Schlagwort: Nacht

Zerrissene Umarmungen (2009) von Pedro Almodóvar 4/5 (1)

Zerrissene Umarmungen: Ost, Various: Amazon.de: Musik

 

 

 

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Zerrissene_Umarmungen

Die Nachricht vom Tod des Millionärs und Filmproduzenten Ernesto Martel lässt bei dem blinden Drehbuchautor und früheren Filmregisseur Harry Caine die Erinnerung an die Vergangenheit wieder aufleben. Als auch noch der junge Dokumentarfilmer Ray X – der sich als Ernesto Martels Sohn herausstellt – auftaucht und obskure Andeutungen macht, und als Harrys Ziehsohn Diego nach einem versehentlich eingenommenen Drogencocktail im Krankenhaus landet, beschließt Harry Caine, sich den dunklen Geheimnissen seiner Vergangenheit zu stellen und sie seinen Vertrauten zu erzählen.

Es ist die Geschichte der jungen Lena Rivero, die in einer langen Rückblende erzählt wird. Um Geld für die Behandlung ihres krebskranken Vaters heranzuschaffen, unternimmt sie zunächst einen erfolglosen Versuch, sich als Callgirl zu verdingen. Sie wird dann aber auf Drängen ihres Chefs, des Milliardärs Martel, dessen Geliebte, der dafür die Behandlungskosten übernimmt. Später kann sie Martel davon überzeugen, ihr ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen und ihr eine Karriere als Schauspielerin zu ermöglichen. Lena wird für die Hauptrolle des Films Chicas y maletas besetzt, bei dem Harry Caine – noch unter seinem richtigen Namen Mateo Blanco – Regie führt. Der chronisch eifersüchtige Ernesto Martel lässt Lena dabei während der Dreharbeiten von seinem gehemmten schwulen Sohn mit einer Videokamera überwachen – nicht zu Unrecht, denn Lena und Mateo beginnen alsbald eine leidenschaftliche Affäre.

Zwischen Lena und Martel kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Lena schwer verletzt wird. Nach ihrer Genesung trennt sie sich von Martel und flieht mit Mateo nach Lanzarote. Der Versuch der beiden Liebenden, ein neues Leben zu beginnen, endet jäh in einem Autounfall, bei dem Lena stirbt und Mateo sein Augenlicht verliert.

Nachdem Harry Caine seine Erzählung beendet hat gelingt es ihm, mit Hilfe der Videos von Ernesto Martel junior die Wahrheit über den Unfall herauszubekommen. Um mit der Vergangenheit abzuschließen, nimmt er seinen richtigen Namen wieder an und beginnt, den nie fertiggestellten Film Chicas y maletas nachträglich in eine aufführbare Schnittfassung zu bringen und Lena auf diese Weise ein Denkmal zu setzen.

http://www.zerrisseneumarmungen.de/

http://www.feedly.com/home#track/zerrissene%20umarmungen

http://www.zeit.de/2009/33/Interview-Almodovar

Roberto Rossellinis Reise in Italien im Fernsehen. Sie sieht Ingrid Bergman, die auf ein Liebespaar blickt, das während einer Umarmung bei einem Vulkanausbruch verbrannt und durch die Asche versteinert wurde.

  • Almodóvar’s Lanzarote (guardian.co.uk)

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Ingo Schulze: Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier (2007) 3/5 (2)

Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier

Mit untrüglichem Gespür für tragikomische Situationen umkreist Ingo Schulze das Wesen der Liebe, das Ringen um Würde im Abschiednehmen und das Geschenk glückhafter Epiphanien mitten im Alltag.

Silvester 1999, die Millenium-Nacht in Berlin. Frank Reichert begegnet auf der Silvesterfeier an der Schwelle zum neuen Jahrtausend Julia, seiner verlorenen großen Liebe. Seit der Trennung im Herbst 1989 wandelt er wie ein Fremder durchs Leben, fast unbeteiligt erlebt er den Erfolg seines florierenden Geschäfts. Nichts mehr kann ihn im Tiefsten berühren, über allem liegt Julias Schatten und die Möglichkeit eines anderen Lebens. So wird das Ende der Nacht zu einem Neubeginn, mit dem keiner gerechnet hat.

Zwischen Abschied und Aufbruch bewegen sich fast alle Figuren in Ingo Schulzes neuen Erzählungen. Oft reicht schon ein irritierender Blick, um das scheinbar harmonische Gefüge einer frischen Liebe, einer nachbarschaftlichen Bekanntschaft oder eines unbeschwerten Urlaubs aus den Angeln zu heben. Ob im Friseurladen in Manhattan, in einer Datscha im Berliner Umland – stets umgibt eine Atmosphäre diffuser Bedrohung die selbstgeschaffenen Fluchtorte. In diesen Heterotopien der Seligkeit behaupten sich Schulzes Protagonisten gegen eine ständig sich beschleunigende Welt, die mit ihren Fallstricken bis in die eigenen vier Wände reicht.

Renzension in Die ZEIT: Der Magier des Banalen, buecher.de

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Cees Noteboom: Paradies verloren (2004) No ratings yet.

Paradies verloren

  • Gebundene Ausgabe: 156 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 4., Aufl. (1. März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518417266

„Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will“, schrieb Cees Nooteboom in seinem wundervollen Roman Rituale. Das muss auch Erik Zondag aus Paradies verloren feststellen, weil ihm die ebenso kurze wie seltsame Begegnung mit Alma, der jungen, deutschstämmigen Brasilianerin, nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Als er sie zum ersten Mal sieht, kauert sie auf dem Boden eines Schrankes, mit großen Flügeln auf dem Rücken — als Statistin bei einem Engel-Kunstprojekt im australischen Perth. Nach einer Nacht am Strand entschwindet sie engelsgleich bereits wieder aus seinem Leben.

Paradies verloren ist ein kurzer Roman über flüchtige Begegnungen, rätselhafte Liebesverhältnisse und die Macht der Sehnsucht. Zum Beispiel nach der Ferne, wie bei Alma. Oder nach einer Begegnung, die die eigene, schal gewordene Existenz umzustülpen verspricht, wie beim resignierten Literaturkritiker Zondag. Dass Nooteboom in seinem neuesten Roman vor allem andeutet und Spuren legt, statt dem Leser alle Fragen zu beantworten, verleiht der Geschichte den Reiz der Unergründlichkeit. Und andererseits kann Nooteboom in Paradies verloren — der Titel ist eine Anspielung auf John Miltons monumentales Versepos aus dem 17. Jahrhundert über den Sündenfall — seiner bekannten Begeisterung für Engel Ausdruck verleihen. Glücklicherweise ist diese aber weniger esoterischer als poetischer Natur. Alma nimmt ihre Flügel bald ab und entpuppt sich als durchaus irdische, wenn auch eigenartige Frau. Besser als in eine junge Frau kann sich der Autor naturgemäß in den alternden Literaturkritiker einfühlen, der im zweiten Teil des Romans im Mittelpunkt steht. Von diesem Erik Zontag und seinem Kuraufenthalt in einem Tiroler Bergdorf hätte man gern noch mehr gelesen, hier gelingen Nooteboom wunderbare Passagen voll tragikomischer, gelassener Lebensmüdigkeit.

Obwohl durchaus lesenswert, kann Paradies verloren die Zweifel nicht gänzlich zerstreuen, ob Cees Nooteboom dereinst nicht doch vor allem als einer der besten Reiseschriftsteller — man denke nur an Im Frühling der Tau oder Der Umweg nach Santiago — in Erinnerung bleiben wird. –Christian Stahl

Rezension: Jochen Jung in: Die ZEIT Nr. 33 2005

Auch Engel suchen nach den Ursprüngen. Cees Nooteboom hat einen getroffen

Ein Beginn, der so tut, als wär Dichten ganz einfach: Der Autor, als eine besondere Spezies Geschäftsreisender, sitzt im Flugzeug von Friedrichshafen nach Berlin, in einer kleinen Maschine also; er blättert ein wenig in dem Magazin der Fluggesellschaft und liest dies und das über die weite Welt; er blickt um sich, und jetzt sieht er eine Frau, die ihn sofort anzieht und die ebenfalls blättert, in einem Buch, von dem sie offenbar aber kaum mehr als die handgeschriebene Widmung liest. Es ist – so will es Cees Nooteboom in diesem Augenblick – das Buch, das auch wir gerade lesen.

Als sie gelandet sind, holt jemand die Frau ab – ein Fremder, wer sonst? –, und sie küsst ihn, flüchtig. Und der Autor? »Ich bleibe wie immer zurück mit ein paar Wörtern…« Wie immer. Der Roman kann also beginnen.


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Paul Auster: Mann im Dunkel (2008) No ratings yet.

Mann im Dunkel: Paul Auster, Werner Schmitz: Amazon.de: Bücher

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH; Auflage: 2 (1. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498000802
  • ISBN-13: 978-3498000806

Rezension: ZEIT – Die Liebe in Zeiten des Krieges. Von Klaus Harpprecht

Ein alter Mann, durch einen Unfall verkrüppelt, starrt in die Nacht, die sich über das Haus in den Bergen von Vermont gelegt hat. Oben die Tochter Miriam, von ihrem Mann vor fünf Jahren verlassen, die sich noch immer in den Schlaf weint oder an der Biografie der rothaarigen Rose Hawthorne schreibt, der nicht allzu begabten Tochter des Dichters Nathaniel. Im anderen Zimmer unterm Dach die Enkelin Katya, schlaflos auch sie, die sich die Schuld am Tod ihres Boyfriends Titus gibt. Wenn sie denn schlafen, droben oder drunten, haben sie Albträume, die schwer auf den Seelen hocken.

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