Am Anfang der Biografie Friedrich Nietzsches steht der Versuch, dem eigenen Leben auf die Schliche zu kommen. Zwischen 1858 und 1868 entstanden neun autobiografische Skizzen, mit denen der „Abenteurer und Weltumsegler der inneren Welt“ die eigene Existenz ergründen wollte. Ein unglückliches Unterfangen, schreibt Rüdiger Safranski in seinem neuen Buch, da „er sich dennoch ein Geheimnis“ und terra incognita geblieben sei.

In Nietzsche. Biographie seines Denkens nun hat der 55-jährige Essayist, der bereits durch Bücher zu E. T. A. Hoffmann (1984), Schopenhauer (1987) und Heidegger (1994) glänzte, das sprachliche Abenteuer gewagt, dem Lebensweg von Nietzsches Philosophie nachzuspüren.

Mit Exkursen etwa auf Wagner, Hegel, Stirner oder Eduard von Hartmann entdeckt er den denkerischen Entwicklungsgang des „Luft-Schifffahrer des Geistes“ und erschließt dem Leser so einen Panoramablick auf Nietzsches philosophische Welt.

Abgerundet wird die gut lesbare Einführung durch ein Kapitel zur Rezeption des Philosophen, die rechtzeitig zum Nietzsche-Jahr mit Büchern wie Nietzsche und der Faschismus von Bernhard Taureck, Nietzsche in Weimar von Manfred Riedel oder Nietzsche und die Deutschenvon Steven E. Aschheim bereits recht unterschiedlich — und zumeist weniger differenziert — aufbereitet wurde.

„Das ganze Leben wäre möglich, ohne dass es sich gleichsam im Spiegel sähe“, heisst es einmal bei Nietzsche, „wie ja thatsächlich auch jetzt noch bei uns der bei weitem überwiegende Theil dieses Lebens sich ohne diese Spiegelung abspielt.“

Safranski ist es geglückt, der inneren Welt des Philosophen reflektierend den Spiegel vorzuhalten. Seinem Leser jedenfalls hat er das Gefühl geschenkt, mit dem rätselhaften Philosophen etwas vertrauter geworden zu sein.
–Thomas Köster

 

 

 

 

 

 

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