SchlagwortLiterary-Nonfiction

Éric Vuillard: 14. Juli (2016 / 2019) 3.75/5 (4)

44788973. sy475 Der Sommer 1789 ist herrlich warm und so schön, dass man die Hungersnot im vorangegangenen bitterkalten Winter leicht vergessen kann, zumindest in den Palästen. Im Volk aber wächst die Unzufriedenheit über die Willkür und Dekadenz der herrschenden Klassen, bis die drückende Hitze schließlich kaum mehr auszuhalten ist.

Eines Nachts versammeln sich erste Gruppen in der Dunkelheit. Waffenarsenale werden gestürmt, Theaterrequisiten geplündert.

Aus falschen Speeren werden echte Schlagstöcke.

Die Kirchenglocken in Paris schlagen Alarm, doch zu spät: Am Morgen des 14. Juli hat sich die Menge bereits vor den Toren der Bastille versammelt – sie wird Europa für immer verändern.

Éric Vuillard schildert die Geburtsstunde der französischen Revolution als bildreiches Panorama voller Miniaturen, die uns daran erinnern, dass Freiheit auch Gleichheit aller Menschen vor der Geschichte bedeutet.

„Eine Liebeserklärung an die menschliche Vorstellungskraft in einem überwältigenden Text. Ein Buch mit emotionaler Kraft, das zugleich auch das Elend unserer Zivilisation spiegelt.“ – Le Monde des Livres

Nicola Denis (Translator)
Kindle Edition, 100 pages
Published March 29th 2019 by Matthes & Seitz Berlin Verlag (first published August 17th 2016)
Original Title 14 juillet
ISBN 978-3-95757-519-7

FAZ: Éric Vuillards Revolutionsbuch : Einfach alles zerschmettern? Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 Kampfgeschrei im Ohr, Gestank von Schweiß und Kot in der Nase: Éric Vuillard schildert in seinem Roman „14. Juli“ drastisch die Revolution – mit einer fragwürdigen Moral für die Gegenwart. Von Bastian Reinert – Aktualisiert am 02.06.2019-21:50

DLF: Die Namenlosen, die Schafott und Geschichtsbüchern entronnen sind. Eric Vuillard erzählt die (Vor-)Geschichte der Französischen Revolution aus Sicht der Namenlosen mit Sinn fürs Detail. Tempo- und wortreich lässt er so die stickige Juli-Hitze fühlen und die Unruhe, die Paris durchzog. Ein mitreißendes Buch. Von Sigrid Brinkmann Beitrag vom 30.03.2019

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Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt (2018) 3.29/5 (7)

46268836. sy475 Was haben das Verschwinden von Apfelsorten, das Auftreten von Politikern in Talkshows, religiöser Fundamentalismus und der Kunst- und Musikmarkt miteinander gemeinsam? Überall wird Vielfalt reduziert, Unerwartetes und Unangepasstes zurückgedrängt. An die Stelle des eigentümlichen Inhalts rückt vermeintliche Authentizität: Nicht mehr das „was“ zählt, sondern nur noch das „wie“. Thomas Bauer zeigt die Konsequenzen auf, sollten wir diesen fatalen Weg des Verlustes von Vielfalt weiter beschreiten.

Reclam Verlag, Ditzingen 2018
ISBN 9783150194928
Kartoniert, 104 Seiten, 6,00 EUR

Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2013

ZEIT: Das eine tun, das andere nicht lassen. Ein Lob der Widersprüche. Von Franz Schuh 7. März 2018 DIE ZEIT Nr. 11/2018

socialnet: Rezensent Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß

Gabi Reinmann: Im Hosentaschenformat 01. Oktober 2019

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Iris Radisch: Camus: Das Ideal der Einfachheit. Eine Biographie (2013) 4.13/5 (8)

https://i0.wp.com/www.literaturundkunst.net/wp-content/gallery/literatur/bild_lit_camus_1.jpg?w=788Unterm Strich – Camus, wie ihn kaum jemand kennt

Ein Mann, der zum Mörder wird, weil ihn die Sonne blendet – bis heute ist Der Fremde eine der berühmtesten literarischen Figuren der Welt.

Albert Camus, sein Schöpfer, ist der Philosoph des Absurden, in das der Mensch hineingestellt ist, der Denker der Revolte, die den Menschen ausmacht – und immer der Anwalt der Einfachheit, die dem Algerienfranzosen das Grundgegebene unter der Sonne und zugleich das am stärksten Gefährdete war.

«Aktueller denn je», lautet der Befund von Iris Radisch, einer der führenden deutschsprachigen Literaturkritikerinnen, die uns aus Anlass seines 100. Geburtstages auf eine faszinierende Reise mitnimmt: von Belcourt, dem ärmlichen Viertel Algiers, in dem Camus mit einer stummen Mutter aufwächst, in das graue Paris, das unter deutscher Besatzung die Moral der jungen Existenzialisten herausfordert.

Vom konkurrierenden Großbürger Sartre als «algerischer Gassenjunge» abgetan, ist Camus, der erklärte Antifaschist, Antikommunist und Europäer, selbst ein Fremder – und hellsichtiger als alle.

Emphatisch vermittelt uns Iris Radisch diesen von karger mittelmeerischer Landschaft geprägten Mann in allen seinen Lebenskämpfen, als Liebhaber der Frauen und eines Denkens, das sich engagiert.

Hardcover, 352 pages
Published September 20th 2013 by Rowohlt
Original Title Camus: Das Ideal der Einfachheit. Eine Biographie
ISBN13 9783498057893
Edition Language German

FAZ: Drei Camus-Biographien : Das Ende kam, als endlich alles hätte beginnen können Von Jochen Schimmang Aktualisiert am 01.11.2013

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Iris Radisch: Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben. Von Sartre bis Houellebecq (2017) 4/5 (9)

37927535. sy475 Jean-Paul Sartre hat einst eine ganze Generation in Europa politisch geprägt. Michel Houellebecq beschreibt inzwischen Frankreich als Land in der Krise. Die französische Literatur der Nachkriegszeit war stets Programm, mal existenzialistisch, mal politisch, immer verführerisch.

Iris Radisch begibt sich auf einen Streifzug durch die neuere französische Literatur und stellt die wichtigsten Autoren vor. die «Zeit»-Journalistin und Verfasserin eines Bestsellers über Camus lässt sich von ihren eigenen Treffen mit den Autoren leiten und liefert einen einfühlsamen Überblick über die Welt von Sartre und Duras bis zu Patrick Modiano, Yasmina Reza und Houellebecq.

Das Buch ist ein persönlicher Kanon der bedeutendsten Schriftsteller Frankreichs – und richtet sich an alle, für die das Land schon immer der kulturelle und literarische Sehnsuchtsort war. In einem Jahr, in dem in Frankreich gewählt wurde und das Land vor einer ungewissen Zukunft steht, ist das Buch gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Debatte über den intellektuellen Zustand unseres Nachbarlandes.

Hardcover, 240 pages
Published September 22nd 2017 by Rowohl Verlag
Original Title Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben
ISBN 3498058142 (ISBN13: 9783498058142)
Edition Language German

 

ZEIT: Die neue Aufrichtigkeit. Einst war Frankreich literarisch eine Weltmacht, doch zu Beginn des neuen Jahrhunderts legte es eine Sendepause ein. Das war der Houellebecq-Schock. Jetzt meldet sich das Land machtvoll zurück. Von Iris Radisch am 4. Oktober 2017

Autoren und Autorinnen – lesenswerte Werke

  • Jean-Paul Sarte: Die Wörter
  • Albert Camus: Der erste Mensch
  • Simone de Beauvoir: Der Lauf der Dinge
  • Antoine de Saint-Exupéry: Die Stadt der Wüste
  • Samuel Beckett: Erste Liebe
  • Michel Leiris: Mannesalter
  • Eugéne Ionesco: Auf den Gipfeln der Verzweiflung
  • E.M. Cioron: Lehre vom Zerfall
  • Nathalie Sarraute: Kindheit
  • Michel  Butor: Paris – Rom oder Die Modifikation
  • Claude Simon: Das Seil
  • Roland Barthes: Tagebuch der Trauer
  • Julien Green: Tagebücher
  • Georges Perec: Die Dinge
  • Patrick Modiano: Im Café der verlorenen Jugend
  • Assia Djebar: Nirgendwo im Hause meines Vaters
  • Jean-Marie Gustave Le Clézio: Wüste
  • Annie Ernaux: Die Jahre
  • Margerite Duras: Der Liebehaber
  • Marie N Diaye: Drei starke Frauen
  • Pierre Mechon: Leben der kleinen Toten
  • Yasmina Reza: Nirgendwo
  • Emmanuel Carrère: Das Reich Gottes
  • Michel Houellebecq: Unterwerfung

 

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Maxim Leo, Jochen Gutsch: Es ist nur eine Phase, Hase. Ein Trostbuch für Alterspubertierende (2018) 2.2/5 (5)

https://i1.wp.com/i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1519235406l/38714277._SX318_.jpg?w=788&ssl=1Pubertät ist schlimm. Klar. Aber nicht so schlimm wie: Alterspubertät! Alterspubertierende sind angegraute, bequeme, oft kurzsichtige Wesen, die die Ruhe lieben, das Wandern, das Wort »früher« und bestuhlte Pop-Konzerte. Männliche Alterspubertierende zwängen ihren runden Ü45-Körper in Neoprenanzüge und beginnen einen Kitesurf-Lehrgang. Andere laufen Marathon. Weibliche Alterspubertierende flüchten sich gern in die Spiritualität und »wollen sich neu entdecken«. Oder Marmelade einkochen. Klingt scheußlich? Ist es auch. Aber eben auch sehr, sehr lustig …

Ein kleiner Trost: Alterspubertierende sind die größte Bevölkerungsgruppe in Europa. Du bist nicht allein.

Hardcover, 144 pages
Published February 23rd 2018 by Ullstein Buchverlag
Original Title Es ist nur eine Phase, Hase
ISBN13 9783864930614
Edition Language German

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Max Goldt: Ä. Kolumnen (1997) 2/5 (6)

1911062Ä ist bereits der dritte Band mit Max Goldts sagenhaft orginellen Kolumnen aus dem Satiremagazin Titanic. Der 1958 geborene, in Berlin lebende Autor, ist allerspätestens durch Die Radiotrinkerin zur Kultfigur innerhalb der deutschsprachigen Literaturszene geworden, und liest man die Texte aus Ä, begreift man auch wieso. Goldt ist sprachlich ganz nah am Puls der Zeit, seine Texte entwickeln sich mehr als schräg.

So beginnt „Finanztantenhappen in Freiheit heißen Hering“ mit der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht, handelt jedoch bald vom Laienrichtertum und dem zu verhandelnden Fall einer 2CV-fahrenden, schwangeren und obendrein nervösen Lehrerin, die von einem Motorradfahrer „mit Ungentlemanlikem bekübelt wurde“, nachdem er ihr „eine reingehaut hatte“. Goldt verläßt daraufhin das Gericht und geht ins gegenüberliegende Lokal. Dort entdeckt er auf der Speisekarte eine „Gerichtsdiener-Terrine“, einen „Ratsherrentopf“ oder einen „Senatorenhappen“, der sich als Hering in Tunke aus der Dose herausstellt, wo doch jeder weiß, daß diese „Fischdosen hergestellt werden, damit betrunkene Heimkommende was Weiches und Würziges zum Reinschaufeln haben“. Woraus Goldt schließt, die Konservenhersteller würden die Bevölkerungsgruppe der Senatoren pauschal der Besoffenheit bezichtigen, wenngleich er einräumt, daß „sicher auch ein Senator mal seine Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, weil seine Existenz verschattet ist“. „Doch auch Finanztanten (um zum Ausgangspunkt, der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht zurückzufinden) haben ihren Anteil an Sorge, Schatten & Wein. Der Fisch könnte ebenso Finanztantenhappen heißen“.

Ä ist ein unbeschreibliches Buch, besonders empfehlenswert zum Beispiel für „Björk“-Konzertbesucher oder so. –Mike Markart

Paperback, 220 pages
Published 2004 by Rowohlt-Taschenbuch-Verlag (first published January 1st 1997)
Original Title Ä. Kolumnen.
ISBN 3499234327 (ISBN13: 9783499234323)
Edition Language German

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Emmanuel Carrère: Der Widersacher (L’Adversaire) (1999/2018) 3/5 (4)

41087665. sy475 Jean-Claude Romand scheint sein Leben im Griff zu haben. Nachbarn und Bekannte schätzen den erfolgreichen Arzt, seine Bescheidenheit und Intelligenz. Doch plötzlich ermordet er seine Frau und seine beiden kleinen Kinder, seine Eltern und deren Hund. Der Versuch, seine Geliebte und sich selbst zu töten, misslingt, möglicherweise gewollt. Die Ermittlungen der Polizei lassen innerhalb von wenigen Stunden die äußere Fassade einstürzen, dahinter gähnt Leere: Romands Leben ist seit 17 Jahren auf Lügen und Betrug gebaut. „Seine Forscherstelle bei der WHO, Geschäftsreisen, Konferenzen mit hochrangigen Kollegen – all das hatte es nie gegeben.“ Und niemand hatte je Verdacht geschöpft. Die Nachricht geht durch die Presse und veranlasst Carrère zu seinem ersten Tatsachenroman. Doch nicht die Fakten ziehen ihn in den Bann, sondern die dunklen Triebkräfte dahinter, „der Widersacher“. Er schreibt Romand, trifft ihn, wohnt seinem Prozess bei, befragt ehemalige Freunde, versucht zu verstehen. Mit einem schonungslosen Blick für die Abgründe unserer Psyche und die Rolle des Sprechens und Schweigens zeigt Emmanuel Carrère die Zerbrechlichkeit unserer sozialen Maske – in einer direkten, rohen Sprache, die seine eigene Fassungslosigkeit spürbar macht und von Claudia Hamm für die Neuausgabe kongenial ins Deutsche übertragen wurde.

Claudia Hamm (Translator)

Mit einem Gespräch zwischen Emmanuel Carrère und Claudia Hamm

Matthes & Seitz Berlin Verlag Edition, 200 pages
Published August 8th 2018 by Matthes & Seitz Berlin Verlag (first published 1999)
Original Title L’Adversaire
Edition Language German

fr.wikipedia – L’Adversaire

fr.wikipedia – Emmanuel Carrère

 

ZEIT: Lügner, Mörder, Satan. Der Schriftsteller Emmanuel Carrère interessiert sich für einen wahren Fall: Monsieur Romand, der seine gesamte Familie umbrachte. Eine Rezension von Jürgen Ritte 21. November 2018, 16:55 Uhr

SZ: Nicht jeder Hochstapler ist charmant. In seinem Roman „Der Widersacher“ aus dem Jahr 2000 erprobte Emmanuel Carrère die Kunst der Verwandlung des Faktischen. Jetzt gibt es den auf Deutsch vergriffenen Roman in einer eleganten Neuübersetzung. Von Hanna Engelmeier 18. Oktober 2018, 18:21 Uhr

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Lukas Bärfuss: Krieg und Liebe: Essays (2018) 3/5 (6)

Cover Krieg und LiebeDie Essays von Lukas Bärfuss sind ein Ereignis. Scharf beobachtet, scharf gedacht, scharf formuliert.

Ob er über große geschichtliche und politische Themen nachdenkt oder über ganz konkrete Fragen einfacher Leute – Lukas Bärfuss ist ein Autor und Denker von europäischem Format. Er schafft es, auch komplizierte Sachverhalte so zu erzählen, dass man seine scharfsinnigen Argumentationen nachvollziehen kann, dass man sich eingeladen fühlt, an seinen Gedankengängen teilzunehmen. Mit Überraschung, Staunen und immer mit Genuss und Gewinn. Sei es, wenn er über die Schweiz spricht oder über Erfahrungen in Afrika und Südamerika, ob er über Autoren von Goethe, Nietzsche und Tolstoi bis Nicolas Born nachdenkt oder über Ovid, Stendhal und Sakurai, immer erfährt man Erhellendes. Bärfuss schreibt über Religion und Glauben, über die Moral im Journalismus und über das Leben eines Vertreters für Geräteentkalker. Es zeigt sich, dass es keine kleinen oder großen Fragen gibt, stets ruft der Autor die großen Zusammenhänge und ethischen Dimensionen auf, macht sie sinnfällig sichtbar. Er hütet sich vor vorschnellen Antworten, und zuweilen ist die präzise Beschreibung eines Dilemmas gerade das Leistbare, das weiterbringt. Freude und Notwendigkeit können ganz nah beieinander liegen, oder auch himmelweit voneinander entfernt.

Hardcover, 286 pages
Published 2018 by Wallstein Verlag
ISBN13 9783835332416
Edition Language German

  • DF: Unbequeme Thesen eines politischen Kopfs. Lukas Bärfuss ist nicht nur Romanautor, sondern auch ein brillanter Essayist. Im seinem neuen Essayband sucht der Schweizer den Krieg in der Liebe und die Liebe im Krieg und erklärt, dass liberale Kräfte in Deutschland einer schwerwiegenden Illusion aufsitzen. Von Angela Gutzeit 18.04.2018
  • ZEIT: Krieg und Liebe in Kigali. Der Schweizer Lucas Bärfuss betreibt in seinem Roman »Hundert Tage« Politik- und Nestbeschmutzung Von Verena Auffermann 13. März 2008

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Agnès Poirier: An den Ufern der Seine: Die magischen Jahre von Paris 1940 – 1950 (2019) 2.17/5 (6)

https://i0.wp.com/i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1549565837i/43884680._SY475_.jpg?w=788&ssl=1Vor dem Hintergrund weltgeschichtlicher Verwerfungen erlebt Paris in den Jahren 1940 bis 1950 seine Wiedergeburt: Mit großer Erzählkunst lässt Agnès Poirier den Flair und das geistig-künstlerische Leben in einer der aufregendsten Metropolen der Welt lebendig werden. Ein unvergleichlich inspirierendes Porträt einer ganzen Epoche, deren Errungenschaften unser Dasein und Lebensgefühl bis heute revolutionieren.

Im besetzten und im befreiten Paris trafen sich während und nach dem Zweiten Weltkrieg die kreativsten Köpfe, die originellsten Stimmen und die leidenschaftlichsten Selbstdarsteller ihrer Generation. Sie brachen mit dem kapitalistischen System und errichteten eine antibürgerliche Gegenwelt. Bei Absinth, Pastis und Ersatzkaffee mit Sacharin fragten sie sich im Café de Flore: Wer bin ich? Wie können wir überleben? Wie wollen wir leben? Jetzt, heute, morgen, überhaupt. Mit unwiderstehlichem Charme und großer Sachkenntnis erzählt Agnès Poirier von den menschlichen Dramen, die die Entstehung großer Werke der Kunst und Literatur begleiteten: In dem magischen Jahrzehnt zwischen 1940 und 1950 wagten es de Beauvoir, Sartre, Giacometti, Picasso, Beckett, Koestler u.v.a., radikal anders zu denken, zu handeln, zu leben.

Was sie damals intellektuell und künstlerisch entfalteten, prägt noch heute unser Denken und unsere Lebensweise und beeinflusst uns bis in die Art, wie wir uns kleiden und uns geben. Agnès Poirier entführt uns mitten hinein in eine Stadt mit all ihren Leidenschaften, menschlichen Tragödien und künstlerischen Triumphen.

»Paris ist eine mythische Stadt, und fast keine Periode ist reicher an Mythen als das Jahrzehnt, das Agnès Poirier in ihrem ausgezeichneten Buch entfaltet.« Daily Telegraph

Monika Köpfer (Translator)
Hard Cover, 552 pages
Published February 28th 2019 by Klett-Cotta

Published February 13th 2018 by Henry Holt and Compnay
Original Title Left Bank: Art, Passion, and the Rebirth of Paris, 1940-50
ISBN 1627790241 (ISBN13: 9781627790246)
Edition Language English
URL
https://us.macmillan.com/leftbank/agnespoirier/9781627790246/

https://www.goodreads.com/book/show/36469700-left-bank

Agnès Poririer

NDR: Als Sartre in den Pariser Cafés saß. Vorgestellt von Bernd Noack 13.06.2019

DF: Paris-Klischees für Touristen Von Helmut Böttiger. Philosophie, Sex und Jazz – Agnès Poirier schreibt über das Paris der 1940er-Jahre und reiht dabei ein Klischee an das nächste. Die Protagonisten – von Camus bis Sartre – treten auf wie in einem Hollywoodfilm, findet Kritiker Helmut Böttiger. Beitrag vom 28.02.2019

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Bernhard Pörksen: Die große Gereiztheit: Wege aus der kollektiven Erregung 2.8/5 (5)

Die große Gereiztheit: Wege aus der kollektiven ErregungTerrorwarnungen, Gerüchte, die Fake-News-Panik, Skandale und Spektakel in Echtzeit – die vernetzte Welt existiert längst in einer Stimmung der Nervosität und Gereiztheit. Bernhard Pörksen analysiert die Erregungsmuster des digitalen Zeitalters und beschreibt das große Geschäft mit der Desinformation. Er führt vor, wie sich unsere Idee von Wahrheit, die Dynamik von Enthüllungen und der Charakter von Debatten verändern. Heute ist jeder zum Sender geworden, der Einfluss etablierter Medien schwindet. In dieser Situation gehört der kluge Umgang mit Informationen zur Allgemeinbildung und sollte in der Schule gelehrt werden. Medienmündigkeit ist zur Existenzfrage der Demokratie geworden.

Hardcover, 256 pages
Published February 19th 2018 by Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

DF: Stoppt die Empörungsdemokratie Von Arno Orzessek  Beitrag vom 19.02.2018

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Gerald Hüther: Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft (2018) 1.88/5 (8)

38951044Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben?

Würde ist ein großer Begriff. Gleich in Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Doch was genau ist Würde? Was bedeutet es, wenn uns unsere Würde genommen wird, weil wir etwa in der digitalen Welt nur noch als Datensatz zählen oder im Netz geschmäht werden? Wenn wir uns selbst würdelos verhalten oder andere entwürdigen? Der Hirnforscher Gerald Hüther zeigt in seinem neuen Buch, dass Würde nicht allein ein ethisch-philosophisch begründetes Menschenrecht ist, sondern ein neurobiologisch fundierter innerer Kompass, der uns in die Lage versetzt, uns in der Vielfalt der äußeren Anforderungen und Zwänge in der hochkomplexen Welt nicht zu verlieren. Umso wichtiger ist es, dass wir lernen, die Wahrnehmung der eigenen Würde zu stärken. Denn: Wer sich seiner Würde bewusst ist, ist nicht verführbar.

Uli Hauser (Contributor)

https://www.gerald-huether.de/
Hardcover, 192 pages
Published March 5th 2018 by Albrecht Knaus Verlag
ISBN13 9783813507836
Edition Language German

 

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Ingrid Mühlhauser: Unsinn Vorsorgemedizin: Wem sie nützt, wann sie schadet (2017) 2.13/5 (8)

46251214Mammographie, Darmkrebsvorsorge, Prostatatest, alljährlicher Gesundheits-Check – wir alle werden angehalten, uns rechtzeitig mit der Früherkennung und Vorsorge zu beschäftigen, oft belohnt durch Bonusprogramme unserer Krankenkassen. Aber helfen all diese Maßnahmen wirklich, Krankheiten vorzubeugen oder sie rechtzeitig zu erkennen?

Eines steht fest: Der Nachweis steht aus, dass die Menschen seltener an Herz-Kreislauf-, Krebs-, Diabetes- oder anderen Erkrankungen sterben als ohne diese Flut der angebotenen Vorsorgeuntersuchungen.

Heute wissen wir: Das Suchen nach Risiken und Krankheiten ist nicht zwangsläufig von Nutzen. Insbesondere das Massenscreening in der Krebsmedizin nutzt nur einem verschwindend kleinen Teil der Menschen. Viele werden unnötig zu Patienten gemacht. Es ist nicht zu übersehen, dass die Medizin und besonders auch die Vorsorgemedizin ein lukratives Wirtschaftssystem ist. Vorsorgemedizin, das zeigt die Autorin, ist unzuverlässig und recht willkürlich, und bis heute gibt es viele Irrtümer in diesem Zweig der Medizin.

Paperback, 224 pages
Published June 4th 2017 by Rowohlt
ISBN13 9783499632556
Edition Language German

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Stephen Hawking: Haben Schwarze Löcher keine Haare? (2016) 3/5 (8)

Haben Schwarze Löcher keine Haare?Das Geheimnis der Schwarzen Löcher

Sie sind eines der größten Rätsel im Universum: Schwarze Löcher, kollabierte Sterne, deren Anziehungskraft so groß ist, dass sie alles in sich hineinziehen, was in ihren Einflußbereich gelangt. Stephen Hawking hat sich ein Leben lang mit ihnen beschäftigt. Denn sie sind eine Existenzfrage. Wenn an ihnen sogar Raum und Zeit enden und niemand sagen kann, was aus all dem wird, das sie verschlucken – was ist dann noch sicher, welche unserer Naturgesetze gelten dann noch? Oder geben sie am Ende doch wieder etwas her?

In diesen kurzen Lektionen, im Rahmen der renommierten Reith-Lectures von BBC Radio 4 vorgetragen, zieht der berühmteste Physiker der Welt eine kurze Bilanz seiner Beschäftigung mit den Schwarzen Löchern, die Bilanz eines Lebenswerkes.

  • Hardcover, 56 pages
  • Published December 16th 2016 (first published May 5th 2016)
  • Original Title Black Holes: The BBC Reith Lectures
  • ISBN13 9783498091880
  • Edition Language German

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Stephen Hawking: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (2010) 3.14/5 (7)

9300791Warum existieren wir? – Neue Antworten auf die letzten fragen des Seins «Um das Universum auf fundamentalster Ebene zu verstehen, müssen wir nicht nur wissen, wie sich das Universum verhält, sondern auch, warum. Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes? Das ist die letztgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Wir werden versuchen, sie in diesem Buch zu beantworten.» Stephen Hawking

 

 

  • Hardcover, 192 pages
  • Published 2010 by Rowohlt
  • Original Title The Grand Design
  • ISBN 3498029916 (ISBN13: 9783498029913)
  • Edition Language German

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Harald Jähner: Wolfszeit: Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955 (2019) 4.35/5 (17)

https://i0.wp.com/assets.thalia.media/img/140770912-00-00.jpg?w=788&ssl=1Harald Jähners große Mentalitätsgeschichte der Nachkriegszeit zeigt die Deutschen in ihrer ganzen Vielfalt: etwa den „Umerzieher“ Alfred Döblin, der das Vertrauen seiner Landsleute zu gewinnen suchte, oder Beate Uhse, die mit ihrem „Versandgeschäft für Ehehygiene“ alle Vorstellungen von Sittlichkeit infrage stellte; aber auch die namenlosen Schwarzmarkthändler, in den Taschen die mythisch aufgeladenen Lucky Strikes, oder die stilsicheren Hausfrauen am nicht weniger symbolhaften Nierentisch der anbrechenden Fünfziger, Baustein einer freieren Welt, die man sich bald würde leisten können.

Das gesellschaftliche Panorama eines Jahrzehnts, das entscheidend war für die Deutschen und in vielem ganz anders, als wir oft glauben.

Hardcover, 464 pages
Published February 19th 2019 by Rowohlt
ISBN13 9783737100137

 

ZEIT: Auferstanden aus Ruinen .Harald Jähners „Wolfszeit“ erzählt vom Alltag der Deutschen zwischen 1945 und 1955. Eine Rezension von

SZ: Anarchie des Anfangs. „Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955„: Harald Jähner entwirft eine Mentalitätsgeschichte der Nachkriegsjahre. Von Frank Bösch Frank Bösch ist Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

DF „Wolfszeit“: In „Wolfszeit“ beschäftigt sich der ehemalige Feuilleton-Chef der Berliner Zeitung mit Deutschland und den Deutschen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Mitte der 1950er Jahre ? mit überraschenden Ergebnissen. Dafür erhielt Harald Jähner den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse. Von Melanie Longerich Beitrag vom 08.04.2019

DF: Das Lachen im Elend Der Germanist Harald Jähner zeichnet in „Wolfszeit“ ein Stimmungsbild der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Dabei zeigt er – mit Eloquenz und dramatischem Gespür – sowohl das Leid als auch die Lebensfreude derer, die den Krieg überlebt hatten. Von Holger Heimann Beitrag vom 02.03.2019

literaturkritik.de: Alltagsgeschichte(n) aus dem postnationalsozialistischen Ausnahmezustand. Harald Jähner erzählt von den Umbruch-Jahren nach 1945
Von Bernd Blaschke Erschienen am: 14.05.2020

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