SchlagwortLiebe

Hans-Josef Ortheil: Liebesnähe (2011) No ratings yet.

 Ein Mann und eine Frau treffen in einem Hotel im Alpenvorland ein. Sie bemerken einander und tauschen von da an geheime Zeichen aus. Kleine Botschaften, Hinweise auf Lektüren und Musikstücke – und ohne dass sie auch nur ein einziges Wort miteinander wechseln, verwickeln sie sich in das Mysterium der Annäherung und einer ungewöhnlichen Liebe, für die nur die Liebe selber zählt.

»Liebesnähe« ist die Geschichte einer Frau und eines Mannes, die sich zufällig in einem einsam gelegenen Hotel treffen. Vom ersten Augenblick dieser Begegnung an erleben beide eine rasch wachsende Anziehung. Sie sind zu vorsichtig, miteinander zu sprechen und verlegen sich stattdessen auf ein virtuoses Spiel von Zeichen und Andeutungen. Im Hintergrund dieser Annäherung zieht die Besitzerin der Hotelbuchhandlung als geheime Mittlerin ihre eigenen Fäden: Sie »füttert« die beiden Liebenden mit Büchern, die – wie der Liebestrank in »Tristan und Isolde« – eine ganz eigene, magische Wirkung entfalten und aus dem Liebesspiel schließlich ein kaum noch durchschaubares Labyrinth aus Erlebtem, Geträumtem und Gelesenem machen.

»Liebesnähe« ist nach den Romanen »Die große Liebe« (2003) und »Das Verlangen nach Liebe« (2007) der dritte Band einer Trilogie von in sich abgeschlossenen Romanen, in denen es um das Geheimnis der Liebesverständigung geht. »Liebesnähe« greift aber auch die Themen von stummer und sprachlicher Kommunikation in Ortheils letztem Roman »Die Erfindung des Lebens« auf: Erst langsam entdecken die Liebenden die jeweils eigene Sprache der Liebe mit all ihrem unverwechselbarem Vokabular.

Please rate this

Marion Brasch: Wunderlich fährt nach Norden (2014) No ratings yet.

22451747

Der neue Roman von Marion Brasch nach ›Ab jetzt ist Ruhe‹»Wunderlich war der unglücklichste Mensch, den er kannte.« Als Marie ihn verlässt, versinkt er in Selbstmitleid. Doch schon bald schubst ihn eine anonyme SMS zurück ins Leben, und Wunderlich tritt eine Reise an. Eine Reise, die vieles verändert und bei der nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
›Wunderlich fährt nach Norden‹ ist die Geschichte eines Mannes, der Entscheidungen scheut und sich dem Zufall überlässt. Auf seiner Fahrt wird Wunderlich zum Abenteurer. Doch vor allem entdeckt er, was er vergessen wollte, und findet, was er nicht gesucht hat.
Dieser Roman ist eine Liebeserklärung an die sonderbaren Momente des Lebens – so leicht, komisch und berührend, wie uns diese Geschichte nur Marion Brasch erzählen kann.
Hardcover, 290 pages
Published July 24th 2014 by Fischer Verlag
ISBN13 9783100013682
edition language German

Please rate this

Michael Ondaatje: Katzentisch (2012) No ratings yet.

19022912

Drei Kinder, zu Beginn der 50er Jahre, auf einer Seereise von Ceylon nach England. Zu der buntgemischten Gesellschaft an Bord des Schiffes gehören Außenseiter, die wie sie am Katzentisch sitzen, und andere Reisegefährten, nicht zuletzt die aus der noblen Senatorenklasse. Sie alle sind geheimnisumwitterte Objekte der Sehnsucht oder der Spekulation: der Baron, der so elegant Mitreisende bestiehlt, der todkranke Millionär oder die Artistentruppe mit Wahrsager, in den sich Emily verliebt. Michael Ondaatje, der Autor von „Der englische Patient“, erzählt ein Abenteuer, das Gleichnis ist für das wahre, wilde Leben: mit dramatischen Szenen, unvergesslichen Figuren und Bildern, die im Gedächtnis haftenbleiben.
305 pages
Published February 6th 2012 by Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (first published 2011)
original title The Cat’s Table
ISBN13 9783446239586
 siehe auch dieses Buch von Michael Ondaatje
The movie shown on board the ship was: The Four Feathers 52 (56.5%) 
Rezensionen:

Please rate this

Alex Capus: Léon und Louise (2011) 3.5/5 (4)

https://i0.wp.com/weltbild.scene7.com/asset/vgw/leon-und-louise-grossdruck-166991095.jpg?resize=547%2C872&ssl=1

Zwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Leon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Leon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg – bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Metro wiederbegegnen. Alex Capus erzählt von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von diesem Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt. Die Geschichte einer großen Liebe, gelebt gegen die ganze Welt.

dtv, München 2012
315 Seiten

 

 

Please rate this

Alice Munro: Tricks. Acht Erzählungen (2008) 4/5 (4)

Tricks, acht meisterliche Erzählungen von Alice Munro: Geschichten über Ausreißer, Entscheidungen, Leidenschaften und Verfehlungen.

Wieder beweist Alice Munro besonderes Gespür für das Geheimnis ihrer Figuren, jenen rätselhaften Bereich, wo Selbstbetrug auf Hoffnungen, gefährliche Illusionen auf die kleinen Tricksereien des Alltags treffen. Der Leser kommt in ihren Geschichten seinem eigenen Leben so nah, dass er schwindlig wird vor Herzleid und Glück.

Enthaltene Werke / Rezensionen

  • Ausreißer (Runaway), S. 11
  • Entscheidung (Chance), S. 80
  • Bald (Soon), S. 140
  • Schweigen (Silence), S. 200
  • Leidenschaft (Passion), S. 252
  • Verfehlungen (Trespasses), S. 311
  • Tricks (Tricks), S. 371
  • Kräfte (Powers), S. 424

Please rate this

Hans-Josef Ortheil: Die große Liebe (2013) 4/5 (1)

 

  • Luchterhand Literaturverlag,
  • München
  • 2003

Hanns-Josef Ortheil erzählt von der leidenschaftlichen Liebe eines Paares, das sich an der italienischen Adria-Küste kennen lernt. Er, ein deutscher Fernsehredakteur, recherchiert dort für einen Film über das Meer, sie ist Meeresbiologin und leitet ein Forschungsinstitut. Er hat sich gerade aus einer längeren Beziehung gelöst, sie ist mit einem Institutskollegen verlobt. Beide sind fasziniert vom Wasser, seinen Farben, Gerüchen, und bereits über ihrer ersten Begegnung liegt eine eigentümliche Magie. Sie können den anderen nicht mehr aus den Augen lassen und erkennen, dass sie füreinander geschaffen sind – eine Erfahrung, die keiner von beiden vorher gemacht hat. Zuerst langsam, dann mit rapide wachsender Intensität lassen sie sich aufeinander ein und versuchen ihre Liebe gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu behaupten.

Carlo Crivelli 059 detail

Rezension

Muscheln in TAZ von Kolja Mensing 16.12.2003

Hanns-Josef Ortheil: „Die große Liebe“. Luchterhand, München 2003, 316 S., 22,50

Hanns-Josef Ortheils neuer Roman trägt den Titel „Die große Liebe“. Genau darum geht es auch. Ein Fernsehredakteur, er nennt sich Giovanni, reist aus München an die italienische Adria, um einen Dokumentarfilm vorzubereiten. Dort lernt er die Meeresbiologin Franca kennen, und es ist die große Liebe, „ohne Herzschmerz und Eifersucht, ohne Intrigen und Vorbehalte, ohne jeden Kummer und Rücksichten.“

Nun ist es nicht leicht, vom Glück zu erzählen, schon gar nicht, wenn es sich in einer italienischen Hafenstadt ereignet, die Tische in den kleinen Restaurants sich unter Tellern voller delikater Vorspeisen und sagenumwobener Fischsuppen biegen, sich „auf seltsame Weise ein Kochrezept in lauter meeresbiologische Details“ verwandelt und beim Espresso aus den zoologischen Fachtermini Liebesschwüre werden. Dann nämlich fragt man sich, wie es Ortheil gelungen ist, diesen Roman vor dem zu bewahren, was man gemeinhin Kitsch nennt – und kitschig ist dieses Buch tatsächlich überhaupt nicht.

Ein Grund ist sicherlich die sorgfältige Art und Weise, mit der Ortheil seine Worte wählt. Gleich der erste Satz zum Beispiel – „Plötzlich das Meer, ganz nah, eine graue, stille, beinahe völlig beruhigte Fläche“ – verzichtet auf das Prädikat, um Giovannis morgendlichen Blick aus dem Zugabteil noch abrupter und überwältigender zu gestalten, nur um dann mit dem Zusatz „beinahe“ das stille Wasser doch noch in Unruhe zu bringen. Die Unruhe wird sich durch den ganzen Roman ziehen. Je detaillierter Ortheils Erzähler sich den Beschreibungen der kulinarischen Köstlichkeiten widmet und mit der Gabel noch die kleinsten Zitronenblätter in den Spaghettisaucen aufspießt, je eindringlicher er sich von Franca den Mikrokosmos des Meeres vorführen lässt und mit Proust’scher Genauigkeit in seinem Notizbuch der Liebe nachspürt, desto mehr wächst das Gefühl einer vagen Bedrohung. Dass es schließlich nicht in einer Auseinandersetzung mit einigen Hafenarbeitern kulminiert, die von Giovannis Nebenbuhler gedungen werden, sondern in einer kleinen literarischen Selbstreflexion, ist die traurige Überraschung dieses schönen Buches. Die einzige wirklich tragische Stelle dieser von erfüllter Sehnsucht getragenen Geschichte ist die, an der Giovanni erkennen lässt, dass er um sein eigentliches Schicksal weiß. „Wir befinden uns aber in einem Roman“, erklärt er, „Franca und ich – wir schreiben gleichsam an einem Roman.“ Und so ist ihr Glück zuletzt trotz Happy End doch nur aus Papier gemacht.

Please rate this

Uwe Timm: Vogel, friß die Feige nicht: Römische Aufzeichnungen (1989) 3/5 (1)

 Vogel, friß die Feige nicht: Römische AufzeichnungenRom, die fremde, von Geschichte und Utopien erfüllte Stadt, in der Uwe Tim für längere Zeit lebte, wird trotz aller Widrigkeiten zum magischen Ort und macht ihm die eigene geschichtliche und literarische Position bewusst.
  • Paperback, 156 pages
  • Published 1989 by Kiepenheuer und Witsch
  • ISBN 3462025430 (ISBN13: 9783462025439)

etwas viel Heinar Kipphardt und  Antonio Gramsci

Antonio Gramsci, um 1920

Please rate this

Francesca Segal: Die Arglosen (2013) 3.5/5 (2)

Zwölf glückliche Jahre sind Adam und Rachel schon zusammen, und niemand ist überrascht, als sie ihre Verlobung bekannt geben. Alles ist perfekt: Sie haben einen gemeinsamen Freundeskreis, Adam arbeitet in der Anwaltskanzlei seines Schwiegervaters, und sie werden in jener Gemeinde im Nordwesten Londons eine Familie gründen, in der sie selbst aufgewachsen sind.

Doch plötzlich taucht Rachels Cousine Ellie auf, und Adam fühlt sich gefährlich hingezogen zu der gleichzeitig wilden und verletzlichen jungen Frau. Zum ersten Mal in seinem Leben ist er gezwungen, seine Welt infrage zu stellen und alle bisherigen Entscheidungen neu zu bewerten.

Francesca Segal, 1980 in London geboren, studierte in Oxford und Harvard und ist Journalistin und Kritikerin. Sie veröffentlichte unter anderem im »Granta Magazine«,»Guardian« und »Daily Telegraph«, war Kolumnistin für den »Observer« und Feuilletonistin für das »Tatler Magazine«. Ihr Debütroman »Die Arglosen« erschien 2013 und gewann zahlreiche Preise, u.a. den Costa First Award und den National Jewish Book Award for Fiction. Sie ist die Tochter des Autors Erich Segal(Love Story) und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in London.

  • Orig.: The Innocents aus dem Englischen von Verena Kilchling
  • 432 Seiten
  • Format 11,6 x 18,5 cm
  •  ISBN: 978-3-0369-5675-6
  • 22.90 €, 29.90 CHF

 

Please rate this

Uwe Timm: Vogelweide (2013) No ratings yet.

ISBN: 978-3-462-04571-0

Erscheinungsdatum: 15. August 2013
336 Seiten, gebunden
Euro (D) 19,99 | sFr 28,00 | Euro (A) 20,60

Der große Roman über die Macht des Begehrens

Der neue, wunderbar choreographierte und vielschichtige Roman Uwe Timms erzählt mit hoher Intensität und zugleich fast meditativer Ruhe, präzise, schön, komisch und klug von der Macht des Begehrens, von den geheimnisvollen Spielregeln des Lebens und von der Kunst des Abschieds.

Ein Mann hat alles verloren, seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung, er hat einen Bankrott hinter sich und ist hoch verschuldet. Nun lebt er für eine Weile ganz allein auf einer Insel in der Elbmündung, versieht den Dienst als Vogelwart. Ein geradezu eremitisches Dasein, das durch einen Anruf durcheinandergewirbelt wird. Anna kündigt ihren Besuch an – eben jene Anna, die vor sechs Jahren vor ihm nach New York geflohen ist und zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hat. Und während Eschenbach sich auf das Wiedersehen mit ihr vorbereitet, seinen Alltagsritualen folgt, Vögel zählt und Strandgut sammelt, besuchen ihn die Geister der Vergangenheit und es entfaltet sich die Geschichte von Eschenbach, Selma, Anna und Ewald.

Es ist die Geschichte von zwei Paaren, die glücklich miteinander waren und es nicht bleiben konnten, als Eschenbachs große, verbotene, richtige und falsche Leidenschaft für Anna entbrannte. Uwe Timm lässt ein konturscharfes Bild unserer Gegenwart entstehen, in der die Partnerwahl einerseits von Optimierungsstrategien, andererseits von entfesselter Irrationalität geleitet wird – und immer auf dem Prüfstand steht. Ein Roman, der den Leser packt und wieder loslässt, auf dass er seinen eigenen Gefühlen und Wertvorstellungen nachspüren kann.

 

 

Please rate this

Botho Strauss: Die Nacht mit Alice, als Julia ums Haus schlich (2003) No ratings yet.

Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN 9783446203570
Gebunden, 150 Seiten, 17,90 EUR
Klappentext

Ein Buch der Träume, der Verwandlungen, der Abgründe. Jede Nacht träumen wir uns in eine andere Welt, träumen von anderen und werden selbst ein anderer. Strauß führt in die unterirdischen Gänge des Bewusstseins, wo etwas ausgekocht wird, das langsam, aber sicher aufsteigt und unser Verhalten, unseren Blick auf die Welt verändert, ohne dass wir genau angeben können, wie es geschieht. Erzählungen über die Haltbarkeit der Träume und die Brüchigkeit der Realität.

  • Rezension Die ZEIT von Ulrich Greiner 28.08.2003

Please rate this

Kumpfmüller, Michael: Die Herrlichkeit des Lebens (2011) 4/5 (1)

Die Liebe eines Lebens
Überlebensgroß ist der Mythos Franz Kafka, dessen Nachruhm als Schriftsteller scheinbar mit einem weithin unglücklichen Leben erkauft wurde. Doch nun wirft Michael Kumpfmüller ein helles, fast heiteres Licht auf den berühmten Dichter und zeichnet liebevoll und diskret einen Menschen, der in seinem letzten Jahr die große Liebe findet und sein Leben in die Hand nimmt, bevor es dafür zu spät ist.
Im Sommer 1923 lernt der tuberkulosekranke Franz Kafka, als Dichter nur Eingeweihten bekannt, in einem Ostseebad die 25-jährige Köchin Dora Diamant kennen. Und innerhalb weniger Wochen tut er, was er nicht für möglich gehalten hat: Er entscheidet sich für das Zusammenleben mit einer Frau, teilt Tisch und Bett mit Dora. In Berlin wagt er mit ihr das gemeinsame Leben, mitten in der Hyperinflation der Weimarer Republik. Den täglich kletternden Preisen, den wechselnden Untermietquartieren, den argwöhnischen Eltern zum Trotz: Bis zu seinem Tod im Juni 1924 werden sich Franz Kafka, und Dora Diamant, von wenigen Tagen abgesehen, nicht mehr trennen.
Aus dieser wahren Geschichte macht Michael Kumpfmüller einen feinsinnigen, behutsamen und kenntnisreichen Liebesroman. Kafkas Tagebücher, seine Briefe und letzten Texte kennt er genau und webt sie zart in die Erzählung ein. Aber ebenso sehr widmet er sich Doras Sicht, dem Blick der verliebten jungen Frau auf ihren rätselhaften, sterbenden Mann. Und so gelingt Kumpfmüller eine tief anrührende Parabel über das Leben und die Liebe, das Schreiben und den Tod.

  • 237 pages
  • Published August 18th 2011 by Kiepenheuer & Witsch (first published 2011)
  • ISBN 3462043269 (ISBN13: 9783462043266)

    Dora Diamant

 

 

Rezensionen:

Please rate this

Judith Hermann: Sommerhaus, später Erzählungen (2011) 4/5 (1)

Eine Menge Vorurteile werden mit Judith Hermanns Debütwerk beseitigt: Erstens, es gibt doch gute deutsche Nachwuchsautoren, zweitens, die Gattung der Erzählung ist nicht tot, und drittens, deutsches Schreiben ist per se nicht schwerfällig und grüblerisch, sondern kann, so zeigt Sommerhaus, später, sehr leichtfüßig und virtuos daherkommen.

Die Erzählperson schlüpft in neun Geschichten in verschiedene Rollen und Geschlechter: Mal ist sie Enkelin, mal Geliebte, mal Künstler, mal Zuhörer. Und manchmal auch bloß Erzählerin. So schnell sie eine Intimität zum Leser aufbaut, so schnell endet die Geschichte auch wieder und es beginnt eine neue. Personen treten in das Leben der Protagonisten und gehen wieder, reißen kleine Wunden, die lange schmerzen. Da ist der alte, einsame Mann, der seine Klassikkassetten einem jungen Mädchen schenkt, obwohl sie ihn versetzt; oder Sonja, die wie ein naives Kind in einen Maler verliebt ist und dann wie ein Geist wieder aus seinem Leben verschwindet. Gute und Böse gibt es nicht, nur Unvermögen oder Großzügigkeit.

Hermanns Kunst ist unmittelbar: direkte Rede, reale Vergleiche, detaillierte Wahrnehmung. Und doch bleiben die Erzählungen angenehm unvollständig. Als hätte jemand eine Kamera auf ein paar Personen in Berlin oder New York oder sonstwo gehalten und wieder ausgeblendet.

„Du musst lernen zu warten“, sagt einer ihrer Protagonisten, „auch auf die kleinen Ereignisse“.

Judith Hermann hat für Sommerhaus, später den Förderpreis des Bremer Literaturpreises 1999 erhalten. In der Begründung der Jury heißt es: „Judith Hermann formuliert in atmosphärisch dichter Prosa und mit großer sprachlicher Sicherheit das Lebensgefühl von Menschen, die in Liebe und Angst befangen, das wirkliche Leben verfehlen und das Scheitern der eigenen Lebenspläne mehr melancholisch beobachten als trauernd erleben.“ –Bettina Albert

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Fischer; Auflage: 15. (2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596147700
  • ISBN-13: 978-3596147700

Pressestimmen

„Kein Wort zuviel, keins am falschen Platz“ NZZ
„Hinreißend, hochbegabt“, lobt der Spiegel.

 

Please rate this

Kurt Tuchol­s­ky: Aus­ge­wähl­te Werke und Schrif­ten No ratings yet.

 
  • Entspricht rund 800 Buchseiten
  • Für die eBook-Ausgabe neu editiert auf’m Kindle
  • 2012, Deutsch  AuraBooks  eClassica
  • Voll verlinkt, und mit zusätzlichem Hypertext-Inhaltsverzeichnis
Kurt Tucholsky (1890-1935) gehört zu den produktivsten deutschen Autoren.
Er schrieb Romane, Kurzgeschichten, Reiseberichte und rund dreitausend journalistische Artikel für Zeitschriften und Magazine.
Tucholsky war im besten Sinne Kind seiner Zeit, dieser prickelnden, gefährlichen, lasziven Sequenz zwischen den beiden Weltkriegen. Unsichere politische Zeiten, alles im Umbruch. Der Tanz auf dem Vulkan, wie er im Film »Cabaret« mit Liza Minnelli zu sehen ist.Wie kein anderer hatte er die dunkle Gefahr des Nationalsozialismus heraufziehen sehen.
Tucholsky-Kenner Raddatz meint: Er »hat den Nationalsozialismus schon geahnt, als es noch gar keinen Nationalsozialismus gab.« Ein Frühwarnsystem sei er gewesen, ein Seismograph. Ein Seismograph freilich, der nichts retten konnte. Er brachte seine Schwingungen zu Papier, vergebens. Am Ende gehörten seine Bücher zu den ersten, die die Nazis auf den Scheiterhaufen warfen.Doch das ist nur eine Seite des großen Literaten. Er war nicht nur politischer Schriftsteller. Er war genauso Lebemann, Frauenheld, Abenteurer und Genießer. Ein brillanter Journalist und Kommentator des Zeitgeschehens. Kein Thema war vor ihm sicher, kein Buch eines Kollegen vor einer Rezension gefeit. Und an keiner schönen Frau konnte er vorbeigehen. Es ist kein Zufall, dass sein erster großer Erfolg, »Rheinsberg«, ein beschwingter Liebesroman ist.
Diese Ausgabe erhebt nicht den Anspruch, eine Gesamtausgabe von Tucholskys Werk zu sein. Diese wäre rund 5000 Seiten stark. Unsere rund 800 Buchseiten umfassende Auswahl bietet aber einen hervorragenden Querschnitt aus Tucholskys literarischem und journalistischem Schaffen.

Aus dem Inhalt:

  • Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte (1912) – GELESEN &#x2713
  • Der Zeitsparer (1914) – GELESEN
  • Ein Pyrenäenbuch (1927) – GELESEN, in einer anderen Ausgabe
  • Schloß Gripsholm (1931) – GELESEN. Sehr schön.
  • Kleine Prosastücke (1913 – 1932)
  • 82 Ausgewählte Glossen, Kommentare und Rezensionen (1914 – 1932), z.B.:
    • Das Reimlexikon (1914)
    • Der Untertan (1919)
    • Was darf die Satire? (1919)
    • Führer?(1920)
    • Deutsche Richtergeneration 1940 (1921)
    • Herausgeber oder Verleger? (1921)
    • Rezept des Feuilletonisten (1922)
    • Prozess Harden (1922)
    • Der neue Zeitungsstil (1924)
    • Horizontaler und vertikaler Journalismus (1925)
    • Französische Frauen (1926)
    • Der Prozess (1926)
    • Deutsche Richter (1927)
    • Mädchenhandel in Buenos Aires (1927)
    • Journalistischer Nachwuchs (1928)
    • Zehn Gebote für den Geschäftsmann, der einen Künstler engagiert (1928)
    • Ist das deutsche Buch zu teuer ?? (1928)
    • Gesang der englischen Chorknaben (1928)
    • Die legitime Geliebte (1928)
    • § 297 / Unzucht zwischen Männern (1929)
    • Was soll mit den Zehn Geboten geschehen? (1929)
    • Zeitungsdeutsch und Briefstil (1929)
    • Geheimnisse des Harems (1929)
    • Die hochtrabenden Fremdwörter (1930)
    • Das dritte Reich (1930)
    • Die deutsche Pest (1930)
    • Ratschläge für einen schlechten Redner (1930)
    • Verlagskataloge (1931)
    • Zur soziologischen Psychologie der Löcher (1931)
    • Der Mensch (1931)
    • Der bewachte Kriegsschauplatz (1931) (»Soldaten sind Mörder«)
    • Worauf man in Europa stolz ist (1932)

außerdem: Eigenhändige Vita Kurt Tucholskys zu seinem schwedischen Einbürgerungsantrag 1934

 

Please rate this

Alina Bronsky: Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche (2010) 4/5 (7)

Die schärfsten Gerichte der tatarischen KücheDie Geschichte der leidenschaftlichsten und durchtriebensten Großmutter aller Zeiten Jenseits des Urals herrscht das heimliche Matriarchat und die schöne Tatarin Rosalinda fühlt sich viel zu jung, um Großmutter zu werden. Doch der Abtreibungsversuch an der Tochter Sulfia misslingt und Aminat wird geboren. Zum ersten Mal steht die despotische Rosalinda einem Geschöpf gegenüber, das sie mit Haut und Haaren liebt.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führt Rosalindas Überlebenswille die drei unzertrennlichen Frauen nach Deutschland. Da ist die Tatarin längst die leidenschaftlichste Großmutter aller Zeiten – und der Leser Zeuge haarsträubender Ereignisse und komischer Szenen.
Ein Roman über das Aufwachsen eines Mädchens, das zwischen glückloser Mutter und selbstverliebter Großmutter zerrieben wird, über ein Leben zwischen drei Kulturen, über drei Jahrzehnte voller Schicksalsschläge und überraschender Wendungen, über die vergessenen Geheimnisse der tatarischen Küche – mit einer Heldin, die auch als Putzfrau in Deutschland alle Fäden in der Hand hält.
»Alina Bronsky lässt das Mutter monster munter aus der Schule der Diktatoren plaudern – grausam und ulkig.« (Stern)
»Ihr rasanter Stil ist zwingend, die Geschichte unterhaltsam und fesselnd, die Sprache witzig und böse.« (NDR)
»Beißend komisch« (The New Yorker)

Please rate this

Markus Werner: Am Hang (2004) No ratings yet.

Am Hang

Am Hang zu leben, kann riskant sein. Wie leicht können Dinge ins Rutschen geraten. Diese Erfahrung muss der Scheidungsanwalt Clarin machen, dessen Arbeitswochenende in seinem Tessiner Ferienhaus einen etwas anderen Verlauf nimmt. Ein abendlicher Trunk, ein harmloses Gespräch, mehr hatte dem leutseligen Clarin nicht vorgeschwebt, als er sich dem Fremden auf der Terrasse des Bellavista-Hotels vorstellte. Doch sollte sich bald herausstellen, dass Loos nicht der Partner für den erwartet netten Plausch war. Clarin dämmerte – diesen innerlich Zerrissenen würde er so schnell nicht mehr loswerden!

Die Schlinge zieht sich zu. Zusehends redet sich der kultivierte, schwerblütige Loos in Rage, philosophiert hemmungslos und trunken über den erbarmungswürdigen Zustand einer lärmenden und oberflächlichen Welt, die ihm verhasst geworden ist. Vor einem Jahr war im Kurhotel in Cademario drüben am Hang seine über alles geliebte Frau von ihm gegangen. War es Selbstmord? Ein Restleben als Endlosschleife der Verzweiflung. Clarin beginnt, aufzuhorchen. Cademario war auch ihm kein fremder Ort. Schicksalsspuren überschneiden sich. Clarin beginnt zu frösteln.

Mehr und mehr zieht es Clarin in den persönlichen Albtraum eines Beschädigten. Rätsel über Rätsel über den Verlust einer Frau werden aufgetürmt. Die kammerspielhafte Enge des Schweizer Talkessels, die immer fiebriger werdenden Zwiegespräche auf der Hotelterrasse, ziehen auch den Leser allmählich in ihren Sog. Vergessen wir das bisweilen unsägliche Dauerlamento des mürrischen Loos, dessen küchenpsychologische Alltagsbetrachtungen sich über die Verrohung des Menschen bis hin zu Hasstiraden auf Handytöne erstrecken – Markus Werner gelingt es dennoch meisterlich, den unheimlichen Spannungsbogen seines Psychodramas aufrecht zu erhalten.

Am Ende des Vexierspiels um eine große verlorene Liebe wird auch die Welt des erotischen Leichtfußes Clarin schwer geworden sein. In bestürzender Weise muss er erfahren, wie alles mit allem zusammenhängt. Wie klein die Welt doch war. Eine Zufallsbekanntschaft brachte den Hang endgültig ins Rutschen! -Ravi Unger

 

Please rate this