SchlagwortMann und Frau

Terézia Mora: Das Ungeheuer (2013) 3/5 (1)

18339191»Solche Geschichten gibt’s, zu Hauf. Ingenieur gewesen, Job verloren, Frau verloren, auf der Straße gelandet«: Kein außergewöhnliches Schicksal vielleicht auf den ersten Blick, doch Terézia Moras Romanheld Darius Kopp droht daran zu zerbrechen.

Denn Flora, seine Frau, die Liebe seines Lebens, ist nicht einfach nur gestorben, sie hat sich das Leben genommen, und seitdem weiß Darius Kopp nicht mehr, wie er weiter existieren soll. Schließlich setzt er sich in seinen Wagen, reist erst nach Ungarn, wo Flora aufgewachsen ist, und dann einfach immer weiter. Unterwegs liest er in ihrem Tagebuch, das er nach ihrem Tod gefunden hat, und erfährt, wie ungeheuer gefährdet Floras Leben immer war – und dass er von alldem nicht das Geringste mitbekommen hatte.

Arbeit und Schlaf, Arbeit, Arbeitsweg und Schlaf. So sah das erfolgreiche Leben von Darius Kopp aus. Bis er eines Tages den Job verlor. Und bis sich bald darauf seine Frau das Leben nahm und ihm zum zweiten Mal in kürzester Zeit der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde. Seitdem lebt er apathisch dahin, tötet die Zeit mit stumpfem Fernsehen und Fertigpizzen. Sein Freund Juri versucht Darius zwar wieder zurück in sein altes Leben als IT-Experte zurückzubefördern, doch dieser beschließt, eigene Wege zu gehen. Er wollte doch das geheime Tagebuch seiner Frau lesen, und er muss auch noch ihre Urne beisetzen. Aber wo? In ihrem ungarischen Heimatdorf oder in Budapest oder an den Hängen des Ararat? Und so begibt sich Darius Kopp auf eine lange Reise – auf der Suche nach der Wahrheit über seine Frau. Über sich selbst. Und über diese dunkle und ungeheuere Welt.

Hardcover, 688 pages
Published September 2nd 2013 by Luchterhand Literaturverlag
ISBN 3630873650 (ISBN13: 9783630873657)
Edition Language German

Characters Darius Kopp

FAZ: Der einsamste Mann auf dem Kontinent. Erst ein komischer, dann ein tragischer Held. Kann das gutgehen? Terézia Mora setzt mit „Das Ungeheuer“ ihr großes Romanprojekt um den IT-Spezialisten Darius Kopp fort. Von Hubert Spiegel Aktualisiert am 06.09.2013-16:28

ZEIT: Aneinander vorbei. Furios, aber nicht vollkommen: Terézia Moras Roman „Das Ungeheuer“. Von Katharina Döbler 19. September 2013 DIE ZEIT Nr. 39/2013

Please rate this

Patricia Highsmith: Der Geschichtenerzähler (1971 / 2008) 4/5 (2)

https://i0.wp.com/pictures.abebooks.com/isbn/9783257201741-us-300.jpg?w=788&ssl=1Der Schriftsteller Sydney und seine Frau Alicia führen eine schwierige Ehe. Manchmal stellt sich Sydney vor, wie es wäre, Alicia umzubringen.

Dieser Gedanke regt seine Phantasie an, und Sydney beginnt eine Geschichte zu schreiben, in der er den Mord an Alicia minutiös schildert.

Als Alicia aber tatsächlich verschwindet, ist Sydney plötzlich in Teufels Küche …

Paperback, 371 pages
Published August 2008 by Diogenes (first published January 1st 1972)
Original Title A suspension of mercy
ISBN 3257201745 (ISBN13: 9783257201741)
Edition Language German

 

Sidney Bartleby

Sydney Bartleby, der männliche Protagonist, ist ein bis dato erfolgloser junger Schriftsteller, der mit seiner Frau in dem Dorf Ipswich in Suffolk wohnt. Man braucht eine Weile, um die starken unterschwelligen Aggressionen zu erkennen, die die beiden gegeneinander hegen, und ist trotzdem noch überrascht, als Sydney seine Frau plötzlich schlägt.

Alicia Bartleby, geb. Sneezum
Mrs. Lilybanks
Alex and Hittie Polk-Faradays
Edward Tilbury
Inez and Carpie
Inspector Brockway

 

FAZ: Was Menschen tun und sich antun. Patricia Highsmith gilt heute als eine der bedeutendsten amerikanischen Autorinnen des vergangenen Jahrhunderts. In der großen Werkausgabe bei Diogenes sind nun die weniger bekannten Romane „Der Geschichtenerzähler“, „Leute, die an die Tür klopfen“ und ihr letztes, postum erschienenes Buch „Small g“ Von Jochen Schimmang Aktualisiert am 23.12.2006-12:00

NDR: Kriminalhörspiel

Please rate this

Martha Nussbaum, Saul Levmore: Älter werden: Gespräche über die Liebe, das Leben und das Loslassen (2018) 2.5/5 (4)

43377299. sy475

We all age differently, but we can learn from shared experiences and insights. The conversations, or paired essays, in Aging Thoughtfully combine a philosopher’s approach with a lawyer-economist’s.

Here are ideas about when to retire, how to refashion social security to help the elderly poor, how to learn from King Lear — who did not retire successfully — and whether to enjoy or criticize anti-aging cosmetic procedures. Some of the concerns are practical: philanthropic decisions, relations with one’s children and grandchildren, the purchase of annuities, and how to provide for care in old age. Other topics are cultural, ranging from the treatment of aging women in a Strauss opera and various popular films, to a consideration of Donald Trump’s (and other men’s) marriages to much younger women.

These engaging, thoughtful, and often humorous exchanges show how stimulating discussions about our inevitable aging can be, and offer valuable insight into how we all might age more thoughtfully, and with zest and friendship.

Weiterlesen

Please rate this

Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende (2018) – Januar 2020 3.67/5 (6)

https://i1.wp.com/i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1514907376l/37797086._SY475_.jpg?w=788&ssl=1Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Inmitten des Ausnahmezustands. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst.

Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.

Hardcover, 304 pages
Published February 10th 2018 by Klett-Cotta (first published 1939)
Original Title The Man who Took Trains (later: Der Reisende, 2018)
ISBN13 9783608981230
Edition Language German

de.wikipedia – Ulrich A. Boschwitz

DLF: Die lange, schwierige Geburt eines literarischen Schmerzenskinds. Fast 80 Jahre nach Erstveröffentlichung erscheint „Der Reisende“ des deutsch-jüdischen Autors Boschwitz auf Deutsch, bearbeitet auf Grundlage eines alten Typoskripts. Der 1915 geborene Kaufmannssohn aus Berlin hatte den Roman 1939 unter dem Eindruck der Novemberpogrome veröffentlicht. Von Andrej Klahn Beitrag vom 15.07.2019

DLF: Alltag in der NS-Diktatur in beklemmenden Details. Von Helmut Böttiger. Die Schläger stehen schon vor der Tür, ein jüdischer Geschäftsmann muss fliehen. Mit „Der Reisende“ versetzt Ulrich Alexander Boschwitz die Leser mitten in den Alltag der Nazidiktatur. Der Roman erschien bereits im Jahr 1939 auf Englisch – und nun endlich auf Deutsch. Beitrag vom 07.03.2018

SWR2: „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz ist ein Roman über die Flucht eines jüdischen Kaufmanns nach den Novemberprogromen, der 80 Jahre nach seiner Niederschrift erstmals in Deutschland erschienen ist.| Klett-Cotta Verlag, 303 Seiten, 20 Euro.| Rezension von Ralph Gerstenberg. Audio herunterladen (6,9 MB | MP3)

literaturkritik.de: Vom lange andauernden Unglück. Der Roman „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz ist eine großartige Neu- oder Wiederentdeckung Von Martin Ingenfeld Erschienen am: 19.03.2018

ZEIT: Das System winziger Grenzüberschreitungen Großartige Wiederentdeckung: Ulrich Alexander Boschwitz’ Roman aus den dreißiger Jahren ist von mitreißender Aktualität. Eine Rezension von Ralf Bönt 13. Juni 2018 DIE ZEIT Nr. 25/2018

FAZ: Die Höllenfahrt des Otto Silbermann. Die verspätete Entdeckung der Emigrationsliteratur von einem Autor mit eisernem Willen: Ulrich Alexander Boschwitz publizierte „Der Reisende“ erstmals 1939. Jetzt ist der Roman endlich auf Deutsch zu lesen. Von Andreas Kilb Aktualisiert am 13.02.2018

Please rate this

Elisabeth Jacquet: Mon mari et moi : Petit exploration conjugale (2019) 3.67/5 (6)

35667727. sx318 Il y a un homme et une femme. Puis il y a une femme et un mari. « Un jour un homme est devenu mon mari » dit-elle. Mais au fait qu’est-ce qu’un mari ?

Avec humour, sérieux, tendresse ou gravité, Élisabeth Jacquet explore le concept de mari, éternel ou pas, le considère, l’interroge, s’en étonne, cherche des éclaircissements.

Essai sentimental sous forme de précis conjugal, Mon mari et moi conte ce qui se joue au cœur de notre intimité quand nous la partageons avec quelqu’un d’autre.

Après le mariage pour tous, voici un petit livre pour tous sur le mariage.

Hardcover, 144 pages
Published March 21st 2017 by Serge Safran
ISBN13 9791090175655
Edition Language French

Über Elisabeth Jacquet
Elisabeth Jacquet, geboren 1963, hat als Drehbuchautorin, Werbetexterin und Lektorin gearbeitet, bevor sie selbst begann, Romane zu schreiben. In ihren Texten beschäftigt sie sich u.a. mit verschiedenen Formen des Erzählens und fragt sich dabei stets, wie man die Menschen in unserer durchtechnologisierten Zeit zum Lesen bewegen kann. Sie lebt mit ihrem Mann in Paris.

Wären mein Mann und ich andere Menschen geworden, wären wir nicht immer noch verheiratet? Wie und wer wäre ich sonst geworden? Und er? Hätten unsere Körper und unsere Art zu denken andere Formen angenommen?

In kurzen Fragen und Überlegungen setzt sich Élisabteh Jacquet mit dem Zusammenleben von Paaren auseinander. Was macht es mit uns, wenn wir unser tägliches Leben mit einer anderen Person teilen? Wie verändert die Sichtweise des anderen unseren Blick auf die Welt? Und was genau macht eigentlich einen Ehemann aus? Ihre klugen und oft mit leisem Humor formulierten Betrachtungen lassen sich wunderbar als Anstoß zur Reflektion über die eigene Beziehung nutzen.

Hardcover, Piper
Published February 1st 2019
ISBN 3492058922
Edition Language German

 

 

Please rate this

Virginia Woolf: Ein Zimmer für sich allein (1929 / 1994) 4.17/5 (6)

https://i0.wp.com/bilder.buecher.de/produkte/34/34558/34558732z.jpg?w=788&ssl=1A Room of One’s Own is considered Virginia Woolf’s most powerful feminist essay, justifying the need for women to possess intellectual freedom and financial independence. Based on a lecture given at Girton College, Cambridge, the essay is one of the great feminist polemics, ranging in its themes from Jane Austen and Charlotte Bronte to the silent fate of Shakespeare’s gifted (imaginary) sister and the effects of poverty and sexual constraint on female creativity.

Virginia Woolf (1882-1941) is regarded as a major twentieth-century author and essayist, a key figure in literary history as a feminist and a modernist, and the centre of ‚The Bloomsbury Group‘.

Paperback, 140 pages
Published October 1994 by Fischer-Taschenbuch-Verlag (first published 1929)
Original Title A Room of One’s Own
ISBN 3596221161 (ISBN13: 9783596221165)
Edition Language German

Aus dem Englischen von Maria Bosse-Sporleder. Herausgegeben von Klaus Reichert.

In Virginia Woolfs künstlerischem Schaffen waren die Jahre 1925 bis 1930 eine besonders produktive Zeit. „Mrs Dalloway“, von ihr selbst einmal als der gelungenste ihrer Romane bezeichnet, und der erste Band der Essaysammlung „Der gewöhnliche Leser“ kamen 1925 heraus, von der Presse viel beachtet und gelobt.

Im folgenden Jahr nahm der Roman „Zum Leuchtturm“ Gestalt an; er erschien 1927. Auch der erste Entwurf zu „Die Wellen“ fällt in diese Zeit. Sie könne „gar nicht schnell genug kritzeln, um alles an die Oberfläche zu bringen“, notierte Virginia Woolf im Tagebuch. Tatsächlich schrieb sie „Orlando“, ihre Huldigung an Vita Sackville-West, innerhalb eines halben Jahres, von Oktober 1927 bis März 1928.

Im Februar 1930 schließlich erschien ihr berühmter großer Essay „Ein Zimmer für sich allein“.

  • de.wikipedia
  • Volltext engl.
  • FAZ: Ich esse meine Backpflaumen nicht! Drei Rezensionen über ein neu erschienenes Buch müsse man mindestens gelesen haben, bevor man sich ein Urteil bilden kann, erklärt Virginia Woolf kategorisch, weil alle Rezensenten „im Sold eines Redakteurs stehen, der im Sold eines Gremiums steht, das eine politische Richtung zu verfolgen hat“. Daher … Aktualisiert am 02.05.2002
  • ZEIT:  Tagebuch: Was war und ob das Leben ist. Virginia Woolf, Tagebuch Nr. 4 oder: Seelenbalance Von Susanne Mayer am 5. Juni 2003

Please rate this

Leïla Slimani: Dans le jardin de l’ogre (All das zu verlieren) (2019) 4.63/5 (19)

45730090»Die neue Stimme der französischen Literatur.« ZEITmagazin

Kann man sich zu seinem Glück zwingen? Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani erzählt von der Zerrissenheit einer Frau und schafft eine »moderne Madame Bovary« (Libération).

Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.

Amelie Thoma (Translator)
Hardcover, 224 pages
Published May 13th 2019 by Luchterhand Literaturverlag (first published August 28th 2014)
Original Title Dans le jardin de l’ogre
ISBN 9783630875538
Edition Language German

Personen

Adèle Robinson

Adèle ist eine Frau, die alles hat, einen interessanten Beruf, ein Kind, einen Mann, eine schöne Wohnung im 18. Arrondissement. Den Job mag sie nicht, das Kind ist ihr zu viel, der Mann zu spießig und die Wohnung egal. Der Weg dorthin erschien logisch, angekommen ist sie nirgendwo, aber weg will sie auch nicht.

ist 37 Jahre alt, erfolgreiche, aber lustlose Journalistin, verheiratet mit einem Arzt, Mutter eines vierjährigen Sohnes. Die Familie lebt in einer großzügigen Wohnung in Paris im beliebten 18. Arrondissement.

Sie ist eine Süchtige, eine Frau, die fast alles aufgibt für ihre Sucht. Adèle ist Nymphomanin, weder Mann noch Kind hindern sie an der wahnhaften Jagd nach dem nächsten Höhepunkt, an einem ausgeklügelten Doppelleben. "All das zu verlieren" ist ein Buch über Sex, Perversion und das Gefühl, verloren zu sein.

Die Kollegen verachtet sie, ihren Mann hat sie nie geliebt, der Sohn macht sie nur ungeduldig. Alles um sie herum erscheint ihr banal, langweilig, ohne Sinn. Das einzige, was Adèle wirklich zu mögen und zu brauchen scheint, ist unverbindlicher Sex: Wann immer sie kann, flüchtet sie aus ihrem Leben, flüchtet in die Ekstase, den Rausch, greift nach einem Leben, das nur aus Höhepunkten besteht statt aus dem gemächlich vor sich hinplätschernden Auf und Ab der Normalität.

Richard Robinson

Ihr Mann ahnt nichts von ihren Abenteuern, nichts von dem weißen Telefon mit den Nummern nur der brutalsten Liebhaber. Doch die ganze Situation eskaliert, als ihr Mann wegen eines Verkehrsunfalls eine gute Woche im Krankenhaus liegt und die Großeltern in der Zeit den kleinen Sohn zu sich nehmen.

Wenig später kriegt ihr Ehemann alles raus und reagiert auf seine Weise radikal: Er verlässt sie nicht, aber er kündigt seinen Job in Paris, übernimmt einen auf dem Land, kauft ein Haus ohne Nachbarn in der Provinz, zwingt Adèle ihren Beruf aufzugeben und mit der Familie dorthin zu ziehen, wo er sie unter Kontrolle hat. Adèle fügt sich. Aber für wie lange?

Luciien Robinson

Kind von Adèle und Richard

Das Kind bleibt Randfigur.

Fazit aus literaturkirik.de

Die Gründe für Adèles Verhalten werden nur angedeutet, flackern hin und wieder auf, ohne ausformuliert zu werden. Da ist ihr starker Wunsch nach Beachtung, ihr latenter Selbsthass, ihre Angst vor dem Alter und jeder Art von Beengtheit. Vor allem aber scheint sie abgrundtief einsam zu sein, einsam als Frau, einsam als Mutter, einsam als Mensch. In dieser Zurückgeworfenheit auf sich selbst und ihrer gleichzeitigen Revolte gegen eine als absurd und sinnlos empfundene Welt, die sie durch permanente Ekstase erträglicher gestalten will, lassen sich existenzialistische Züge erkennen.

Damit erinnert sie übrigens an das Kindermädchen in „Dann schlaf auch du“, das seiner trostlosen Existenz schließlich ein Ende setzen will und sich, nach Ermordung seiner Schützlinge, selbst die Pulsadern aufschneidet. Camus hätte diesen Ausweg abgelehnt; schließlich beweist der Mensch ihm zufolge erst durch seine Akzeptanz einer sinnlosen Existenz seine Freiheit. Dafür scheinen Slimanis Protagonisten jedoch zu schwach, wiegt die empfundene Einsamkeit und Leere zu schwer. Es bleibt nur die ständige Revolte, die Sucht nach dem besonderen, dem ekstatischen Moment, die Slimani in einem so gelungenen, nüchternen Stil beschreibt, dass sie fast erträglich erscheint.

 

 

Libération: Interview Leïla Slimani : «Il est réducteur de lier la question de la misère sexuelle seulement à l’islam» Par Cécile Daumas , Anastasia Vécrin et Dounia Hadni — 1 septembre 2017 à 17:06

ZEITmagazin: Leïla Slimani: Gegen die Angst. Die Schriftstellerin Leïla Slimani wuchs in Marokko auf. Schon als Jugendliche ärgerte sie sich darüber, weniger Rechte zu haben als Männer. Inzwischen lebt sie in Frankreich, berät Präsident Macron und gilt als die neue Stimme der französischen Literatur. Für ihr aktuelles Buch hat sie mit arabischen Frauen über Sex gesprochen. Von Khuê Ph?m. ZEITmagazin Nr. 35/2018 22. August 2018

ZEIT: Sex, so brutal wie möglich. Die aus Marokko stammende Pariser Romanautorin Leïla Slimani erzählt von einer Frau, die nach Männern süchtig ist. Von 28. Mai 2019

NDR:  Eine Frau mit Doppelleben All das zu verlieren von Leïla Slimani, aus dem Französischen von Amelie Thoma Vorgestellt von Bianca Schwarz 14.05.2019

SPON:  LIebe, Triebe, Tradition. Leïla Slimanis Ehebruch-Roman „All das zu verlieren“ sorgte für Zündstoff in der islamischen Welt. Nun ist das Debüt auch in deutscher Übersetzung erschienen – die Zerrissenheit der Heldin lässt einen kalt. Von vom 15.05. 2019

literaturkritik.de: Die Einsamkeit der Ekstase. Leïla Slimani erzählt in ihrem Debütroman „All das zu verlieren“ von einer sexsüchtigen Frau, die gegen eine sinnlose Welt aufbegehrt Von Charlotte Neuhauss  Erschienen am: 01.07.2019

SWR2:   Kann man sich zu seinem Glück zwingen? Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani erzählt von der Zerrissenheit einer Frau zwischen bürgerlichem Alltag und der Flucht in maßlosen Sex. Rezension von Wolfgang Schneider. 12.5. | 17.05 Uhr | SWR2 – PDFAudio-Datei

 

 

Please rate this

Roger Willemsen: Kleine Lichter (2005) 2.63/5 (8)

Kleine LichterKleine Lichter, das sind kleine, nicht sehr geniale Menschen. Kleine Lichter, das sind aber auch die Silberstreifen am Horizont. Die Liebe zum Beispiel ist so ein kleines Licht, das, längst verloschen geglaubt, doch ins Leben zurückrufen kann. So geht es Valerie und Rashid, letzterer im Komazustand und momentan nicht mehr ansprechbar. Rashid liegt in einem Krankenhaus in Wien, und Valerie, seine Gefährtin, verwandelt im Angesicht des Todes die Sprache ihrer Liebe in reine Sprache: auf Tonkassetten hält sie fest, wie alles begann mit ihrer Zuneigung, wie alles abzustumpfen drohte — und wie nun alles von vorne beginnt. ?Hier endet meine Reise zu den Männern?, sagt Valerie. Aber zu dem einen, zu Rashid, hat sie gerade erst (erneut) begonnen.

Bekannt wurde Roger Willemsen als einfühlender Interviewpartner im Fernsehen. Wie umwerfend er sich in fremde Personen hineinversetzen kann, konnten Leser unter anderem in seinem Bestseller Gute Tage mit Porträts bekannter Persönlichkeiten bestaunen. Mit Kleine Lichter hat Willemsen sein quasi stenographisches Romandebüt vorgelegt — und gezeigt, dass er sich auch im Reich der Fiktion auf sprachliche Intuition und sein Einfühlungsvermögen verlassen kann. Kleine Lichter ist ein feines, kleines, leises Buch, dem man die Herkunft aus der Feder des geschulten Germanisten Willemsen bis auf einige Gewolltheiten im Aufbau kaum anmerkt. Da kann man nur hoffen, dass dem erstaunlichen Prosaerstling noch eine ganze Menge nachfolgt.

„Ich verdanke dir viel“, heißt es im Roman. „Du hast mich reicher gemacht, nicht nur durch dein Schweigen.“ Mit Kleine Lichter ist das Willemsen dank seiner Sprache ähnliches gelungen. — Stefan Kellerer

Hardcover, 205 pages
Published 2005 by S. Fischer
Original Title Kleine Lichter
ISBN 310092102X (ISBN13: 9783100921024)

Please rate this

Georges Simenon: Maigret macht Ferien (2008). Orig. Les vacances de Maigret (1947) 3.5/5 (10)

https://i2.wp.com/www.maigret.de/images/cover/699/mmf_090410__large.jpg?w=788&ssl=1

Diesmal fahren Maigret und seine Frau wirklich in die Ferien. Doch kaum in Les Sables-d’Olonne angekommen, erkrankt Madame Maigret an einer akuten Blinddarmentzündung. Nach einem Krankenhausbesuch bei seiner Frau findet der Kommissar in seiner Jackentasche einen Zettel: Er solle aus Barmherzigkeit die Patientin in Zimmer 15 besuchen, eine hübsche, junge Frau, die bei einem Autounfall einen Schädelbruch erlitten hat. Am nächsten Tag stirbt sie an den Folgen ihrer Verletzungen. Doch Maigret wird bald klar, dass hinter diesem Unfall mehr steckt

  • Hardcover, 223 pages
  • Published 2008 by Diogenes (first published 1947)
  • original title Les vacances de Maigret
    ISBN 3257238282 (ISBN13: 9783257238280)
    edition language German

Les personnages

Personnages principaux

Philippe Bellamy, médecin, marié, pas d’enfants, entre quarante-cinq et cinquante ans.

Autres personnages principaux

  • Odette Bellamy, épouse de Philippe, 25 ans
  • Hélène Godreau, sœur d’Odette, 19 ans
  • Emile Duffieux, amant d’Odette, journaliste, 19 ans, la victime
  • Lucile Duffieux, sœur d’Emile, 14 ans, seconde victime.

fr.wikipedia.org/

Please rate this

Wilhelm Genazino: Außer uns spricht niemand über uns (2016) 3/5 (9)

Außer uns spricht niemand über unsMan versteht natürlich, dass Carola ihren Partner zuweilen nicht mehr erträgt. Er hat sich als gescheiterter Schauspieler und Radiosprecher in einer bequemen Mittelmäßigkeit eingerichtet. Nur in Notfällen kann er von seiner Freundin zu stärkeren Emotionen bewegt werden.

Der Fall tritt ein, als Carola ihren Helden verlässt. Sie wird durch diese Notbremsung allerdings nicht glücklicher. Im Gegenteil. Wie der Zufall es will, erklärt sich die Mutter der entweichenden Freundin bereit, dem Verlassenen auszuhelfen.

Kann sie ihn retten? Und will der überhaupt gerettet werden? Ob und wie, das steht in diesem so witzigen wie bösartigen Roman.

  • Hardcover, 160 pages
  • Published July 25th 2016 by Hanser
  • ISBN 3446252738 (ISBN13: 9783446252738)
  • Edition Language German
  • URL Hanser Verlag

FAZ: Wenn du einen Rollstuhl brauchst, ruf mich an! Von Tilman Spreckelsen-Aktualisiert am 06.11.2016

SPON: Wunderbarer Flaneur-Roman Genazino macht glücklich Unser Dasein als ewig Wartende: Keiner schreibt über diesen Zustand so berauschend nüchtern wie der Frankfurter Wilhelm Genazino. Auch seinen neuesten Roman zu lesen ist wie durchs Leben zu flanieren. Von Anne Haeming Montag, 01.08.2016

literaturkritikf: Die Dämonie der Zweisamkeit Wenn außer uns niemand über uns spricht, wir aber auch nicht über uns sprechen, was bleibt dann von uns? Von Isabel Kriegel

Please rate this

Annie Ernaux: La Place (dt. Der Platz) 1983 4.38/5 (8)

La PlaceIl n’est jamais entré dans un musée, il ne lisait que Paris-Normandie et se servait de son Opinel pour manger. Ouvrier devenu petit commerçant, il espérait que sa fille, grâce aux études, serait mieux que lui.

Cette fille, Annie Ernaux, refuse l’oubli des origines. Elle retrace la vie et la mort de celui qui avait conquis sa petite „place au soleil“. Et dévoile aussi la distance, douloureuse, survenue entre elle, étudiante, et ce père aimé qui lui disait : „Les livres, la musique, c’est bon pour toi. Moi, je n’en ai pas besoin pour vivre.“
Ce récit dépouillé possède une dimension universelle.

 

  • ZEIT von Iris Radisch 05.12.2018 Gelbwesten: Im Auge des Zyklons. Ein Gespräch mit Annie Ernaux über den Aufstand der Gelbwesten und den tiefen Graben zwischen französischer Provinz und Großstadt. Für die renommierte Schriftstellerin steht fest: Paris erlebt gerade eine Revolution des Volkes
  • ZEIT von Iris Radisch 10.10.2018 Annie Ernaux: „Ich fühle mich schuldig“. Annie Ernaux ist in Frankreich eine literarische Legende, hierzulande werden ihre Romane über ihre Herkunft aus dem Arbeitermilieu gerade erst entdeckt. Ein Besuch bei einer eigenwilligen alten Dame in Cergy
  • literaturkritik – 10.04.2019 – Die Details entschlüsseln. In ihrem Vaterporträt „Der Platz“ gelingt Annie Ernaux eine berührende Milieustudie Von Beat Mazenauer 

Please rate this

Bernhard Schlink: Die Frau auf der Treppe (2014) 2.62/5 (13)

Die Frau auf der Treppe Das berühmte Bild einer Frau, lange verschollen, taucht plötzlich wieder auf. Überraschend für die Kunstwelt, aber auch für die drei Männer, die diese Frau einst liebten – und sich von ihr betrogen fühlen. In einer Bucht an der australischen Küste kommt es zu einem Wiedersehen: Die Männer wollen wiederhaben, was ihnen vermeintlich zusteht. Nur einer ergreift die Chance, der Frau neu zu begegnen, auch wenn ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt.

  • Hardcover, German Edition, 256 pages
  • Published August 27th 2014 by Diogenes
  • ISBN 325706909X  (ISBN13: 9783257069099)

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Akt,_eine_Treppe_herabsteigend_Nr._2

Marcel Duchamp – Akt Treppe heruntersteigend (1912) Mehr Infos: http://www.kunst-meditation.it/a-bis-h/duchamp-/

Gerhard Richter: Ema

Gerhard Richter: Ema (Akt auf einer Treppe) 1966 200 cm x 130 cm Werkverzeichnis: 134 Öl auf Leinwand

Please rate this

Siegfried Lenz: Der Verlust. Roman (1981) 2.8/5 (15)

Der VerlustDas Werk erschien im Jahr 1981 und handelt vom Sprachverlust des Protagonisten Ulrich Martens.

Ulrich Martens arbeitet als Fremdenführer auf Stadtrundfahrten. Während einer Stadtrundfahrt fühlt er sich unwohl und bricht die Rundfahrt ab.

Am Schicksal des Fremdenführers Ulrich Martens, der in seinem Stadtrundfahrt-Bus die ganze Welt zu Gast hat, stellt Siegfried Lenz die Folgen eines Verlustes dar, der jeden von uns eines Tages treffen könnte: der Verlust der Sprache. Es geht ihm darum, aufzuzeigen, welch entscheidende Wirkung eine plötzliche, wehrlose Stummheit haben kann: Das vertraute, auf das Reden gegründete Verhältnis zur Welt zerbricht, die Beziehung selbst zu den nächsten Freunden wird auf eine unerwartete Probe gestellt.

Der Autor erkundet einen Zustand der Sprachlosigkeit. Und dabei zeigt sich, daß mit dem Verlust der Sprache auch die Welt – die mit Wörtern erfaßbare Umwelt -verlorengeht. Die Beschreibung der mannigfachen Probleme, die sich bei der Wiedereroberung von Wörtern und Begriffen, von Erinnerungen und Zusammenhängen einstellen, demonstriert zugleich den Versuch einer neuen Selbstbegründung.

„Der Verlust“ ist ein Roman, den man nicht gelassen, nicht aus sicherer Distanz lesen kann. Es ist vielmehr ein Buch, das in der Eindringlichkeit seiner Diktion den Leser unmittelbar betrifft und betroffen macht – ein Buch, das ihn angeht und zur Stellungnahme aufruft. Die Betroffenheit, die es in ihm auslöst, hat zugleich die Funktion eines Spiegels: Bei dem Versuch, sich mit den handelnden Personen zu identifizieren, ihrem Verhalten mit Billigung oder Ablehnung zu folgen, erkennt der Leser sich selbst.

„Es ist müßig“, so urteilt die Westfälische Rundschau, „sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob Lenz Erfahrungen oder reine Fiktion niederschreibt, allein wichtig ist das Ergebnis. Und dies spricht für sich. Vielleicht wird dieses Buch kein spektakulärer Erfolg wie einige der Vorgänger, aber es gehört mit Sicherheit zu den bedeutendsten Werken von Lenz und, weit darüber hinaus, zu den bedeutendsten, die in vielen, vielen Jahren erschienen sind.“

  • Hardcover, 223 pages
  • Published 1981 by Hoffmann und Campe
  • ISBN 3455042449 (ISBN13: 9783455042443)
  • Edition Language German
  • de.wikipedia.org
  • Der Spiegel

Please rate this

Marie NDiaye: Drei starke Frauen (2009 / 2011) 4.48/5 (25)

Drei starke Frauen

Die vierzigjährige Norah gibt dem Drängen ihres Vaters nach und besucht ihn in Dakar: Die Juristin soll ihren Bruder aus dem Gefängnis holen. Das schwierige Treffen mit dem Vater führt die Frau an den Rand des Wahnsinns.

Fanta hat im Unterschied zu Norah Dakar verlassen, um ihrem Ehemann Rudy in die französische Provinz zu folgen. Sie gibt sich dort vor Langeweile auf, so meint Rudy, durch dessen Perspektive wir von Fanta erfahren – doch ihm entgeht Entscheidendes.

Von Afrika aus betrachtet erscheint ihre Existenz geradezu luxuriös und begehrenswert, weshalb Khady, die junge Afrikanerin, illegal nach Frankreich einzuwandern sich bemüht – doch sie endet, tot, an Grenzen.

Drei Lebensläufe, drei starke Frauen, die ihre Würde verteidigen, indem sie sich im entscheidenden Moment weigern, so zu handeln, wie es die Umgebung verlangt: drei Frauen, die selbst in extremster Situation ihre Würde verteidigen.

  • Paperback, 342 pages
  • Published July 25th 2011 by Suhrkamp (first published 2009)
  • Original Title Trois Femmes puissantes
  • ISBN 351846258X (ISBN13: 9783518462584)
  • Edition Language German
  • Marie NDiaye
  • Interview mit der Schriftstellerin (ZEIT – Iris Radisch 18.11.2015)
Literary Awards:
Rezension

Please rate this

Ulrich Enzensberger: Die Jahre der Kommune I: Berlin 1967- 1969 (2004) 3.45/5 (11)

Die Jahre der Kommune I: Berlin 1967 - 1969Neben Fritz Teufel, Dieter Kunzelmann, Rainer Langhans und anderen war Ulrich Enzensberger einer jener „Kommunarden“, die in der Zeit, als die USA Vietnam erledigen wollten, mit dadaistisch-politischen Aktionen Westberlin verrückt machten. Die KI provozierte die von den Alliierten kontrollierte Front- und Mauerstadt und ihre Bewohner, die nicht wahrhaben wollten, dass die Deutschen den Zweiten Weltkrieg angefangen und verloren hatten.

Es kam zur Revolte der Außerparlamentarischen Opposition, die davon träumte, die Westsektoren der alten Reichshauptstadt in eine Freie Räterepublik, in eine Drehscheibe der Weltrevolution zu verwandeln. – Oder war da etwa noch mehr?

Hardcover, 415 pages

Published September 28th 2004 by Kiepenheuer & Witsch (first published 2004)

ISBN 3462034138 (ISBN13: 9783462034134)
Edition Language German

Please rate this