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Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht? / Qui a tué mon père (2019/2018) 2.64/5 (11)

https://i1.wp.com/i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1541271431l/42621093._SY475_.jpg?w=788&ssl=1»An meine Kindheit habe ich keine einzige glückliche Erinnerung« lautet der erste Satz in Édouard Louis‘ Roman »Das Ende von Eddy«. In seinem neuen Buch »Wer hat meinen Vater umgebracht« sieht Louis das anders, mittlerweile versteht er die Gewaltausbrüche seines Vaters, der unter der sozialen Ungerechtigkeit einer Gesellschaft leidet, die für Menschen wie ihn keinen Platz hat. Louis erinnert sich an einen liebevollen und fürsorglichen Vater, der seinem Sohn wünscht, aus den einfachen Verhältnissen auszubrechen. Édouard Louis hat es geschafft. Eine überwältigende Hommage an den eigenen Vater und dessen gescheiterte Träume.

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Hardcover, 80 pages
Published January 23rd 2019 by S. Fischer (first published May 3rd 2018)
Original Title Qui a tué mon père
ISBN13 9783103974287
Edition Language German

 

fr.wikipedia.org – Qui a tué mon père ?

ZEIT: Macron beklaut meinen Vater. Mitten im Gelbwestenkampf legt der junge französische Erfolgsautor Édouard Louis ein neues Buch über sich und seine Familie vor. Es ist ein vulgärsoziologisches Pamphlet geworden. Eine Rezension von Iris Radisch 23. Januar 2019, 16:51 Uhr Editiert am 25. Januar 2019, 7:55 Uhr DIE ZEIT Nr. 5/2019, 24. Januar 2019

DLF: Uraufführung von „Qui a tué mon père“Todesopfer des Sozialabbaus. Der junge Autor Édouard Louis, Arbeiterkind und Shootingstar der französischen Literatur, klagt an: Politik und Sozialabbau hätten seinen Vater getötet. Sein Buch „Qui a tué mon père“ ist im Januar auf Deutsch erschienen. Stanislas Nordey bringt den Roman nun in Paris auf die Bühne – und spielt selbst. Von Eberhard Spreng 13.03.2019

DLF: Klartext, der wehtut. In seinem gefeierten Debütroman hatte Édouard Louis den Schwulenhass seines Vaters bloßgestellt. In seinem neuen Buch „Wer hat meinen Vater umgebracht“ attackiert er nun das politische System, das seinen Erzeuger zu dem gemacht hat, der er ist. Eine aufwühlende, provozierende Streitschrift. Von Christoph Vormweg 06.02.2019

jetzt.de: „Macron hasst arme Menschen“. Der Schriftsteller der Stunde, Édouard Louis, über das Verhältnis zu seinem Vater, gefährliche Männlichkeitsbilder und die Arroganz der Macht. Interview von Quentin Lichtblau 06.02.2019

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Sabine Bode: Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation (2009 / 2013) 1.75/5 (8)

Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen GenerationAls Friedenskinder sind sie in den Zeiten des Wohlstandes aufgewachsen. Es hat ihnen an nichts gefehlt. Oder doch?

Die Generation der zwischen 1960 und 1975 Geborenen hat mehr Fragen als Antworten:

  • Wieso haben viele das Gefühl, nicht genau zu wissen, wer man ist und wohin man will?
  • Wo liegen die Ursachen für diese diffuse Angst vor der Zukunft?
  • Weshalb bleiben so viele von ihnen kinderlos?

Noch ist es für sie ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über 60 Jahre zurückliegt, so stark in ihr Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt?

Perfect Paperback, 304 pages
Published August 23rd 2013 by Klett-Cotta Verlag (first published October 1st 2009)
Original Title Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation
ISBN 3608948082
Edition Language German

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Annie Ernaux: La Place (dt. Der Platz) 1983 4.38/5 (8)

La PlaceIl n’est jamais entré dans un musée, il ne lisait que Paris-Normandie et se servait de son Opinel pour manger. Ouvrier devenu petit commerçant, il espérait que sa fille, grâce aux études, serait mieux que lui.

Cette fille, Annie Ernaux, refuse l’oubli des origines. Elle retrace la vie et la mort de celui qui avait conquis sa petite „place au soleil“. Et dévoile aussi la distance, douloureuse, survenue entre elle, étudiante, et ce père aimé qui lui disait : „Les livres, la musique, c’est bon pour toi. Moi, je n’en ai pas besoin pour vivre.“
Ce récit dépouillé possède une dimension universelle.

 

  • ZEIT von Iris Radisch 05.12.2018 Gelbwesten: Im Auge des Zyklons. Ein Gespräch mit Annie Ernaux über den Aufstand der Gelbwesten und den tiefen Graben zwischen französischer Provinz und Großstadt. Für die renommierte Schriftstellerin steht fest: Paris erlebt gerade eine Revolution des Volkes
  • ZEIT von Iris Radisch 10.10.2018 Annie Ernaux: „Ich fühle mich schuldig“. Annie Ernaux ist in Frankreich eine literarische Legende, hierzulande werden ihre Romane über ihre Herkunft aus dem Arbeitermilieu gerade erst entdeckt. Ein Besuch bei einer eigenwilligen alten Dame in Cergy
  • literaturkritik – 10.04.2019 – Die Details entschlüsseln. In ihrem Vaterporträt „Der Platz“ gelingt Annie Ernaux eine berührende Milieustudie Von Beat Mazenauer 

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David Vann: Im Schatten des Vaters. Roman (Orig. engl. 2008 / dt. 2011) 3.6/5 (5)

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Eine abgelegene Insel im südlichen Alaska, die nur per Boot oder Wasserflugzeug zu erreichen ist, mit nichts in Sicht außer wilden Wäldern und schroffen Bergen. Hier hat Jim eine Holzhütte gekauft, um dort ein Jahr mit seinem dreizehnjährigen Sohn Roy, den er kaum kennt, alleine zu leben. Aber Jim ist jämmerlich unvorbereitet auf das Leben in der Wildnis: auf Bären, peitschenden Regen und Schnee und vor allem auf die Einsamkeit. Nachts muß der zunehmend verschreckte Roy das verzweifelte Schluchzen seines Vaters mitanhören. Roy will nichts als fort von der Insel, aber er fürchtet sich vor dem, was passiert, wenn er geht. Und so bleibt er, bis das Schicksal des Vaters und sein eigenes mit einem erschütternden Ereignis besiegelt ist.

Mit dieser unvergeßlichen Geschichte über ein verheerendes Abenteuer tief in der Wildnis von Alaska ist David Vann eine bemerkenswert scharfsichtige Darstellung der komplizierten und spannungsgeladenen Beziehung zwischen Vätern und Söhnen gelungen. Er hat sich damit einen festen Platz unter den besten jungen amerikanischen Autoren erobert. Sein Roman wurde unter anderem mit dem Grace Paley Prize, dem California Book Award, dem Prix des Lecteurs de L’Express, und dem Prix Medicis Étranger ausgezeichnet.

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Anna Katharina Hahn: Am Schwarzen Berg (2012) 2.5/5 (2)

Emil Bub, ein Lehrer kurz vor der Pensionierung, beobachtet von seinem Balkon aus, wie Peter, der Sohn seiner Nachbarn, in sein Elternhaus zurückkehrt. Peter ist krank und verwahrlost, seine Freundin Mia ist mit den gemeinsamen Kindern verschwunden. Der Verlust hat ihn völlig aus der Bahn geworfen.

Seit den siebziger Jahren leben Emil und seine Frau Veronika, eine Bibliothekarin, am ‚Schwarzen Berg‘. Die kinderlosen Bubs bekommen plötzlich einen Wahlverwandten, als Peter mit seinen Eltern Hajo und Carla ins Nebenhaus einzieht. Hajo Rau verschreibt sich ganz der Arbeit in seiner Arztpraxis, seine Frau unterstützt ihn. So wird besonders Emil zur prägenden Gestalt für den sensiblen Nachbarsjungen. Er zieht Peter tief hinein in seinen Kosmos aus Dichtung und Leistungsverweigerung.

Der Sommer in den einsamen Häusern am Rande des Stuttgarter Kessels vergeht mit den hilflosen Versuchen der beiden älteren Paare, den Verzweifelten wieder aufzurichten. Auf der Suche nach Mia und den Kindern durchstreift Emil mit Peter die überhitzte Großstadt, und Hajo entwirft eine Therapie. Aber was hilft das jetzt noch?

Anna Katharina Hahn erzählt auf unnachahmliche Weise von verzweifelter Liebe in all ihren Spielarten und davon, daß im entscheidenden Augenblick selbst die nächsten Menschen einander ein Rätsel bleiben.

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Nathaniel Hawthrone: Der scharlachrote Buchstabe (The Scarlet Letter 1850/2013) No ratings yet.

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Erweiterte Ausgabe mit :
– Neu Editiert
– Neues Layout
– Voll verlinkt, und mit Kindle-Inhaltsverzeichnis
– Eine kritik von G.E Woodberry über „The Scarlet Letter“ (auf Englisch)
Der Roman spielt im Boston des 17. Jahrhunderts. Puritanisches Denken und Leben prägt den Lebenswandel der Bevölkerung. Inmitten lebt Hester, deren Mann auf eigentümliche Weise verschwunden ist.
Während seiner Abwesendheit wird sie schwanger und wird als Ehebrecherin Verurteilt. Noch in der Haft gebärt sie ihre Tochter Perle. Nach der Haftentlassung muss sie drei Stunden am Pranger stehen und als lebenslängliche Strafe den Buch scharlachroten Buchstaben „E“ für „Ehebrecherin“ tragen.
Kindle Edition, 234 pages
Published July 1st 2013 by FV Éditions (first published 1850)
Original Title The Scarlet Letter
ASIN B00DR1I7XQ
Edition Language German
setting Boston, Massachusetts (United States)

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Romain Rolland: Clérambault (1920 / 2004) No ratings yet.

Clérambault
  • The story of an independent spirit during the war.
  • Paperback, 204 pages
  • Published February 1st 2008 by Dodo Press (first published 1920)
  • Original Title Clérambault
  • ISBN 1406594520 (ISBN13: 9781406594522)
  • setting France, 1914

A story of the hysteria of World War I and one French intellectual’s quest to oppose it and stay true to his beliefs. I enjoyed it, although there were a few too many references to Roman and Greek antiquity for my taste.

Clérambault is a 1920 novel by the Nobel Prize-winning French author Romain Rolland. It concerns a father’s personal outcry against the militarism of the First World War, after his son dies in combat.

https://en.wikipedia.org/wiki/Romain_Rolland

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Philippe Claudel: La petite fille de monsieur Linh (2005 / 2015) No ratings yet.

La petite fille de monsieur Linh


C’est un vieil homme debout à l’arrière d’un bateau. Il serre dans ses bras une valise légère et un nouveau-né, plus léger encore que la valise.
Le vieil homme se nomme Monsieur Linh. Il est seul désormais à savoir qu’il s’appelle ainsi.
Debout à la poupe du bateau, il voit s’éloigner son pays, celui de ses ancêtres et de ses morts, tandis que dans ses bras l’enfant dort.
Le pays s’éloigne, devient infiniment petit, et Monsieur Linh le regarde disparaître à l’horizon, pendant des heures, malgré le vent qui souffle et le chahute comme une marionnette.
Mass Market Paperback, 183 pages
Published January 8th 2007 by Le Livre de Poche (first published August 23rd 2005)
ISBN 2253115541 (ISBN13: 9782253115540)
Edition Language French
  • Philippe Claudel
  • La Petite Fille de Monsieur Linh
  • eine Parabel. eine lehrhafte und kurze Erzählung. Sie wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, welche durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden. und keine Fabel: A parable is a succinct, didactic story, in prose or verse, which illustrates one or more instructive lessons or principles. It differs from a fable in that fables employ animals, plants, inanimate objects, or forces of nature as characters, whereas parables have human characters.[1] A parable is a type of analogy.[2]
  • http://www.deutschlandradiokultur.de: Von Kafka stammt die Definition, ein Buch müsse eine Axt für das gefrorene Meer in uns sein. Claudel arbeitet mit derartigen Axtschlägen. Wer dabei nicht wenigstens ein bisschen auftaut, dem ist mit solcher Literatur nicht zu helfen.
  • In der Art und im Umfang erinnert es zeitweise an die Romane von Eric-Emmanuel Schmitt, jedenfalls transportiert es ähnlich viel Lebenskraft und Hoffnungsstärke.

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Hans-Josef Ortheil: Liebesnähe (2011) No ratings yet.

 Ein Mann und eine Frau treffen in einem Hotel im Alpenvorland ein. Sie bemerken einander und tauschen von da an geheime Zeichen aus. Kleine Botschaften, Hinweise auf Lektüren und Musikstücke – und ohne dass sie auch nur ein einziges Wort miteinander wechseln, verwickeln sie sich in das Mysterium der Annäherung und einer ungewöhnlichen Liebe, für die nur die Liebe selber zählt.

»Liebesnähe« ist die Geschichte einer Frau und eines Mannes, die sich zufällig in einem einsam gelegenen Hotel treffen. Vom ersten Augenblick dieser Begegnung an erleben beide eine rasch wachsende Anziehung. Sie sind zu vorsichtig, miteinander zu sprechen und verlegen sich stattdessen auf ein virtuoses Spiel von Zeichen und Andeutungen. Im Hintergrund dieser Annäherung zieht die Besitzerin der Hotelbuchhandlung als geheime Mittlerin ihre eigenen Fäden: Sie »füttert« die beiden Liebenden mit Büchern, die – wie der Liebestrank in »Tristan und Isolde« – eine ganz eigene, magische Wirkung entfalten und aus dem Liebesspiel schließlich ein kaum noch durchschaubares Labyrinth aus Erlebtem, Geträumtem und Gelesenem machen.

»Liebesnähe« ist nach den Romanen »Die große Liebe« (2003) und »Das Verlangen nach Liebe« (2007) der dritte Band einer Trilogie von in sich abgeschlossenen Romanen, in denen es um das Geheimnis der Liebesverständigung geht. »Liebesnähe« greift aber auch die Themen von stummer und sprachlicher Kommunikation in Ortheils letztem Roman »Die Erfindung des Lebens« auf: Erst langsam entdecken die Liebenden die jeweils eigene Sprache der Liebe mit all ihrem unverwechselbarem Vokabular.

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Birgit Vanderbeke: Friedliche Zeiten (1996) 3/5 (1)

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Deutschland in den 60er Jahren. Der Krieg ist lange vorbei und trotzdem noch überall. Für drei Ostkinder im Westen ist er ein unheimliches Gerücht. Der Vater mochte am Osten, daß sie es mit dem Sozialismus versucht hatten, die Mutter am Westen, daß sie es war, die jetzt die Schlüssel verschwinden lassen konnte. Ob sie sich aber endlich scheiden lassen, ist noch die Frage. Die Mutter hat immer Angst. Besonders, daß der Vater abhauen könnte. Manchmal geht er abends weg. Dann will die Mutter sterben. Keine Angst, Kinder, sagt sie, ich nehme euch mit. Wenn die Kinder im Bett liegen, denken sie nach, wie sich das verhindern ließe. Das und der dritte Weltkrieg. Doch dann gibt es eine Aufregung, »von der Art, die im Dunkeln anfängt und im Hellen nicht wieder aufhört«. Birgit Vanderbeke sprengt die Gesellschaft der sechziger Jahre auf und legt die Trümmer frei, auf denen die Rohbauten unserer heutigen deutschen Wirklichkeit ruhen. Eine erstaunliche, zum Erschrecken komische und temporeiche Geschichte über deutsche Kindheit.
ISBN: 978-3-596-13786-2

Über Birgit Vanderbeke

Birgit Vanderbeke, geboren 1956 in Dahme/Mark, lebt im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet und erscheint im S. Fischer Verlag und Fischer Taschenbuch Verlag. »Das Muschelessen« und »Alberta empfängt einen Liebhaber« wurden zu Bestsellern, die Verfilmung der Erzählung »Friedliche Zeiten« lief 2007 in den deutschen Kinos, zuletzt erschien »Die sonderbare Karriere der Frau Choi«.

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Alain Claude Sulzer: Zur falschen Zeit (2010) 3/5 (1)

Zur falschen ZeitWer zur falschen Zeit den Falschen liebt …

Mit der Wucht einer griechischen Tragödie erzählt Alain Claude Sulzer einen großen Roman über Liebe und Verrat und die Unausweichlichkeit des Schicksals. Es ist die Uhr am Handgelenk seines Vaters, die ihn aus unerfindlichen Gründen plötzlich interessiert. Siebzehn Jahre lang hatte das Foto, auf dem der Vater sie trägt, wenig beachtet im Regal in seinem Zimmer gestanden. Gekannt hatte er seinen Erzeuger nicht, die Mutter hatte ungern von ihm erzählt.

Doch jetzt, mit siebzehn, erwacht seine Neugier. Es ist das Bild eines professionellen Fotografen, die Uhr aber steht auf Viertel nach sieben. Welcher Berufsfotograf macht zu solch einer Zeit Bilder?

Der Erzähler beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Auf der Rückseite des Porträts findet er eine Pariser Adresse – und stellt mit Erstaunen fest, dass der Fotograf sein mysteriöser Patenonkel ist, der sich seit der Taufe nie mehr gemeldet hat. Ohne die Mutter oder den Stiefvater in seine Pläne einzuweihen, hebt er all sein Geld ab, hinterlässt einen knappen Abschiedsbrief und reist nach Paris. Dort gerät er auf die Spur der wahren Geschichte seines Vaters. Einer Geschichte, die den Boden unter seinen Füßen zum Wanken bringt.

Mit großer Dezenz und dennoch mit der Wucht einer griechischen Tragödie entfaltet Alain Claude Sulzer in seinem Roman die Geschichte eines Mannes, der an sich selbst und an den Zeitumständen, in denen er lebt, scheitert. Die Geschichte eines Mannes, der erkennen muss, dass die Heirat mit seiner Frau, die ihm selbst lange wie die Rettung schien, ein Fehler war. Und dass er sie betrügen und hintergehen muss, um die wahre Liebe seines Lebens zu leben.

  • Paperback, 229 pages
  • Published 2012 by Kiepenheuer & Witsch
  • ISBN13  9783462043938

Rezensionen

  • FAZ vom 30.07.2010 (Joseph Hanimann)
  • dradio vom 27.09.2010 (Claus Lüpkes)

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Verena Roßbacher: Verlangen nach Drachen (2009) No ratings yet.

Kurzbeschreibung
Die literarische Entdeckung: Verena Roßbachers schillernder Debütroman über Klara und ihre Männer

Hierher kommen sie alle: Das Kaffeehaus Neugröschl zieht die Originale der Stadt besonders an, obwohl oder gerade weil der Inhaber es nach Gutdünken öffnet und schließt und auch gern mal zur Autowerkstatt erklärt. Seine Aushilfskellnerin Klara, das geheimnisvolle Zentrum des Romans, fasziniert die unterschiedlichsten Männer und bewirkt die erstaunlichsten Metamorphosen.
Am Anfang steht ein klassischer Konflikt: Der Erfinder und Vabanquespieler Roth hat wieder eine brillante Geschäftsidee in den Sand gesetzt und braucht eine neue Identität. Vor allem aber kann er sich nicht abfinden mit dem Freund seiner Tochter Klara, einem Gärtner, der auch noch vegetarisch lebt. Während Roth sich als Grün neu erfindet, erlebt Valentin Kron mit Klara eine Zeit des Glücks, der abrupte Ernüchterung folgt, als Klara das Interesse an ihm verliert und sich dem Cellisten Stanjic zuwendet. Stanjic, ein Großstadtcowboy, brütet über einer Schubert-Interpretation, betreibt nebenher einen Plattenladen und muss sich ebenfalls bald mit Klaras Wankelmütigkeit abfinden. Zu Klaras weiteren Erwählten und Verlassenen gehören der Steinesammler, Florist und Universalautodidakt Lenau und der Pianist für Bar und Orchester Wurlich. Alle frequentieren das Neugröschl, einige kennen sich persönlich, und alle treffen am Ende aufeinander – allerdings ohne Klara. Und alle faszinieren durch Eigensinn, ausgefallene Interessen und charakterliche Unausgewogenheiten.
Verena Roßbacher besitzt Phantasie, Fabulierlust, sprachliches Feingefühl und derben Humor – und geizt nicht damit. Sie fesselt den Leser mit einer Geschichte, die um Liebe, Entwicklung und Verwandlung kreist, und mit ihrer Fähigkeit, die Figuren durch ihre Sprache kenntlich werden zu lassen. Klara und ihre Männer lassen den Leser so schnell nicht mehr los.
Über den Autor
Verena Roßbacher, geboren 1979 in Bludenz/Vorarlberg, aufgewachsen in Österreich und der Schweiz, studierte einige Semester Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

  • Gebundene Ausgabe: 442 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Auflage: 1., Auflage (27. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462040979
  • ISBN-13: 978-3462040975

Rezension

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Geiger, Arno: Der alte König in seinem Exil (2010) 4.22/5 (9)

Was ist wichtig? Was macht unser Leben lebenswert?

Arno Geiger erzählt von seinem Vater, dem die Erinnerungen langsam abhanden kommen, dessen Orientierung in der Gegenwart sich auflöst. Ein lichtes, lebendiges, oft auch komisches Buch über ein Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden, und das sich vielleicht nur wenig unterscheidet von dem Leben, das wir alle tagtäglich führen.

In der zutiefst berührenden Geschichte seines Vaters erzählt Arno Geiger von einem Menschen, dessen Vitalität und Klugheit mit der Alzheimerkrankheit nicht verschwinden. Im Alltag ist der Vater oft hellwach, aber seine Vergangenheit, sein Haus und seine Kinder hat er vergessen: Geboren 1926 als drittes von zehn Kindern, die Eltern Kleinbauern in Wolfurt, drei Kühe, ein Obstgarten, ein Acker, ein Bienenhaus. Mit achtzehn Krieg an der Ostfront, mit neunzehn Kriegsgefangenschaft, Krankheit, Lazarett, der lange Rückweg in die Heimat und dann der Wunsch, nie wieder wegzugehen aus dem Dorf. Der Vater baut ein Haus auf dem Hügel, er heiratet. Und mit der Geschichte seines Vaters beginnt Arno Geiger seine eigene Kindheit und Jugend wiederzuentdecken, all die Jahre, die er in dem Haus auf dem Hügel verbracht hat, wo der Vater jetzt mit seinen slowakischen Betreuerinnen lebt.
Arno Geiger schließt nochmals Freundschaft mit dem Vater; er begleitet ihn viele Jahre, versucht, seine oft eigenwilligen Sätze zu verstehen, und er entdeckt, dass es in der Person des Vaters alles noch gibt, Charme, Selbstbewusstsein, Witz. Arno Geigers Alter König ist trotz der heftigen Konfrontation mit dem unwiederbringlichen Verlust ein lichtes, lebendiges, oft komisches Buch. Und man versteht: Der Mensch bleibt Mensch mit seiner Vergangenheit, Eigenheit und Würde.

Arno Geiger, 1968 geboren, lebt in Wien und Wolfurt. Zuletzt erschien Alles über Sally. Er erhielt unter anderem dem Friedrich Hölderlin-Förderpreis (2005), den Deutschen Buchpreis (2005), den Johann Peter Hebel-Preis (2008) und den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (2011).

Rezensionen

  • SZ  vom 14. Februar 2011 (Christopher Schmidt )
  • FAZ vom 04.02.2011 (Felicitas von Lovenberg)
  • ZEIT vom 18.02.2011 (Ulrich Stock)
  • literaturkritik.de: In Charakter umgemünzte Erinnerungen. Arno Geiger porträtiert in seinem Buch „Der alte König in seinem Exil“ seinen alzheimerkranken Vater Von Monika Stranakova Erschienen am: 16.03.2011

Eine tiefgründige, charaktervolle und zeitlos gültige Auseinandersetzung mit dem, was jeden angeht: Alter und Krankheit, Heimat und Familie … Arno Geiger hat ein Buch über seinen dementen Vater geschrieben. Vor allem aber handelt es davon, was das Leben zu jedem Zeitpunkt lebenswert macht. Es ist die wertvollste Lektüre dieses Frühjahrs.“
Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeines Zeitung

„Ein starkes, ein erwachsenes, neugieriges, auf berührende Weise beglückendes Buch.“
Elmar Krekeler, Die Welt

Leinen mit Schutzumschlag, 190 Seiten

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Herman Koch: Angerichtet (2010) 4/5 (2)

Angerichtet

Zwei Ehepaare – zwei Brüder und ihre Frauen – haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen.
Der preisgekrönte Bestseller aus den Niederlanden erzählt ein Familiendrama, das um die Fragen kreist: Wie weit darf Elternliebe gehen? Was darf man tun, um seine Kinder zu beschützen? Angerichtet ist ein aufwühlender Roman, der lange nachhallt. Ein starkes Stück Literatur.

Herman Koch, geboren 1953, ist Kolumnist, Komiker, Fernsehmacher und Romancier. Seit 1989 veröffentlichte er in den Niederlanden fünf hoch gelobte Romane.

„Hinter dem Kulinarischem lauern Familientragödien und höchst aktuelle gesellschaftliche Krisen. Koch versteht es, das Tempo zu forcieren und die Spannung zu steigern. Mit Angerichtet ist ihm ein hinterhältiges Kammerspiel über bedingungslose Liebe und Verrat gelungen. Das Dessert dieses furiosen Sechs-Gänge-Menüs bleibt dem Leser im Halse stecken.“
NDR

Aus dem Niederländischen von Heike Baryga, geprägter fester Einband, Lesebändchen, 310 Seiten

Rezension

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Colm Tóibín: Porträt des Meisters in mittleren Jahren (2004) 4/5 (1)

„Bis jetzt wusste ich sehr wenig über James und sein Werk. Nun glaube ich ihn fast persönlich zu kennen.“ — Könnte man Colm Tóibíns sensiblem Werk und seiner stillen Erhabenheit ein größeres Kompliment machen, als es dieser Amazon-Leser aus Essex tat? Der Ire Tóibín ist in den amerikanischen Dichter Henry James, der den größten Teil seines Lebens in Europa zubrachte, förmlich hineingekrochen. Entstanden ist dabei eine verblüffend fein ziselierte Menschenstudie, die den schnöden Begriff der Biografie weit hinter sich lässt.

Tóibín betritt im Januar 1895 das Leben des „Meisters“. In einer Sprache, in der man förmlich baden möchte, ersteht eine melancholisch verschattete Welt, die in raschen Schritten dem Fin de siècle zueilt. Mitten darin, der inzwischen 52-jährige Dichter, der sich, erbittert vom mäßigen Erfolg seiner Romane, dem Theater zuwendet. Guy Domville heißt das Stück, mit dem er Londons Bühnen im Sturm zu erobern hofft. Die Katastrophe ist niederschmetternd: Vom Publikum grausam ausgebuht, muss Henry mitansehen, wie im Theater nebenan die grobschlächtige Komödie Ein idealer Gatte des „lauten, korpulenten Iren“ Oscar Wilde, frenetisch bejubelt wird. Der in seinem Kunstanspruch zutiefst verletzte Ästhet Henry James tritt den Rückzug an!

Rom, Venedig, Paris, die englische Südküste. Stationen eines irrlichternden Meisters in mittleren Jahren durch Europas Kunst- und Gesellschaftssalons, die zur eigenen künstlerischen Identitätsfindung geraten. Zeit für Tóibín, der Familiengeschichte nachzuspüren. Der Selbstmord des reichen Vaters, der frühe tragische Tod der geliebten Schwester Alice, der Dauerkonflikt zwischen „weltlichem und kontemplativen Leben“. Für Henry wird die Suche nach dem höheren Glück zur Zerreißprobe. Im Spannungsfeld seiner sexuellen Unentschiedenheit — Henry fühlte sich sowohl zu jungen, tragikumflorten Frauen, wie auch dubiosen Männergestalten hingezogen –, entstand schließlich seine wunderbare Prosa. Der Preis war die Einsamkeit eines ungelebten Lebens.

Bildnis einer Dame, Daisy Miller, Die Gesandten. Werke der Weltliteratur und tiefenpsychologische Charakterzeichnungen. Wie schwer sie erkämpft wurden, dazu bedurfte es der Sprachgewalt und stilistischen Geschliffenheit eines Colm Tóibín. Wir können nur staunen, wie nah uns Henry James plötzlich gekommen ist.

–Ravi Unger

John Singer Sargent (1856-1925)

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