Schlagwort: Soziologie

Ina Schmidt: Die Kraft der Verantwortung: Über eine Haltung mit Zukunft (2021) 3/5 (1)

57605808. sy475 Von Verantwortung ist permanent die Rede. Doch was treibt uns dazu, Verantwortung zu übernehmen, wie wirkt sie und wo darf sie enden? Die Philosophin Ina Schmidt widmet dieser so nötigen wie befriedigenden Haltung eine wegweisende Grundsatzdarstellung.

Ob es um das Klima geht, um Politik, die Arbeit oder die Beziehung: In all unseren Lebenszusammenhängen ist verantwortungsvolles Handeln gefordert. Das kann eine Last sein, analysiert Schmidt, ist aber auch Ausdruck von Selbstwirksamkeit und Basis guten Zusammenlebens: eine Kraftquelle für das Individuum und die Gemeinschaft.

Ina Schmidt beleuchtet, was Verantwortung ausmacht, wie sie motiviert ist und in welchem Verhältnis sie zu anderen Werten und Zielen steht. Die Wahrnehmung von Nähe definiert sie als Zentrum verantwortlichen Handelns. Verantwortung erweist sich so als persönliche Haltung und Basis wesentlicher Entscheidungen, zugleich aber auch als globale politische Kraft, die räumliche und zeitliche Distanzen überbrückt.

Indem Ina Schmidt die Kraft der Verantwortung im Zusammenspiel aus kritischem Denken, emotionalem Spürsinn und beherzter Tatkraft begreift, öffnet sie einen Weg, der uns aus Unbehagen und Überforderung befreit. Denn sie ist überzeugt: Wenn Verantwortung uns zu wohlwollender Sorge führt, kann Zukunft gelingen

Hardcover, 272 pages
Published March 29th 2021
ISBN13 9783896842855
Edition Language German

http://www.denkraeume.net/

Schmidt, Ina (2004). Herr des Feuers. Friedrich Hielscher und sein Kreis zwischen Heidentum, neuem Nationalismus und Widerstand gegen den Nationalsozialismus – hsozkult.de

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Alain Finkielkraut: À la première personne / Ich schweige nicht: Philosophische Anmerkungen zur Zeit (2019 / 2021) 3.25/5 (4)

49595788. sx318 «Réactionnaire, disent-ils. Le moment m’a donc semblé venu de faire le point et de retracer mon parcours sans faux-fuyants ni complaisance. Il ne s’agit en aucune façon pour moi de rabattre la connaissance sur la confession et de défendre une vérité purement subjective. Je ne choisis pas, à l’heure des comptes, de me retrancher dans la forteresse imprenable de l’autobiographie. Je joue cartes sur table, je dis d’où je parle, mais je ne dis pas pour autant : „À chacun sa vision des choses.“

Le vrai que je cherche, encore et toujours, est le vrai du réel : son élucidation reste à mes yeux prioritaire.

Cependant, comme l’a écrit Kierkegaard : „Penser est une chose, exister dans ce qu’on pense est autre chose.“ C’est cet „autre chose“ que j’ai voulu mettre au clair en écrivant, une fois n’est pas coutume, à la première personne.»

Paperback, 128 pages
Published September 19th 2019 by GALLIMARD (first published 2019)
Original Title À la première personne
ISBN 2072853192 (ISBN13: 9782072853197)
Edition Language French

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Emmanuel Levinas – fr.wikipedia

Michel Foucault (1977)   Milan Kundera

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Pankaj Mishra: Das Zeitalter des Zorns: Eine Geschichte der Gegenwart (2017) 3/5 (1)

36039405. sy475 Wie können wir den Ursprung des Hasses erklären, der unsere Welt überzieht – von Amokläufern über den IS bis hin zu Donald Trump, von rachsüchtigem Nationalismus bis zu Rassismus und Frauenfeindlichkeit in den Sozialen Medien?

Der britisch-indische Intellektuelle Pankaj Mishra gibt in seinem neuen Buch eine überraschende Erklärung. Indem er zunächst den Blick bis hin zurück ins 18. Jahrhundert richtet, zeigt er, wie schon im Prozess der Modernisierung diejenigen, die nicht davon profitiert haben, anfällig für Demagogen waren.

Und alle anderen, die zu spät kamen, zurückgelassen oder ausgegrenzt wurden sind, immer auf erschreckend gleiche Weise reagiert haben: mit Hass auf erfundene Feinde, dem Heraufbeschwören eines imaginären Goldenen Zeitalters und der Selbstermächtigung durch spektakuläre Gewalt.

Heute wie damals treiben Massenpolitik, Technologie und das Streben nach Reichtum und Individualismus Millionen von Menschen ziellos in eine demoralisierte Welt: Entwurzelte, die von der Moderne nicht profitieren – mit denselben schrecklichen Folgen.

Eine brillante und höchst aktuelle Deutung der Gegenwart, wie sie nur ein wahrhaft »globaler Intellektueller« (SZ) vorlegen kann.»

Mit tiefem Verständnis sowohl der westlichen wie der nichtwestlichen Geschichte bekommt Pankaj Mishra, wie niemand vor ihm, das Elend im Herzen dieser gefährlichen Zeiten in den Griff. Das ist das erstaunlichste, überzeugendste und verstörendste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.« Joe Sacco»Zwingend, tiefgründig und genau zur richtigen Zeit.« John Banville

Übersetzt von Michael Bischoff, Laura Su Bischoff
Hardcover, 416 pages
Published June 22nd 2017 by S. FISCHER (first published January 26th 2017)
Original Title Age of Anger: A History of the Present
ISBN 3103972652 (ISBN13: 9783103972658)
Edition Language German

Literary Awards
Orwell Prize Nominee for Longlist (2018)

ZEIT: Pankaj Mishra: „Der Wunsch nach Zerstörung ist Teil moderner Gesellschaften“. Woher kommt die Wut auf der Welt? Der indische Schriftsteller Pankaj Mishra spricht über globalen Terrorismus, das Erbe der Aufklärung und die Verlierer der Geschichte. Interview: Kevin Neuroth 1. Juli 2017

ZEIT: Kampflinie im Herzen. Pankaj Mishra deutet die Verwerfungen des Kapitalismus aus einem Geburtsfehler der europäischen Moderne. Von Stefan Weidner. 12. Juli 2017

DLF: Ein Unbehagen an der Moderne. „Es gibt weit mehr Sehnsüchte, als sich im Zeitalter der Freiheit und des Unternehmertums legitim verwirklichen lassen“, schreibt der indische Essayist Pankaj Mishra in „Das Zeitalter des Zorns“. Sein neues Buch beschreibt das Unbehagen an der Moderne und ist eine Kritik an einem nicht zur Selbstreflexion fähigen Liberalismus. Von Ulrich Rüdenauer 19.07.2017

ZEIT: Zeitalter des Zorns. Endlich einer, der sich einen Reim auf unsere Gegenwart machen kann: Eine Begegnung mit dem globalen Intellektuellen Pankaj Mishra, der wie kein Zweiter die Lebenslügen des Westens entlarvt. Von Jan Roß. 26. Dezember 2019

"Zeitalter des Zorns": Das explosive Gefühl, zu kurz zu kommen: Protest gegen die Rentenreform in Paris.

Das explosive Gefühl, zu kurz zu kommen: Protest gegen die Rentenreform in Paris. © Kiran Ridley/?Getty Images

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Ferdinand von Schirach: Gott : ein Theaterstück (2020) 4/5 (1)

52831732. sy475 Richard Gärtner, 78, ein körperlich und geistig gesunder Mann, will seit dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben.

Er verlangt nach einem Medikament, das ihn tötet.

Ärzte, Juristen, Pfarrer, Ethiker, der Staat und die Gesellschaft zweifeln, ob sie ihm bei seinem Suizid helfen dürfen. Die Ethikkommission diskutiert den Fall.

Ferdinand von Schirach verhandelt in seinem neuen Theaterstück das Sterben des Menschen. Und wie schon in seinem ersten Drama »Terror« müssen wir am Ende selbst ein Urteil fällen.

Wem gehört unser Leben?

Wer entscheidet über unseren Tod?

Wer sind wir?

Und wer wollen wir sein?

Hardcover, 153 pages
Published September 14th 2020 by Luchterhand Literaturverlag
Original Title Gott : ein Theaterstück
ISBN 3630876293 (ISBN13: 9783630876290)
Edition Language German

Literaturkritik.de: Die Freiheit bevor der Vorhang fällt. Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Gott“ thematisiert Suizid und Sterbehilfe Von Martin A. Hainz Erschienen am: 22.09.2020

wikipedia.de

wikipedia.de – Film

https://gott.theater/cont/inhalt/de

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Svenja Flaßpöhler: Verzeihen: Vom Umgang mit Schuld (2016) 3/5 (2)

29441928. sy475 Verzeihen heißt dem Wort nach: Verzicht auf Vergeltung. Wer verzeiht, bezichtigt nicht länger andere für das eigene Leid, sinnt nicht auf Rache oder juristische Genugtuung, sondern lässt es gut sein.

Aber wie ist ein derartiges Loslassen möglich, das weder gerecht noch ökonomisch noch logisch ist? Lässt sich das Böse verzeihen?

Führt das Verzeihen zu Heilung, gar Versöhnung – oder ereignet es sich jenseits allen Zwecks? Ausgehend von eigenen Erfahrungen ergründet die Philosophin Svenja Flaßpöhler, unter welchen Bedingungen ein Schuldenschnitt im moralischen Sinne gelingen kann.

Sie spricht mit Menschen, denen sich angesichts schwerster Schuld die Frage des Verzeihens in aller Dringlichkeit stellt, und sucht nach Antworten in der Philosophie.

Hardcover, 225 pages
Published March 8th 2016 by Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN13 9783421044631
Edition Language German

ZEIT: Moralischer Schuldenschnitt. Wann klappt es mit dem Verzeihen? Svenja Flaßpöhler will das mit Fallbeispielen klären. Von Caroline Rehner 1. September 2016, DIE ZEIT Nr. 35/2016, 18. August 2016

Leider brechen die prägnanten Abhandlungen zu diversen Aspekten des Verzeihens immer dann ab, wenn eine These, eine Entscheidung oder wenigstens die Skizze einer Antwort verlangt wäre. Stattdessen folgt wieder ein Fallbeispiel oder eine neue Szene im Strang über die eigene Mutter. „Das Verzeihen zu verstehen und auszuloten bis an seine Grenzen“: Das war das erklärte Ziel der Autorin. Es bleiben jedoch zu viele Gedanken dort, wo sie schwierig werden, zu früh am Wegesrand zurück. Und es ist am Ende ebenfalls fraglich, ob sich Philosophie tatsächlich derart unmittelbar auf die reale Lebenswelt anwenden lässt, wie es hier versucht wird. So wird der Leser zwar durchaus inspiriert aus der Lektüre entlassen, aber auch mit dem Gefühl, vieles nur gestreift und kaum durchdrungen zu haben.

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Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben / The Human Condition (1958 / 2007) 4.6/5 (5)

https://i0.wp.com/www.piper.de/uploads/_processed_/3/0/csm_produkt-10006698_c7204a4ef4.jpg?w=788&ssl=1Hannah Arendts politische Theorie kritisiert die Reduktion tätigen Lebens auf Arbeit und Konsum und insistiert auf dem Freihalten und der Erweiterung der Öffentlichkeit.

Was tun wir eigentlich, wenn wir tätig sind? Wie kommt es, dass Arbeit – in der Antike noch verachtet und bevorzugt Sklaven überlassen – in unserer modernen Gesellschaft zur höchsten Tätigkeit aufsteigen konnte? Das sind die Fragen, die im Mittelpunkt von Hannah Arendts 1958 erschienenem Buch Vita activa oder Vom tätigen Leben stehen. Arendt kritisiert die neuzeitliche Tendenz, Arbeit zu verherrlichen, politisches Handeln dagegen als sinnlos und überflüssig zu betrachten. Die Konsequenz einer solchen Haltung ist, dass der Mensch nicht mehr in seiner Welt beheimatet ist, der technischen Entwicklung nicht folgen kann und sich willenlos in den ewigen Kreislauf von Arbeiten und Konsumieren einfügt. Doch Arendt zeichnet die Situation nicht als ausweglos. Im gemeinsamen, öffentlichen Handeln erkennt sie die Chance des Menschen, seine Entfremdung von der Welt zu überwinden. Statt sich in private Hobbys oder Konsum zu flüchten, müsse er politisch aktiv werden und immer wieder einen Neuanfang setzen. Mitunter wirkt das Buch wie elitäre Kulturkritik. Doch Arendts scharfe Analyse der „Jobholdergesellschaft“, in der das Individuum funktionieren muss, um sich zu erhalten, ist bis heute hochaktuell.

by getabstract

Paperback, 484 pages
Published 2007 by Piper Verlag (first published 1958)
Original Title The Human Condition
ISBN 3492236235 (ISBN13: 9783492236232)
Edition Language German

de.wikipedia.org

Zusammenfassung

Noch eine Zusammenfassung

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Simone de Beauvoir: Das Alter / La Vieillesse (1977 / 1970) 2/5 (1)

903516Simone de Beauvoirs Buch über das Alter ragt durch die einzigartige Fülle des ausgebreiteten Materials wie durch die Vielfalt neuer Einsichten und Perspektiven unter allen wissenschaftlichen und philosophischen Abhandlungen dieses Themas hinaus.

Die beharrliche Leidenschaft der Autorin von „Das andere Geschlecht“, die Besessenheit, mit der sie biologische und kunsthistorische Fakten aufspürt und gesellschaftliche Zusammenhänge aufdeckt, ihr Sinn für das bezeichnende biographische Beispiel, für den Stellenwert historischer Vorgänge und gegenwärtiger Entwicklungen, machen dieses Buch zu einer faszinierenden Lektüre.

„Ein einzigartiges Dokument. Die Fähigkeit der Autorin zum Staunen ist mit einer immensen Detailkenntnis verbunden. Ein schockierendes Werk, das sich mit nichts vergleichen läßt“ („L’Express“)

Paperback
Published October 10th 1977 by Rowohlt Taschenbuch (first published January 28th 1970)
Original Title La Vieillesse
ISBN 3499227495 (ISBN13: 9783499227493)
Edition Language German

Anjuta Aigner-Dünnwald (Translator)
Ruth Henry (Translator)

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Annie Ernaux: Mémoire de fille / Erinnerung eines Mädchens (2016 / 2018) 4/5 (1)

41076357. sy475 Sommer 1958: Annie Duchesne wird 18 Jahre alt. Sie arbeitet als Betreuerin in einer Ferienkolonie. Sie findet in eine Clique, zusammen feiern sie Feten, genießen ihre Jugend.

Und Annie ist in H. verliebt, mit ihm hat sie ihr erstes Mal. Eine Nacht, die einen anhaltenden Schock bedeutet. Denn H. ignoriert sie fortan, sie weiß nicht, wohin mit sich und lässt sich auf andere ein. Schnell ist sie verfemt.

Was folgt, sind Ausgrenzung, der Hohn der anderen, ihre eigene Scham.

Und Schweigen. Denn über 55 Jahre braucht Annie Ernaux, um sich dieser »Erinnerung der Scham« stellen zu können – anhand von Fotografien und Briefen schreibt sie von einer Zeit, die sich in ihren Körper gebrannt hat. Die ihre Moral, ihre Sexualität, ihr ganzes langes Leben geprägt und bestimmt hat.

Mit schonungsloser Genauigkeit erzählt Annie Ernaux von ihrer ersten sexuellen Begegnung – von Macht, Ohnmacht und Unterwerfung. Von einer Wunde, die niemals ausgeheilt ist. Und vom teuer bezahlten Erkennen des eigenen Werts.

Hardcover, 163 pages
Published October 2nd 2018 by Suhrkamp Verlag (first published April 1st 2016)
Original Title Mémoire de fille
ISBN13 9783518427927
Edition Language German

fr.wikipedia

franceculture „Les années“ de Annie Ernaux 10 ÉPISODES (20 DISPONIBLES)

SWR2 Hörspiel: Die Jahre

Literaturkritik.de: Ein Buch der Scham. In „Erinnerung eines Mädchens“ vollendet Annie Ernaux ihr autobiografisches Projekt. Von Beat Mazenauer Erschienen am: 05.11.2018

ZEIT: „Ich fühle mich schuldig“. Annie Ernaux ist in Frankreich eine literarische Legende, hierzulande werden ihre Romane über ihre Herkunft aus dem Arbeitermilieu gerade erst entdeckt. Ein Besuch bei einer eigenwilligen alten Dame in Cergy Von Iris Radisch 10. Oktober 2018, DIE ZEIT Nr. 42/2018

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Dieter Thomä: Warum Demokratien Helden brauchen.: Plädoyer für einen zeitgemäßen Heroismus (2020) 3/5 (1)

48573248. sy475 Die Demokratie steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Menschen sehnen sich seit jeher nach Lichtgestalten. Passt das heute noch in unser aufgeklärtes Weltbild? Ja, sagt Dieter Thomä. Er wendet sich gegen diejenigen, die sich in einer postheroischen Gesellschaft einrichten, und zeigt, wie leblos eine Demokratie ist, in der alle gleich sind. Thomä erklärt, warum heute Menschen gefragt sind, die über sich hinauswachsen und andere motivieren, es ihnen gleich zu tun.

Die Demokratie tut gut daran, das Heldentum nicht denen zu überlassen, die autoritär oder fundamentalistisch denken. Denn sie wird nicht nur von Institutionen zusammengehalten, sondern auch von Individuen, die sich für eine Sache einsetzen, die größer ist als sie selbst. Sie machen aus der Kampfeslust eine Tugend und wagen neue Wege. In der Suche nach den richtigen Helden – und im Streit um sie – schärft eine demokratische Gesellschaft ihr Profil. Gerade in Zeiten, in denen sie unter Druck steht, ist dies unverzichtbar.

Hardcover, 272 pages
Published October 25th 2019 by Ullstein Hardcover
ISBN13 9783550200335

DLF: „Warum Demokratien Helden brauchen“. Die Demokratie kommt ohne Helden aus, so die Auffassung im sogenannten postheroischen Zeitalter. Der Philosoph Dieter Thomä will dieses Denken revidieren: Die Demokratie brauche dringend entschlossene Verteidiger. Sein neues Buch ist ein „Plädoyer für einen zeitgemäßen Heroismus“. Von Änne Seidel 11.11.2019

ZEIT: Blasse Helden. Der Philosoph Dieter Thomä huldigt dem unspektakulären, aber couragierten Demokraten in Zeiten der Demokratiekrise.
Eine Rezension von Jens Hacke DIE ZEIT Nr. 44/2019, 24. Oktober 2019

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Joseph Hanimann: Allez la France!: Aufbruch und Revolte – Porträt einer radikalen Nation (2017) 3/5 (5)

36371074. sy475 „Gott wohnt noch immer in Frankreich, doch er langweilt sich. Über Frankreich, das lange tonangebend war in Europa, ist hysterische Stille eingekehrt.“ Joseph Hanimann

Frankreich ist zu einem großen Rätsel geworden. Das Sehnsuchtsziel so vieler Künstler, Intellektueller und Liebhaber des Laisser-faire, Traumland des Genusses und Inbegriff der Lebensfreude, politischer Taktgeber und revolutionärer Querdenker – all dies scheint Vergangenheit. Einst radikal in seinem Willen zur gesellschaftlichen Veränderung, ist Frankreich nun ebenso radikal in seiner Verweigerung des Wandels.

„Es soll besser werden, aber sich nichts ändern “ – niemand lebt diesen Slogan derzeit so konsequent wie Frankreich.

Dieses Buch ist das kenntnisreiche Porträt eines Landes, das zwischen innerer Erstarrung und revolutionärem Gestus verharrt.

Hardcover, 224 pages
Published September 8th 2017 by Orell Füssli Verlag
ISBN13 9783280056622
Edition Language German

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Martha Nussbaum, Saul Levmore: Älter werden: Gespräche über die Liebe, das Leben und das Loslassen (2018) 2.67/5 (6)

43377299. sy475

We all age differently, but we can learn from shared experiences and insights. The conversations, or paired essays, in Aging Thoughtfully combine a philosopher’s approach with a lawyer-economist’s.

Here are ideas about when to retire, how to refashion social security to help the elderly poor, how to learn from King Lear — who did not retire successfully — and whether to enjoy or criticize anti-aging cosmetic procedures. Some of the concerns are practical: philanthropic decisions, relations with one’s children and grandchildren, the purchase of annuities, and how to provide for care in old age. Other topics are cultural, ranging from the treatment of aging women in a Strauss opera and various popular films, to a consideration of Donald Trump’s (and other men’s) marriages to much younger women.

These engaging, thoughtful, and often humorous exchanges show how stimulating discussions about our inevitable aging can be, and offer valuable insight into how we all might age more thoughtfully, and with zest and friendship.

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Lukas Bärfuss: Krieg und Liebe: Essays (2018) 3/5 (6)

Cover Krieg und LiebeDie Essays von Lukas Bärfuss sind ein Ereignis. Scharf beobachtet, scharf gedacht, scharf formuliert.

Ob er über große geschichtliche und politische Themen nachdenkt oder über ganz konkrete Fragen einfacher Leute – Lukas Bärfuss ist ein Autor und Denker von europäischem Format. Er schafft es, auch komplizierte Sachverhalte so zu erzählen, dass man seine scharfsinnigen Argumentationen nachvollziehen kann, dass man sich eingeladen fühlt, an seinen Gedankengängen teilzunehmen. Mit Überraschung, Staunen und immer mit Genuss und Gewinn. Sei es, wenn er über die Schweiz spricht oder über Erfahrungen in Afrika und Südamerika, ob er über Autoren von Goethe, Nietzsche und Tolstoi bis Nicolas Born nachdenkt oder über Ovid, Stendhal und Sakurai, immer erfährt man Erhellendes. Bärfuss schreibt über Religion und Glauben, über die Moral im Journalismus und über das Leben eines Vertreters für Geräteentkalker. Es zeigt sich, dass es keine kleinen oder großen Fragen gibt, stets ruft der Autor die großen Zusammenhänge und ethischen Dimensionen auf, macht sie sinnfällig sichtbar. Er hütet sich vor vorschnellen Antworten, und zuweilen ist die präzise Beschreibung eines Dilemmas gerade das Leistbare, das weiterbringt. Freude und Notwendigkeit können ganz nah beieinander liegen, oder auch himmelweit voneinander entfernt.

Hardcover, 286 pages
Published 2018 by Wallstein Verlag
ISBN13 9783835332416
Edition Language German

  • DF: Unbequeme Thesen eines politischen Kopfs. Lukas Bärfuss ist nicht nur Romanautor, sondern auch ein brillanter Essayist. Im seinem neuen Essayband sucht der Schweizer den Krieg in der Liebe und die Liebe im Krieg und erklärt, dass liberale Kräfte in Deutschland einer schwerwiegenden Illusion aufsitzen. Von Angela Gutzeit 18.04.2018
  • ZEIT: Krieg und Liebe in Kigali. Der Schweizer Lucas Bärfuss betreibt in seinem Roman »Hundert Tage« Politik- und Nestbeschmutzung Von Verena Auffermann 13. März 2008

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Gerald Hüther: Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft (2018) 1.9/5 (10)

38951044Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben?

Würde ist ein großer Begriff. Gleich in Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Doch was genau ist Würde? Was bedeutet es, wenn uns unsere Würde genommen wird, weil wir etwa in der digitalen Welt nur noch als Datensatz zählen oder im Netz geschmäht werden? Wenn wir uns selbst würdelos verhalten oder andere entwürdigen? Der Hirnforscher Gerald Hüther zeigt in seinem neuen Buch, dass Würde nicht allein ein ethisch-philosophisch begründetes Menschenrecht ist, sondern ein neurobiologisch fundierter innerer Kompass, der uns in die Lage versetzt, uns in der Vielfalt der äußeren Anforderungen und Zwänge in der hochkomplexen Welt nicht zu verlieren. Umso wichtiger ist es, dass wir lernen, die Wahrnehmung der eigenen Würde zu stärken. Denn: Wer sich seiner Würde bewusst ist, ist nicht verführbar.

Uli Hauser (Contributor)

https://www.gerald-huether.de/
Hardcover, 192 pages
Published March 5th 2018 by Albrecht Knaus Verlag
ISBN13 9783813507836
Edition Language German

 

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Ingrid Mühlhauser: Unsinn Vorsorgemedizin: Wem sie nützt, wann sie schadet (2017) 2.13/5 (8)

46251214Mammographie, Darmkrebsvorsorge, Prostatatest, alljährlicher Gesundheits-Check – wir alle werden angehalten, uns rechtzeitig mit der Früherkennung und Vorsorge zu beschäftigen, oft belohnt durch Bonusprogramme unserer Krankenkassen. Aber helfen all diese Maßnahmen wirklich, Krankheiten vorzubeugen oder sie rechtzeitig zu erkennen?

Eines steht fest: Der Nachweis steht aus, dass die Menschen seltener an Herz-Kreislauf-, Krebs-, Diabetes- oder anderen Erkrankungen sterben als ohne diese Flut der angebotenen Vorsorgeuntersuchungen.

Heute wissen wir: Das Suchen nach Risiken und Krankheiten ist nicht zwangsläufig von Nutzen. Insbesondere das Massenscreening in der Krebsmedizin nutzt nur einem verschwindend kleinen Teil der Menschen. Viele werden unnötig zu Patienten gemacht. Es ist nicht zu übersehen, dass die Medizin und besonders auch die Vorsorgemedizin ein lukratives Wirtschaftssystem ist. Vorsorgemedizin, das zeigt die Autorin, ist unzuverlässig und recht willkürlich, und bis heute gibt es viele Irrtümer in diesem Zweig der Medizin.

Paperback, 224 pages
Published June 4th 2017 by Rowohlt
ISBN13 9783499632556
Edition Language German

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Olivier Guez: Das Verschwinden des Josef Mengele: Roman (2018 / 2017) 3.92/5 (13)

Das Verschwinden des Josef Mengele: RomanAuf den Spuren des Bösen – der Sensationsbestseller aus Frankreich

1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand.

Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein rasanter Politthriller und wahrt zugleich die notwendige Distanz.

„Olivier Guez schuf mit diesem bekannten Verfahren eine phantastische neue Romanform.“ Frédéric Beigbeder in Le Figaro magazine

207 pages
Published August 11th 2018 by Aufbau Digital (first published August 16th 2017)
Original Title La Disparition de Josef Mengele

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