SchlagwortKapitalismus

Joseph Roth: Rechts und Links (1929/2014) 2.86/5 (7)

Rechts und LinksRoths Zeitroman, erschienen 1929, erzählt die Geschichte des russischen Deserteurs Nikolai Brandeis, der nach Berlin flieht und dort binnen kürzester Zeit ein riesiges Unternehmen mit mehreren tausend Angestellten leitet.
Bald kommt es zu Streitigkeiten mit Paul Bernheim, einem seiner Direktoren und Wichtigtuer und dessen Bruder Theodor, einem Nazi und Journalist.

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Ingo Schulze: Neue Leben (2005) No ratings yet.

Neue LebenRien ne va plus – es gibt kein Zurück und alle Wege stehen offen: Ostdeutsche Provinz, Januar 1990. Enrico Türmer, Theatermann und heimlicher Schriftsteller, kehrt der Kunst den Rücken und heuert bei einer neu gegründeten Zeitung an. Scheinbar erlöst vom Zwang, die Welt zu beschreiben, stürzt Türmer sich ins tätige Leben. Unter der Leitung seines Mephisto, des allgegenwärtigen Clemens von Barrista, entwickelt der Schöngeist einen ungeahnten Aufstiegswillen. Von dieser Lebenswende in Zeiten des Umbruchs erzählen die Briefe Enrico Türmers, geschrieben im ersten Halbjahr 1990 an seine drei Lieben – an die Schwester Vera, den Jugendfreund Johann und an Nicoletta, die Unerreichbare. Während er den Kapitalismus für sich entdeckt und von den Abenteuern des Geschäftsmannes berichtet, trägt er die Schichten seines bisherigen Lebens ab. Dabei entsteht, wovon Türmer so lange geträumt hat: Der Roman seines Lebens, in dessen Facetten sich die Zeitgeschichte bricht und spiegelt. So wird die widersprüchliche Gestalt Türmers zur Allegorie für die Fragwürdigkeit der alten, aber auch der neuen Leben.

In seinem lang erwarteten neuen Roman erweist sich Ingo Schulze wiederum als großer Erzähler, der es auf unnachahmliche Weise versteht, den Irrwitz der so genannten Wendezeit heraufzubeschwören. Als Chronist der jüngsten deutschen Geschichte gelingt ihm das Panorama des Weltenwechsels 1989/90 – der Geburtsstunde unserer heutigen Welt.

  • Berlin Verlag, Berlin 2005
  • ISBN 9783827000521
  • Gebunden, 752 Seiten, 22,00 EUR

Rezensionen:

 

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Rolf Lappert: Auf den Inseln des letzten Lichts (2010) 4/5 (1)

„Mit den Schrecken der traurig schönen und heimtückisch grausamen Inselwelt verbindet Lappert das Schicksal zweier Menschen, die das Glück suchen und das Grauen finden. Mit grosser Subtilität entfaltet er die Lebensgeschichte der beiden Geschwister, die aus der irischen Provinz ausbrachen, um anderswo nach Erfüllung zu suchen.“ Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung, 17.08.10

„Ein Buch voller Rätsel. Lappert kommt es in diesem Roman auf Stimmungen und Zustände, auf Landschaften und Erinnerungen an. Man ist gefangen von der Atmosphäre, gepackt von den vielen Binnenerzählungen, berührt von Lapperts Vertrauen auf die Macht der Worte.“ Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 17.08.10

„Ein Roman, der den Leser von der ersten Seite an packt und alles daransetzt, seine moralischen Botschaften unaufdringlich zu vermitteln.“ Rainer Moritz, Die Welt, 18.09.10
Kurzbeschreibung
Die zwei Geschwister, Megan und Tobey, sind trotz aller Unterschiede doch einzigartig aneinander gebunden. Eines Tages ist Megan verschwunden, und Tobeys Suche nach ihr wird zu einem lebensgefährlichen Abenteuer: Auf einer winzigen Insel in den Philippinen stößt er auf eine seltsame, im Verfall begriffene Welt. Wissenschaftler und Versuchstiere einer einstigen Forschungsstation für Primaten vegetieren hier vor sich hin, und Tobey kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur, von dem nur Megan die ganze Wahrheit kennt … Nach seinem preisgekrönten Roman „Nach Hause schwimmen“ liefert Rolf Lappert, der Autor aus der Schweiz, erneut ein Meisterwerk der Erzählkunst, das die Absonderlichkeiten des Lebens beschreibt und eine faszinierende fremde Welt eröffnet.

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Hanser; Auflage: 2 (16. August 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446235566
  • ISBN-13: 978-3446235564

Eine entlegene philippinische Insel, auf der nichts so ist, wie es scheint. Zwei Geschwister, die unterschiedlicher nicht sein können: Megan und Tobey. Hier, in einer verfallenen wissenschaftlichen Forschungsstation kreuzen sich ihre Wege ein letztes Mal … Der Autor von Nach Hause schwimmen erzählt in seinem neuen Roman eine große Geschichte über die Absonderlichkeiten des Lebens, und er eröffnet eine faszinierende fremde Welt, in der Tiere und Menschen nur gemeinsam überleben können – oder gemeinsam untergehen.

Schon als kleines Mädchen liebt Megan nichts mehr als die Tiere, und so wird aus ihr später eine militante Tierschützerin. Die Ambitionen ihres Bruders Tobey sind dagegen weniger idealistisch: Er versucht sich in Dublin als Rockmusiker. Zwei Geschwister, die trotz aller Unterschiede auf einzigartige Weise aneinander gebunden sind. Doch eines Tages ist Megan verschwunden, und Tobeys Suche nach ihr wird zu einem lebensgefährlichen Abenteuer.

Er landet auf einer Insel, die so klein ist und so abgelegen, dass keine Karte sie verzeichnet. Eine seltsame, im Verfall begriffene Welt erwartet ihn. Einst war hier eine Forschungsstation für Primaten, jetzt vegetieren die wenigen verbliebenen Wissenschaftler und Versuchstiere nur noch vor sich hin. Tobey kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur, doch schon bald stellt sich heraus, dass nur Megan die ganze Wahrheit kennt.

Rolf Lappert, dessen Roman Nach Hause schwimmen von den Lesern wie von der Literaturkritik begeistert gefeiert wurde, beweist hier erneut sein großes erzählerisches Können. Ein Buch, das nicht nur die Absonderlichkeiten des Lebens und der Liebe beschreibt, sondern vor allem dem Leser eine faszinierende Welt eröffnet.

Rolf Lappert wurde 1958 in Zürich geboren und lebt heute in Listowel, Irland. Er absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker, war später Mitbegründer eines Jazz-Clubs und arbeitete zwischen 1996 und 2004 als Drehbuchautor. Für seinen Roman Nach Hause schwimmen (2008) wurde er mit dem 1. Schweizer Buchpreis ausgezeichnet.

„Die Sehnsucht nach einem anderen Leben, das so weit weg ist, so unerreichbar, dass man es sich nur vorstellen kann, weiß Rolf Lappert mit unglaublicher Intensität zu erzeugen.“
Frankfurter Rundschau

„Ein Buch voller Rätsel. Lappert kommt es in diesem Roman auf Stimmungen und Zustände, auf Landschaften und Erinnerungen an. Man ist gefangen von der Atmosphäre, gepackt von den vielen Binnenerzählungen, berührt von Lapperts Vertrauen auf die Macht der Worte.“
Tages-Anzeiger

Geprägtes Leinen mit Schutzumschlag, 542 Seiten

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Richard Price: Lush Life (dt. Cash 2008/2010) 3/5 (1)

1862313Drei Männer werden nachts in der Lower East Side von zwei dunkelhäutigen Jugendlichen überfallen. Einer der drei wird erschossen, die Täter fliehen. Der Hauptzeuge Eric verstrickt sich bei der Polizei immer tiefer in Widersprüche. Detective Matty Clark kommen jedoch bald Zweifel an seiner Schuld. Richard Price lässt in seinem in den USA hymnisch gefeierten Bestseller die Fassade des strahlenden, „neuen“ New Yorks bröckeln und zeigt die dahinter liegenden Risse, die unter dem Glamour verborgene Macht und Gewalt. Ein Roman, der an Authentizität und atmosphärischer Dichte kaum zu überbieten ist.

Richard Price wurde 1949 in der Bronx geboren. Viele seiner Romane wurden verfilmt, u.a. von Spike Lee. Price schreibt außerdem Drehbücher für Filme von und mit z.B. Martin Scorsese, Al Pacino und Paul Newman. 2007 gewann Price den Edgar Award für seine Arbeit an der hoch gelobten TV-Serie The Wire, für die er monatelang bei der Polizei recherchierte. Er lebt in New York.

„Richard Price gelingt mit seinem Großstadtroman im ersten Anlauf ein amerikanischer Klassiker.“
Süddeutsche Zeitung

„…grandios in seinen Dialogen, eiskalt in der Studie scheiternder Existenzen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ein emotional intensives Herzschlagporträt New Yorks und seiner Bewohner, die durch diesen umwerfenden Roman unsterblich werden.“ New York Times

Hardcover, First Edition, 464 pages
Published March 4th 2008 by Farrar, Straus and Giroux (first published March 2008)
Original Title Lush Life
ISBN 0374299250 (ISBN13: 9780374299255)
Edition Language English
Setting

 

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„Dateninfantilität“ und was man dagegen tun kann No ratings yet.

. segert.net weblog . » 20-Punkte-Heilplan gegen Dateninfantilität

Zivilisationskrankheiten gibt es viele und täglich kommen neue hinzu. Aktuell fällt mir die landesweite Präsenz einer kulturellen Krankheit auf, die ich Dateninfantilität nenne. Die Symptome reichen von Schulterzucken bei Themen wie Vorratsdatenspeicherung, Web 2.0-Kapitalismus, Kundenkarten und Googlemacht bis hin zu den berühmten drei Affen

[gute Vorsätze …. ]

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Eva Illouz über Gefühle & Kapitalismus No ratings yet.

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Entmündigung als Chance?

Von ROLAND H. WIEGENSTEIN –

© Die Berliner Literaturkritik, 27.11.06

„Die Psychologen handelten als ‚Wissensspezialisten’, die Ideen und Methoden entwickelten, um die menschlichen Beziehungen zu verbessern und auf diese Weise die Wissensstrukturen und Bewusstseinsformen der Laien zu verändern. Darüber hinaus kam die Sprache der Psychologie den Interessen der Manager und Unternehmensbesitzer in besonderer Weise entgegen: Weil die Psychologen alle Probleme in die weiche Sprache von Emotion und Persönlichkeit kleideten, schienen sie nicht weniger zu versprechen, als die Mehrung der Profite, die Bekämpfung von Arbeiterunruhen, den friedlichen Ausgleich zwischen Managern und Arbeitern sowie die Neutralisierung der Klassenkämpfe.“ Dieser „emotionale Kapitalismus“, so Illouz, habe die entwickelte Welt und ihre Wahrnehmung vor allem in den Mittelschichten neu geordnet, indem er das „ökonomische Selbst emotionaler und die Emotionen instrumenteller machte.“
(…)
„Die Psychoanalyse entstand aus dem Rückzug des Selbst in die Privatsphäre und aus der Sättigung des Privaten mit Emotionen. In Verbindung mit der Produktivitätssprache der Unternehmen und der Kommodifizierung des Selbstseins im Bereich der psychischen Gesundheit war die Psychologie dafür verantwortlich, aus dem emotionalen Selbst einen öffentlichen Text und eine öffentliche Inszenierung zu machen, aufgeführt an verschiedenen sozialen Orten, etwa in intimen Beziehungen, im Unternehmen, in Selbsthilfegruppen, in Talkshows und im Internet. Die Transformation der Öffentlichkeit in eine Arena der Zurschaustellung von Privatheit, Emotion und Intimität, die kennzeichnend war für die öffentliche Sphäre der letzten zwanzig Jahre, kann nicht angemessen verstanden werden, ohne zu würdigen, dass die Psychologie dazu beitrug, private Erfahrungen in öffentliche Diskussionen zu konvertieren… Es ist dieses fortschreitende Ineinandergehen der Ressourcen des Marktes und der Sprache des Selbst im 20. Jahrhundert, das ich ‚emotionalen Kapitalismus’ genannt habe.“

Author: Eva Illouz

Year: 2006

Publisher: Suhrkamp

ISBN: 3518584596

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Die Zeit – Kultur : Niedergang des sozialen Kapitals No ratings yet.

Die Zeit – Kultur : Niedergang des sozialen Kapitals

Robert D. Putnam über den Verlust von Gemeinsinn und Engagement

Im Januar 1995 erschien im Journal of Democracy ein Aufsatz unter dem etwas merkwürdigen Titel: Bowling Alone. America’s Declining Social Capital. Den Verfasser kannten damals nur einige Experten aus der akademischen Welt: Robert D. Putnam, Politikwissenschaftler in Harvard, hatte in den siebziger Jahren bemerkenswerte Studien über die soziokulturellen Voraussetzungen der Demokratie veröffentlicht. Bowling alone avancierte rasch zum meistzitierten Artikel in der heutigen Sozialwissenschaft. Jetzt liegt das Buch vor, ein eindrucksvolles Werk von über 500 Seiten, über 100 davon Tabellen, Schaubilder, Fußnoten. Es ist nicht schwer vorherzusagen, dass dieses Buch Beachtung finden wird wie wenige andere: Vor etwa einem halben Jahrhundert hat David Riesman die einsame Masse heraufziehen sehen, John K. Galbraith die Widersprüche einer Gesellschaft im Überfluss analysiert. Später dann hat Betty Friedan den Weiblichkeitswahn dekonstruiert und Rachel Carson den stummen Frühling als Menetekel an die Wand gezeichnet.
Robert Putnam warnt nun vor der anderen, der „sozialen“ Umweltkatastrophe.

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Paul Nolte: Riskante Moderne No ratings yet.

Riskante Moderne Die Deutschen und der neue Kapitalismus

Author: Paul Nolte

Year: 2006

Publisher: Beck

ISBN: 3406540848

Gib Gas Bürger, vergiß dein Nutellabrot
Von Andreas Rosenfelder
FAZ

16. März 2006
Einen besseren Werbepartner als Paul Nolte hätte sich die Moderne nicht wünschen können. Wenn ausgerechnet ein Historiker seine Hand ins Feuer legt für eine Epoche, die im Namen des Neuen nicht zuletzt die historische Deckung aufgibt, dann kann diese Epoche so gefährlich nicht sein – selbst wenn Nolte sein Buch „Riskante Moderne” nennt, als wolle er das Klischee des bloß mit dem Staub der Jahrhunderte vertrauten Geschichtswissenschaftlers zerstreuen und die Spielernatur seiner mit Prognosen üblicherweise zurückhaltenden Zunft anstacheln.

siehe auch: DIE ZEIT 16.03.2006 Nr.12
Vorsicht, Risiko! Der Historiker Paul Nolte liest unserer Gesellschaft gehörig die Leviten – aber wo bleibt die Analyse? Von Warnfried Dettlingund einen Überblick der Rezensionen in single-generation

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Richard Sennett: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit (2004) 4/5 (1)

Respekt im Zeitalter der Ungleichheit.

Rating: 4 out of 5

Author: Richard Sennett

Year: 2004

Publisher: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag

ISBN: 3833300744

Rezension in der ZEIT: Manche müssen drunten sterben? Richard Sennett quält sich (und seine Leser) mit der Ungleichheit der Menschen

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Richard Sennett: Die Kultur des neuen Kapitalismus (2005) No ratings yet.

Die Kultur des neuen Kapitalismus

Rating: 5 out of 5

Author: Richard Sennett

Year: 2005

Category: sociology

Publisher: Berlin Verlag

ISBN: 3827006007

Aus dem Englischen von Michael Bischoff; Berlin Verlag, 2005; 160 S., 18 €
Vgl. auch die Rezension in (c) DIE ZEIT 09.06.2005 Nr.24
“Wer rettet die Bürgergesellschaft vor dem neuen Kapitalismus?” Von Wolfgang Engler

Es gibt einen Gedanken im neuen Buch von Richard Sennett, der die Lektüre lohnt. Er besagt, dass Praktiken und Gewohnheiten, die sich zuerst in der Wirtschaft herausbildeten, unterdessen die politische Sphäre erreicht und umgestaltet haben.”
Das Fazit ist eher düster: … bleibt ihm zuletzt nur die Flucht in eine unbestimmte Hoffnung: »Und vielleicht wird die Revolte gegen diese entkräftete Kultur die nächste neue Seite der Geschichte sein, die wir aufschlagen müssen.

Auf der Liste bleibt es trotzdem erstmal stehen.

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Fegefeuer des Marktes No ratings yet.

Product Image: Die Zeit

Die Zeit

Der neue Kapitalismus ist zu einer Weltanschauung geworden. Er begnügt sich nicht mehr mit der Wirtschaft. Er will unser Leben und Denken beherrschen

Von Jens Jessen

Der Kapitalismus hat sein Gesicht verändert. Weit scheint heute die Zeit des Jubels von 1989 zurückzuliegen, als der Zusammenbruch des sozialistischen Lagers allgemein wie ein Triumph der freien Marktwirtschaft gefeiert wurde. Nur der konservative Soziologe Niklas Luhmann, gewiss kein Nostalgiker des Sozialismus, wollte damals von keinem Sieg sprechen: Er meinte, man könne allenfalls und höchstens die Formulierung wagen, dass der Sozialismus früher als der Kapitalismus zusammengebrochen sei.

weiter …

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Der französische Schriftsteller Camille de Toledo: „Der Kapitalismus ist hässlich“ No ratings yet.

Der französische Schriftsteller Camille de Toledo kritisiert, dass der weltweite Kapitalismus nur als ungerecht wahrgenommen werde, nicht aber als „hässlich“. Tatsächlich aber, so schreibt de Toledo in der ZEIT, sei das Wirtschaftssystem ästhetisch oft „abstoßend“. Die Einsicht in die Hässlichkeit der Gegenwart könne uns vielleicht vom „makabren Programm“ des Geldaufhäufens abbringen. „Nach einigen Jahrzehnten würden sich so viele angewidert von der abscheulichen Ökonomie des Sparens, des Eigentums, der Flughäfen, der Duty-free-Shops, der Großstadtgeländewagen abwenden.“ Der Schriftsteller Camille de Toledo stammt aus einer französischen Großindustriellenfamilie, zu deren Besitz unter anderem der Lebensmittelkonzern Danone gehört. De Toledo schlug das Erbe aus und arbeitet als Autor, Regisseur und Fotograf. Im September erscheint im Berliner Tropen-Verlag sein Buch „Goodbye Tristesse“.

[Quelle: http://www.zeit.de/ ]

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Ein Nein der Hoffnung No ratings yet.

Slavoj ZiZek in der ZEIT vom 09.06.2005 Nr.24 sieht im Referendum zur EU-Verfassung nur eine Scheinalternative und attestiert den europäischen Eliten schlichtweg Unfähigkeit.

Die wirkliche Entscheidung verlangt nach der Kraft der eigenen Entscheidung in der europäischen Moderne.

Mit Blick auf Freud behauptete Theodor W. Adorno einmal, die gegenwärtige »verwaltete Welt« mit ihrer »repressiven Entsublimierung« sei nicht mehr durch die alte Logik der Unterdrückung des Es und seiner Triebe geprägt, sondern durch einen perversen direkten Pakt zwischen dem Über-Ich (der gesellschaftlichen Autorität) und dem Es (unzulässigen aggressiven Trieben) auf Kosten des Ich. Vollzieht sich heute auf politischer Ebene nicht etwas strukturell Ähnliches, ein unheimlicher Pakt zwischen dem postmodernen globalen Kapitalismus und vormodernen Gesellschaften – auf Kosten der Moderne selbst? Es fällt dem multikulturalistischen globalen Empire Amerika leicht, vormoderne lokale Traditionen zu integrieren – der Fremdkörper, den es aber effektiv nicht absorbieren kann, ist die europäische Moderne.
[…]
Die Botschaft des französischen Nein an uns alle, denen Europa am Herzen liegt, lautet: Nein, anonyme Experten, die uns ihre Ware in knallbunter, liberal-multikulturalistischer Verpackung verkaufen wollen, werden uns nicht am Denken hindern. Es ist für uns, die Bürger Europas, an der Zeit, uns bewusst zu machen, dass wir eine genuin politische Entscheidung darüber treffen müssen, was wir wollen. Kein aufgeklärter Verwalter kann uns diese Aufgabe abnehmen.

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Jeremy Rifkin und die Zukunft des Kapitalismus No ratings yet.

Unter der Überschrift “Europa, wir brauchen dich” sucht Rifkin nach einem Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Dabei interpretiert er das Nein zur EU-Verfassung als Protest gegen den ökonomischen Wildwuchs und folgert: “Die Marktwirtschaft muss reformiert werden.”

Vor uns liegt die schwierige Aufgabe, einen intelligenten und wohlüberlegten Kurs einzuschlagen, der ein ausgewogenes Spannungsverhältnis zwischen dem Unternehmungsgeist des Kapitalismus und der gesellschaftlichen Solidarität des Sozialismus aufrechterhält, ohne dass eine der beiden Visionen den entscheidenden Gehalt der anderen zerstört. Wir sind schließlich, jeder Einzelne von uns, eine Verkörperung beider Geisteshaltungen. Wir wollen unsere Eigeninteressen verfolgen und bleiben uns gleichzeitig bewusst, dass wir für unsere Mitmenschen Verantwortung tragen.

[Neu ist das nicht. Aber liest sich gut.]

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Kapitalismus ist unser faustischer Pakt No ratings yet.

Ohne wirtschaftliche Entwicklung können wir nicht leben. Aber gleichzeitig droht die entfesselte Ökonomie, unsere ökologischen und kulturellen Grundlagen zu zerstören

Charles Taylor hat in (c) DIE ZEIT 04.05.2005 Nr.19 einen sehr treffenden Artikel zum widersprüchliche Erleben zwischen Wirtschaft und Kultur geschrieben, und damit zugleich auch einen klugen Beitrag zur leidigen Kapitalismusdebatte geleistet.

Das Fazit – so könnte man es nennen – ist am Ende:

Nicht zu übersehen ist allerdings, dass der kulturelle Bereich Schauplatz von Widersprüchen ist, die der Kapitalismus allesamt selbst erzeugt. So ist der Kapitalismus vielleicht unser faustischer Pakt, wie Goethe es am Ende von Faust II selbst anzudeuten scheint. Faust erscheint darin als titanenhafter Bauunternehmer, und das alte Paar Philemon und Baucis nimmt sich aus wie Geopferte und Marginalisierte. Wir versuchen, der Ökonomie und der wirtschaftlichen Entwicklung durch vorauseilende Bejahung zu entkommen; wir wollen schneller sein als »der Geist, der stets verneint«. Dabei entgeht uns, dass gerade die unablässige Bejahung des ökonomischen Fortschritts vielleicht die verheerendste Verneinung von allen ist.

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