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Michel Ondaatje: Divisadero (2007) No ratings yet.

DivisaderoFür Claire und Anna ist ihre Mutter Lydia Mendes nur ein Gerücht, “ein Gespenst, das unser Vater nur selten erwähnte“. Nur Cooper, der seit seiner Kindheit auf der Farm im Norden Kaliforniens arbeitet, hat sie gekannt, könnte erzählen von ihr. Aber Cooper, selbst Waise und vom Vater mehr schlecht als recht geduldet, ist ein schweigsamer Mensch. Farmer soll Cooper werden, hat der Vater beschlossen. Aber der liest lieber Bücher über Gold unter dem Gras der Prärie.

Leise aber stetig entwickelt der 64-jährige Schriftsteller Michael Ondaatje (Der englische Patient) seine verwaisten Figuren, ihre verzweifelten Konstellationen und Schicksale. Auf der Suche nach dem privaten Glück verliebt sich die einsame Anna in Cooper. Als der Vater hinter die Liaison kommt, prügelt er Cooper auf brutalste Art und Weise vom Hof. Statt als Goldsucher wird er sich später als Profi-Pokerspieler verdingen. Anna geht nach Südfrankreich; allein Claire bleibt daheim, wo sich ihr Weg mit dem von Cooper nochmals kreuzt. Außenseiter und Getriebene, verlorene Seelen sie alle, getragen und verknüpft nur durch den melancholischen Tonfall von Ondaatjes grandioser Erzählung.

„Wir begriffen, dass seine Schweigsamkeit nicht aus einem Wunsch nach Alleinsein herrührte, sondern aus Unsicherheit gegenüber den Wörtern“, heißt es in Divisadero über Cooper. „Gewandt war er in der Welt materieller Dinge, in der er uns beschützte. Aber in der Welt der Sprache war er unser Schüler.“ In der Welt der Sprache, möchte man sagen, ist Ondaatje der uneingeschränkte Meister. So jedenfalls, wie er in Divisadero mit Wörtern seine Figuren und ihre Beziehungen entwickelt, macht ihm so leicht niemand etwas vor. — Isa Gerck, Literaturanzeiger.de

  •  Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Hanser; Auflage: 4 (Mai 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446209239
  • ISBN-13: 978-3446209237

Frankreich

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Paul Auster: Mann im Dunkel (2008) No ratings yet.

Mann im Dunkel: Paul Auster, Werner Schmitz: Amazon.de: Bücher

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH; Auflage: 2 (1. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498000802
  • ISBN-13: 978-3498000806

Rezension: ZEIT – Die Liebe in Zeiten des Krieges. Von Klaus Harpprecht

Ein alter Mann, durch einen Unfall verkrüppelt, starrt in die Nacht, die sich über das Haus in den Bergen von Vermont gelegt hat. Oben die Tochter Miriam, von ihrem Mann vor fünf Jahren verlassen, die sich noch immer in den Schlaf weint oder an der Biografie der rothaarigen Rose Hawthorne schreibt, der nicht allzu begabten Tochter des Dichters Nathaniel. Im anderen Zimmer unterm Dach die Enkelin Katya, schlaflos auch sie, die sich die Schuld am Tod ihres Boyfriends Titus gibt. Wenn sie denn schlafen, droben oder drunten, haben sie Albträume, die schwer auf den Seelen hocken.

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Arbeitsunfähig wegen Depression 3/5 (1)

Der Krankenstand ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. Doch immer mehr Menschen werden psychisch krank

Von Jana Tereick

Eine kranke Seele in einem gesunden Körper – so könnte die Zukunft des europäischen Arbeitnehmers aussehen. Arbeitsmediziner und Betriebskrankenkassen sehen eine bedenkliche Entwicklung: Während der Krankenstand auf einen historischen Tiefstand gesunken ist, hat sich der Anteil der psychischen Erkrankungen als Ursache für Arbeitsunfähigkeit seit 1990 auf acht Prozent mehr als verdoppelt.

(c) ZEIT.de, 29.3.2005

Quelle: http://www.zeit.de/2005/13/krankenstand

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