Polemik gegen geistige und politische Zustände im Deutschland jener Zeit.

Autorenporträt
Heinrich Heine, 1797 in Düsseldorf geboren, kam im April 1821 nach Berlin, wo er sich zwei Jahre lang aufhielt. 1829 kehrte er noch einmal hierher zurück, bevor er Deutschland 1831 für immer verließ. 1856 ist er in Paris im Exil gestorben.

Please rate this

Dante Alghieri: Göttliche Komödie No ratings yet.

Dantes Göttliche Komödie. Meisterwerke kurz und buendig: Amazon.de: Dante Alighieri, Fritz R. Glunk: Bücher

  • Taschenbuch: 105 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 3 (Januar 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492228917

Es gibt Werke in der Literatur, die man gelesen haben muß. Aber wer hat die Zeit? Wer hat die Muße? Die Piper Reihe Meisterwerke kurz und bündig schafft Abhilfe und faßt Klassiker der Kunst, Musik und Literatur auf leichte und unterhaltsame Weise zusammen. Um die Göttliche Komödie von Dante Alighieri verstehen zu können, ist das Wissen um den Autor und seine Zeit unerläßlich. Fritz R. Glunk, Autor dieses Meisterwerke kurz und bündig-Bandes liefert mit unterhaltsamer Schreibe grundlegende und konkrete Informationen zu Werk und Autor. Ein Wegweiser durch das aufwendig strukturierte Werk. Schritt für Schritt wird die Reise der Hauptfigur Dante erläutert und erklärt. An der Hand von Virgil wird der im Leben orientierungslose Dante durch die Hölle geführt, wo er die Personifizierungen von Betrug, Selbstsucht und politische Lüge trifft. Erst nach unzähligen bedrohlichen und eindrucksvoll erzählten Begegnungen gelangt Dante in das Paradies, wo er seine Geliebte in die Arme schließt. –Susanne Solau

Kurzbeschreibung
Sicherlich kennt man Dantes „Göttliche Komödie“und sein schicksalhaftes Treffen mit Beatrice im Reich der Seligen. Aber wohl kaum jemand kann die ganze „Göttliche Komödie“, ihr kompliziertes Figurengeflecht, ihre Bedeutung und ihre Entstehungsgeschichte im Kopf behalten. Dazu ist das Werk zu mannigfaltig, zu groß. Fritz R. Glunk stellt das Wichtigste zu Dantes“Göttlicher Komödie“ zusammen: Entstehung, Inhalt und Aufbau, Wirkungsgeschichte und was man über Dante Alighieri wissen muß. Im Mittelpunkt der allgemeinverständlichen Darstellung stehen alle wichtigen Daten, Fakten und Hintergrundinformationen. Ein höchst kurzweiliges Kompendium für Laien und Experten, für Liebhaber und Neugierige. Der Brennspiegel mittelalterlichen Denkens auf einen Blick.

Gustave Doré, Dante et Vergil dans le neuvième cercle de l’enfer (Dante und Vergil im 9. Kreis der Hölle), 1861. Abbaye de Brou, Bourg-en-Bresse.

Über den Autor
Fritz R.Glunk, geboren 1939, studierte Literatur- und Sprachwissenschaften und war als Dozent des Goethe-Instituts und als Verlagslektor tätig. Seit 1986 arbeitet er als freier Journalist, Übersetzer und Schriftsteller. Seit 1998 außerdem Herausgeber der literarischen Online-Zeitschrift „Die Gazette„. Er lebt in München. In der Reihe „Meisterwerke kurz und bündig“, erschienen von ihm „Dantes Göttliche Komödie“, „Dostojewskijs Schuld und Sühne“ und „Das Nibelungenlied“.

Please rate this

Cesare Pavese: Die einsamen Frauen (1949: 1996) 4/5 (1)

Cesare Pavese
Image by urizenbl via Flickr

Die einsamen Frauen: Amazon.de: Cesare Pavese, Catharina Gelpke: Bücher

Mal di vivere: Paveses einsame Frauen

Im Zentrum von Cesare Paveses Roman «Die einsamen Frauen» aus dem Jahre 1949 stehen zwei Protagonistinnen, beide erfüllt mit Lebensekel, beide ergriffen von existentieller Langeweile und einem Gefühl der Leere und Einsamkeit. Clelia Oitana, die Ich-Erzählerin des erstmals 1960 auf deutsch erschienenen Buches, kehrt nach einem langen Aufenthalt in Rom in ein winterliches Turin zurück, das gerade Karneval feiert. In der Modebranche zu Ansehen und Geld gekommen, will sie in ihrer Heimatstadt eine Boutique eröffnen. Sie lernt eine Gruppe reicher Wichtigtuer und weltmännischer Pseudokünstler kennen, besucht langweilige Parties und verkommene Bars, beteiligt sich an blasierten Gesprächen und an Spritztouren an den Strand oder in die Berge. In derselben Gesellschaft verkehrt die zweite Hauptfigur: Rosetta, eine junge Angehörige der Turiner Hautevolee, die kurz zuvor einen Selbstmordversuch begangen hat.

Der Kern von Paveses Roman ist die unterschiedliche Antwort dieser beiden Frauen auf ein als nutzlos empfundenes Leben, für das der Karneval, das Theater und das Glücksspiel als Embleme stehen. Clelia flüchtet vor der Oberflächlichkeit aller menschlichen Beziehungen in ein stoisches, mühselig aufrechterhaltenes Arbeitsethos. Beruflicher Aufstieg und gesellschaftliches Ansehen werden ihr zum Rettungsanker, obwohl sie sich der Kompromisshaftigkeit dieser Haltung bewusst ist. Rosetta hingegen findet keine Existenzkrücke. Sie zerbricht an ihrer inneren Leere und begeht am Ende doch noch Selbstmord. – Paveses Tagebuchaufzeichnungen während der Niederschrift des Romans zeigen, wie tief Schicksal und Lebensgefühl der beiden weiblichen Romanfiguren in seiner eigenen Existenz wurzeln. Wie Clelia setzte Pavese auf die Arbeit als Rettung gegen das sein ganzes Dasein überschattende mal di vivere. In einem Tagebucheintrag vom 10. April 1949 bezeichnet er ein Leben ohne Vertrauen in den Beruf als Schrecken und Wüste. Doch es ist das Ende Rosettas, welches das Schicksal des Autors literarisch vorwegnimmt: gut ein Jahr nach Beendigung des Romans wählte Pavese in einem Turiner Hotelzimmer den Freitod.

Sandro Benini

Please rate this

Carlo Fruttero & Franco Lucentini: Der Palio der toten Reiter (2007) No ratings yet.

Der Palio der toten Reiter

  • Taschenbuch: 199 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 13., Aufl. (2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492210295
  • ISBN-13: 978-3492210294

Merkwürdige und geheimnisvolle Begebenheiten erlebt das Mailänder Durchschnittsehepaar Maggioni in Siena, dem Schauplatz des alljährlich stattfindenden Palio. Das Ehepaar weiß vom Palio nur, was im Reiseführer zu lesen ist, nichts von den „toten“ Contraden, die ihre Pferde und Reiter auf den Platz schicken, nichts von Korruption und Bestechung, die ebenso wie der Zufall den Sieg entscheiden.
Der gräfliche Besitzer des Anwesens, in dem sie aufgrund eines Hagelschauers Zuflucht suchen und in dem bald darauf auch ein Mord geschieht, versucht ihnen zwar die Geheimnisse zu erklären, doch je mehr sie erfahren, desto verworrener erscheint das Ganze, desto undurchdringlicher wird das Rätsel des Palio…

Please rate this

Antonio Tabucchi: Piazza d’Italia (2000) No ratings yet.

  • Verlag: Piper; Auflage: 4 (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492230318
  • ISBN-13: 978-3492230315

Unter Kennern gilt Antonio Tabucchi als ein Autor, dessen Romane und Erzählungen meist in Portugal spielen. Doch Tabucchi beweist, er kann auch ganz anders. Sein Roman Piazza d`Italia erschien bereits im Jahre 1975 und war mehr als zehn Jahre nicht mehr erhältlich.

Piazza d`Italia ist Tabucchis einziges Buch, das in Italien spielt. Jetzt wird die wechselvolle Geschichte der Bewohner von Borgo, mit ihrem Hauptplatz in der Mitte des Dorfes, wieder neu aufgelegt. Verschiedene Mitglieder einer toskanischen Familie kämpfen unablässig, von der Zeit der Einigung Italiens bis zu den fünfziger Jahren, für Gerechtigkeit — sie sehen großen Gefahren mutig ins Auge und scheitern ausnahmslos alle an den kleinen Problemen des Alltags.

In diesem Buch setzt sich Tabucchi mit der Zeit, dem Zeitgeist und seiner Rolle als politischer Schriftsteller auseinander, worin er es in seinen späteren Büchern zur Perfektion gebracht hat. –Manuela Haselberger

Kurzbeschreibung
Rebellen aus Tradition und Übermut: Drei Generationen einer Familie aus dem toskanischen Dorf Borgo kämpfen für Gerechtigkeit – von der Einigung Italiens unter Garibaldi bis zu den fünfziger Jahren. Sie überstehen die großen Gefahren und scheitern am kleinen Alltag. Der 1975 geschriebene Roman zeigt Tabucchi in seinen Anfängen als politischer Autor.

Please rate this

Esther Freud: Liebe fällt No ratings yet.

  • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag; Auflage: 1 (8. März 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827007615
  • ISBN-13: 978-3827007612

Liebe und dunkle Geheimnisse in einem Sommer in Italien.
Im Juli, drei Monate nach ihrem siebzehnten Geburtstag, reist Lara zusammen mit ihrem Vater, der getrennt von der Familie lebt und den sie kaum kennt, aus dem stickigen London für einige Wochen zu Freundenin die Hügel der Toskana. Lara fühlt sich zunächst verloren unter den mondänen englischen Feriengästen. Aber die Sonne und die Schönheit der Landschaft und schließlich ein Fest bei den Nachbarn wecken sinnliche Gefühle in ihr. Als Lara sich in Kip, einen um einige Jahre älteren Jungen, verliebt, gerät sie in einen Strudel von Geheimnissen und Lügen, die ihr Leben radikal verändern.

Esther Freud wurde 1963 in London geboren. Sie ist die Tochter des Künstlers Lucien Freud und eine Urenkelin von Sigmund Freud. 1991 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, Marrakesch, der mit Kate Winslet verfilmt wurde.

Rezension: orf.at, DIE ZEIT

Please rate this

Patricia Highsmith: Venedig II 4/5 (1)

https://i0.wp.com/www.diogenes.ch/.imaging/diogenesMediaLarge/titel/patricia-highsmith/venedig-kann-sehr-kalt-sein-9783257064124.jpg?w=788&ssl=1

Ray Garetts junge Frau hat sich umgebracht. Nun verfolgt ihn sein Schwiegervater hasserfüllt, weil er glaubt, Garett trage die Schuld am Tod des einzigen, geliebten Kindes.

In Rom wird Garett bei einem Mordanschlag nur leicht verletzt.

Statt sich jedoch vom Schwiegervater fernzuhalten, reist Garett ihm nach Venedig nach, um ihn von seiner Unschuld zu überzeugen.

Vergeblich.

Rating: 4 out of 5

Author: Patricia Highsmith

Year: 2005

Publisher: Wunderlich im Rowohlt

„Mehr und mehr schreibt Patricia Highsmith, eine Künstlerin hohen Grades, ihr Universum Schritt um Schritt auf Grundkonstellationen reduzierend. Von Anfang an hat sie nur eine Frage bewegt: Welche besonderen Umstände, Ereignisse, Antriebe können einen Durchschnittsmenschen dazu bringen, einen Mord zu begehen? Patricia Highsmiths ganze, nicht zu unterschätzende Kunst besteht darin, singuläre Verbrechen psychologisch plausibel zu machen: aus reinem Hass, aus verzweifeltem Rachedurst, archaisch, für unsere Zweckjustiz kaum zu begreifen.“ (Die Weltwoche)

„In ihrem Psycho-Thriller, inszeniert mit amerikanischen Europabummlern vor gespenstisch verschwommenen Kulissen, bedarf die Schuld-und-Sühne-Virtuosin Patricia Highsmith wahrhaft keiner Leichen, um Hochspannung zu erzeugen und ihren Lesern glaubhaft zu versichern: In der italienischen Atmosphäre dieses Abends war … nichts unmöglich.
Unmöglich, von so viel krimi-kunstvoller Seelenzerfaserung nicht gefesselt zu sein.“ (Der Spiegel)

„Patricia Highsmiths Roman Venedig kann sehr kalt sein gehört zu den Klassikern des Genres. Eine beklemmende psychologische Studie.“ (Salzburger Nachrichten)

Please rate this