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Literaturnobelpreisträger José Saramago gestorben No ratings yet.

Die Stimme Portugals: Literaturnobelpreisträger José Saramago gestorben – Autoren – Feuilleton – FAZ.NET

Der portugiesische Nobelpreisträger José Saramago ist tot. Nach portugiesischen Medienberichten starb er am Freitag im Alter von 87 Jahren auf der spanischen Kanaren-Insel Lanzarote. Saramago hatte 1998 den Literaturnobelpreis bekommen.

18. Juni 2010

Zum Todeszeitpunkt sei seine Ehefrau und Übersetzerin Pilar del Río bei ihm gewesen. José Saramago habe eine ruhige Nacht verbracht. Nach dem Frühstück habe er sich mit seiner Frau unterhalten. Plötzlich habe er sich unwohl gefühlt und sei kurz darauf gestorben, hieß es weiter.

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Carlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels (2008) No ratings yet.

Das Spiel des Engels: Carlos Ruiz Zafón, Amazon.de: Bücher

  • Gebundene Ausgabe: 720 Seiten
  • Verlag: S. Fischer; Auflage: 2., Aufl. (10. November 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100954009
  • ISBN-13: 978-3100954008

Aus der Amazon.de Redaktion
David Martín ist siebzehn, als er die Chance seines Lebens erhält: Der Chefredakteur einer Regionalzeitung fragt ihn, ob er für einen ausgefallenen Beitrag Ersatz liefern könne. Und David Martín kann: seine Erzählungen „Geheimnisse von Barcelona“ werden ein Riesenerfolg. Doch im Laufe der Zeit wird klar: Dieser Erfolg hat seinen Preis… Die mystisch-spannende Geschichte, die Bestsellerautor Zafón in Das Spiel des Engels entfaltet, zieht den Leser rasch in ihren Bann und entführt ihn in ein faszinierend morbides Barcelona zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zafóns grandioses Debüt Der Schatten des Windes begleitete den Buchhändler Daniel Sempere auf einer Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Das Spiel des Engels führt nun noch weiter zurück, nämlich bis zu Daniels Großvater. Der alte Buchhändler Sempere ist jetzt der väterliche Freund Davids. Nach seinem erfolgreichen Einstand verdient der aus armem Hause stammende Literat David bald sein Geld mit dem Fortsetzungsroman „Verdammte der Stadt“.

Doch im Laufe seiner 127 Folgen zehrt die Arbeit ihn auf, seine Liebe zur schönen Cristina bleibt unerwidert, und seine Gesundheit nimmt schweren Schaden.

Eines Tages, als es David Martín besonders schlecht geht, nimmt der alte Buchhändler Sempere ihn mit an einen geheimnisvollen Ort, der schon im Der Schatten des Windes verzauberte: den Friedhof der vergessenen Bücher. Bald darauf erhält der inzwischen schwer kranke David eine seltsame Offerte von einem dubiosem Verleger. Für das Schreiben einer ganz speziellen Auftragsarbeit macht dieser dem Schriftsteller ein verlockendes Angebot – ein guter Deal oder ein Pakt mit dem Teufel?

Das Spiel des Engels ist gleichzeitig Fantasy-Märchen, Liebesgeschichte, Krimi und Horrorstory. Das Buch fesselt den Leser mit den fein gesponnenen Fäden
seiner Geschichte, sodass man bald nicht mehr zwischen erzählter Wirklichkeit und imaginiertem Trugbild zu unterscheiden vermag. Wie schon in Der Schatten des Windes verknüpft Zafón äußerst kunstvoll verschiedene Ebenen und Stränge miteinander. Über geheimnisvolle Orte und metaphysisch anmutende Begegnungen verdichtet sich die Handlung immer mehr – bis zu dem Punkt, da sie schließlich in einen erbarmungslosen Kampf auf Leben und Tod mündet. — Ulrike Künnecke, Literaturtest

Interview: 5 Fragen an Carlos Ruiz Zafón

Herr Zafón, Ihr letztes Buch Der Schatten des Windes entführte uns an einen geheimnisvollen Ort, an dem Bücher niemals sterben. Wohin entführt uns Ihr neuer Roman Das Spiel des Engels?

Das Spiel des Engels entführt den Leser wieder in das literarische Universum des Friedhofs der Vergessenen Bücher und in das mysteriöse gotische Viertel
Barcelonas. Es ist eine Geschichte, in der es Intrigen und Romanzen gibt, die tragisch und komisch ist. Und sie steckt voller Überraschungen.

Wie arbeiten Sie an einem Roman?

Zafon Wenn ich mich hinsetze, schreibe ich tagelang durch und gönne mir nur einen freien Tag in der Woche. Einen Teil vom Das Spiel des Engels habe ich in Los Angeles geschrieben. Ein Freund hat mir ein
Arbeitszimmer überlassen und ich habe dort von 6 Uhr früh bis 2 Uhr mittags geschrieben, völlig gegen meine Veranlagung. Sonst arbeite ich immer nachts. Schreiben ist ein komplizierter Prozess, der mich viel Zeit kostet und für den ich mich ein wenig aus der Welt zurückziehen muss.

In Spanien ist „Das Spiel des Engels“ noch erfolgreicher als Ihr erster Roman. Woran, glauben Sie, liegt das?

Zafon
„Der Schatten des Windes“ habe ich vor zehn Jahren angefangen zu schreiben. Ich glaube, dass ich in dieser Zeit etwas hinzugelernt habe. Man lernt aus seinen Fehlern und mit dem Alter. Zudem war das Buch aus der Perspektive eines heranwachsenden Jungen geschrieben und deshalb liebenswürdiger. Beim Das Spiel des Engels war ich mutiger, und so ist dabei die ruchlose Schwester von Der Schatten des Windes herausgekommen. Es hat mehr von Charles Dickens: Es ist eine Hommage an die Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, die die Literatur auf fieberhafte Weise lebten.

Wann haben Sie angefangen zu schreiben?

Zafon
Als ich zum ersten Mal Geld für etwas von mir Geschriebenes erhielt, war ich acht Jahre alt und dachte, mit 13 bin ich berühmt. Ich gründete mit einigen Freunden an der Schule einen Verlag. Einer kümmerte sich um die Gestaltung, ein anderer machte die Kopien, und ich schrieb. Es waren Horrorgeschichten mit Außerirdischen und Vampiren. Mit dem Geld, das wir einnahmen, kauften wir uns Süßigkeiten. Seitdem habe ich nicht aufgehört zu schreiben.

Was ist Glück für Sie?

Zafon
Ich tu gerne einmal nichts, aber irgendetwas mache ich immer. Ich höre gern Musik, lese, gehe ins Kino, reise und lerne. Ich lerne sehr
schnell. Viel wichtiger als der Erfolg meiner Bücher ist für mich,  dass ich seit langer Zeit zum ersten Mal mit mir selbst zufrieden bin. Was ist für mich das Glück? Darauf antworte ich immer das Gleiche: geistige Zufriedenheit.

Über den AutorCarlos Ruiz Zafón
Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren, wuchs im Schatten von Gaudís Kathedrale Sagrada Família auf und besuchte die gotische Jesuitenschule von Sarría. Deren wuchernde Architektur regte schon den
10-Jährigen zu Schauergeschichten an und inspiriert ihn bis heute zu seinen kunstvoll konstruierten Romanhandlungen. Seine berufliche Laufbahn begann er als Texter, bevor es ihn 1994 nach Los Angeles zog,
wo er zehn Jahre als Drehbuchautor und  Journalist arbeitete. Für sein Erstlingswerk Der Fürst des Nebels erhielt Ruiz Zafón 1993 den Edebé-Preis für Jugendliteratur. Sein Roman Der Schatten des Windes von 2001 wurde zum größten Bucherfolg Spaniens und begeisterte, in mehr als 30 Sprachen übersetzt, Leser in aller Welt.

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Javier Marías: Morgen in der Schlacht denk an mich (1994) No ratings yet.

  • Taschenbuch: 407 Seiten
  • Verlag: Dtv (Juni 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342312637X
  • ISBN-13: 978-3423126373

Sie ist noch nicht 33, hat sowohl Mann als auch einen zweijährigen Sohn sowie ein paar außereheliche Verhältnisse. Als Martas Mann für ein paar Tage in London ist, lädt sie Víctor in ihre Wohnung ein. Noch bevor sie beide vollständig entkleidet sind, stirbt Marta unvermittelt in Víctors Armen. Das Zögern, den Ehemann zu benachrichtigen, die Furcht, die Tote und den kleinen Jungen einfach so in der Wohnung zu lassen, die Scham, Martas Ruf durch seine Existenz zu beschädigen – all das über-fordert Víctor. Er flüchtet …

Rezension: Die Zeit, FAZ, Berliner Zeitung

wikipedia de, engl

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Antonio Tabucchi: Erklärt Pereira (1997) 4/5 (1)

Erklärt Pereira

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Author: Antonio Tabucchi

Year: 1997

Publisher: Dtv

ISBN: 3423124245

Von einem raffinierten und subtilen Erzähler wie Antonio Tabucchi, der von klaren Konturen und unumstösslichen Gewissheiten wenig hält, hätte man eigentlich alles andere als einen politisch engagierten Roman erwartet. Mit Erstaunen stellt man aber fest, dass ihm in «Erklärt Pereira» gelungen ist, ohne Stilbruch und ohne seiner zweiflerischen Natur untreu zu werden, die Geschichte eines Journalisten zu erzählen, der sein ganzes Leben unter einem totalitären Regime gelebt hat, bis zum Moment, da er sich entscheidet, seiner Meinung freien Ausdruck zu geben. Der Schauplatz der Handlung ist Lissabon im August 1938, zu einem Zeitpunkt also, da der Faschismus nicht nur in Portugal, sondern auch in Deutschland, Italien und Spanien siegreich war.

Pereira ist ein gebildeter älterer Herr, der die Kulturseite einer Tageszeitung redigiert, ohne sich mit der unangenehmen Realität der Diktatur, in der er lebt, auseinanderzusetzen: lieber verkehrt er mit den Toten, indem er mit dem Photo seiner verstorbenen Frau plaudert und die französischen Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts, die er verehrt, ins Portugiesische übersetzt. Zur Konfrontation mit der Realität kommt er durch den jungen Monteiro Rossi, der über den Tod in der Literatur promoviert hat und ihm anbietet, Nekrologe berühmter Schriftsteller zu schreiben. In Wirklichkeit organisiert er jedoch den antifaschistischen Widerstand, mit dem sich Pereira zwischen Widerstreben und Anteilnahme ebenfalls zu solidarisieren beginnt. In einer gefährlichen Situation versteckt er Monteiro Rossi in seiner Wohnung, wo dieser kurz darauf von Schlägern des Regimes umgebracht wird. Pereira rächt ihn mit einem Augenzeugenbericht, den er auf seiner Kulturseite erscheinen lässt. Dann flieht er mit einem falschen Pass ins Ausland.

Tabucchi erzählt diese Geschichte einer politischen Bewusstwerdung, die sich im heissen August 1938 abspielt, als ein komplexes und widersprüchliches Geschehen, das Fragen, Vermutungen, Hypothesen und Deutungen zulässt; er erzählt nicht als allwissender Autor, sondern als einer, der aufschreibt, was Pereira konstatiert, bezeugt oder aussagt, eine Situation, auf die der Titel «Erklärt Pereira» («Sostiene Pereira») anspielt. Der Roman beginnt mit der Feststellung «Pereira erklärt» und endet mit den Worten «erklärt Pereira»; und zwischen Anfang und Ende gibt es keine Seite, auf welcher der Leser durch diesen Einschub nicht mindestens einmal daran erinnert wird, dass der Autor nur das, was Pereira zu Protokoll geben will, berichtet. Es gibt in der italienischen Literatur der Gegenwart seit Italo Calvino keinen andern Autor, der einen so einfachen stilistischen Kunstgriff mit so sicherer Eleganz einzusetzen vermöchte wie Tabucchi: der unzählige Male wiederholte Satz erstarrt ihm nicht zur leeren Floskel, sondern gewinnt durch die dramatische Präzipitation der Handlung eine beklemmende Sogwirkung. In der Fiktion des Romans ist nicht auszumachen, wer Pereiras Aussagen eigentlich protokolliert; ein Polizist, eine höhere Instanz, der Erzähler? Sicher ist, dass sich in seinen Bekenntnissen die drückende Atmosphäre des Polizeistaates spiegelt, wo Bespitzelung, Verdächtigung und Verhör zum Alltag gehören. Sicher auch, dass Pereira, indem er die Aussage ab und zu verweigert – vor allem, wenn es um Privates geht – die Ambivalenz seiner Erfahrungen schützt. Nach seiner ersten Begegnung mit dem jungen Revolutionär heisst es: «Pereira erklärt, dass er nicht weiss, warum er das sagte, vielleicht einfach, weil er die Portiersfrau und die salazaristische Polizei verabscheute, jedenfalls war es ihm ein Bedürfnis, es zu sagen, aber nicht um eine eingebildete Komplizenschaft mit diesem jungen Mann herzustellen, den er nicht kannte: nicht deshalb, aber den genauen Grund kennt er nicht, erklärt Pereira.»

Wo die psychologischen Motive im Nebel des Unbewussten verschwimmen, drängen sich Umrisse der sichtbaren und beschreibbaren Wirklichkeit ins Zentrum: die Farben von Meer und Himmel, die Wetterlage, der Blick aufs Thermometer, das frühe oder späte Aufstehen, Bus- und Taxifahrten durch die sonnendurchglühte Stadt, die Rasten im Café Orquidea, wo Pereira sich über Mittag Kräuteromeletten und Zitronenwasser bestellt – die tausend kleinen Gesten und Rituale, die den Tag eines Menschen scheinbar ausfüllen und sich zur protokollarischen Auflistung eignen. Auch die geistige Atmosphäre von Lissabon 1938 wird geschildert: Tageszeitungen, die auf der ersten Seite über die Taufe einer Luxusjacht in New York berichten und die Streiks und die politischen Morde im eigenen Land mit keinem Wort erwähnen, halblaute Gespräche über die Entwicklung des Bürgerkriegs in Spanien und die Spaltung der französischen Katholiken, bei denen Mauriac und Bernanos sich gegen den franquistischen Claudel gewendet haben.

Seine besondere Lebendigkeit gewinnt der Roman aus der Verwendung der gesprochenen Sprache. Pereiras Geschichte wird in einem lockeren und beiläufigen kolloquialen Stil erzählt, den Tabucchi schon in seinem letzten Roman, dem «Lissabonner Requiem», ausprobiert hat. Ernst und Ironie, Wichtiges und Unwichtiges gehen darin unversehens ineinander über und fesseln den Leser, indem sie ihm Ausblicke ins Ungewisse geben. Wie kunstvoll der scheinbar kunstlose Roman strukturiert ist, zeigt der Kontrapunkt zwischen Tod und Leben, der Pereiras Bericht durchzieht. Die Waffe, mit der er am Ende seiner Geschichte das Regime herausfordert, ist der Nachruf auf seinen toten Freund. Tabucchis Roman ist ein ebenso überzeugendes wie seltenes Beispiel dafür, dass die Literatur die Geschichte herausfordern kann.
Alice Vollenweider

de.wikipedia

Film, ZEIT

Rezension: FAZ,

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