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Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens (1939 / 2004) 4/5 (5)

Ungeduld des HerzensDer einzige Roman Stefan Zweigs handelt von „zweierlei Mitleid“: dem echten, „das entschlossen ist, geduldig und mitduldend alles durchzustehen“, und dem falschen, das nur „Ungeduld des Herzens“ ist, „sich möglichst schnell freizumachen sucht von der peinlichen Ergriffenheit vor einem fremden Unglück“.

In solche peinliche Ergriffenheit gerät im Sommer 1914 der in einer ungarischen Kleinstadt in Garnison liegende junge Leutnant Hofmiller. Die leidenschaftliche Liebe, die ihm die gelähmte Edith entgegenbringt, erwidert er nur halben Herzens, aber das Hochgefühl ihrer Zuneigung, die Bitten des Vaters und das Zureden des Arztes Dr. Condor, der sich von Hofmillers Einfluß heilende Wirkung verspricht, bestimmen ihn am Ende, sich mit dem Mädchen zu verloben. Er tut es aus Mitleid, das eigentlich „Ungeduld des Herzens“ ist.

In einem Anfall von Feigheit läßt er sich hinreißen, seine Verlobung öffentlich abzuleugnen. Den sittlichen Zusammenbruch, der dies für ihn bedeutet, will er durch Selbstmord sühnen, doch das Eingreifen eines Vorgesetzten erwirkt statt dessen seine Versetzung. Zwar will er, durch seelische Erschütterung geläutert, die Bindung an Edith erneuern, doch kommt ihm der Freitod der Freundin zuvor.

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Joseph Roth: Rechts und Links (1929/2014) 2.86/5 (7)

Rechts und LinksRoths Zeitroman, erschienen 1929, erzählt die Geschichte des russischen Deserteurs Nikolai Brandeis, der nach Berlin flieht und dort binnen kürzester Zeit ein riesiges Unternehmen mit mehreren tausend Angestellten leitet.
Bald kommt es zu Streitigkeiten mit Paul Bernheim, einem seiner Direktoren und Wichtigtuer und dessen Bruder Theodor, einem Nazi und Journalist.

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Joseph Roth: Radetzkymarsch (1932) 3/5 (1)

Radetzkymarsch
Der Roman Radetzkymarsch, ein kunstvolles und bezauberndes Requiem auf das alte Österreich, ist das bekannteste und berühmteste Werk von Joseph Roth. Der poetische Geist und die weise und melancholische Toleranz dieses literarischen Abgesangs auf ein Weltreich machen das Buch zu einem unvergänglichen Zeugnis europäischer Erzählkultur.

 

Im Schicksal der Familie Trotta durch drei Generationen erscheinen die Geschichte und der Niedergang der Österreichisch-Ungarischen Monarchie von der Schlacht bei Solferino (1859) bis zum Tod Kaiser Franz-Josephs 1916.

Der Großvater Joseph Trotta, treuer Soldat und »Held von Solferino«, da er dem jungen Kaiser in der Schlacht das Leben rettete, zieht sich resigniert aus der Armee zurück, als er bemerkt, dass seine Tat in den Schulbüchern zu einer die Wahrheit beugenden Heldenlegende verklärt wird, und der Staat nicht bereit ist, dies zu korrigieren.
Der Vater, ein biedermännischer Staatsbeamter, fügt sich rechtschaffen und pflichtbewusst ins staatliche Netz ein, erlebt jedoch den unmerklichen Niedergang der Monarchie. Sein streng erzogener Sohn hingegen will den ihm zugewiesenen Platz nicht einnehmen, kann dem aber auch keine Alternative entgegensetzen.
Als »Enkel« des Helden von Solferino sieht er nur mehr Vergangenheit, aber keine Zukunft. Die Werte seiner Vorfahren sind ihm zuwider, er verfällt dem Alkohol und dem Glücksspiel.
Was bleibt, ist der Tod »in Haltung«, er fällt im Ersten Weltkrieg. Im Sterbemoment mischen sich in seinem Innern die Klänge des Radetzkymarsches mit jenen der Schüsse, die nicht nur seinen Tod, sondern auch den Untergang der Monarchie bedeuten. Der Epilog schildert die beiden letzten Lebensjahre des Vaters von Carl Joseph. Der Bezirkshauptmann stirbt 1916, eben an dem Tag, als der Kaiser beigesetzt wird. Beide konnten Österreich nicht überleben.

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Ise Aichinger und Günter Eich No ratings yet.

Schlechte Wörter

 

»Die Untergänge vor sich her schleifen«

Nichts ist aggressiver in Ilse Aichingers Werk als die Sammlung ›Schlechte Wörter‹. Der Band versammelt Texte, die mit einer unbeirrbaren Genauigkeit, in zwingenden Assoziationen die menschliche Existenz bedenken, bis an ihre äußersten Grenzen und Stationen. Sie wenden sich skeptisch und ohne Illusion gegen Gebote, Maximen und Devisen. »Diese Prosa hebt alles aus den Angeln, was sie anspricht und meint« (Jürgen Becker).

Paperback, 105 pages
Published 1991 by Fischer Taschenbuch Verlag GmbH (first published 1976)
Gesammelte Werke: Schlechte Wörter. (Werke in acht Bänden).: Bd 4

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Vea Kaiser: Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam (2012) No ratings yet.


Seiten: 496 (Gebundene Ausgabe)
ISBN: 978-3462044645
Verlag: Kiepenheuer & Witsch www.kiwi-verlag.de

Erscheinung: 31. Juli 2012

Inhalt: In ihrem Debütroman entfaltet Vea Kaiser mit großer Verve und unwiderstehlichem Witz die Welt des abgeschiedenen alpenländischen Bergdorfes St. Peter am Anger und erzählt die Geschichte einer Familie, die über drei Generationen hinweg auf kuriose Weise der Wissenschaft verfallen ist.

 

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Verena Roßbacher: Verlangen nach Drachen (2009) No ratings yet.

Kurzbeschreibung
Die literarische Entdeckung: Verena Roßbachers schillernder Debütroman über Klara und ihre Männer

Hierher kommen sie alle: Das Kaffeehaus Neugröschl zieht die Originale der Stadt besonders an, obwohl oder gerade weil der Inhaber es nach Gutdünken öffnet und schließt und auch gern mal zur Autowerkstatt erklärt. Seine Aushilfskellnerin Klara, das geheimnisvolle Zentrum des Romans, fasziniert die unterschiedlichsten Männer und bewirkt die erstaunlichsten Metamorphosen.
Am Anfang steht ein klassischer Konflikt: Der Erfinder und Vabanquespieler Roth hat wieder eine brillante Geschäftsidee in den Sand gesetzt und braucht eine neue Identität. Vor allem aber kann er sich nicht abfinden mit dem Freund seiner Tochter Klara, einem Gärtner, der auch noch vegetarisch lebt. Während Roth sich als Grün neu erfindet, erlebt Valentin Kron mit Klara eine Zeit des Glücks, der abrupte Ernüchterung folgt, als Klara das Interesse an ihm verliert und sich dem Cellisten Stanjic zuwendet. Stanjic, ein Großstadtcowboy, brütet über einer Schubert-Interpretation, betreibt nebenher einen Plattenladen und muss sich ebenfalls bald mit Klaras Wankelmütigkeit abfinden. Zu Klaras weiteren Erwählten und Verlassenen gehören der Steinesammler, Florist und Universalautodidakt Lenau und der Pianist für Bar und Orchester Wurlich. Alle frequentieren das Neugröschl, einige kennen sich persönlich, und alle treffen am Ende aufeinander – allerdings ohne Klara. Und alle faszinieren durch Eigensinn, ausgefallene Interessen und charakterliche Unausgewogenheiten.
Verena Roßbacher besitzt Phantasie, Fabulierlust, sprachliches Feingefühl und derben Humor – und geizt nicht damit. Sie fesselt den Leser mit einer Geschichte, die um Liebe, Entwicklung und Verwandlung kreist, und mit ihrer Fähigkeit, die Figuren durch ihre Sprache kenntlich werden zu lassen. Klara und ihre Männer lassen den Leser so schnell nicht mehr los.
Über den Autor
Verena Roßbacher, geboren 1979 in Bludenz/Vorarlberg, aufgewachsen in Österreich und der Schweiz, studierte einige Semester Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

  • Gebundene Ausgabe: 442 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Auflage: 1., Auflage (27. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040979
  • ISBN-13: 978-3462040975

Rezension

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Geiger, Arno: Der alte König in seinem Exil (2010) 4.22/5 (9)

Was ist wichtig? Was macht unser Leben lebenswert?

Arno Geiger erzählt von seinem Vater, dem die Erinnerungen langsam abhanden kommen, dessen Orientierung in der Gegenwart sich auflöst. Ein lichtes, lebendiges, oft auch komisches Buch über ein Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden, und das sich vielleicht nur wenig unterscheidet von dem Leben, das wir alle tagtäglich führen.

In der zutiefst berührenden Geschichte seines Vaters erzählt Arno Geiger von einem Menschen, dessen Vitalität und Klugheit mit der Alzheimerkrankheit nicht verschwinden. Im Alltag ist der Vater oft hellwach, aber seine Vergangenheit, sein Haus und seine Kinder hat er vergessen: Geboren 1926 als drittes von zehn Kindern, die Eltern Kleinbauern in Wolfurt, drei Kühe, ein Obstgarten, ein Acker, ein Bienenhaus. Mit achtzehn Krieg an der Ostfront, mit neunzehn Kriegsgefangenschaft, Krankheit, Lazarett, der lange Rückweg in die Heimat und dann der Wunsch, nie wieder wegzugehen aus dem Dorf. Der Vater baut ein Haus auf dem Hügel, er heiratet. Und mit der Geschichte seines Vaters beginnt Arno Geiger seine eigene Kindheit und Jugend wiederzuentdecken, all die Jahre, die er in dem Haus auf dem Hügel verbracht hat, wo der Vater jetzt mit seinen slowakischen Betreuerinnen lebt.
Arno Geiger schließt nochmals Freundschaft mit dem Vater; er begleitet ihn viele Jahre, versucht, seine oft eigenwilligen Sätze zu verstehen, und er entdeckt, dass es in der Person des Vaters alles noch gibt, Charme, Selbstbewusstsein, Witz. Arno Geigers Alter König ist trotz der heftigen Konfrontation mit dem unwiederbringlichen Verlust ein lichtes, lebendiges, oft komisches Buch. Und man versteht: Der Mensch bleibt Mensch mit seiner Vergangenheit, Eigenheit und Würde.

Arno Geiger, 1968 geboren, lebt in Wien und Wolfurt. Zuletzt erschien Alles über Sally. Er erhielt unter anderem dem Friedrich Hölderlin-Förderpreis (2005), den Deutschen Buchpreis (2005), den Johann Peter Hebel-Preis (2008) und den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (2011).

Rezensionen

  • SZ  vom 14. Februar 2011 (Christopher Schmidt )
  • FAZ vom 04.02.2011 (Felicitas von Lovenberg)
  • ZEIT vom 18.02.2011 (Ulrich Stock)
  • literaturkritik.de: In Charakter umgemünzte Erinnerungen. Arno Geiger porträtiert in seinem Buch „Der alte König in seinem Exil“ seinen alzheimerkranken Vater Von Monika Stranakova Erschienen am: 16.03.2011

Eine tiefgründige, charaktervolle und zeitlos gültige Auseinandersetzung mit dem, was jeden angeht: Alter und Krankheit, Heimat und Familie … Arno Geiger hat ein Buch über seinen dementen Vater geschrieben. Vor allem aber handelt es davon, was das Leben zu jedem Zeitpunkt lebenswert macht. Es ist die wertvollste Lektüre dieses Frühjahrs.“
Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeines Zeitung

„Ein starkes, ein erwachsenes, neugieriges, auf berührende Weise beglückendes Buch.“
Elmar Krekeler, Die Welt

Leinen mit Schutzumschlag, 190 Seiten

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Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus (2010) 4/5 (1)

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Künstlerumschlag von Franziska Neubert

Der Psychiater Raffael Horn und Kommissar Ludwig Kovacs, das ungewöhnliche Ermittlerduo aus Hochgatterers Bestseller Die Süße des Lebens, geht in diesem raffinierten literarischen Krimi ein weiteres Mal auf gemeinsame Spurensuche.
Die österreichische Kleinstadt Furth am See erlebt eine rätselhafte Serie von Kindesmisshandlungen. Der Psychiater Raffael Horn, der sich um seinen pubertierenden Sohn sorgt, und Kommissar Ludwig Kovacs, der regelmäßig beim Angeln Zuflucht vor der Wirklichkeit sucht, gehen die Sache jeder auf seine Weise an, bevor sie noch weiter eskaliert. Auch die Lehrerin Stella ist sehr besorgt um das Wohl ihrer Schüler, besonders, als die kleine Adoptivschwester einer ihrer Schülerinnen verschwindet …
Das Matratzenhaus, halb Krimi, halb psychologischer Roman, lebt vom Ungesagten, von Andeutungen und Gefühlen zwischen den Zeilen. Aus einem Quartett von Erzählerstimmen fügt sich ein beklemmendes Gesellschaftsbild zu einer Geschichte zusammen, die am Ende viele verstörende Fragen offen lässt.

Paulus Hochgatterer, geboren 1961 in Amstetten/Niederösterreich, lebt als Schriftsteller und Kinderpsychiater in Wien. Er erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, zuletzt den Europäischen Literaturpreis 2009.

Geprägtes Leinen mit Schutzumschlag, 296 Seiten

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