SchlagwortPolitik

Zadie Smith: Freiheiten (Feel Free: Essays) (2018 / 2019) 3/5 (4)

42792633. sy475 Zadie Smith ist nicht nur Autorin vieler hochgelobter Romane, sondern sie brilliert auch besonders in dieser kurzen Form, den Essays. Der vorliegende Band zeigt sie politischer denn je, denn Zadie Smith hat viel zu sagen über die zunehmend bedrohliche Verfasstheit der Welt und der Gesellschaft und bezieht sehr persönlich Stellung.

Die Essays sind in fünf Kategorien unterteilt, und alle haben es in sich: »In der Welt« versammelt die politischen Essays, und gerade ihre Gedanken zum Brexit und zu Trump sind vielschichtig und erhellend, authentisch und engagiert.

Die Kapitel »Im Publikum«, »Im Museum«, »Im Bücherregal« und »Freiheiten« erzählen uns ihre Sicht auf kulturelle Ereignisse oder persönlich Erlebtes und geben dabei immer ganz viel über sie selbst preist.

Da sie sich mit schlechter Politik, guten Büchern, amerikanischen Rappern, Facebook und alten Meistern ähnlich gut auskennt, schreibt sie mit leichter Hand und mal böse, mal bewundernd Essays von besonderer Qualität, die uns die Welt schärfer sehen lassen. Ein Muss für jeden politisch denkenden Leser!

Tanja Handels (Translator)
Hardcover, 432 pages
Published May 9th 2019 by Kiepenheuer & Witsch (first published February 6th 2018)
Original Title Feel Free: Essays
ISBN 3462052144 (ISBN13: 9783462052145)
Edition Language German

Feel Free – en.wikipedia

URL https://www.kiwi-verlag.de/buch/freiheiten/978-3-462-05214-5/

Literary Awards
PEN/Diamonstein-Spielvogel Award for the Art of the Essay Nominee for Shortlist (2019), National Book Critics Circle Award for Criticism (2018)

FAZ: Zadie Smith: Besser scheitern. Romane schreiben macht Arbeit – meint Zadie Smith. Was ist ein guter Schriftsteller? Ist Schreiben Ausdruck der eigenen Persönlichkeit oder Flucht vor dem Ich? Warum gibt es so wenig große Romane? Die englische Schriftstellerin Zadie Smith plädiert für eine Poetik des Scheiterns. – Aktualisiert am 28.01.2007-17:16

FAZ: Zadie Smith im Gespräch : Wir waren blind und naiv. Ein Gespräch mit der Schriftstellerin Zadie Smith über ihren neuen Roman „Swing Time“, die Freiheit der neunziger Jahre, den lächerlichen Tony Blair, den Brexit und Toiletten für Transgender. Von Anne Ameri-Siemens – Aktualisiert am 13.08.2017-09:42

FAZ: Interview mit Zadie Smith : Belügt euch nicht! Wir haben die junge Generation verraten. Wir brauchen eine Revolution, die uns vom Internet befreit. Und wir müssen unsere Freiheit verteidigen. Ein Gespräch mit der britischen Schriftstellerin Zadie Smith. Von Anne Ameri-Siemens – Aktualisiert am 05.05.2019-10:30

DLF: Zadie Smith„Freiheiten“ Politisch, radikal individuell und kaum zu kategorisieren. So sind die Essays im Buch der britischen Schriftstellerin Zadie Smith. Anhand präziser Beobachtungen kleiner Begebenheiten identifiziert sie größere gesellschaftliche Trends. Von Katja Ridderbusch 22.07.2019

FR: Zadie Smiths „Freiheiten“: Ein Gespräch über sich und Philip Roth. Arno Widmann 13.07.19 17:58

SZ: Hausapotheke gegen den Zynismus. Zadie Smith betrachtet in ihrem neuen Essayband „Freiheiten“ leichtfüßig und elegant die Gegenwart, Jay-Z und Mark Zuckerberg. Das Spektrum der Texte reicht dabei von politischen Kommentaren bis zum klassischen, literarischen Essay. Obwohl ein leicht nostalgischer Blick auf die Neunzigerjahre durscheint, lehnt sie nicht den technischen Fortschritt an sich ab. Sie verweigert sich lediglich dem Zynismus. Von Juliane Liebert 20. Juni 2019, 10:13 Uhr

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Stuart Jeffries: Grand Hotel Abgrund: Die Frankfurter Schule und ihre Zeit (2016 / 2019) 3.33/5 (6)

48741605. sx318 Sie überlebten zwei Weltkriege, erlebten den Rassismus, flohen vor dem Nationalsozialismus. Sie entgingen dem Holocaust und überlebten eine Odyssee. Adorno und Horkheimer hatten den Mut, nach dem Krieg aus dem amerikanischen Exil nach Deutschland zurückzukommen, um eine andere, humanere Gesellschaft aufzubauen.

Sie waren großbürgerlich, gebildet und elitär – allen voran ihr Papst, Theodor W. Adorno, und ihr Finanz- und Außenminister, Max Horkheimer. Stuart Jeffries entwirft eine vielschichtige Biographie der Frankfurter Schule, die sich mitten im Zeitalter der Extreme des 20. Jahrhundert ereignet. Mitreißend schildert er, wie Mitte der 20er bis Ende der 60er Jahre ihre gesellschaftlichen Utopien entstehen. Kritisch beobachtet Jeffries, wie die 68er-Bewegung aus der Frankfurter Schule hervorgeht und sich etliche 68er zur Gewalt bekennen. Ironisch hält er fest, wie auch diese Rebellion scheitert und vermerkt bitter, dass die »Schule« geschlossen wird. Und dennoch stellte die Frankfurter Schule fast alles vom Kopf auf die Füße: Entschieden wehrten sie sich gegen die Seilschaften alter Nazis und äußerten sich über Jahrzehnte hinweg unmissverständlich gegen Populismus, rechte Ideologie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Kapitalismus, Beherrschung von Natur und Mensch. Die deutsche Gesellschaft ist seither eine ganz andere: freier, offener, (selbst-)kritischer.

»Eine fesselnde Geschichte des Lebens und der wichtigsten Ideen der führenden Denker der Frankfurter Schule.«
New York Review of Books

»Eine leicht zugängliche, unterhaltsame Geschichte von einer der beeindruckenderen intellektuellen Bewegungen des 20. Jahrhunderts.«
Owen Hatherley, The Guardian

Susanne Held (Translator)
Hardcover, 509 pages
Published October 13th 2019 by Klett-Cotta (first published 2016)
Original Title Grand Hotel Abyss: The Lives of the Frankfurt School
ISBN 3608964312 (ISBN13: 9783608964318)
Edition Language German

ZEIT: Wenn Söhne rebellieren. Über den Atlantik und zurück: Stuart Jeffries schildert die Geschichte der Frankfurter Schule als global einflussreichen Aufbruch junger jüdischer Intellektueller. Eine Rezension von Alexander Cammann. 21. November 2019

DLF: Stuart Jeffries: „Grand Hotel Abgrund“Als Adorno in New York keine Freunde fand. Von Marko Martin Beitrag vom 07.10.2019

SZ: Gesellschaftstheorie:Denken für die Menschheit. Von Horkheimer bis Habermas: Der britische Publizist Stuart Jeffries führt durch die Geschichte der Frankfurter Schule, die einer ihrer Kritiker als „Grand Hotel Abgrund“ ironisierte. Von Johan Schloemann 4. Oktober 2019, 17:34 Uhr

ZEIT: Dies sonderbare Gespinst aus Raum und Zeit. Dem faszinierenden Denker Walter Benjamin ist eine monumentale Biografie gewidmet. Und die ersten Bände einer neuen, ehrgeizigen Werkausgabe liegen bereits vor. Von Alexander Cammann. 22. April 2010 Quelle: DIE ZEIT, 22.04.2010 Nr. 17

ZEIT: Max Horkheimer – Thema

ZEIT: „Er wusste schon, wer er war“. Vor 50 Jahren starb Theodor W. Adorno. Seine geschwisterliche Freundin Lotte Tobisch erinnert sich an den Großintellektuellen. Interview: Thomas Mießgang. 7. August 2019, 16:50 Uhr Editiert am 9. August 2019, 18:14 Uhr ZEIT Österreich Nr. 33/2019, 8. August 2019

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Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt (2018) 3.29/5 (7)

46268836. sy475 Was haben das Verschwinden von Apfelsorten, das Auftreten von Politikern in Talkshows, religiöser Fundamentalismus und der Kunst- und Musikmarkt miteinander gemeinsam? Überall wird Vielfalt reduziert, Unerwartetes und Unangepasstes zurückgedrängt. An die Stelle des eigentümlichen Inhalts rückt vermeintliche Authentizität: Nicht mehr das „was“ zählt, sondern nur noch das „wie“. Thomas Bauer zeigt die Konsequenzen auf, sollten wir diesen fatalen Weg des Verlustes von Vielfalt weiter beschreiten.

Reclam Verlag, Ditzingen 2018
ISBN 9783150194928
Kartoniert, 104 Seiten, 6,00 EUR

Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2013

ZEIT: Das eine tun, das andere nicht lassen. Ein Lob der Widersprüche. Von Franz Schuh 7. März 2018 DIE ZEIT Nr. 11/2018

socialnet: Rezensent Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß

Gabi Reinmann: Im Hosentaschenformat 01. Oktober 2019

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Emmanuel Todd: Wer ist Charlie?: Die Anschläge von Paris und die Verlogenheit des Westens (2017) 3/5 (6)

Wer ist Charlie?: Die Anschläge von Paris und die Verlogenheit des Westens (Beck Paperback)Mittwoch, 7. Januar 2015: Zwei Maskierte dringen in das Büro des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ ein und schießen einen Großteil der Redaktionsmitglieder nieder – als Rache für Mohammed-Karikaturen. In den folgenden Tagen verkünden Millionen solidarisch „Ich bin Charlie“.
Der französische Soziologe Emmanuel Todd gehörte nicht zu diesen Charlies. Sein provozierender Befund, der in Frankreich zu hitzigen Debatten geführt hat: Unter dem Deckmantel eines Kampfes für die Freiheit haben sich Demokraten und Antidemokraten untergehakt, um gegen den Islam zu demonstrieren. Nicht um die Freiheit generell ging es, sondern um die Freiheit, den Islam zu verhöhnen.

Diese These bildet den Auftakt dafür, eine höchst aufschlussreiche Landkarte der aktuellen politischen Mentalitäten in Frankreich und Europa zu zeichnen. Fremdenhass, Antisemitismus, Islam-Verteufelung, Europa-Skepsis, autoritäre Politikvorstellungen, Putin-Verehrung, Israel-Kritik und Amerika-Feindschaft: Das sind die Zutaten, die je nach Region und religiöser Prägung ganz unterschiedliche, aber stets gefährliche Mischungen
ergeben. Emmanuel Todd zeigt, welche wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Faktoren die Demokratie an den Rand des Abgrunds führen, und ruft dazu auf, zu den wahren Werten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zurückzufinden.

„Todd wird seinem Ruf als Querdenker gerecht und analysiert das wahre Gesicht hinter der schönen nationalen Empörung.“ Marguerite Baux, LUI

„BLASPHEMIE“ Schlagzeile in Libération zum Erscheinen des Buches

„Hier findet man den Todd, den man seit vielen Jahren mit Vergnügen liest: den Wissenschaftler, der immer weiter nachfragt, den Spezialisten für lange Kontinuitäten …“
Patrice Trapier, Le Mond

Published November 12th 2015 by C.H.Beck (first published May 4th 2015)
Original Title Qui est Charlie? Sociologie d’une crise religieuse
ISBN13 9783406686337

fr.wikipedia.org/ Qui est Charlie

fr.wikipedia.org/ -E. Todd: Qui est Charlie?

francetvinfo.fr/ „Qui est Charlie ?“ Cinq citations pour comprendre le livre controversé d’Emmanuel Todd. Dans son dernier essai „Qui est Charlie ? Sociologie d’une crise religieuse“ (Seuil), l’anthropologue revient sur les événements qui ont suivi les attentats de janvier. Et dénonce avec virulence “l’imposture” des manifestations. Elise Lambert France Télévisions Mis à jour le 07/05/2015

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Gilles Kepel: Der Bruch.: Frankreichs gespaltene Gesellschaft (2017) 3.43/5 (7)

Der Bruch.: Frankreichs gespaltene GesellschaftDurch die französische Gesellschaft zieht sich ein Bruch, der sich auch in dem Zuspruch ausdrückt, den der rechtsradikale Front National erfährt. Maßgeblich dazu beigetragen hat der islamistische Terror, der in Frankreich bis jetzt 239 Opfer gefordert hat.

Der Soziologe und Islamwissenschaftler Gilles Kepel analysiert seit Jahren den islamistischen Terrorismus und seine politischen und sozialen Ursachen und erläutert in seinem neuen Buch, dass es das Ziel dieser mörderischen Provokationen ist, die Gesellschaft in einen Bürgerkrieg zu treiben. Dafür versuchen die Dschihadisten, die französischen Muslime einzuspannen, die sich durch die wachsende »Islamophobie« in der Gesellschaft immer mehr in die Enge getrieben fühlen.

Die Politiker, die mit der Bedrohung durch den Islamismus vor der anstehenden Wahl Propaganda machen, gehen damit den Terroristen in die Falle. Gilles Kepel erklärt die Zusammenhänge und plädiert für ein Engagement der aufgeklärten Bürger, sich nicht in diese falsche Konfrontation treiben zu lassen.

  • Original: La Fracture (2016) Edition Gallimard
  • 240 pages
  • Published March 8th 2017
  • Verlag Antje Kunstmann GmbH

deutschlandfunk: Ein Buch, dem die Geduld abhanden gekommen ist. Der islamistische Terror spalte die französische Gesellschaft gezielt – das ist eine These, die Gilles Kepel in seinem neuen Buch „Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft“ entwickelt. Er schreibt gar von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ im Land. Die verbale Aufrüstung des Soziologen irritiert. Von Kathrin Hondl 18.03.2017

franceculture.fr: Les djihadistes ont-ils réussi à diviser les Français ? 

 

 

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Emmanuel Macron: Révolution. C’est notre combat pour la France (2016) 2.27/5 (11)

Révolution. C'est notre combat pour la France

Ancien ministre de l’Économie et candidat à l’élection présidentielle, Emmanuel Macron raconte, pour la première fois, dans Révolution, son histoire personnelle, ses inspirations, sa vision de la France et de son avenir, dans un monde nouveau qui vit une « grande transformation » comme il n’en a pas connu depuis l’invention de l’imprimerie et la Renaissance. Un livre fort, singulier, qui pose les fondements d’une nouvelle société.

  • Taschenbuch: 255 Seiten
  • Verlag: Pocket (23. Mai 2017)
  • Sprache: Französisch
  • ISBN-10: 2266281860
  • ISBN-13: 978-2266281867

 

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Jan Gerber: Karl Marx in Paris. Die Entdeckung des Kommunismus (2018) 3.9/5 (10)

Karl Marx in Paris: Die Entdeckung des KommunismusSeitdem sich die Elendszonen des Weltmarkts erneut ausweiten und die westlichen Metropolen erreichen, wird auch dort wieder verstärkt von Arbeit und Kapital, der Klasse und ihrem Kampf gesprochen: Im 200. Jahr nach seiner Geburt hat Marx erneut Konjunktur.

Jan Gerber legt eine Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Werk von Karl Marx vor, die neuste Forschungen berücksichtigt. Einen besonderen Schwerpunkt bildet der erste Paris-Aufenthalt von 1843 bis 1845. Denn in dieser Zeit entwickelte Marx die zentralen Begriffe seines Denkens: Er traf als Radikaldemokrat in Paris ein und verließ die Stadt als überzeugter Klassenkämpfer und Kommunist.

Hardcover, 240 pages
Published April 3rd 2018 by Piper ebooks
ISBN13 9783492058919
Edition Language German

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Gila Lustiger: Erschütterung – Über den Terror (2016) 3.4/5 (10)

Erschütterung: Über den TerrorFür Paris und ganz Europa begann 2015 eine neue Zeit: Der brutale Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo sowie der Terror vom 13. November setzten den grausamen Rahmen für ein Jahr, das nicht nur in Frankreich von einer Vielzahl weiterer Übergriffe mit islamistischem Hintergrund, antisemitischen Attentaten und einem erschreckenden Zulauf für den Front National geprägt war. Die in Paris lebende Schriftstellerin Gila Lustiger hat bereits in ihrem Gesellschaftsroman »Die Schuld der anderen« hellsichtig Ursachen und Hintergründe beschrieben. Auch die jüngsten Terrorakte hat sie miterlebt, aus dieser Erfahrung ist ihr Essay entstanden. Der kluge Versuch, einer tief empfundenen Erschütterung mit Vernunft zu begegnen und vehement unsere freiheitlichen Werte zu verteidigen – als Pariserin, Mutter zweier Kinder, Jüdin, Europäerin.

Berlin Verlag
Erschienen am 01.03.2016
160 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-8270-1332-3

 

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Georg Blume: Der Frankreich-Blues: Wie Deutschland eine Freundschaft riskiert (2017) 4.18/5 (11)

Der Frankreich-Blues: Wie Deutschland eine Freundschaft riskiert

Die Deutschen mögen die Franzosen. Eigentlich. Das Reiseziel, die beneidenswerte Lebensart, nicht zuletzt: die herzlichen Beziehungen nach den beiden Weltkriegen. Doch in Politik und Medien herrscht der Frankreich-Blues, diagnostiziert der langjährige Korrespondent in Paris, Georg Blume.

Trotz der Wahl des Pro-Europäers Emmanuel Macron zum Präsidenten wird Frankreich nicht mehr als ebenbürtiger Partner akzeptiert. Seine Wirtschaft kränkelt, die Wählerschaft ist unzuverlässig, die sozialen Verhältnisse sind instabil, so der unausgesprochene Konsens der Berliner Republik.

Umgekehrt machen auch wir es den Franzosen seit Jahren schwer, uns zu mögen: Deutschland hat kein Interesse mehr am Nachbarn, will seinen Erfolg nicht teilen und nimmt in Wirtschafts- und Sozialpolitik keine Rücksicht mehr auf den Freund, lautet das Fazit auf französischer Seite.

Diesem Frankreich-Blues spürt Georg Blume auf beiden Seiten des Rheins nach. Dabei verkennt er die inneren Probleme Frankreichs nicht, erschüttert aber auch deutsche Selbstgewissheiten. Leidenschaftlich fordert er uns auf, um unseren treuen Freund und Partner zu kämpfen. Denn nur wenn Frankreich und Deutschland Seite an Seite stehen, kann die große Idee Europas verwirklicht werden.

Kindle Edition, 180 pages

Published October 2nd 2017 by Edition Körber

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Irene Dische: Clarissas empfindsame Reise (2009) 3/5 (4)

Clarissas empfindsame ReiseWas für ein Buch! Es ist eine der schönsten Entdeckungen des Frühjahrs 2009. Irene Dische, längst kein literarischer Geheimtipp mehr, hat einen wundervollen kleinen Roman geschrieben: Er erzählt die Geschichte der betörenden, empfindsamen, aber auch berechnenden und zynischen Clarissa. Sie erzählt von Liebesschwüren und Liebesfluchten, von den Entdeckungen beim Reisen und von einem Amerika, das sich mitten im Umbruch befindet.

Die unglücklich Verliebte Clarissa hat einen Plan: „Ich habe mir New York als Medizin verschrieben… Die New Yorker haben einen Krieg verloren… Einen Krieg oder all seine Ersparnisse zu verlieren ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem Verlust einer Liebe, aber ein gemeinsames Klagelied können wir trotzdem anstimmen.“ Und so begibt sich Clarissa – verschmäht von einem ukrainischen Bohemien – auf den Weg in ihre Heimatstadt, die sie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Über Miami macht sie sich mit wechselnden Bekanntschaften auf einen Roadtrip nach New York. Eigentlich politisch desinteressiert und völlig abgeklärt, wird sie im Frühjahr/Sommer 2008 immer tiefer hineingezogen in die Aufbruchstimmung, die das Land durch die Kandidatur Obamas bestimmt. Die sarkastische, am liebsten um sich selbst rotierende Clarissa wird zur genauen Beobachterin vor allem der Abseitigkeiten und Absurditäten eines Landes, das auf der Suche nach sich selbst ist.

Der Roman führt ebenso wie die Heldin auch Irene Dische zurück in ihre Heimat New York, wo sie 1952 als Tochter deutsch-jüdischer Emigranten geboren wurde. Heute lebt sie mal in Berlin, mal auf dem Land in Rhinebeck, mal an der amerikanischen Ostküste. Ihre Großmutter, eine strenggläubige Katholikin, hatte übrigens nicht viel übrig für Juden – bis sie ihren Mann kennenlernte. Deren Geschichte hat Dische in ihrem Roman Großmama packt aus erzählt.

Dische war während des Wahlkampfes in den USA unterwegs und hat zahlreiche Reportagen in dieser Zeit verfasst. Clarissas empfindsame Reise ist deren literarische Verarbeitung. Es ist ein großartiges Buch geworden, das von Liebesschmerz handelt, aber auch ein atmosphärisch dichtes Gesellschaftsporträt bietet, das – mit Disches speziellem Blick für alles Groteske – unglaublich komisch und unterhaltend ist. Und es ist eine Hommage an New York, die Stadt, die sich immer wieder selbst neu erfindet.

–Carsten Hansen, Literaturtest

  • Hardcover, 160 pages
  • Published 2009 by Hoffmann und Campe
  • Original Title Clarissas empfindsame Reise
  • ISBN 3455401333 (ISBN13: 9783455401332)
  • Edition Language German
  • literaturkritik.de/ Selbstfindungs-Odyssee in Obama-Land Über Irene Disches neuen Roman „Clarissas empfindsame Reise“ von Holger Dauer Letzte Änderung: 21.11.2016 – 18:43:51 Erschienen am: 09.09.2009

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Joseph Conrad: Der Geheimagent: Eine einfache Geschichte (OT: The Secret Agent: A Simple Tale) (1907 / 2004) 4.25/5 (12)

The Secret AgentMr Verloc, the secret agent, keeps a shop in London’s Soho where he lives with his wife Winnie, her infirm mother, and her idiot brother, Stevie. When Verloc is reluctantly involved in an anarchist plot to blow up the Greenwich Observatory things go disastrously wrong, and what appears to be „a simple tale“ proves to involve politicians, policemen, foreign diplomats and London’s fashionable society in the darkest and most surprising interrelations.

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Uwe Timm: Vogel, friß die Feige nicht: Römische Aufzeichnungen (1989) 3/5 (1)

 Vogel, friß die Feige nicht: Römische AufzeichnungenRom, die fremde, von Geschichte und Utopien erfüllte Stadt, in der Uwe Tim für längere Zeit lebte, wird trotz aller Widrigkeiten zum magischen Ort und macht ihm die eigene geschichtliche und literarische Position bewusst.
  • Paperback, 156 pages
  • Published 1989 by Kiepenheuer und Witsch
  • ISBN 3462025430 (ISBN13: 9783462025439)

etwas viel Heinar Kipphardt und  Antonio Gramsci

Antonio Gramsci, um 1920

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Ian McEwan: Solar (2010) No ratings yet.

https://i1.wp.com/www.buchah.ch/assets/Buecher/_resampled/SetWidth180-ian-mcewan-solar.jpg?w=788
Michael Beard ist Physiker – und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch ist er alles andere als nobel: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat hält es ihn auf Dauer bei keiner Frau. Bis die geniale Idee eines Rivalen für Zündstoff in seinem Leben sorgt. In Ian McEwans neuem Roman geht es nicht nur um Sonnen-, sondern auch um kriminelle Energie.
Michael Beard „gehörte zu jener Sorte Männer – nicht wirklich attraktiv, meist kahl, klein, dick und klug –, die auf gewisse schöne Frauen erstaunlich anziehend wirkt. Zugute kam ihm dabei auch, dass manche Frauen ihn für ein Genie hielten, das man retten musste. Im Moment allerdings war Michael Beard nicht in bester Verfassung, lustlos, verzweifelt, nur auf eins fixiert, denn gerade ging seine fünfte Ehe in die Brüche“.
Michael Beard, 53, ist Nobelpreisträger der Physik. Doch seine besten Zeiten hat er hinter sich. Er lebt von seiner Reputation, gibt seinen Namen für Briefköpfe her, käut seine prämierte Idee in Vorträgen wieder und ergattert Fördergelder für ein politisches Prestigeprojekt: das Institut für Erneuerbare Energien. Wirklich neue Energie aber steckt er nur in den privaten Bereich: Während seiner fünften Ehe hat er es zu elf Affären gebracht. Nun aber rächt sich seine Frau und nimmt sich einen Liebhaber. Genau in dem Moment, als alles ins Wanken gerät, bietet sich ihm die Gelegenheit zu einem Coup.
Solar führt den Leser von London in die Arktis und bis nach New Mexico. Ian McEwans Roman ist eine ebenso gnadenlose wie vielschichtige Abrechnung mit der Politik, dem Wissenschaftsbetrieb – und einer Sorte Mann. Ein Buch, das den Faktor Mensch auf literarisch neue Art und Weise in die Klimarechnung einführt.

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt in London. 1998 erhielt er für Amsterdam den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman Abbitte wurde zum Weltbestseller und mit Keira Knightley verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.

Website von Ian McEwan »

„Zunächst einmal: Dieses Buch ist lustig. Es ist so lustig, dass stummes Grinsen bei der Lektüre nicht reichen wird. Wer also ungern laut glucksend in der U-Bahn gesehen wird, sollte Solar zu Hause lesen.“
Die Zeit

Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Geprägtes Leinen mit Schutzumschlag, 416 Seiten

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Internationale Weltordnung: Habermas & die Krise des Finanzsystems No ratings yet.

Neue Weltordnung: Habermas über das Ende des Neoliberalismus | Nachrichten auf ZEIT ONLINE

Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas © Axel Schmidt/ddp

Nach dem Bankrott © DIE ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46

Der Privatisierungswahn ist an sein Ende gekommen. Nicht der Markt, sondern die Politik ist für das Gemeinwohl zuständig: Ein Gespräch mit dem Philosophen Jürgen Habermas

Jürgen Habermas: „Was mich am meisten beunruhigt, ist die himmelschreiende soziale Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass die sozialisierten Kosten des Systemversagens die verletzbarsten sozialen Gruppen am härtesten treffen. Nun wird die Masse derer, die ohnehin nicht zu den Globalisierungsgewinnern gehören, für die realwirtschaftlichen Folgen einer vorhersehbaren Funktionsstörung des Finanzsystems noch einmal zur Kasse gebeten. Und dies nicht wie die Aktienbesitzer in Geldwerten, sondern in der harten Währung ihrer alltäglichen Existenz.“

Mehr zu Habermas siehe auch hier.

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José Saramago: Die Stadt der Sehenden (2006) No ratings yet.


  • Gebundene Ausgabe: 382 Seiten
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek; Auflage: 2 (März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498063847
  • ISBN-13: 978-3498063849

Es ist der Alptraum eines jeden Politikers, einer jeden Partei: da ist Wahl und keiner geht hin, schlimmer noch, die Wenigen, die kommen, geben unausgefüllte Stimmzettel ab. Und bei der Wahlwiederholung sind zwei Drittel aller Stimmzettel „leer und weiß“. Ein politisches Desaster, das „sich wie eine ihre Zündschnur suchende Bombe durchs Land zieht.“

Der portugiesische Literatur-Nobelpreisträger José Saramago bot schon in früheren Büchern einen auffälligen Gegensatz: so wie er lebt, schreibt er, ruhig, fast still, gedämpft, vermeintlich gleichmütig. Aber das, was er schreibt bewegt und erschüttert wie ein alles mit sich reißendes Beben, da wird eine politische Science-Fiktion-Geschichte auf fast 400 Seiten zu einer immer stärker, öfter und eindringlicher an reale Gegebenheiten erinnernden Parabel, bitter-böse, pessimistisch und nicht gerade Hoffnung machend.

Die Regierung, unfähiger denn je, steht mit dem Rücken zur Wand, Spitzel werden ausgeschickt. „Das Wort wird aufgenommen und ebenso das Gefühl. Niemand ist mehr sicher.“ Mit Verhaftungen, Gewalt, und Folter will man die Ursachen für die alle Parteien gleichermaßen betreffende Wahlschlappe herausfinden. Terror ähnliche Machenschaften durchlöchern langsam aber stetig die saubere, als so demokratisch gerühmte Oberfläche. Attentate, auffahrende Panzer, Demonstrationen verunsichern und destabilisieren das bis dahin so sicher geglaubte Leben. Es gibt Tote. Ein Kommissar soll die Schuldigen für das Versagen des Systems finden. Und da gibt es denn auch schon jemanden, der in Frage kommt, bekannt aus Saramagos beeindruckendem Roman Die Stadt der Blinden. Ein Buch, das kein Muss ist, um den neuen Roman über die Zerbrechlichkeit demokratischen Zusammenlebens, über Hochmut und Macht zu verstehen und außerordentlich wertzuschätzen, aber ein ebenso geniales Buch, dessen Lektüre man auf jeden Fall nachholen sollte!

Zugegeben, ein Saramogo liest sich nicht ganz leicht, endlos scheinende Sätze, oft eher konstruiert denn gedacht, mag man denken. Aber: man liest sich sozusagen in den Fluss ein. Und das geht so schnell, als würde man mitgerissen von einem langsam fließenden Lavastrom, aus dem es einfach kein Entrinnen mehr gibt. Saramago verstrickt den Leser in immer tiefere Nachdenklichkeit, Zweifel kommen auf, Fragen, Erkenntnisse. Mit Lösungen wird die Lektüre nicht versüßt, vielmehr bleiben kritische Betrachtung und Wachsamkeit. Aber: was kann es für mündige Staatsbürger besseres geben? –Barbara Wegmann

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